Reisepläne

Man lernt nicht aus. Und ganz besonders nicht, wenn man ein so schlichtes Gemüt wie ich hat. Habe ich doch immer geglaubt, dass ein Geschäft so abläuft, dass jemand etwas kaufen möchte und deshalb den Kaufpreis entrichtet, um das Objekt der Begierde in seinen Besitz zu bekommen. In bestimmten Fällen vielleicht mit einer kleinen Preisreduktion bei sofortiger Bezahlung. Was sich dann nach meinen Informationen „Skonto“ nennt. Mitnichten.

Zumindest was den Verkauf von Kriegswaffen betrifft. Hier kann es ganz offensichtlich und in einem ganz bestimmten Fall vorkommen, dass über Skonto gar nicht geredet wird. Weil nämlich die Bundesregierung sowieso einen Teil des Kaufpreises erstattet. Konkretes Beispiel: Dieses ganz bestimmte Land kauft vier Korvetten für 430 Millionen Euro. Und die Bundesrepublik Deutschland übernimmt doch glatt und freundlicherweise davon sage und schreibe 115 Millionen Euro.

Wenn sich mein Taschenrechner nicht täuscht, ist das auf jeden Fall doch ein bisschen mehr als 2 Prozent Skonto. Dafür aber amtlich. Ich habe jetzt an die Bundesregierung geschrieben, ob es denn nicht möglich sei, bei mir genauso zu verfahren. Ich muss mir nämlich unbedingt ein anderes Auto kaufen, damit ich noch einmal nach Stuttgart fahren kann, um eine Bekannte zu besuchen. Übrigens eine Überlebende des Holocaust und verständlicherweise nicht mehr die Jüngste.

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Kleine Welt

Ob das irgendeine Bedeutung hat? Und wenn ja, welche? Unsere Autos werden immer größer. Die Egos auch. Ganz zu schweigen von unseren Fernsehgeräten. Die zumeist nur noch in Altersheimen und verwandten Einrichtungen so genannt werden. Doch gleichzeitig ist in einem anderen Bereich die Welt klein geworden. Im günstigsten Falle und in der Diagonale 5,8″ groß. Zumindest für Besitzer eines iPhone X.

Gut, man kann Details zoomen, bis einem die Pixel Tränen in die Augen treibt. Aber dann hat man eben nur wieder ein Detail vergrößert. Das Bild an sich bleibt klein. Korrekter gesagt, das Foto, das man gemacht hat. Um einen Moment festzuhalten. Ein Gesicht. Eine Landschaft. Oder, was man gegessen hat.

Aber dafür hat man tausende von Fotos. Die man ganz schnell scrollen kann. Um dann doch nicht das ultimative Foto vorzeigen zu können. Es scheint nicht mehr auffindbar zu sein. Ich vermute, weil es so klein ist. Und manchmal kommt es mir so vor, dass diese Fotos auch nicht mehr so wichtig sind. Versehentlich gelöscht?  Alles mit dem Smartphone zum Teufel oder auch nur zu einem Taschendieb (über-)gegangen? Fängt man einfach das Sammeln wieder an.

Es kommt mir ein bisschen so vor, als sei es letztendlich gar nicht einmal beabsichtigt, dass diese Fotos und die Momente oder Dinge, die sie dokumentieren, erhalten bleiben. Als seien diese Fotos auf den Smartphones vor allem eine momentane Selbstvergewisserung. Für das, was gerade stattgefunden hat, gesehen wurde. Und dann geht es das Leben einfach mit einem Klick weiter.

 

Entsetzen in Hollywood

frühzeitige

Der 54-köpfige Vorstand der Oscar-Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat den Produzenten Harvey Weinstein rausgeschmissen. Schon vorher war er vom Filmstudio TWC, das er mit seinem Bruder Bob gegründet hat, entlassen worden; der britische Filmverband BAFTA hat seine Mitgliedschaft ausgesetzt; Cannes zeigt sich ebenso bestürzt wie die Schauspielerinnen und Schauspieler Meryl Streep, Ryan Gosling, Tom Hanks und Leonardo DiCaprio und der Regisseur und Oscar-Preisträger Michael Moore.

Auslöser dafür sind bekanntermaßen Vorwürfe der Schauspielerinnen Ashley Judd, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Heather Graham, Kate Beckinsale, Cara Delevingne und Léa Seydoux, Weinstein habe sie sexuell belästigt. Die Schauspielerin Rose McGowan beschuldigte Weinstein der Vergewaltigung. Dessen Reaktion nach einem entsprechenden Artikel der New York Times: „Ich weiß, dass mein Verhalten gegenüber Kollegen viel Schmerz verursacht hat. Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo die Regeln am Arbeitsplatz und die Kultur anders war…“ Vielleicht etwas übertrieben in einem Land, in dem der aktuelle Präsident behauptet, dass er jede „Pussy“ angrabschen dürfe.

Was allerdings noch mehr überrascht, das ist ein Statement der Oscar-Akademie, wonach man eine Botschaft sende wolle, „dass die Ära von vorsätzlicher Ignoranz und schmählicher Mitschuld bei sexuell rücksichtslosem Verhalten und Belästigungen am Arbeitsplatz in unserer Branche vorbei ist“. Das verwundert vor allem, weil es die Vorwürfe schon seit langem gab. Weshalb der Rauswurf Weinsteins aus der eigenen Firma wohl vor allem der Erkenntnis geschuldet war, dass nach dem Artikel der New York Times ein Image-Schaden für die Firma abgefedert werden musste.

Fakt dürfte sein, dass sich auch nach dem Rauswurf Harvey Weinsteins aus Akademie und Firma Schauspielerinnen immer wieder auf einer „Besetzungs-Couch“ in Rückenlage wiederfinden werden – wenn nicht sogar auf den Knien vor dem Sessel eines Produzenten. Denn ein Harvey bedeutet noch nicht das Ende des Frauenbildes, das der Großteil der männlichen Spezies hat. Wonach Frauen vor allem verfügbar zu sein haben, ihr „Nein“ durchaus auch „Ja“ bedeuten kann. Und außerdem und trotz 21. Jahrhunderts und Charta der Menschenrechte immer noch das Recht des Stärkeren gilt. Ob frühzeitige Kastrationen daran nachhaltig etwas ändern könnten, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Clowns in Gefahr

Wenn am Sonntag bei unserem Nachbarn Österreich und wie von den Auguren vorgesehen kurz und schmerzlos ein 31-Jähriger zum Kanzler gewählt wird, was vermutlich gleichbedeutend damit sein wird, dass die rechtsnationale FPÖ in Zukunft mitregieren wird, hat der Populismus einen weiteren Kantersieg errungen. Und das wohl nicht zuletzt, weil der jung-dynamische Vorsitzende der ÖVP, der bisherige Außenminister Sebastian Kurz, rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und zum Beispiel das AGesVG auf den Weg gebracht hat.

Die Buchstabenfolge steht dafür, dass es seit diesem Monat in Österreich ein „Anti-Gesichtsverhüllungs-Gesetz gibt, das vor allem ein Burka-Verbot sein soll und sich also gegen Muslima richtet. Was aber Probleme mit der Verfassung bedeutet hätte wegen der Religionsfreiheit. Deshalb heißt es jetzt: „Wer an öffentlichen Orten oder in öffentlichen Gebäuden seine Gesichtszüge durch Kleidung oder andere Gegenstände in einer Weise verhüllt oder verbirgt, dass sie nicht mehr erkennbar sind, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist mit einer Geldstrafe bis zu 150 Euro zu bestrafen.“

 So gilt das Vermummungsverbot für alle, und Schals vor dem Mund sind zum Beispiel nur dann erlaubt, wenn die Polizei der Ansicht ist, dass es kalt genug ist. Außerdem ist eine Verhüllung des Gesichtes statthaft, wenn sie „im Rahmen künstlerischer, kultureller oder traditioneller Veranstaltungen oder im Rahmen der Sportausübung erfolgt oder gesundheitliche oder berufliche Gründe hat“. Worüber sich natürlich islamistische Terroristen freuen, gehört die Gesichtsverhüllung doch zu ihrem Beruf. Und noch eine gute Nachricht: Wenn Kurz Kanzler wird, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass auch er nach Deutschland geht, um seine politischen Ambitionen zu verfolgen.

 

Herbstfarben

Vielleicht liegt es einfach daran, dass Blätter gelb werden, manche schon auf der Erde liegen. Morgens mitunter Nebel wabern. Und vor allem an dem untrüglichen Indiz, dass die Straßen nicht mehr voll gekotzt sind, langsam auch die Taxis wieder nach den Duftbäumchen riechen. Und nicht nach schlecht verdauten Hähnchen und noch schlechter vertragenem Bier. Sprich, die wunderschöne Wies‘n-Zeit leider schon zu Ende ist.

Kurzum, der Herbst macht sich oft unverkennbar in den Gedanken bemerkbar. Vor kurzem habe ich anlässlich eines Ausfluges in die Natur auf der Suche nach Antworten auf die eine oder andere herbstliche Frage sogar gut eine halbe Stunde lang das Treiben in und um einen Ameisenhaufen beobachtet. Er glich verblüffend einer menschlichen Konglomeration.

Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass diese Ameisen durchaus soziale Wesen zu sein schienen. Auch wenn dies keine meiner Fragen beantwortete, immerhin fand ich auf der Heimfahrt keine Beweise dafür, dass sich gleiches so pauschal für Menschen sagen lässt. Doch eigentlich ist es ja auch eher die Frage nach der Vergänglichkeit des Menschen, die sich oft mit dem Herbst aufdrängt. Trotz des Wissens, dass es nach jedem Weihnachten in absehbarer Zeit einen Frühling gibt.

Und so bin ich immerhin wieder mal zu der Erkenntnis gelangt, dass die herbstliche Beschäftigung mit dieser Frage ein reiner Luxus ist, um nicht zu sagen, völlig überflüssig. Erstens, weil man sich damit das ganze Jahr über beschäftigen könnte. Und zweitens, weil man natürlich schön nach rechts und links schauen sollte, wenn man eine Autobahn überquert. Aber ansonsten in dieser Frage nicht wirklich weiter kommt, weil es eine unumstößliche Antwort gibt. Und die lautet: Ja. Weshalb ich mich entschlossen habe, mich nur noch mit den herrlichen Farben zu beschäftigen, die der Herbst präsentiert.

Hundeleben

Wer hat nicht schon einmal in die traurigen Hundeaugen geblickt, wenn die Champagnerkorken knallen, Weinflaschen entkorkt werden, Menschen also fröhlich miteinander und zur Freude der Finanzämter, Ärzte und Krankenhäuser feiern. So ein Schlückchen in Ehren kann eben niemand verwehren, und irgendwo muss ja die ausgelassene Stimmung herkommen. Doch der zweitbeste Freund von Männern hat da immer das Nachsehen, blieb für den Hund bisher doch gerade mal eine Schüssel mit Wasser, um ebenfalls in Feierlaune zu kommen.

Doch dieses Elend hat ein Ende. Dank eines Metzgers aus der Pfalz. Er hat nämlich die Fleischportion als Drink to go erfunden. Also Fleisch, das flüssig daher kommt, in Flaschen abgefüllt und bis dato in drei Geschmacksrichtungen vorgesehen ist. Was von einer Hundebesitzerin dankbar aufgegriffen wurde. Ihre Hunde bekommen jetzt zu besonderen Anlässen flüssiges Fleisch. Oder, wie sie es einem Reporter gegenüber nannte: Hundechampagner. Und um die Gleichbehandlung von Mensch und Tier abzurunden, werden von ihr dem Zamperl auch mal Kugeln mit schwarzem Trüffel serviert. So ein Tier soll ja auch nicht leben wie ein Hund.

 

Intelligenzquotient

Es ist nun wirklich kein Grund sich aufzuregen. Spätestens als Alexander Dobrindt sein Geburtstagsgeschenk bekam und die Pkw-Maut also nicht gerade in Stein gemeißelt wurde, aber immerhin als Gesetz in die deutsche Nachkriegsgeschichte einging, war doch klar, was Bundeskanzlerin Angela Merkel meint, wenn sie sagt, dass etwas mir ihr nicht zu machen sei.

Und wer von uns hat noch nicht „mit mir nicht“ gesagt. Wenn der Chef zum Beispiel angekündigt hatte, dass Freitagabend Überstunden gemacht werden müssten oder ein Urlaub absolut unmöglich wäre. Und wer hat dann Überstunden gemacht und ist nicht in Urlaub gefahren? Richtig! Wirklich beunruhigend wäre hingegen gewesen, wenn Frau Merkel darauf beharrt hätte, dass es mit ihr keine Obergrenze gibt. Das hätte nämlich nur bedeuten können, dass sie den Job hinschmeißt. Das wäre zwar zu schön gewesen, um wahr zu sein, aber nicht sehr realistisch.

Denn es gibt ja auch noch den Spruch, dass nichts Besseres nachkommen würde. Und noch viel zu viele Menschen, die daran ebenso glauben wie an den Satz: Mit mir nicht! Und immerhin besteht jetzt die berechtigte Hoffnung, dass einem nicht mehr das Wort „Obergrenze“ den ganzen Tag auf allen Nachrichtenkanälen über den Weg läuft und somit selbigen versaut. Es sei denn Seehofer denkt sich jetzt auch noch eine Obergrenze für den Intelligenzquotienten von CSU-Politikern aus.