Ende einer Karriere

Natürlich habe ich mich schon mit dem Gedanken beschäftigt, in die Politik zu gehen. Es wäre ja zumindest noch eine Möglichkeit, die nicht sehr üppige Rente aufzubessern. Doch wie ein aktueller Fall einmal und mehr unmissverständlich belegt, meine Chancen als Politiker zu reüssieren, sind denkbar schlecht. Zwar bin ich nun wirklich keine junge Frau, die sich bei den Grünen engagiert, zur Sprecherin der Grünen Jugend gewählt wurde, ich bin ein alter, weißer Mann. Was eigentlich die denkbar günstigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Politikerkarriere wäre. Durchaus auch mit der Option, in naher Zukunft und im Dienste der Menschen FFP2-Masken zu organisieren. Aber trotzdem würde es mir wahrscheinlich wie der aktuellen Sprecherin der Grünen Jugend ergehen. Die jetzt wegen Morddrohungen erst einmal etwas abgetaucht ist.

Und ich hätte noch nicht einmal die Möglichkeit, mich berechtigterweise darauf zu berufen, dass ich mich schließlich als 13- 14-Jährige in der Wortwahl vergriffen hätte. Als die angeblich so sozialen Medien aufkamen, stand ich schon locker in der zweiten Hälfte eines Lebens. Und trotzdem habe ich in Chats und bei sonstiger Kommunikation Wörter benutzt, die zwar wohl kaum mehr einem katholischen Pfarrer die Schamröte ins Gesicht treiben würden, schon gar nicht, wenn er in einem sogenannten sozialen Brennpunkt für das Seelenheil sorgt. Aber ganz offensichtlich ausreichen, einen Shit-Storm im Netz zu entfesseln.

Und natürlich werde ich jetzt nicht wiederholen, was ich schon alles so geschrieben habe – und immer noch schreibe. Ich frage mich vielmehr, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist zu recherchieren, was zum Beispiel so ein Literaturnobelpreisträger wie Heinrich Böll als 14-Jähriger geschrieben hat. Und vielleicht gibt es ja noch Zeitzeugen, die sich erinnern, mit welchem Vokabular Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl in seiner Jugend kommuniziert hat. Er stammt ja aus Ludwigshafen, ich weiß, wie dort der Wortschatz von Spätgeborenen wie ihm aussah.

Um es kurz zu machen: Alle diese Flach-W***** und A*****, die sich offensichtlich jedes Mal einen runter*****, wenn sie wieder mal etwas ausgegraben haben, und ebenso offensichtlich am liebsten, wenn es sich dabei um Frauen handelt, die mehr im Kopf haben, als sie in ihrer fetten W*****, sie sollten sich lieber in ihre Autos setzen und über Autobahnen brettern, um ihr mehr als mangelhaftes Selbstbewusstsein aufzubessern. Und falls ihnen das Geld für ein schnelles Auto fehlt, um auch noch ihren kleinen P***** zu kompensieren, können sie ja in einer 30-er Zone 50 Stundenkilometer fahren. Da können sie dann wenigstens in Flensburg punkten.

Fortschritte

Die Gelegenheit war schließlich günstig. Und in G. hat man sie genutzt. Um Fehler im Kampf gegen die Pandemie auszubügeln, hat die Regierung ein Gesetz erlassen, wonach die Polizei entscheiden darf, ob eine Demonstration stattfinden darf oder nicht. Parallel dazu wurde eine spezielle Polizeieinheit für den Einsatz gegen Demonstranten geschaffen.

Was allerdings nur möglich war, weil auf dem Höhepunkt der Pandemie mehr Polizisten als Ärzte eingestellt wurden. Es reichte sogar für eine weitere Polizeieinheit, die an Universitäten angesiedelt werden soll. Mit einem Budget von 50 Millionen Euro. Universitäten bekommen für ihren Bildungsauftrag vom Staat etwas weniger als die Hälfte.

Und während in K. an der Grenze zu Bosnien und Herzegowina Asylsuchende von maskierten Männern, mit großer Wahrscheinlichkeiten aus regulären Polizeieinheiten rekrutiert, im wahrsten Sinne des Wortes aus der EU geprügelt werden, wofür es das schöne Wort „Push-Back“ gibt, geht man in P. andere, aber nicht weniger eindrucksvolle Wege.

Dort hat soeben das oberste, maßgeblich von der Regierungspartei PiS personell besetzte Verfassungsgericht entschieden, dass von der EU und dem Europäischen Gerichtshof gefällte Entscheidungen nicht relevant sind für die polnische Justiz. Die Regierungspartei also weiterhin Richter:innen ein- und absetzen wird, wie es ihre Politik verlangt. Vermutlich, weil sich ohne eine rechtsstaatliche Gewaltenteilung einfach leichter regiert.

Wohingegen es für den Kanzler in Ö. immer wahrscheinlich wird, dass er demnächst nicht mehr regiert. Schließlich sorgen die neuen Korruptionsermittlungen gegen ihn und seine Partei momentan für mehr Ärger als die Pandora-Papers in T. verursachen. Wo, wie auch 34 andere ehemalige und aktuelle Staats- und Regierungschefs, der Premier in fragwürdige Offshore-Geschäfte verwickelt ist.

Es steht der Verdacht im Raum, dass es auch um Geldwäsche geht. Kanzler und Premier streiten natürlich jegliches Fehlverhalten ab. Zumindest für den Premier stehen die Chancen allerdings nicht einmal so schlecht, dass er bei den anstehenden Wahlen gewinnt, auch wenn er keine Mehrheit bekommt. In T. kann verfügt werden, dass nur eine einzelne Partei mit der Regierungsbildung beauftragt wird, Partei-Bündnisse also keine Chance haben.

Haben also manche Menschen bisher voll Neid nach Brasilien, China, Russland oder – in der jüngeren Vergangenheit – USA geblickt, müssen wir uns nicht mehr grämen. Europa ist auf dem Vormarsch. Musste man dereinst nach Afrika schauen, wenn man sich über Bananenrepubliken auslassen wollte, kann man jetzt getrost auf unserem Kontinent bleiben. Die EU ist inzwischen richtig trendy geworden.

Würfelspiele

Als Kind pfiff ich ein Lied, wenn ich in den Keller musste, um etwas zu holen. Die dunklen Ecken machten mir Angst, dort lauerte das Unheil. Jetzt müsste ich den ganzen Tag pfeifen, selbst wenn ich in einem sonnendurchfluteten Wohnzimmer sitzen würde. Die Würfel sind gefallen, der Rubikon ist überschritten. Deutschland hat sich durch Kreuze auf Wahlzetteln für eine Zukunft entschieden, in der wir zumindest hierzulande weder auf PS-starke Automobile noch auf unsere tägliche Ration Fleisch oder das leider immer noch nicht im Grundgesetz verankerte Recht auf mindestens eine Reise nach Übersee und mehrere Kurztrips, gerne als Städtereisen bezeichnet, verzichten müssen. Und ja, wir dürfen auch unsere Smartphones behalten.

Ein Fußballtrainer soll einmal nach einer Niederlage mit leichtem Bedauern gesagt haben: „Manchmal verliert man eben. Und manchmal gewinnen die Anderen.“ Erst jetzt verstehe ich, wie recht dieser Mann hatte. Denn gleich, ob es eine Ampel wird, Jamaika oder Novosibirsk, der Unterschied wird marginal sein. Um es einmal mit einem gängigen Begriff zu umschreiben: Wir haben es verkackt! Alle miteinander. Die, die gewählt haben. Und jene, die sowieso schon wussten, dass sich „da oben“ nie etwas ändert. Und am Wahlsonntag zu Hause geblieben oder ins Grüne gefahren sind.

Vor die Wahl gestellt, alle Götzen unserer Wohlstandswelt in Frage zu stellen und damit, welche Überraschung, auch die Armut zu bekämpfen, oder auf ein Wunder zu hoffen, wie es uns von Politiker:innen so ziemlich aller Couleur vor der Wahl versprochen wurde, haben wir uns für das Wunder entschieden. Weihnachten ist je eh bald, da wird man sich ja doch noch was wünschen dürfen. Und außerdem hat ja die Katja Ebstein gesungen, dass es immer wieder welche geben würde. Auch wenn es für sie nicht zutraf, ihr Ehegatte hat sich zur gegebenen Zeit für eine Jüngere entschieden.

Am Tag danach

Das Schlimmste ist verhindert. Die Bundesrepublik Deutschland bleibt eine Demokratie. Industrie, Aktionäre, Investoren, der Kapitalmarkt, sie können aufatmen. Der eindringliche Appell der letzten beiden noch verbliebenen Volksparteien CDU und CSU wurde gehört. Und offensichtlich vor allem von jenen, denen so oft nachgesagt wird, dass sie gar nicht mehr so gut hören könnten. Sind doch fast 40 Prozent der Wahlberechtigten älter als 60 Jahre. Doch sie haben sich nicht gescheut, alle Kräfte zu mobilisieren, viele sind aus ihren SUVs oder auch von ihren E-Bikes gestiegen, traten Kreuzfahrten erst nach Eintreffen der Briefwahlunterlagen an und haben ihr Kreuz an der rechten Stelle gemacht.

Und nicht zuletzt der Blick ins Nachbarland Österreich zeigt, dass ihre Angst vor Zuständen wie einst in der sozialistischen DDR oder im heutigen Nordkorea mehr als berechtigt ist. Hat doch beispielsweise in Graz am gestrigen Sonntag die KPÖ, die Kommunistische Partei Österreichs, die Gemeinderatswahl mit 28,9 Prozent gewonnen, lag damit vor ÖVP, SPÖ und Grünen.

Während bei uns hingegen, in der Bundesrepublik Deutschland, die sogenannte und rechte Alternative für Deutschland AfD sogar Stimmen verloren hat. Was nun nicht weiter verwunderlich ist, denn ein Land, das eine CDU und eine CSU hat, braucht keine AfD mehr. Es braucht vielmehr eine Linke, die es nur dank ihrer Direktmandate erneut in den Bundestag geschafft hat, um zu verdeutlichen, wie groß die Gefahr war, dass Deutschland in einem links-grünen Sumpf versinkt.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, würde man da gerne voller Freude ausrufen. Wenn einem nicht gerade mal wieder und im wahrsten Sinne des geflügelten Wortes das Wasser bis zum Halse stünde. Doch auch das wird Schnee von gestern sein. Wird es jetzt doch keine Bundesregierung ohne jene Partei geben, die lieber nicht regiert als falsch zu regieren. Weshalb sie alles richtig macht, wenn sie auf Innovation setzt und so verhindert, dass Deutschland zur grünen Verbots-Diktatur wird.

Es muss einem also nicht bang werden, wenn man an die Zukunft denkt. Insbesondere wenn sie oder er schon mehr als die Hälfte des Lebens hinter sich gebracht haben. Die nächsten zwanzig Jahre werden sie schon irgendwie überstehen, ohne auf alles verzichten zu müssen, wofür sie hart und unerbittlich gekämpft und gearbeitet haben.

Schließlich hat während Drittem Reich und Zweitem Weltkrieg auch niemand danach gefragt, was die nachfolgende Generation erwartet. Und wenn auch die blühenden Landschaften hierzulande in manchen Landstrichen verdorren, irgendwo auf der Erde lässt sich noch ein idyllisches Plätzchen finden. Hauptsache Kerosin für Flugzeuge wird weiterhin subventioniert.

Klima, das war einmal

Wer bis jetzt glaubte, dass die Zer-Störung des Klimas das Thema der Stunde wäre, natürlich immer hautnah begleitet von einer selbstverständlich „historischen“ Bundestagswahl, der irrt gewaltig. Und wieder einmal ist Markus Söder, der Bundeskanzler-Kandidat der deutschen Herzen aus dem Bayernland, der Einzige, der den Mut hat, dem Volk die ganze ungeschminkte Wahrheit zu sagen.

Dass er dies im ARD-Sommerinterview tat, ist naheliegend, schließlich war nie weniger Sommer als in diesem Jahr. Und ganz kalt wird es in der Republik werden, sagt Söder, wenn der Bundeskanzler nach dem 26. September Olaf Scholz heißt. Der ist zwar der SPD-Kanzlerkandidat, weshalb man jetzt nicht auf Anhieb darauf  kommt, welche Gefahr dann uns allen droht: Nämlich der Linksruck!

Und wenn man ein bisschen zwischen den Zeilen von Söders Worten liest, dann ist es nicht nur ein Ruck, sondern der letzte Schritt an den Abgrund. Denn, so Söder, ein Olaf kommt ja selten allein, nein, er bringt sicher noch eine Saskia Esken, einen Kevin Kühnert und einen grünen Anton Hofreiter mit.

Und im schlimmsten aller Fälle auch noch die komplette Linke. Die, das ist wohl die berechtigte Horrorvision des CSU-Chefs, dann sicher die letzten Meter auf dem Weg in den Kommunismus ebnen wird.  Angeblich wurde von denen schon der Antrag auf Einsicht in Stasi-Akten gestellt, damit IM-Mitarbeiter reaktiviert werden können.

Auf die Unterstützung kommunistischer Länder auf dem Weg zum Kommunismus zu hoffen, ist ja leider inzwischen etwas problematisch. Denn selbst da, wo Kommunismus drauf steht, ist ja kaum noch einer drin. Sodass die massiven Steuererhöhungen, die Markus Söder deshalb kommen sieht, nur die mit Rücksicht auf Menschen mit Herzbeschwerden beschönigte Version der drohenden Apokalypse sind.

Verschwiegen hat er zum jetzigen Zeitpunkt wohl noch die Enteignungen, staatliche Zwangswirtschaft und viele weitere Errungenschaften des Kommunismus, die zumindest ältere Menschen noch aus grauer Vorzeit kennen. Weshalb an dieser Stelle an das Ende der kommunistischen Sowjet-Republiken erinnert werden soll. Denn dieses Schicksal droht uns dann wohl zwangsläufig mit einem Kanzler Olaf Scholz. Und das kann niemand wirklich wollen.

Tränen

So anspruchslos bin ich mittlerweile, dass es mir die Freudentränen in die Augen treibt, weil Twitter einem US-Präsidenten, von Autor Paul Auster nur das Monster oder „45“ genannt, endlich mal auf die Finger geklopft hat. Genauer gesagt, Twitter hat zum ersten Mal einen Tweet von therealDonaldTrump mit einem Link versehen, unter dem nachzulesen war, wie die Realität aussieht. Und es kam noch besser. Nach dem Aufruf der Nummer 45 an die Adresse der Nationalgarde, bei Gewalt von Demonstranten in Minneapolis zu schießen, gab es von Twitter den Hinweis, dass dieser Tweet Gewalt verherrliche.

Auslöser für die Ausschreitungen ist bekanntermaßen die Tötung eines afro-amerikanischen Mannes durch einen weißen Polizisten. Weshalb wieder einmal Schwarze und auch ein paar Weiße auf die Straße gehen. Und wahrscheinlich waren es ja gar keine Freudentränen, sondern nur ohnmächtige Wut. Darüber, dass in jenem Land, das dem ganzen Planeten seine „Werte“ oktroyieren wollte und will und sich als Wiege der Demokratie geriert, Rassismus immer noch alltägliche und für Menschen anderer Hautfarbe oder Herkunft tödliche Normalität ist.  

Alles beim Alten

Was wurde und wird nicht geunkt. Dass nichts mehr wie zuvor und vieles ganz anders sein wird. Als vor Corona. Aber es kann Entwarnung gegeben werden. Zwar werden wirklich ein paar Menschen wie KinobesitzerInnen, Gastwirte und -wirtinnen oder die ganz mutigen, die einen künstlerischen Beruf haben, lernen müssen, wie man Hartz-IV beantragt. Aber sonst? Wer in soliden Geschäftsfeldern tätig ist, also zum Beispiel Airlines, Autohersteller oder Deutsche Bundesbahnen, der hat nichts zu befürchten, dass sich groß etwas geändert hätte.

Während ein kleiner Junge durch eine Schule irrt und sein Klassenzimmer sucht, weil in Deutschlands Schulen etwas chaotische Zustände herrschen, wird der Lufthansa und der Bundesbahn großzügig mit vermutlich 16 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen. Natürlich ohne eine Garantie, die Arbeitsplätze zu erhalten. Maßnahmen zum Klimaschutz müssen sie selbstverständlich auch nicht befürchten. Aber sie dürfen etwas unternehmen, wenn sie unbedingt wollen. Wir leben ja schließlich in Scheuers-Glöckner-Deutschland.

Und weil ein Krisengipfel mit der Industrie den anderen jagt, bleibt natürlich keine Zeit sich mit Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen, denen gerade eine Zukunft zusammengezimmert wird, in der sie beweisen können, was sie auf dem Kasten haben. Wie sie mit Schulden zurechtkommen, die sie nicht gemacht haben. Wie sie mit den Katastrophen zurechtkommen, die vielleicht hätten vermieden werden können. Wenn man zu Corona-Zeiten die einzigartige Chance ergriffen hätte, an eine Zukunft zu denken, die hinter der nächsten Wahl liegt.

Grundrechte

Was waren das noch für Zeiten, als gegen Flüchtlingsströme demonstriert wurde. Für bessere Arbeitsbedingungen. Oder von mir aus auch für noch größere Pommes-Portionen. Zumindest wusste man da noch, um was es geht. Und wer dahinter steht. Ausländerfeinde und Rassisten. Pflegekräfte oder Paketausfahrer. McDonalds. Aber jetzt? Das Feld bei den aktuellen Corona-Demos ist so unübersichtlich wie mein Kleiderschrank. Ich bin seit Monaten nicht dazugekommen, ihn aufzuräumen.

Doch jetzt haben wir Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, ganz normale Rechtsradikale oder pseudo-linke Grundgesetz-Verteidiger vereint – und mindestens eine potentielle Zwangsneurotikerin mit Plakat und dem Slogan: „In Deutschland wird niemand verfolgt, Herr Spahn! Kein Jude, kein Virus! Keine Zwangsimpfung, keine Zwangsarbeit, keine Zwangssterilisation!“ Es dürfte wohl einen Grund haben, dass von Menschen, die wegen Zwang flüchten mussten, keine Rede ist. Ausgesprochen problematisch finde ich auch die Gleichsetzung von Juden und Viren. Ähnliche Vergleiche fanden sich auch schon in der NS-Propaganda. Wenn ich mich richtig erinnere. Ganz sicher weiß ich jedenfalls, dass das Anprangern von Personen damals auch sehr beliebt war.

Und vor allem treibt mich der Gedanke um, ob das, was bei diesen Demonstrationen praktiziert wird, nicht den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung erfüllt. Oder zumindest ein eklatanter Verstoß gegen das Seuchen-Gesetz ist. Denn unbestritten ist, dass das Recht auf Demonstration ein hohes Gut ist. Und bisweilen ja auch schon ganz einfach unter Berücksichtigung von den derzeit gebotenen Schutzmaßnahmen in Anspruch genommen wurde. Aber was sich da in Berlin, Stuttgart oder Dresden unter Aluminium-Hauben und zusammen mit grundsätzlich besorgten Bürgern versammelt, ist keine Gefahr für die Demokratie, sondern vor allem eine Gefahr für die Gesundheit anderer Menschen und eine große Herausforderung für psychiatrische Dienste. Schöne Grüße auch aus Ischgl.

Wohl bekomm’s

Gerade in unruhigen Zeiten ist es einfach etwas wunderbares, wenn man hin und wieder etwas Ruhe ins Leben bringen kann. Und wenn es nur für einen Moment ist. Einfach ein bisschen entspannen. Mit einem einem Gläschen Wein, einem Bierchen. Geht natürlich auch mit einem Cocktail oder einem kleinen Whiskey. Ist auf jeden Fall besser, als irgendwelche Drogen zu nehmen.

Das denkt sich vor allem auch der Staat – und erklärt Alkohol haushaltstechnisch zum Lebensmittel. In dieser Sparte ist Alkohol nämlich EU-Export-Schlager Nummer 1. Überhaupt sind Wein, Bier und ihre Freunde keine schlechte Einnahmequelle. Den Schaden, den Alkohol nämlich anrichtet, den bezahlen vor allem andere.

Für Neurologen, diesen alten Spaßbremsen, ist Alkohol nur eine Droge wie alle anderen. Der die Gesellschaften allerdings mehr kostet als jede andere Droge. Hat zumindest eine Untersuchung in mehreren europäischen Städten ergeben. Und woanders dürfte das nicht sehr viel anders sein. Afrika beispielsweise hat kräftig aufgeholt und europäischen Standard erreicht.

Um das zu schaffen hat eine europäische Brauerei Prostituierte engagiert, um eine bestimmte Biersorte anzupreisen. Weil es angeblich potent macht. Was ihre Kunden dann auch gleich mit ihnen ausprobieren konnten. Was man sich hierzulande sparen kann. Hier trinken jede Bürgerin und jeder Bürger freiwillig und statistisch gesehen 10 Liter reinen Alkohol im Jahr.

Also Säuglinge, Kinder und alte und sehr alte Menschen auch. Weshalb also mancher wohl 20 Liter und vielleicht sogar mehr trinken muss, wenn er Kinder liebt. Fakt ist: Zu viel Alkohol bekommt vielen Menschen schlecht. Genau gesagt: Weltweit sterben Jahr für Jahr drei Millionen Menschen daran. Da muss sich manches Virus gewaltig anstrengen, um da mitzuhalten.