Archiv für den Monat Dezember 2014

Die ultimativ letzte Weihnachtsgeschichte… in diesem Jahr

Es ist eine bestürzende Nachricht. Hat sich doch der Hedgefonds-Manager Barry Rosenstein vor kurzem in den Hamptons ein Anwesen gekauft, um dort ein bisschen abzuhängen und sich von dem anstrengenden Job an der Wallstreet zu erholen. Zur Erläuterung für Menschen aus anderen Berufsgruppen, in der Krankenpflege oder im Einzelhandel zum Beispiel: Die Hamptons, das sind Naherholungsgebiete an der Ostküste der USA, auf Long Island, etwa 130 Kilometer nördlich von New York. Einst besonders beliebt bei Künstlern wie Jackson Pollock oder Sängerin Mariah Carey, wegen des ländlichen Charakters. Nun eben auch sehr beliebt bei Bankern. Die alle am liebsten von Manhatten aus schnell mal mit dem Helikopter in die Hamptons fliegen.
Und jetzt ist ihr kleines Vergnügen ernsthaft gefährdet. Von Kleingeistern, die wahrscheinlich entweder garkeinen Helikopter haben oder keinen eigen Hubschrauber-Landeplatz. Und sich deshalb wegen der vielen Flüge aufregen. Weshalb das Magazin „Mother Jones“ schon glaubt, dass ein „Klassenkampf der Lüfte“ zu befürchten ist. Und da bin ich mal ganz auf der Seite der Helikopter-Flieger. Diese Menschen haben doch auch ein Anrecht auf Erholung! Die müssen doch auch einfach einmal durch schnaufen können. Bei dem Job.
Und vor allem haben sie keine Zeit zu verplempern. Schließlich kommt so ein richtig guter Hedfonds-Manager schon mal auf bis zu 10 Millionen Dollar. Also pro Tag. Braucht also ein Manager mit dem Auto anderthalb Stunden länger, weil er den Helikopter stehen lassen musste, als er in die Hamptons wollte, so hätte er in der Zeit 634.999 Dollar verdienen können. Damit auch einfachere Gemüter eine Vorstellung davon bekommen, was das bedeutet: Für einen Asylbewerber sind in Bayern so etwa 10 Euro vorgesehen. Also pro Tag. Würde demnach für anderthalb Stunden 65 Cent ausmachen. Weshalb mit den 147 Millionen, die das Anwesen von Barry Rosenstein übrigens gekostet hat, zehn Asylbewerber etwa 3.952 Jahre auskommen könnten. Oder 100 an die 395 Jahre. Und 10.000 Asylbewerber an die vier Jahre. Also quasi auf jeden Fall bis zur Abschiebung.
Aber genug der abstrakten Rechnerei, das hilft den armen Managern auch nicht weiter. Hier geht es doch einfach um das Unbill, das ihnen droht. Und ich denke, man sollte schnellstmöglich eine Kampagne im Internet starten: Freie Heli-Flüge für freie Hedgefonds-Manager! Oder so ähnlich. Inzwischen kann ich den armen Leuten nur raten, sich mit den 24-karätigen Goldblatt-Kapseln zum Einnehmen von Citizen:Citizen wenigstens den Gang zum Klo etwas angenehmer zu gestalten. Kosten nur 425 Dollar das Stück und sollen sogar der Verdauung förderlich sein. Natürlich sind sie auch für Asylbewerber im Internet erhältlich. Wenn sie eine Mastercard Platin haben.

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Aus gegebenem Anlass: Eine Weihnachtsgeschichte

Wenn uns die Weihnachtseinkäufe und sonstigen Vorbereitungen auf Heilig Abend und die Feiertage doch einmal die Zeit gelassen haben, vielleicht bei Kerzenschein ein paar besinnliche Minuten einzulegen, dann mag dem einen oder anderen eventuell sogar der Anlass für den gerade zurückliegenden Kaufrausch eingefallen sein, die Weihnachtsgeschichte. In unzähligen Krippenspielen immer wieder zum Besten gegeben, erzählt sie von einer jungen, angehenden Familie, von Josef und der hoch schwangeren Maria, die ihren Heimatort verlassen muss, weil ein Kaiser eine Volkszählung angeordnet hat. Weshalb dann Jesus in einem Stall in Bethlehem zur Welt kommt. Was bei den Krippenspielen meist nicht mehr erwähnt wird, ist bei Matthäus (Math. 1,18-25; 2,1-23) nachzulesen.
Demnach haben die Weisen aus dem Osten im Königspalast in Jerusalem nach dem „neugeborenen König der Juden“ nachgefragt. Und so erfährt König Herodes, dass ein „Rivale“ geboren wurde, weshalb er den Kindermord zu Bethlehem befiehlt. Doch Maria und Josef werden von einem Engel gewarnt und fliehen nach Ägypten, können aber nach Herodes Tod wieder nach Palästina zurückkehren. Weshalb man aus heutiger Sicht nur sagen kann, dass sie wirklich Glück gehabt haben. Denn heutzutage werden Menschen, denen in ihrem Land Unheil droht, nicht mehr von einem Engel gewarnt. Sie fallen eher in die Hände von Schleusern.
Und wenn sie es dann vielleicht sogar bis in ein gelobtes Land wie das unsrige geschafft haben, sie also nicht in einem Meer ertrunken oder in der Wüste verdurstet sind, dann erwartet sie allerdings kein Stall, wo sie von freundlichen Hirten besucht und von weisen Männern reich beschenkt werden. Sie werden erst einmal in Sammelunterkünften zusammengepfercht, erhalten Essensrationen, die um einiges weniger appetitlich sind als das, was hierzulande tagtäglich tonnenweise in den Mülltonnen landet. Und wenn man einmal trotz des ganzen Weihnachtsstress ein bisschen darüber nachdenkt, muss das ja nicht gleich heißen, dass einem der Weihnachstollen nicht mehr schmeckt. Man muss deshalb noch nicht einmal auf die Weihnachtsgans verzichten. Oder die ganzen Weihnachtseinkäufe zurückgeben.
Es würde ja schon reichen, wenn man sich einmal Gedanken machen würde, welche Bedeutung eigentlich in dieser Weihnachtsgeschichte steckt. Sich vielleicht gleichzeitig daran erinnern, dass seit mehr als einem halben Jahrhundert das Einzige, das uns in die Ferne treibt, der Urlaub ist. Und unter Umständen auf die Idee kommen, dass man es vielleicht auch wie die Hirten und Hl. Drei Könige machen könnte. Nämlich Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, die in Not sind, willkommen zu heißen und zu beschenken. Besonders, weil sich die meisten von uns mit all unserem Wohlstand doch eigentlich wirklich wie die Könige fühlen können.
Wer weiß, was aus Jesus geworden wäre, wenn seine Eltern in Ägypten in einer Sammelunterkunft hätten bangen müssen, dass sie wieder zurück nach Bethlehem müssen, in die Hände von Herodes Schergen. Nur weil Bürger Angst um ihre gepflegten Vorgärten hatten, und dass ihre Weihnachtsidylle gestört wird. Aber stimmt, damals gab es ja noch gar kein Weihnachten und keine Vorgärten. Vielleicht haben deshalb die Menschen noch freundlich Flüchtlinge aufgenommen.

Shades of Grey

Es gibt natürlich keinen ultimativen, gültigen Nachweis. Aber allen Anzeichen nach waren deutschlandweit alle Erst-Aufführungen dieses Blockbusters quasi in minutenschnelle ausverkauft. Ich habe jedenfalls im Umkreis von 100 Kilometern keine Karte mehr bekommen Obwohl der Film erst im nächsten Jahr in die deutschen Kinos kommt, nämlich am 12. Februar. Fakt und überprüfbar ist jedenfalls, dass Trailer für diesen Film im Internet in diesen Tagen bereits mehr als 200.000 Mal angeklickt worden sind. Doch es sind keine Tribute von Panem und es sind auch keine neuen Herren der Ringe, die dieses Interesse erregen. Es sind die „ungeahnten dunklen Seiten“ einer jungen Frau, bereits als Buch und unter dem Titel „Shades of Grey“ als Trilogie hierzulande mehr als 5 Millionen mal verkauft. Zum Vergleich: Bei dem Buch „Deutschland Schwarz Weiß – Der alltägliche Rassismus“ von Noah Sow hat es gerade mal zu einer mickrigen zweiten Auflage gereicht.
„Sex sells“, das weiß nicht nur der Einzelhandel. Und dass auch mit der einen oder anderen kleinen Perversion Geld zu machen ist, hat sich also auch schon rumgesprochen. Und nicht nur beim Buchhandel oder Filmverleih. Auch angebliche „Bürgerbewegungen“ wie PEGIDA und artverwandte scheinen sich dieser Neigung bei Teilen der Bevölkerung zu bedienen. Was dann auch den Zulauf bei den Demonstrationen erklären würde. Denn man kann es nun einmal und wohl nicht ganz unberechtigter Weise nicht anders als leicht pervers bezeichnen, wenn jemand gegen etwas auf die Straße geht, von dem niemand, der sich auch nur noch einen kleinen Rest funktionierenden Gehirns erhalten hat, behaupten kann, dass es real existiert.
Weshalb an dieser Stelle vielleicht einmal zu definieren wäre, was denn eigentlich „pervers“ bedeutet. Wie so viele andere Wörter, bei denen wir oft nicht so ganz genau wissen, was sie bedeuten, kommt es natürlich aus dem Lateinischen. Und steht da für „verkehrt, schlecht, falsch, unrecht“ und „töricht“. Was also alles zutreffend wäre für PEGIDA. Und belegt, dass unser üblicher Gebrauch dieses Wortes, nämlich unter dem Aspekt der „fehlgeleiteten“ und zumeist auch von der CSU geächteten Sexualpraktiken, vielleicht etwas zu einseitig und pubertär ist. Letzterer Begriff bedeutet ja „mit der Geschlechtsreife zusammenhängend“, wie alle wissen, wobei zu berücksichtigen wäre, dass diese natürlich auch für die Entwicklung des Gehirns relevant ist und ebenfalls den Zulauf der PEGIDA erklären würde. Womit wir schon beim heutigen Thema wären.
Dubai ist die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate und liegt auf dem 25. Breiten- und 55. Längengrad am Persischen Golf. Die Temperaturen pendeln sich in den Monaten Juli und August hier bei etwa 40 Grad Celsius ein. Auch im Dezember, also zur Weihnachtszeit, wird es tagsüber nicht kälter als 25 Grad, nachts sind es immer noch mindestens 14, 15 Grad Plus. Und jetzt kommt noch eine gute Nachricht: Die Schneeverhältnisse dort sind momentan besser als in den deutschen Alpen und vor allem auch sicherer. Es gibt fünf Abfahrten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, die längste davon ist 400 Meter lang. Außerdem gibt es eine Halfpipe, einen Sessel-Lift und einen Schlepplift, Schlitten- und Bob-Bahn. Und sollte es wirklich einmal regnen, was maximal an sieben Tagen im Jahr vorkommen kann, ist das auch nicht weiter schlimm. Das Ganze ist nämlich in einer Halle untergebracht, auf mehr als 22.000 Quadratmetern und bei ein bis zwei Grad Minus. Da bleibt doch nur noch, „Ski-Heil“ und „Fröhliche Weihnachten“ zu wünschen.

Kerzenlicht

Das ist doch eine richtig gute Nachricht. Prima Klima nach Lima, möchte man jetzt nur noch sagen, nach diesem doch so höchst erfolgreichen Klimagipfel. Und getrost in die Zukunft blicken. Allerdings ist mir auch klar, dass es immer noch ein paar Berufs-Pessimisten geben wird, die diesen Erfolg klein reden werden. Die einfach nicht sehen wollen, dass diese Vereinbarung, sich schon im nächsten Jahr wieder mit ein paar läppischen, letzten Details zu beschäftigen, ein gewaltiger Schritt für die Menschheit ist. Der der Schmelze der Polkappen Einhalt gebietet, als hätte jemand einen Gefrierschrank darüber gestülpt.

Und jetzt soll ruhig jeder sagen, dass ich ein Romantiker sei, aber ich weiß, dass diese Vereinbarung von Lima kein Zufall ist. Sie wäre nie möglich gewesen, wenn es nicht gerade Weihnachtszeit wäre. Da bin ich mir ganz sicher. Man braucht doch nur umher zu schauen. Überall auf der Welt scheint die Erwartung auf dieses hohe Fest, nicht umsonst als Fest der Liebe apostrophiert, die Menschen einsichtig, milde und fröhlich zu stimmen. Sie zu Einsichten kommen zu lassen, die sonst im Jahr, also an einem 24. Juli zum Beispiel, einfach nicht denkbar wären.

Nehmen wir doch mal die USA. Ist das nicht geradezu ein Funkenregen der guten Hoffnung, dass man dort plötzlich beabsichtigt, vielleicht das eine oder andere, was nicht ganz so gut läuft im Umgang mit Afro-Amerikanern, doch noch mal zu überdenken. Was übrigens auch schon in die Praxis umgesetzt wird. Schwarze werden nicht mehr brutal erschossen, sie kommen jetzt nur noch zu Tode, weil sie ein bisschen gewürgt wurden. Oder dass man jetzt Menschen, die man für Terroristen hält, nur noch foltern will, wenn es wirklich nötig ist. Ist das nicht ein riesiger Schritt, hin zu noch mehr Menschlichkeit!

Oder bleiben wir doch einfach mal im eigenen Land. Und sehen wir uns die Reaktionen auf die Brandanschläge auf die Flüchtlings-Unterkünfte in Vorra an. Zum Einen bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es nur an der Weihnachtszeit liegt, dass man mit dem Brandanschlag nicht gewartet hat, bis Flüchtlinge drin wohnen. Auch Rechtsradikale haben ein Herz. Und wird einem nicht wunderbar warm um selbiges, wenn jetzt die Menschen mit ihren flackernden Kerzen vor den ausgebrannten Häusern stehen, um ein Zeichen zu setzen. Mehr Weihnachtsstimmung hat man ja nur noch auf einem Christkindlmarkt.

Und dann der Seehofer, der Horst. Ist es nicht geradezu so, als würde er den Flüchtlingen zurufen: „Ihr Kinderlein kommet!“, wenn er sagt, dass in keinem anderen Bundesland mehr gegen Rechtsradikale getan wird als in Bayern. Damit sie sich hier zu Hause fühlen. Also nicht nur die Rechtsradikalen sondern auch die Flüchtlinge. So viel Fürsorge war im Oktober noch nicht bei ihm zu spüren, als letztere im Freien campieren mussten. Aber da war ja eben auch noch nicht Advent. Und man muss sich nur einmal die Gesichter der Menschen anschauen, in den Kaufhäusern, den Einkaufspassagen, in den Autos, vor den Bankautomaten, um zu sehen, wie die Erwartung auf dieses hohe Fest die Menschen verändert.

Also nach dieser Erkenntnis ist mir jetzt jedenfalls gar nicht mehr bang um die Zukunft. Denn schließlich haben wir ja jedes Jahr Weihnachten. Was dieses Jahr vielleicht noch ein ganz kleines bisschen im Argen liegt, das wird sich sicher im nächsten Jahr richten. Wenn wieder die Weihnachtsbeleuchtung in den Einkaufsstraßen die Augen der Menschen leuchten lässt und Friede auf Erden herrscht. In der Ukraine und im Gaza-Streifen. Von Afrika ganz zu schweigen. Und da braucht man sich doch nur mal die Nachrichten anzuschauen, um zu sehen, dass das stimmt mit dem Frieden. Weil nämlich nichts mehr zu sehen ist vom Krieg. Sogar von Ebola ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Und da kann man doch nur noch sagen: Fröhliche Weihnachtszeit!

 

Ministerpräsidentenwahl

Der Sozialismus kehrt zurück

Ich habe vorsichtshalber schon mal die Koffer gepackt. Und mir im Internet die Route in den Nordirak von einem Reifenhersteller zusammenstellen lassen und ausgedruckt. Lieber noch dem IS in die Hände fallen als das hier. Horst Seehofer hat es mal wieder als Erster erkannt. „Eine neue Zeitrechnung in der politischen Landschaft Deutschlands“ sei angebrochen. Hat er gesagt. Und dann hat es der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer auf den Punkt gebracht: „Das ist ein Tag der Schande für das wiedervereinigte Deutschland.“ Hat der gesagt.

Was eigentlich nur bedeuten kann, dass dieser Tag, an dem ein Mitglied der Linkspartei zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, der Anfang vom Ende ist. Nämlich dem Ende der Demokratie. Und der Anfang eines totalitären, kommunistischen Staates, wahrscheinlich stalinistischer Prägung. Allerdings befürchte ich, dass ein Kommentar im Internet allzu optimistisch ist, auch wenn er von einem „Realist“ stammt: „In 20 Jahren wird das in Bayern auch passieren.“ Hat der geschrieben. Ich fürchte eher, dass die Schande schon morgen auch über Bayern hereinbrechen kann. Und was dann?

Laufen wir dann vielleicht alle im Einheitslook herum, wie damals bei Mao? Stehen wieder an jeder Ecke die Herren in den Trenchcoats von der Stasi? Werden wir sogar wieder im Schlafzimmer belauscht? Wird aus der Bundeswehr eine Volksarmee? Und wird es dann überhaupt noch ein Internet und eine Bundesliga geben? Oder wird Weihnachten abgeschafft? Es ist alles denkbar. Denn, so sagt Scheuer, „mit Ramelow ist jetzt ein Top-Agent einer Ex-Stasi-Connection der Linkspartei Regierungschef geworden!“.

Und der ist doch nicht bescheuert, der Scheuer. Der weiß, was er sagt. Schließlich war der Ramelow ja bis 1990 Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen. Und das war sicher nur Tarnung. Zum Glück hat ihn ja dann der Verfassungsschutz im Visier gehabt. Und das ist der nächste Skandal, der mich beunruhigt. Hat doch das Bundesverfassungsgericht vor einem Jahr eine „Leitsatzentscheidung“ gefällt, dass die Überwachung unzulässig gewesen sei. Was doch nur bedeuten kann, dass das Bundesverfassungsgericht mit der Ramelow-Stasi-Connection unter einer Decke steckt. Würde mich nicht wundern, wenn in Karlsruhe schon morgen eine „Leitsatzentscheidung“ gefällt wird, dass die Verfassung unzulässig sei.

Jedenfalls werde ich heute Nacht kein Auge zumachen und die ganze Zeit die Nachrichten verfolgen. Das Auto ist vollgetankt. In einer Stunde können wir an der Grenze sein. Wenn die nur nicht bis dahin schon dicht gemacht ist. Wie damals, in der Zone. Wahrscheinlich hat Ramelow schon die Arbeiterkolonnen losgeschickt, um eine Mauer bauen zu lassen. Immerhin hat wenigstens ein anderer Kommentator im Internet mit dem schönen Pseudonym „Demenzer“ die Zeichen der Zeit erkannt. „Thüringen steht unter Beobachtung, das ist sicher.“ Hat er geschrieben. Aber wenn das mal nicht zu wenig ist.

Also bei diesen Hiobsbotschaften ist es auch keine Beruhigung, dass die CSU endlich mal eine vernünftige Forderung gestellt hat. Ausländer sollen jetzt zu Hause deutsch sprechen. Fordert die CSU. Vielleicht sollte sie sich ja mal mit Ramelow in Verbindung setzen. Mit seiner Vergangenheit könnte der bestimmt dafür sorgen, dass das auch überwacht wird. Sonst macht es ja keinen Sinn.

Mozartkugeln

Advent, Advent…

Die Einen werden enttäuscht sein, weil sie sich heute etwas weniger langweilen müssen. Die Anderen sind wahrscheinlich heilfroh, dass sie sich schon sehr viel schneller wieder den angenehmen Dingen des Lebens zuwenden können. Und das nur, weil auch ich mich heute den angenehmen Dingen des Lebens zuwende. Weshalb dieser Blog etwas kürzer ausfallen muss. Aber schließlich ist ja der 1. Advent. Ein Datum, dem die ganze Familie ungeduldig entgegen fiebert. Ganz besonders die Kinder. Denn immer am 1. Advent gehen wir alle zusammen auf den Christkindlmarkt.
Es gibt natürlich Leute, die schon gleich zur Eröffnung hingehen. Aber bei uns hat es Tradition, dass wir zum 1. Advent auf den Christkindlmarkt gehen. Das ist einfach stimmungsvoller. Denn wir gehen immer schon mittags hin, essen eine leckere Bratwurst, oder was es sonst noch so gibt. Außerdem findet man da noch leichter einen Platz in der Nähe von einem Heiz-Pilz. Und so können wir uns dann immer abwechseln. Einmal gehen die Kinder mit der Mutter über den Christkindlmarkt, und ich halte so lange den Platz am Glühweinstand frei.
Und dann geht auch mal die Mutter alleine über den Christkindlmarkt, und die Kinder halten mit mir den Platz frei. Schließlich kommen ja dann am Nachmittag noch unsere Freunde. Und außerdem möchte ich ja nicht den schönsten Moment verpassen. Wenn dann nämlich die ganzen Lichter angehen, dann möchte ich das Leuchten in den Kinderaugen sehen. Da wird mir immer ganz warm ums Herz. Zugegeben, manchmal ist es schon ein bisschen arg voll. Kommen ja auch so viele Ausländer auf den Christkindlmarkt. Die haben ja zu Hause sowas nicht. Aber da sind wir nicht so. Da rücken wir schon mal zusammen. So ein Japaner freut sich doch auch, wenn er mal einen Glühwein kriegt. Ist doch Weihnachtszeit.
Bloß wenn welche unverschämt werden, dann ist aber ganz schnell Schicht im Schacht. Da fackeln meine Spezln und ich nicht lange rum. Da ist die Sache ganz schnell vom Tisch. Schließlich wollen wir ja einen friedvollen Advent verbringen und in Ruhe unseren Glühwein trinken. Mit dem Taxi werden wir in diesem Jahr allerdings nicht mehr nach Hause fahren. Letztes Jahr hat nämlich der Älteste das ganze Taxi vollgekotzt. Das hat viel Ärger mit dem Taxifahrer gegeben. Deshalb fahren wir dieses Jahr mit der U-Bahn nach Hause. Da fällt es nicht so auf, wenn jemand den Glühwein nicht vertragen hat. Und am 2. Advent fahren wir dann alle zusammen nach Nürnberg. Da ist der Glühwein auch ein bisschen billiger. Oder nach Salzburg. Meine Frau mag die Mozartkugeln so gerne.

Marathon

…über Parklandschaften und Schuhwerk

Es war natürlich ein Fehler. Ich gebe es zu. Ich hätte es besser wissen müssen. Aber wer möchte behaupten, dass Menschen aus Erfahrung lernen können. Ein Blick auf das Weltgeschehen genügt, um diese Annahme nachhaltig zu widerlegen. Ich bin da also keine Ausnahme. Weshalb ich am späteren Samstagnachmittag in eines dieser zumeist als Industriegebiet ausgewiesenen Verkaufs-Nirvanas gefahren bin, um ein paar Schuhe zu kaufen. Zugegeben, das andere Paar hätte vielleicht noch bis Montag gehalten. Aber es waren meine Laufschuhe. Und es hätte ja durchaus sein können, dass ich ganz spontan noch einen Marathon gelaufen wäre. Am Sonntag zum Beispiel. Oder meine Oma besucht hätte. War ja der Totensonntag. Und sie liegt auf einem dieser Münchener Friedhöfe, die man nie ohne ausreichenden Proviant betreten sollte. So weitläufig sind die.
Jedenfalls fuhr ich also in unser örtliches Einkaufzentrum. Da gibt es gefühlte zweihundert Schuhgeschäfte, einmal ganz abgesehen von allen, in Deutschland bekannten Supermarkt-Ketten, Baumärkten und anderen Ich-bin-doch-nicht-blöd-Einkaufs-Paradiesen. Dachte mir, dass ja Weihnachten doch noch ein bisschen hin ist, also nicht allzu viel los sein dürfte. Und fand erst einmal keinen Parkplatz. Und obwohl weit und breit noch keine Weihnachtsbeleuchtung zu sehen war, hatte ich auf einmal dieses Gefühl von Vor-Weihnachts-Zeit. Das dann nach achtmaligem Umrunden der 15 Quadratkilometer großen Parklandschaften von einem Blick in die Gesichter der Menschen bestätigt wurde. Da war es nämlich schon zu sehen. Dieses leicht gefährliche Glitzern in den Augen, das sich ja bis zum Heiligen Abend immer zu einem Ausdruck echter Mordlust steigert. Um sich dann unter Umständen unterm Tannenbaum endgültig und oft mit fatalen Folgen Bahn zu brechen.
Zuerst bin ich ja erschrocken. Aber dann hat mich der Gedanke beruhigt, dass schließlich ja auch schon Mitte September die ersten Lebkuchen in den Regalen der Supermärkte die Menschen anlachen. Es ist halt alles etwas früher. Und warum dann nicht auch der Einkaufsstress an Weihnachten. Außerdem ist das eigentlich doch wunderbar. Da kann man sich noch besser rein steigern. Und der deutschen Wirtschaft tut es auch gut, wenn jetzt schon gekauft wird, dass die Scheckkarten qualmen. Nur eins darf ich nicht vergessen. Wenn ich jetzt einkaufen gehe, sollte ich vorsichtshalber immer meinen Elektroschocker mitnehmen. Man möchte ja niemanden ernsthaft verletzen. Ist doch das Fest der Liebe.