Über Charlie, Lehnstühle und Pharisäer

Was wäre das schön, wenn man in seinem Lehnstuhl sitzen könnte, den Zeigefinger heben und den „Anderen“ sagen könnte, was sie falsch machen. Aber dazu müsste man es wenigstens selber schon einmal richtig gemacht haben. Wenn man glaubhaft sein möchte. Oder man gehört eben zu jener Spezies, die zwar auch permanent den Anderen erzählt, was richtig oder falsch sei, es aber gerne versäumt, selber nach den eigenen Prämissen zu handeln. Was letztendlich die allzeit gängige Praxis war und ist. Einst nannte man solche Menschen übrigens „Pharisäer“.

Kein Pharisäer ist, wer jetzt auf die Straße geht, um zu demonstrieren, dass er sich von Mördern nicht einschüchtern lassen will. Wer im Internet Stellung bezieht und Solidarität zeigt. Schließlich ist es seine Angst, gegen die er nun etwas tun will und tun muss. Es ist sein Gefühl, das ihm sagt, dass es wichtig ist, sich mit den Opfern der Terror-Anschläge von Paris und Montrouge solidarisch zu zeigen, um die Opfer und mit deren Angehörigen zu trauern.

Viele Politiker sind jetzt hingegen eher von der Angst getrieben, dass sie von der politischen Bühne verschwinden könnten, wenn sie jetzt nicht die richtigen Lösungen parat haben. Weshalb man Angst haben darf, dass sie die Gelegenheit nutzen werden, wieder ein paar Gesetze zu verabschieden, die es ermöglichen, den Staat noch ein bisschen allgegenwärtiger und den Bürger noch ein bisschen durchsichtiger zu machen. Was allerdings nur die Falschen einschüchtern würde. Denn wenn man etwas in diesen Zeiten des Terrors begreifen konnte, dann nur, dass sich Terror nicht einschüchtern ließ und lässt.

Weshalb ich jetzt gerne in einem Lehnstuhl sitzen und den Zeigefinger heben würde. Um nämlich alle Anhänger des Islam auf dieser Welt aufzurufen, gegen diesen schändlichen Missbrauch ihrer Religion auf die Straße zu gehen. Klar und deutlich zu machen, dass der Islam etwas anderes will. Dass der Islam etwas anderes ist. Doch mir scheint nichts anderes übrig zu bleiben, als still in meiner Ecke zu stehen und verlegen an meinen Fingern rum zu nesteln. Man will ja kein Pharisäer sein. Schließlich könnte man mir sofort und mit Fug und Recht die Frage stellen, was die Anhänger anderer Religionen getan haben, als im Namen ihrer Religion gemordet wurde.

Aber vielleicht gibt es doch noch eine Möglichkeit. Nämlich den Zeigefinger unten zu lassen. Aber die vielen Millionen Gläubigen des Islam wenigstens dazu zu ermuntern, als Erste in der Menschheitsgeschichte geschlossen und weltweit gegen den Terror, der im Namen ihrer Religion verübt wurde und wird, auf die Straße zu gehen. Diesen Terror und die Terroristen zu verurteilen. Diesen Mördern klar und deutlich zu machen, dass sie keinerlei Recht haben, sich auf den Islam zu berufen. Dass sie nichts in einer Moschee zu suchen haben. Sie, diese Millionen Gläubigen, sie könnten vielleicht die Richtigen sein, um das zu tun.

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