Ach, du dickes Ei

Es gibt Wichtigeres. Zugegeben. IS, Pegida, TTIP, Legida, MRSA, FCB und RTL. Das sind natürlich die großen Themen, die momentan vor allem die Welt bewegen. Und ganz zu schweigen von der in jedem Zeitungs-Kommentar oder Politiker-Statement mitschwingenden bangen Frage, wie groß die Terrorismus-Gefahr in Deutschland jetzt ist. Da überrascht es nicht, dass die eine oder andere Meldung der letzten Zeit ein bisschen untergegangen ist. Zum Beispiel jene zum Thema Übergewicht. Das zwar an dieser Stelle schon einmal in anderer Form behandelt wurde. Aber die neuesten Zahlen sind so beunruhigend, dass es geradezu zwingend ist, noch einmal darüber zu sprechen.
Kurz die Fakten. Weltweit ist inzwischen mehr als ein Drittel der Menschheit übergewichtig oder sogar adipös. 1980 waren es noch 875 Millionen, inzwischen sind es mehr als 2,1 Milliarden. Die Ranking-Liste der Länder mit den meisten adipösen Menschen, ausnahmsweise mal nicht basierend auf dem Rating von Standard & Poor‘s: USA, China, Indien, Russland, Brasilien, Mexiko, Ägypten, Deutschland, Pakistan Indonesien.
Und das ist zumindest die gute Nachricht. Wir sind dabei, auch wenn erst im letzten Drittel.
Zur Information für die, die sich noch nicht so intensiv mit der Thematik beschäftigt haben: Adipös lässt sich leider nur mit dem unschönen Wort fettleibig ins Deutsche übertragen, noch nicht einmal der Lebensmittel- oder Bekleidungsindustrie ist es gelungen, dafür eine eher verkaufsfördernde und freundlichere Alternative zu finden. Mein Vorschlag, für fettleibig den Begriff „kantenlos“ zu übernehmen, wird sich wohl nicht so einfach durchsetzen, da sich mit Sicherheit eine Bevölkerungsgruppe finden wird, die sich davon diskriminiert fühlt.
Aber zurück zum Thema. Fettleibigkeit sei für unsere Gesellschaft das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem, sagen WHO und OECD und sprechen bereits von einer „globalen Adipositas-Epidemie“. Aber auch die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Alleine in Deutschland werden die Kosten, die durch Adipositas und Folgeleiden entstehen, auf etwa 17 Milliarden Euro geschätzt. Pro Jahr. Und das ist nun wirklich kein Pappenstiel und könnte durchaus demnächst Schäubles schwarze Null gefährden.
Aber wundert es wirklich? Diese Entwicklung war doch seit längerem vorhersehbar. Das Essen dient doch gerade in bestimmten Ländern nicht mehr zur Aufnahme der lebensnotwendigen Nahrung sondern ist zum permanenten Freizeitvergnügen mutiert. Im Auto, im Kino, auf der Straße, vor dem Fernseher, ja, sogar im Supermarkt beim Einkauf, es wird überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit gegessen. Und wenn man in einem Lokal die Bedienung einen geradezu überquellenden Teller servieren sieht, dann kann man fast immer vorhersagen, an welchem Tisch er landen wird. Und es ist nicht der Tisch mit den Gästen aus Japan. Die zählen nämlich zu den weltweit schlanksten Menschen.
Doch gleichzeitig wird unbeschadet gefühlter 2.000 TV-Koch-Shows zu Hause kaum noch gekocht und noch weniger gemeinsam gegessen. Dass dies ein gewichtiger Grund ist, zeigt eine Studie. Wonach Kinder, die mit der Familie selbst gekochte Mahlzeiten einnehmen, weniger zur Fettleibigkeit neigen als jene, die mit Fertiggerichten und ohne gemeinsame Mahlzeiten abgespeist werden. Was hierzulande mit Sicherheit auch der Konsumgesellschaft geschuldet ist, denn für einen Audi oder BMW und den Urlaub in Übersee müssen eben beide Elternteile arbeiten.
Dabei wäre es wieder einmal ganz einfach. Was es an Essen gibt auf der Welt, das würde nämlich für alle reichen. Wenn nicht täglich tonnenweise in manchen Regionen Nahrungsmittel weggeworfen würden. Und wenn eben ein Drittel der Menschheit nur so viel essen würde, wie es wirklich zum Leben braucht. Dann bräuchten wir vielleicht weder Getreide aus Afrika einführen noch gammelige Hühnchen dorthin exportieren. Ich habe jedenfalls schon damit angefangen, Konsequenzen zu ziehen. Während ich dies geschrieben habe, habe ich zum ersten Mal nur eine halbe Tüte Chips gegessen.

4 Gedanken zu „Ach, du dickes Ei

  1. irma stDTMUELLER

    na, das ist doch ein anfang mit der halben tuete, rechne das hoch und schon kann man sein gewissen beruhigen ob des beitrages zur bekaempfung des hungers in der welt.

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