PETs Wochenschau

Als Herr Alexis Tsipras wieder aus Berlin abreiste, sah es auf einmal nach Entspannung aus im deutsch-griechischen Verhältnis. Auch wenn die Mundwinkel von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht unbedingt den Eindruck vermittelten, dass ihre Besitzerin bei dieser Gelegenheit dem jugendlichen Charme des griechischen Ministerpräsidenten erlegen wäre, so schien zumindest wieder ein Dialog möglich. Der aber, so zumindest der Eindruck für Außenstehende, gleich wieder und jäh von einem Flugzeugabsturz unterbrochen wurde.

Die einzig wirklich gute Nachricht der Woche deshalb: Bei der Abstimmung über die Pkw-Maut im Bundestag am Freitag konnte Frau Merkel wieder lachen. Für einen Moment zumindest. Wahrscheinlich war ihr eingefallen, dass dieses Jahrhundert-Projekt zum Erhalt der deutschen Verkehrs-Kultur von Bayern-Ministerpräsident Seehofer und seinem Verkehrs-Statthalter Dobrindt sowieso wieder von Brüssel gestoppt werden würde.

Abgesehen von dieser einen Ausnahme war die Nation in Schock-Starre, der auch alle mehr oder weniger satirische TV-Sendungen wie „heute-show“ oder „extra 3“ zum Opfer fielen. Und aus der sie erst wieder gegen Ende der Woche von einer deutschen Tageszeitung geholt wurde, die aus mir unverständlichen Gründen seit geraumer Zeit auf das wohl vertraute, tägliche Frauen-Brust-Bild verzichtet. Die bange und von unzähligen Moderatoren und Reportern und anderen Menschen sehr oft wiederholte Frage nach dem „Warum“ dieses Flugzeugabsturzes wurde nämlich von dieser Tageszeitung dahingehend beantwortet, dass sie, die Tageszeitung, alle Unterlagen hätte, um sie zu beantworten. Klingt kryptisch, ist aber symptomatisch für diese Tageszeitung.

Weshalb sich der Rest der Republik weiterhin in Spekulationen übte, bis hin zu der Theorie, dass der Co-Pilot, der angeblich diesen Absturz herbeigeführt hat, vom griechischen Ministerpräsidenten höchstpersönlich rekrutiert worden sein soll, um so der griechischen Regierung mehr Zeit für ihre „Schularbeiten“ zu verschaffen. Worüber dann wiederum die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ausgesprochen erfreut war, da auf diese Art und Weise kaum spekuliert wurde,  ob das Debakel gegen die australische Mannschaft der Anfang vom Ende des amtierenden Fußball-Weltmeisters von 2014 sein könnte.

Und noch jemand profitierte von diesem tragischen Flugzeug-Absturz: Die Medien. Was in dieser Woche alles aus dem Programm genommen wurde, um der aktuellen Berichterstattung vom Flugzeug-Absturz Platz zu machen, damit kann in diesem Jahr gut und gerne das Sommerloch gestopft werden. Vorausgesetzt, es kommt nicht noch etwas anderes dazwischen.

Die wesentlichere Erkenntnis aus dieser Tragödie ist jedoch, dass offensichtlich ein Allgemeinplatz seine Gültigkeit verloren hat. Wer bisher noch glaubte, dass „Sex sells“, der wurde jetzt eines anderen belehrt: Zumindest die Medien verkaufen sich dem Anschein nach mit Entsetzen am besten. Mit Sex verkauft sich anscheinend nur noch Sex. Und auch nur dann, wenn er korrekter Weise Pornografie genannt wird. Weshalb sich mir aktuell die Frage aufdrängt, ob eigentlich auch die Berichterstattung über einen Flugzeug-Absturz pornografisch sein kann.

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