Das laute Getöse um die Schweigepflicht

Hysterie kann mitunter faszinierend sein. Wobei nicht unbedingt feststellbar ist, ob es Volkes Stimme ist, die sich im vorliegenden Fall in dieser Hysterie niederschlägt, oder es  eher die Medien sind, die einmal mehr etwas über die Stränge schlagen, auf der Suche nach immer neuen Aufregern. Doch wahrscheinlich ist es von allem ein bisschen, wenn jetzt die Frage diskutiert wird, ob man vielleicht nicht doch die ärztliche Schweigepflicht teilweise und in konkreten Fällen weitestgehend aufheben sollte, um Fälle wie jene des Co-Piloten des in Frankreich abgestürzten Airbus320 für alle Zukunft auszuschließen.

Selbst wenn man einmal davon absieht, dass man nichts für die Zukunft ausschließen kann, so kann es trotzdem nur ein klares „Nein“ in dieser Frage geben. Denn vor allem ist es der Sinn dieser ärztlichen Schweigepflicht, dass abgesehen von wenigen, vom Gesetz geregelten Ausnahmefällen, Ärzte nicht über die körperliche Befindlichkeit und Krankheiten eines Patienten reden. Sonst hieße es ja vielleicht „ärztliche Schweigemöglichkeit“ oder „ärztliche Auskunftsentscheidung“.

Doch es gibt einen Aspekt in dieser Angelegenheit, der von viel weitreichenderer Bedeutung ist. Dass nämlich ein Unglück geschehen ist, und jetzt alle Welt oder doch zumindest ein Teil von ihr so tut, als wäre dies das erste Mal. Und deshalb müsste jetzt alles getan werden, damit es nicht noch einmal passiert. Selbst wenn deshalb bestehendes und ausnahmsweise sogar ausgesprochen sinnvolles Recht ausgehebelt werden muss.

Sagen wir es mit aller Deutlichkeit und mit allem Respekt vor den Toten: Dies ist eine hysterische Reaktion. Denn warum wird nicht auch gefordert, dass alle Alleebäume gefällt werden? Schließlich finden immer wieder Autofahrer wegen dieser Bäume den Tod. Oder wäre es dann nicht auch eine gute Idee, alle Krankenhäuser zu schließen? Wo dort doch immer wieder und nicht wenige Menschen an Keimen sterben. Und was ist mit Männern? Wenn es sie nicht mehr gäbe, dann würden keine Mädchen und Frauen mehr vergewaltigt und ermordet werden.

Vielleicht sollte man diesen Menschen, die jetzt fordern, dass die ärztliche Schweigepflicht gelockert werden muss, sagen, dass sicher auch schon Menschen wegen vermutlicher psychischer Probleme anderer Menschen zu Tode kamen, als es noch gar keine ärztliche Schweigepflicht gab. Und vielleicht sollte man ihnen auch sagen, dass auf dieser Welt solange Menschen wegen anderen Menschen sterben werden, wie es Menschen auf dieser Welt gibt. Jeder Tote verdient Trauer. Aber Hysterie kann sie nicht verhindern.

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