Archiv für den Monat Juni 2015

Stammtische

Es ist wohl Vergangenheit. Zumindest in unserer Hemisphäre und überall dort, wo Zugriff auf das Internet möglich ist. Konnte man früher noch von jenen berühmt berüchtigten schweigenden Mehrheiten sprechen, die höchstens und in kleinen Gruppen an Stammtischen ihr Schweigen brachen, so hat heute jeder eine Stimme, der einen Internet-Zugang hat. Und erhebt sie auch sehr oft, diese Stimme.

Allerdings denke ich mir manchmal, dass es vielleicht besser wäre, wenn sie oder er es nicht täte. Und ich will hier nicht darauf rumreiten, dass dabei mitunter Kommunisten mit Komponisten verwechselt werden, wie jüngst von der Huffington Post dokumentiert. Das kann schließlich schon mal passieren, und es ist bestimmt sicher schon einmal vorgekommen, dass ein Komponist Kommunist war oder ist.

Was mich vielmehr bewegt und beunruhigt, das sind die Gedanken, die hinter all diesen Phrasen, Statements und Bekenntnissen vermutet werden müssen. Und um die ganze Wahrheit zu sagen, nicht allzu selten habe ich die Befürchtung, dass noch nicht einmal Gedanken hinter vielen dieser Phrasen, Statements und Bekenntnisse stecken. Es kommt mir dann eher so vor, als würde nur monoton wiedergekäut werden, was irgendjemand anderes irgendwann schon einmal vorgekaut und dann ausgespuckt hat.

Und insofern ist die berühmt berüchtigte schweigende Mehrheit vielleicht doch nicht Schnee von gestern. Denn eigentlich haben viele dieser Marktschreier auf den Internet-Plattformen immer noch nichts zu sagen. Und das ist vielleicht der Unterschied: Sie reden respektive äußern sich jetzt aber trotzdem. Weshalb ich seit neuestem ganz gerne wieder zum Stammtisch gehe.

Advertisements

Enttäuscht

Ich weiß, eigentlich hatte ich ja gesagt, dass mir diese ganze Geschichte zum Halse raushängt. Schließlich geht das ja nun schon seit gefühlten Jahren. Aber jetzt führt wohl kein Weg mehr daran vorbei, jetzt muss auch bei mir noch einmal diese endlose Griechenland-Rettungsaktion auf den Tisch. Wobei man nicht unbedingt an einen Operationstisch denken sollte, denn der Patient scheint nach Schäubles Ansicht und im Einklang mit der EZB schon tot zu sein. Andererseits weiß ich nun wirklich nicht, wer prädestinierter sein könnte, über dieses Thema zu sprechen als ich. Schließlich kaufen wir seit Jahren nur griechische Oliven, von Feta, Gyros für die Mikrowelle und Ouzo ganz zu schweigen. Und wer in München lebt und gelebt hat, und schon damals das Wohl und Wehe dieses südlichen Landes im Auge hatte, der kann sicher bestätigen, dass ich einer der treuesten Stammgäste im Mykonos war, zuerst in Freimann und dann später auch in Schwabing. Und wenn man jedes Mal von Neuperlach dorthin fahren muss, dann will das schon etwas bedeuten.

Doch ich muss ehrlich zugeben, dass mir jetzt endgültig der Appetit vergangen ist. Nicht dass ich diese großherzigen, sympathischen und zugewandten „Geldgeber“ schon jemals besonders nett gefunden hätte. Aber ich hätte den Griechen respektive ihren politischen Vertretern ein klein wenig mehr Intelligenz und diplomatisches Geschick zugetraut. Schließlich haben die Griechen nicht nur die olympischen Spiele sondern auch die Tragödie, Werke von epischer Breite und viele Wörter erfunden, ohne die selbst heutzutage kein richtiger Intellektuellen auskommt.

Doch dass nun die Nachfahren aus dieser Wiege abendländischer Kultur alles vergessen haben, was Sokrates, Plato und all die anderen klugen Köpfe mit Löckchen-Frisur schon vor mehr als zweitausend Jahren vorformuliert haben, das hat mich nachhaltig verstimmt. Schließlich hat sich vor allem der Eindruck aufgedrängt, dass es nur noch darum ging, dem anderen die Schuld zuweisen zu können, damit man mit weißer Weste dasteht. Was man eher von den sogenannten Geldgebern gewohnt war.

Aber dass sich Tsipras und Varoufakis der Dauerlächler auch darauf eingelassen haben, das enttäuscht mich wirklich. Und es macht mich sogar richtig ärgerlich, wenn man bedenkt, wer den ganzen Schlamassel ausbaden muss. Also ich schätze mal, dass sich die Herren Tsipras und Varoufakis keinen Kopf machen müssen hinsichtlich ihrer Zukunft. Aber was ist mit den anderen Griechen, die zufällig keine Reederei besitzen? Oder Konten im Ausland.

Die Tragik dieser Tragödie, die ein Aristophanes wohl nur müde belächelt hätte, ist vor allem, dass wieder einmal alle Klischees erfüllt wurden. Auf allen Seiten. Da reiben sich Rechtspopulisten wie ihre radikaleren Ableger hierzulande nur freudig erregt die Hände und stimmen ihr ewig Lied an über Linke im Allgemeinen und EU-Länder, die das arme Deutschland ausbluten lassen wollen, im Besonderen. Und ausgelassen wird in der nächsten Flüchtlingsunterkunft ein Freudenfeuer angezündet.

Man wird doch mal fragen dürfen

Ja, es ist entsetzlich. Es ist tragisch. Traurig. Menschen sind gestorben. Haben Familien, Frauen, Männer, Kinder hinterlassen. Weshalb Welten zerstört wurden. Und nur weil es Fanatiker gibt, die glauben, eine Welt nach ihrem Glauben respektive dem, was sie dafür halten, schaffen zu können. Doch vielleicht sind hier und in diesem Zusammenhang wieder einmal ein paar Fragen erlaubt. Fragen übrigens, die nichts relativieren wollen, nichts erklären können. Und die schon absolut gar nichts entschuldigen können, sollen oder wollen.

Wer es noch nicht gemerkt hat, wir sprechen hier wieder einmal von Terror-Anschlägen. Von den Terroranschlägen in Tunesien, Frankreich und Kuweit. Und davon, dass jetzt wieder alle Welt geschockt ist, voller Trauer, fassungslos. Was natürlich durchaus gerechtfertigt ist. Aber, zumindest wenn man davon ausgeht, dass die Ursachen für diesen Terror in der Vergangenheit liegen und sich nicht zufällig ergeben haben, stellt sich doch die Frage, warum sich nicht schon damals, als der Grundstein für diese Entwicklung gelegt wurde, jemand angesprochen gefühlt hat.

Es stellt sich außerdem die Frage, ob diese Terroranschläge nicht vielleicht deshalb so schockieren und fassungslos machen, weil sie durch Berichterstattung und das räumliche „näherkommen“ uns plötzlich so nahe gehen? Weil jetzt Dschihad-Kämpfer auch auf die Idee kommen, wieder in ihre Heimat zurück zu kehren. Und diese Heimat Deutschland ist. Denn schließlich ist menschliche Grausamkeit keine Erfindung der Moderne und des 21. Jahrhunderts.

Schließlich gab es zum Beispiel die Roten Khmer, den Vietnam-Krieg, den Völkermord an Albanern, den Holocaust. In jüngerer Vergangenheit den Irak-Krieg und danach die fast täglichen Selbstmordattentate mit tausenden Toten im Irak. Und, und, und. Und vielleicht sollte man auch nicht den aktuellen Drogen-Krieg in Mexiko oder auch in Kolumbien mit seinen Tausenden Toten, Vergewaltigungen und Folteropfern vergessen, der ja nun auch schon seit Jahren bekannt aber wenig in den Schlagzeilen ist.

Doch der ist, Gott sei Dank, weit weg. Von dem erfahren wir nur, wenn gerade einmal Eltern von Opfern versuchen, ein klein wenig Gerechtigkeit zu bekommen. Das kommt gut im Fernsehen. Es könnte natürlich sein, dass dieses Desinteresse vielleicht daher rührt, dass Mexiko und Kolumbien nicht gerade die bevorzugten Ziele deutscher Urlauber sind. Und auch die deutsche Industrie in diesen Ländern nicht besonders involviert ist.

Vielleicht wäre es gerade jetzt an der Zeit, Empathie nicht in Worten verpuffen zu lassen? Wir wussten noch nie so viel über die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt wie jetzt. Noch nie wurde uns die Grausamkeit, zu der Menschen fähig sind, so deutlich und in Bildern vor Augen geführt, wie im Zeitalter von Internet und globaler Berichterstattung. Also wäre das vielleicht eine gute Ausgangslage, zumindest einmal über Möglichkeiten nachzudenken, ob man nicht auch agieren und nicht nur fassungslos reagieren könnte? Wenn es mal wieder passiert ist.

Allerdings sollte man sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Das könnte nämlich bedeuten, dass wir uns nicht mehr wohlig in unsere Daunenfedernkissen sinken lassen können, wenn wir das TV-Gerät ausgeschaltet haben. Dass wir vielleicht sogar auf manches verzichten müssen. Dass es mit einer Kerze im Gedenken an die Opfer nicht getan ist. Dass ein hartes Stück Arbeit auf uns zukommen würde. Vielleicht sogar Auseinandersetzungen. Es auf jeden Fall sehr anstrengend werden würde. Und da stellt sich dann die Frage: Wollen wir das denn überhaupt?

Es brennt auf den Nägeln

Auf Change.org, der Plattform für engagierte Bürger, wurde eine Petition gestartet, mit der gefordert wird, die Bundesjugendspiele abzuschaffen. Sie richtet sich ganz offiziell an die Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. Einen Tag nach dem Start hatten bereits mehr als 16.000 Bürgerinnen und Bürger dieses Landes die Petition unterschrieben. Oder korrekter ausgedrückt: so oft wurde von der Gemeinde engagierter Bürger die Petition bis zum Mittagessen angeclickt.

Grund für die Petition laut Initiatorin: „Der Zwang zur Teilnahme und der starke Wettkampfcharakter sorgen bei vielen Schülern für das Gefühl, vor der Peergroup gedemütigt zu werden.“ Besonders wird von ihr kritisiert, dass „die Ergebnisse der Wettkämpfe beim Austeilen der Urkunden sogar öffentlich im Unterricht verlesen“ würden, „als würde es nicht reichen, dass auf dem Sportplatz die Peergroup hautnah mitbekommt, wer besonders gut und besonders schlecht ist“.

Nachdem ich auch unterzeichnet hatte, habe ich sofort eine eigene Petition gestartet. Nämlich für die Abschaffung des Fachs Mathematik an den Schulen. Unser Jüngster schreibt nämlich mit schöner Regelmäßigkeit Fünfer in den Schulaufgaben. Und nachdem die Ergebnisse im Unterricht veröffentlicht werden, wird auch er immer wieder vor der Peergroup gedemütigt. Ganz zu schweigen davon, dass es schließlich auch für Schulaufgaben den Zwang zur Teilnahme gibt.

Und ich habe weitere Petitionen dieser Art geplant. Schließlich ist es für Kinder vor der Peergroup auch demütigend, wenn ihre Eltern nicht in der Lage waren, ihnen das neueste iPhone zu kaufen. Oder wenn sie mit den Kindern immer nur im Bayerischen Wald Urlaub machen. Weshalb ich für ein allgemeines Handy-Verbot und die Abschaffung von Ferien respektive Urlaubsfahrten bin. Bevor ich diese Petitionen starte, muss ich allerdings erst noch rauskriegen, was eigentlich eine „Peergroup“ ist.

Über die menschliche Natur

Menschen geben Unsummen aus, um sich glücklich zu machen. Zumindest in unserer Wohlstands-Hemisphäre kaufen sie dazu unentwegt Dinge, die sie nicht wirklich brauchen. Klamotten, Kücheneinrichtungen, Autos, Fernseher, Smartphones, Kosmetik, die nicht wirklich hilft – und Männer kaufen auch gerne mal Sex. Mit dem Erfolg, dass sich hierzulande deutlich mehr Menschen selbst töten als durch Verkehrsunfälle umkommen. Alle 40 Sekunden stirbt ein Mensch durch Suizid, jährlich versuchen es 100.000 Menschen erfolglos. Und das taten sie sicher nicht, weil sie so wahnsinnig glücklich waren.

Es gibt Menschen, die alle vier Wochen irgendeine Naturheilmethode gegen eine andere tauschen. Jedes Mal in der Überzeugung, nun gefunden zu haben, was sie wirklich gesund und damit glücklich für die nächsten Jahrzehnte macht. Kaum der Erwähnung wert, dass sie dabei immer kränker werden. Nur unterbrochen von dem kurzen Adrenalin-Stoß, wenn sie wieder etwas Neues gefunden haben, das ihnen verspricht, dass sie nie wieder Darmverstopf bekommen. Und auch weitgehend gegen Krebs gefeit sind.

Wer all dies verstehen will und nicht die Zeit hat für ein Psychologie-Studium, muss sich allerdings nur einmal ein junges oder mitunter auch etwas älteres Paar anschauen, das ein Kind erwartet. Möglichst zum ersten Mal. Wenn man deren leuchtende Augen sieht, wenn über das Bevorstehende gesprochen wird, fällt einem vielleicht als Mutter oder Vater von drei bis sieben Kindern der Titel eines Film-Klassikers mit James Dean ein: „…denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Doch gerade als Mutter oder Vater von drei bis sieben Kindern sollte man wissen, dass dies der gänzlich falsche Ansatz ist.

Denn schließlich ziehen Menschen in den Dschihad, obwohl sie schon alle Videos auf Youtube zu diesem Thema gesehen. Sie heiraten, obwohl all ihre Freunde schon wieder geschieden sind. Sie hören auch nicht auf, Kinder in die Welt zu setzen, obwohl sie wissen, was es bedeutet, Kinder aufzuziehen. Und es sind deshalb trotzdem keine Masochisten im klassischen Sinne. Der gemeinsame Nenner für all diese Menschen ist die Hoffnung. Die Hoffnung, dass es dieses Mal funktionieren könnte. Dass beim nächsten Mal alles anders ist. Dass sie einmal das Richtige tun könnten. Wie Menschen allerdings darauf kommen, dass es einen Grund für diese ewige Hoffnung geben könnte, weiß ich allerdings auch nicht.

Schicksalstage und Kühlschränke

Es sind Schicksalstage. Es geht um Europa. Um die Weltwirtschaft. Die Finanzmärkte. Wir wollen uns nämlich einen neuen Kühlschrank kaufen. Und das ist wahrlich eine schwere Entscheidung. Schließlich haben wir eine Verantwortung. Sollen wir also unbedingt ein Modell kaufen, das 100-prozentig aus deutscher Hand stammt? Oder größer denken und vielleicht lieber einen Kühlschrank nehmen, der aus einem anderen EU-Land stammt? Wo sie zum Beispiel dringend Devisen brauchen. Aber wir wissen ja noch nicht einmal, ob diese südlichen Länder überhaupt etwas anderes produzieren als Olivenöl und irgendwelchen Käse.

Und schließlich soll er ja auch ein paar Jahre halten. Nicht schon wieder nach ein paar Monaten den Geist aufgeben. Also doch deutsche Wertarbeit? Aber da muss man ja so aufpassen. Denn selbst wenn ein deutscher Name drauf steht, können ja immer noch die Amis, die Japaner oder die Chinesen die Finger drin haben. Früher war das eben alles viel einfacher. Da gab es zwei Firmen, die Kühlschränke hergestellt haben. Und das war es dann. Man musste nur zwischen den beiden wählen. Und da ist man dann natürlich nach dem Preis gegangen.

Aber am einfachsten ist es wahrscheinlich, wenn wir mal schauen, was die Leute bei Amazon über die verschiedenen Modelle sagen. Bei den Büchern haben sie ja auch meistens Recht. Und dann kann man den Kühlschrank ja eigentlich auch gleich bei Amazon bestellen. Die Angebote dort sind ja schließlich doch immer die günstigsten. Und außerdem haben die ja jetzt auch behauptet, dass sie in Zukunft vielleicht sogar Steuern bei uns zahlen wollen. Das stärkt doch sicher irgendwie auch unsere heimische Wirtschaft. Und den Euro-Raum.

Schwabenkinder 4.0

Auch Papst Franziskus spricht in der Enzyklika ‚Laudato Si‘ (siehe auch Blog „Rätselstunde“) das Thema an, allerdings nur sehr peripher. Dabei ist es so aktuell wie eh und je. Sogar wer glaubt, dass „Schwabenkinder“ Vergangenheit wären, muss sich eines Besseren belehren lassen. Heute sind es zwar nicht mehr Kinder aus Tirol oder der Schweiz, die in Friedrichshafen für eine Saison an Bauern verkauft werden. Aber es gibt zum Beispiel Kinder aus Rumänien, die in England auf Feldern arbeiten. In der Industrienation USA sind jedes Jahr bis zu 400.000 Kinder als Erntehelfer beschäftigt, viele von ihnen arbeiten bis zu 12 Stunden am Tag, wandern von Farm zu Farm.

Das Gros der ca. 170 Millionen Kinderarbeiter weltweit lebt jedoch in sogenannten Dritte-Welt- oder Schwellenländern. Wobei letzterer Terminus inzwischen eine noch zweifelhaftere Bedeutung hat, denn meistens heißt es nur, dass in diesen Ländern die Schwelle zu noch mehr Ausbeutung überschritten wurde. Jedenfalls ist Kinderarbeit in Asien, Afrika und zum Teil auch in Lateinamerika oft fester Bestandteil eines Familieneinkommens, manchmal sogar das einzige Einkommen. Und es gibt eine neue Form von „Schwabenkindern“.

Jetzt sind es die Kinder von Familien aus dem arabischen Raum oder aus Afrika, die auf die Reise geschickt werden, um in der Fremde Arbeit zu suchen Mit der dann wiederum die Familie unterstützt respektive am Leben erhalten werden soll. Ich kenne so ein Kind. Es ist ein Junge. Er ist 11 Jahre alt. Nennen wir ihn Said. Said war mit einer anderen Familie acht Monate unterwegs, die Eltern und Geschwister sind im Irak geblieben. Said hat auf dieser Irrfahrt Dinge gesehen und erlebt, die schon für Erwachsene schwer zu ertragen sind. Weshalb er jetzt wie ein Erwachsener im Körper eines Kindes aussieht.

Said hat eine große Verantwortung mit auf den Weg bekommen. Er soll einen Beruf erlernen, Arbeit finden, um seine Familie zu unterstützen. Doch seine Eltern sind keine Sadisten, denen das Schicksal ihres Kindes gleichgültig ist. Es war ihnen nicht egal, was mit ihrem Kind passiert, wenn sie es auf die Reise ins Unbekannte schicken. Saids Eltern sind nur verzweifelt. Und es gibt mehr und mehr Saids. Sogenannte „unbegleitete“ Kinder und Jugendliche. Die wie ihre Eltern hoffen und glauben, dass es in den reichen Industrienationen einen Platz für sie gibt und Arbeit. Es sind die Schwabenkinder 4.0. Zur Erinnerung: Ihre Vorgänger mussten mehr als drei Jahrhunderte warten, bis man sich wirklich um ihr Schicksal kümmerte.