Archiv für den Monat November 2015

Rechenexempel

Die Türkei liegt bei den Deutschen als Urlaubsland auf Platz drei der Beliebtheitsskala. Ganz besonders beliebt ist Antalya. Weniger häufig besucht werden die Kurdengebiete. Da es dort durchaus schon einmal passieren kann, dass ein Urlauber einem Militär- oder Polizeieinsatz in die Quere kommt. Jedenfalls sollen im vergangenen Jahr 4,51 Deutsche, die älter als 14 Jahre waren und länger als fünf Tage verweilten, in der Türkei Urlaub gemacht haben.

Nachdem die AfD derzeit bei Wahlen auf gut neun Prozent der Wählerstimmen käme und jeder zweite AfD-Anhänger gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ist, es aber 64,4 Millionen Wahlberechtigte in Deutschland gibt, kann man also davon ausgehen, dass mindestens 5,79 Millionen Deutsche gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sind.

Wäre es da also nicht sinnvoller, wenn man jetzt der Türkei vorschlagen würde, dass nur im Gegenzug für jeden Flüchtling, der von der Türkei nicht nach Europa weitergeschickt wird, eine Deutsche und/oder ein Deutscher, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sind, Urlaub in der Türkei machen dürfen. Anstatt der Türkei drei Milliarden Euro für den Kampf gegen die PKK zur Verfügung zu stellen.

Weihnachtsgeschichte zum Advent

Bevor jetzt der Stress mit all den Weihnachtseinkäufen und sonstigen Vorbereitungen auf den Heiligen Abend so richtig losgeht, ist heute vielleicht noch Gelegenheit, beim Flackern der ersten Kerzen ein paar besinnliche Minuten einzulegen. Sich eventuell sich sogar den ursprünglichen Anlass für den kommenden Kaufrausch, die Weihnachtsgeschichte, zu vergegenwärtigen. Dass sie von einer jungen, angehenden Familie erzählt, von Josef und der hoch schwangeren Maria, die ihren Heimatort verlassen muss, weil eine Volkszählung angeordnet ist. Weshalb dann Jesus in einem Stall zu Bethlehem zur Welt kommt.

Was bei den Krippenspielen meist nicht mehr erwähnt wird, ist bei Matthäus (Math. 1,18-25; 2,1-23) nachzulesen. Demnach haben die Weisen aus dem Osten im Königspalast in Jerusalem nach dem „neugeborenen König der Juden“ nachgefragt. Und so erfährt König Herodes, dass ein „Rivale“ geboren wurde, weshalb er den Kindermord zu Bethlehem befiehlt. Doch Maria und Josef werden von einem Engel gewarnt und fliehen nach Ägypten.

Weshalb man aus heutiger Sicht nur sagen kann, dass sie wirklich Glück gehabt haben. Denn heutzutage werden Menschen, denen in ihrem Land Unheil droht, nicht mehr von einem Engel gewarnt. Sie fallen eher in die Hände von Schleusern. Und wenn sie dann in ein gelobtes Land wie das unsrige aufbrechen, nicht in einem Meer ertrunken oder in der Wüste verdurstet sind, dann werden sie nicht gleich von freundlichen Hirten besucht und von weisen Männern reich beschenkt werden. Sie werden an Grenzen zusammengepfercht, erhalten Essensrationen, die um einiges weniger appetitlich sind als das, was hierzulande tagtäglich tonnenweise in den Mülltonnen landet.

Und daran zu denken, muss das ja nicht gleich heißen, dass einem der Stollen im Hals stecken bleibt. Man muss deshalb auch nicht auf Weihnachtseinkäufe verzichten. Aber man könnte sich einmal Gedanken machen, welche Bedeutung eigentlich in dieser Weihnachtsgeschichte steckt. Sich vielleicht daran erinnern, dass seit mehr als einem halben Jahrhundert das Einzige, das uns in die Ferne treibt, der Urlaub ist. Und unter Umständen auf die Idee kommen, dass man es vielleicht auch wie die Hirten und Hl. Drei Könige machen könnte. Nämlich Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, die in Not sind, willkommen zu heißen und zu beschenken.

Besonders, weil sich die meisten von uns mit all unserem Wohlstand doch eigentlich wirklich wie die Könige fühlen können. Wer weiß, was aus Jesus geworden wäre, wenn seine Eltern in Ägypten in einem Hotspot hätten bangen müssen, dass sie wieder zurück nach Bethlehem müssen, in die Hände von Herodes Schergen. Nur weil Bürger Angst um ihre gepflegten Vorgärten hatten, und dass ihre Weihnachtsidylle gestört wird. Aber stimmt, damals gab es ja noch gar kein Weihnachten und keine Vorgärten. Vielleicht haben deshalb die Menschen noch freundlich Flüchtlinge aufgenommen.

Gut essen und trinken

Schicksalstage für die Menschheit? Wird zwischen dem 30. November und dem 11. Dezember in Paris beim Weltklimagipfel über unsere Zukunft entschieden? Aber nicht doch. Warum schon wieder diese Hysterie? Auch wenn sich manche Medien schon überschlagen, Demonstranten die Plakate schwingen. Vor allem werden die Delegierten aus vermutlich mehr als 176 Ländern in diesen 12 Tagen gut essen. Und wahrscheinlich auch die eine oder andere Flasche Wein leeren. So viel Zutrauen darf man schließlich in die Politik haben. Die haben sich schon was gedacht, als sie sich gerade für Paris als Tagungsort entschieden haben.

Und das ist wichtig. Schließlich ist eine Entscheidung in solch elementaren Dingen doch auch im besonderen Maße von der Befindlichkeit eines Menschen abhängig. Da sind nicht blinder Aktionismus gefragt sondern wohl ausbalancierte Überlegungen. Und eine gute Portion Gelassenheit. Die sich ja zumeist nach einem guten Essen einstellt. Auf jeden Fall wird man nach diesem Weltwirtschaftsgipfel in der Hauptstadt der Gourmets nicht behaupten können, dass er umsonst war. Für die Delegierten wird das auf jeden Fall eine positive Erfahrung sein.

 

Börsenkrach und Brückentage

Ich habe so einen Schrecken bekommen, als ich heute Morgen zum ersten Mal den Computer hochgefahren habe. „Black Friday“ stand da überall in riesengroßen Buchstaben. Und ich habe natürlich den Browser sofort wieder weggeklickt. War ich mir doch ziemlich sicher, dass schon wieder irgendetwas Schlimmes passiert ist. Man denke mal nur an den schwarzen Freitag von 1929, als am 25. Oktober die New Yorker Börse zusammenbrach und damit die Weltwirtschaftskrise auslöste.

Dass es irgendetwas mit dem sogenannten IS zu tun haben könnte, daran wollte ich nach dem 13. November gar nicht erst denken. Dass hätte nämlich bedeutet, dass in Deutschland alle Fußballspiele abgesagt worden wären. Was für ein Alptraum. Vor allem für Herrn de Maizière. Der ja unter garkeinen Umständen etwas sagen will, was die Bevölkerung beunruhigen könnte. Weshalb er dann nur sagt, dass er nichts sagen kann, weil sich sonst die Bevölkerung beunruhigt.

Zum Glück kam dann endlich die Post und somit die ganzen Werbeblätter, die ich mir freitags immer besonders akribisch anschaue. Wegen der Sonderangebote und dem Framstag bei unserem Discounter. Jedenfalls stand es da auch, dass heute „Black Friday“ ist. Und da dachte ich mir dann doch, dass es wohl doch nicht so schlimm sein kann. Und siehe da, es ist alles in bester Ordnung. Es ist nur der Freitag nach „Thanksgiving“, wenn die Amerikaner sich einen Brückentag genehmigen und mit den Weihnachtseinkäufen anfangen.

Angeblich sollen da die Geschäfte in den USA den größten Umsatz machen. Weil es da auch so viele Sonderangebote gibt. An diesem schwarzen Freitag. Und deshalb hat es heute auch so lange mit dem Blog gedauert. Ich bin natürlich gleich los und jetzt erst wieder vom Einkaufen zurück. Und habe wirklich jede Menge Schnäppchen gemacht. So ein kleiner Amerikaner steckt halt auch in mir, TTIP hin oder her.

 

 

 

Ein Geheimnis ist gelüftet

Da ich gerade nichts anderes zu tun hatte (der Kuchen musste laut Rezept noch mindestens 12 Minuten im Herd bleiben, auch wenn mir die Rauschschwaden etwas seltsam vorkamen, die allerdings auch von der Flüchtlingsunterkunft nebenan gewesen sein können, vor der schon länger Wutbürger demonstrieren), habe ich mir einmal das „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28.7.1951“ angesehen, auch als Genfer Flüchtlingskonvention bekannt und von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert. Und bin da auf den Artikel 33 gestoßen.

Da heißt es unter Punkt 1: „Keiner der vertragschließenden Staaten wird einen Flüchtling auf irgendeine Weise über die Grenzen von Gebieten ausweisen oder zurückweisen, in denen sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht sein würde.“

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Erstens: Eine Obergrenze für Flüchtlinge, wie vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gefordert, würde gegen diesen Vertrag verstoßen. Zweitens: Dieser Begriff „Obergrenze“ ist das Gleiche wie „Pkw-Maut“ oder die „Herd-Prämie“. Und die Gemeinsamkeit besteht darin, dass die CSU etwas vehement fordert und/oder durchsetzt, von dem sie weiß, dass es gegen gültiges Recht oder Vereinbarungen zwischen Staaten verstößt.

Weshalb sich solche Forderungen vielleicht unter dem Begriff „präventive Wähler-Bindung“ zusammenfassen lassen. Gerne auch als „Populismus“ bezeichnet. Die Verfahrensweise: Potentiellen Wählern wird etwas versprochen, von dem man weiß, dass es nicht realisierbar aber ganz im Sinne dieser potentiellen Wähler ist. Weshalb anstatt „Obergrenze“ auch beliebige andere Begriffe eingesetzt werden können. Hauptsache, es ist etwas, was die Partei beliebt macht in der breiten Masse, aber nicht wirklich realisiert werden kann. Vielleicht wird sich die CSU demnächst in PSU umbenennen. Dann ist nur noch das „S“ etwas unstimmig.

Kindheitserinnerung

Es fing nicht damit an, dass man in einen Supermarkt ging oder in eine Bäckerei und etwas kaufte. Als erstes wurden immer die erforderlichen Utensilien aus dem Schrank geholt. Gereinigt, wenn nötig eingefettet. Bis alles bereit war für den großen Tag. Alle Arbeitsflächen rein und leer waren. Damit Teig gerollt und geknetet werden konnte. Die Backbleche ihren Platz hatten.

Und der entscheidende Moment, das war, wenn der Duft in die Nase stieg. Der keinen Zweifel mehr ließ, dass jetzt die Adventszeit begonnen hatte. Und das war eigentlich immer schon, bevor die Bleche aus dem Ofen kamen. Schon wenn der Finger in einem unbeobachteten Augenblick erst durch Teig fuhr und dann zum Mund ging. Wenn die Verpackungen der Zutaten aufgerissen, die Deckel der Gewürzdosen angehoben wurden. Um dann zur schieren Geruchsorgie zu werden, wenn zum ersten Mal die Backofentür geöffnet wurde.

Ich frage mich, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, den Geruch von Weihnachtsgebäck als Spray herzustellen und zu verkaufen. Oder als Duftkerze. Oder Räucherstäbchen. Dann hat man doch das ultimative Advents-Feeling im Haus, ohne dass die Küche und der Ofen schmutzig werden. Jetzt nur noch eine Kerze angezündet und den Weihnachts-Mega-Hit von Wham in den CD-Player geschoben. Dann ist es doch fast wie in der Kindheitserinnerung.

 

Nur ein Lied

Also irgendetwas stimmt bei mir nicht. Da setzt sich ein Mann in der Nacht nach 11/13 mit seiner Gitarre unter eine Dachschräge und spielt ein Lied, das er selber komponiert und getextet hat. Ausgelöst von dem Terroranschlag in Paris. Postet das Ganze als Video auf seiner Facebook-Seite. Und es ist zu lesen, dass er sich in der Nacht noch hingesetzt hätte, um so auf die Ereignisse musikalisch zu reagieren. „Gänsehaut PUR!!!!!!! Hut ab!!!!!!!! Dem Ganzen ist nichts mehr hinzuzufügen!!!!!!!!!!Alles, aber auch wirklich alles auf den Punkt gebracht!!!!!!! Alex, du bist ein toller Künstler – schön, dass es dich gibt!!!“, schreibt daraufhin jemand, nachdem das Lied auch bei Youtube gepostet wurde.

Weitere Reaktionen in Zahlen: Fünf Tage später war der Song auf Facebook 6,7 Millionen Mal angeklickt und 168.109 Mal geteilt. Ein neues Video, dieses Mal mit Klavierbegleitung und gediegenem Ambiente, bringt es auf Youtube immerhin in einer Woche auf mehr als 85.000 Klicks. Und auf change.org, wo es ansonsten eher um Folteropfer oder Umweltgifte geht, wurde eine Petition gestartet: „Alex für ESC.“ Begründung des Initiators, Diehl für den Eurovision Song Contest vorzuschlagen: „Ihm ist mit diesem Song in einzigartiger Weise gelungen, innerhalb kurzer Zeit nach den Terroranschlägen von Paris genau das auszudrücken, was Millionen von Menschen denken und fühlen.“

Und da fängt mein Problem an. Da frage ich mich, was mit mir eigentlich los ist. Das Lied drückt nämlich nicht aus, was ich denke und fühle. Ich glaube noch nicht einmal, dass der Text erst nach 11/13 geschrieben wurde. Schließlich schreibt Herr Diehl selber: „…für alles, was ich verloren hab… hab ich ein Lied geschrieben, für jede Träne gibt’s ne Melodie…“ Wohlgemerkt, Tage vor dem Terroranschlag in Paris.

Ich will auf keinen Fall die Gefühle von Millionen verletzen. Und die von Herrn Diehl schon gar nicht. Aber bei mir rührt sich überhaupt nichts, wenn ich das Lied höre. Ich denke mir höchstens, dass mich die Stimme nervt. Und wie das wohl klingen würde, wenn es Jack White singen würde. Oder Adele. Aber vielleicht sollte ich einfach eine Therapie machen. Oder meine Blog-Texte in Zukunft singen und auf der Gitarre begleiten. Dann bräuchte ich allerdings unbedingt auch eine Dachschräge.

 

Champagner unter der Blautanne

Ist es nicht jedes Jahr das Selbe. Irgendwann, wenn vielleicht schon der erste Schnee gefallen ist, wacht man eines Nachts schweißgebadet auf. Weil im Traum jemand eine Frage gestellt hat. Von der man wusste, dass sie gestellt werden würde. Wie jedes Jahr. Vor der man sich gefürchtet hat. Vor der man davongelaufen ist. Und nicht nur im Traum. Aber stets wusste, dass man ihr nicht entkommen kann. Es ist eine simple Frage, aber die Antwort darauf kann ungeahnte Konsequenzen haben. Wenn die Antwort nämlich für den Fragesteller unbefriedigend ausfällt. Und diese Frage lautet: Was wünscht du dir eigentlich zu Weihnachten?

Denn wenn man einfach lapidar und wahrheitsgemäß antwortet, dass man gerne ein neues Smartphone hätte, dann lautet der Vorwurf, dass man einfallslos sei. Greift man aber zu einer Notlüge und sagt, dass man wunschlos glücklich sei, so heißt es gleich, man wolle wohl Weihnachten boykottieren, habe keinen Sinn für dieses schöne Fest der Liebe. Und sei außerdem ein Lügner. Weil man erst neulich gesagt habe, dass es schön sei, wenn man noch Wünsche habe. Was dann allerdings nicht der beste Moment ist, nun zu sagen, woran man da neulich gedacht hatte. Ein Teufelskreis.

Der jetzt durchbrochen werden kann. Dank eines Versandhandels. Dort wird nämlich ein Champagnersäbel aus 200 Lagen Damaszener-Stahl angeboten. In einer Massivholz-Kassette. Um Irrtümern vorzubeugen, das ist keine Antiquität, keine Dekoration für das Wohnzimmer. Nein, dieser in Italien handgefertigte Säbel dient vielmehr dazu, Champagnerflaschen zu köpfen. Was ja gleichzeitig auch als starkes Statement gegen den sogenannten Islamischen Staat verstanden werden kann. Als Demonstration, dass wir uns unsere Lebensart nicht von irgendwelchen Terroristen nehmen lassen.

Auch weil hier nicht Köpfe rollen, wenn wir zum Säbel greifen, sondern der Korken mit dem Flaschenhals und mit 200 km/h davonfliegt. Und anschließend der Champagner in Strömen fließen kann. Und das Beste daran: Wenn Sie sagen, dass sie sich den zu Weihnachten wünschen, dann sehen Ihre Lieben, dass sie sich wirklich Gedanken gemacht haben. Dass Sie auch wollen, dass es ein schönes Fest der Liebe wird. Vielleicht, dass der Preis ein kleines Hindernis ist. Der Champagnersäbel kostet immerhin 665,– Euro. Aber schließlich ist Weihnachten ja nur einmal im Jahr.

 

Bobtails und Obergrenzen

Meine Nichte hat damit angefangen. Sie forderte eine Obergrenze für Witze bezüglich ihrer Frisur. Sie hat beim Friseur nicht aufgepasst, beziehungsweise der Friseur hat nicht richtig aufgepasst, und jetzt erinnert sie etwas an einen Bobtail. Nach harten Verhandlungen haben wir uns jetzt auf die Zahl Fünfzig geeinigt. Pro Tag. Und das macht nun Schule. Inzwischen haben wir eine Obergrenze für Haare im Waschbecken. Socken auf dem Schlafzimmerboden. Sätze, die mit „aber“ oder „kannst du mal?“ anfangen. Noch zu keinem Ergebnis sind wir für die Bereiche „Kekse“, „Sex“, „Wirtshausbesuche“, „Computerspiele (Stunden)“, „Müll raus tragen (wöchentlich)“ und „Sportsendungen“ gekommen.

Und wir fragen uns, wie wir bisher unser Leben gemeistert haben ohne Obergrenze. Zumindest weiß ich für mich jetzt, woher meine permanente Erschöpfung kam. Es war einfach diese andauernde und ermüdende Entscheidungsfindung. Also jedes Mal aufs Neue mit sich zu ringen, ob jetzt dieser Keks noch gegessen werden soll oder nicht. Jetzt wird einfach ein Keks nach dem anderen hineingestopft, bis die Obergrenze erreicht ist. Und das war es dann. Entspannt kann man anschließend sein Kontingent Computerspielzeit abarbeiten. Sich darüber freuen, dass die Obergrenze für „Müll raus tragen“ erreicht ist.

Zugegeben, anfänglich war ich ja dagegen. Also gegen diese Obergrenze für Flüchtlinge. Aber jetzt, nach diesem wirklich positiven Ergebnis im persönlichen Bereich, habe ich vollstes Verständnis für diese Forderung. Es macht das Leben einfach einfacher. Und ein kleines Problem dürfte sich jetzt eigentlich nur noch aus dem Wetterumschwung ergeben. Schließlich haben wir ja so etwas wie einen Wintereinbruch. Und man muss wohl davon ausgehen, dass auf Grund der Temperaturen der eine oder andere Flüchtling erfrieren wird. Aber vielleicht muss man da einfach auch nur eine Obergrenze festlegen. Dann müssen sich halt die Flüchtlinge einfach daran halten. Wir wären jedenfalls aus dem Schneider.

 

Völker, hört die Signale

Schon mancher hat sich den Kopf zerbrochen, was wohl der Unterschied ist zwischen diesen Franzosen und uns Deutschen. Jetzt mal abgesehen von den höchst unterschiedlichen Essgewohnheiten. Die ja nicht gerade alltägliche derzeitige Situation liefert nach meiner Meinung hierzu vielleicht nicht ganz neue aber deswegen nicht minder interessante Einblicke.

Da haben wir nämlich derzeit hierzulande und angesichts der großen Probleme, die sich ganz ohne Zweifel durch die Migranten schon ergeben haben und noch ergeben werden, die Situation, dass gerade eine Schwesterpartei dabei ist, die andere Schwesterpartei zu demontieren. Und vor allem deren Parteivorsitzende. Die rein zufällig auch noch Bundeskanzlerin ist.

Weshalb bei Menschen mit viel Phantasie der Eindruck entstehen könnte, dass der Hauptwidersacher, ein gewisser Horst Seehofer, vielleicht daran denkt, selbst Bundeskanzler zu werden. Jedenfalls ließ die Süffisanz, mit der er beim CSU-Parteitag Angela Merkel klar machte, dass er es sein wird, der bestimmt, dass es eine Obergrenze bei den Flüchtlingen geben wird, keinen Zweifel daran, dass es ihm nicht um die Sache geht. Sondern einzig um politisches Kalkül.

Während in Frankreich unbeschadet aller Differenzen und politischer Querelen angesichts der großen Probleme, vor die die jüngsten schrecklichen Ereignisse das Land gestellt hat, alle Lager zusammen geführt hat. Nicht einmal Sarkozy oder die ansonsten nicht zimperliche Marine Le Pen haben die Gunst der Stunde genutzt und den politischen Gegner attackiert, ihm irgendwelches Fehlverhalten vorgeworfen.

Aber vielleicht liegt das auch an den unterschiedlichen Leitmotiven. Geht es doch laut denen in deutschen Landen um Einigkeit und Recht und Freiheit. Was sich ja auch dahingehend interpretieren lässt, dass Einigkeit davon abhängt, ob jemand Recht hat, und andererseits jeder die Freiheit hat, dies anzuzweifeln. Wohingegen sich die Politiker in Frankreich die Freiheit nehmen, in Krisenzeiten Brüderlichkeit zu demonstrieren, auch wenn zuvor in politischen Fragen nicht unbedingt Gleichheit herrschte. Dann geht es nur noch um die Nation. In Deutschland scheint es die Stunde zu sein, in der nicht wenige Politiker lieber nach Posten, Macht und Wählern schielen.