Archiv für den Monat Februar 2016

Alles nur ein Missverständnis

Sie spielt Geige, zitiert Dante und ist Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Abgeordnete des Bundestages. Und sie ist in der Kaschubei geboren, also in Pommern, war infolgedessen für anderthalb Jahrzehnte Präsidentin des Bundes der Vertriebenen. Wenn sich also jemand mit Flüchtlingen auskennt, dann die 72-jährige Erika Steinbach. Weshalb sie auch fordert, dass diesen in den derzeitigen Erstaufnahmeeinrichtungen als erstes die deutschen Werte nahe gebracht werden. Wer sich schon hierbei unwillig zeige, würde schließlich wohl auch nicht integrationstauglich sein.

Erika Steinbach hat jetzt ein Foto getwittert, auf dem eine Gruppe zumeist freundlich lächelnder Mädchen und Jungen mit dunklem Teint um ein kleines blondgelocktes Kind herum steht. Darüber steht: Deutschland 2030. Und darunter ist zu lesen: Woher kommst du denn? Und schon brach über Frau Steinbach ein Shitstorm herein. Von Hetze und Rassismus war die Rede. Dabei ist alles ein Irrtum, basierend auf Oberflächlichkeit und Voreingenommenheit. Oder vielleicht sogar Böswilligkeit.

Denn wer diese Fotografie unvoreingenommen und aufmerksam betrachtet, wird feststellen, dass diese Aufnahme mit fast hundertprozentiger Sicherheit nicht in Deutschland gemacht wurde. Man sehe sich nur einmal die Beschaffenheit des Bodens an. Also zeigt dieses Foto nicht Kinder mit dunklem Teint, die in Deutschland ein blondgelocktes kleines Kind fragen, woher es denn komme. Nein, ganz offensichtlich befürchtet Frau Steinbach eine Entwicklung, die dazu führen könnte, dass kleine, blondgelockte Kinder aus Deutschland in ein Land fliehen müssen, in dem es freundlich lächelnde Mädchen und Jungen mit dunklem Teint gibt.

Es ist also eine Fotografie, mit der Frau Steinbach ein Bild der Zuversicht zeichnet. Uns allen Mut machen will. Sagt es doch aus: Wenn eure Kinder in Zukunft vielleicht einmal, sagen wir, nach Indien oder Pakistan fliehen müssen, dann werden sie dort auf jeden Fall freundlicher aufgenommen als die Kinder aus Syrien oder dem Irak derzeit bei uns in Deutschland. Dass dies ihrer Haltung entspricht, glaubte ich für einen kurzen Moment auch von ihrem Engagement belegt. Doch dann habe ich beim zweiten Lesen gesehen, dass sie sich nicht für Roma einsetzt sondern für ein Romantikmuseum in Frankfurt am Main.

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Schwan ohne Wasser

Es war ein ungewohntes Bild. Zumindest für diesen Landstrich. Einer weiten Ebene aus Feldern und kaum zerteilt von zwei, drei Wegen. Und vor allem ganz ohne jegliches stehendes Gewässer, kein See und noch nicht einmal ein Teich in der Nähe. Das einzige Nass, das in dieser Gegend zu finden ist, ein nicht sehr breiter Bach, ist von dem Platz, an dem dieser Schwan jetzt gesichtet wurde, weit entfernt. Er befand sich also nicht gerade in einer sonst für Schwäne üblichen Umgebung.

Bekanntlich sind Schwäne sehr treue Tiere. Und das nicht nur bezogen auf einen Partner, dem sie mitunter sogar ein ganzes Schwanenleben lang die Treue halten, sondern vor allem auch was ihren Lebensraum betrifft. Man könnte sagen, dass Schwäne sich gerne in einem Zuhause einrichten, wird von ihnen doch zum Beispiel auch ein Nest über Jahre hinweg für Elternschaft und Nachwuchs erhalten. Und auch in der Mythologie steht der Schwan nicht nur für Schönheit und Reinheit sondern auch für Stetigkeit.

Es muss also viel passiert sein, dass dieser Schwan wahrscheinlich Frau oder Mann und Nest und gewohnte Umgebung verlassen hat. Der Schluss lag also nahe, dass ihn etwas aus seiner angestammten Heimat vertrieben hatte. Wahrscheinlich von einem kleinen See, der kilometerweit entfernt gerade zum Top-Erholungs-Gebiet mit Spaß- und Abenteuerbereich und FKK-Strand aufgerüstet wird. Verbunden natürlich mit dem Einsatz von schwerem, lärmenden Gerät und Maschinen.

Bleibt dem Schwan zu wünschen, dass die in seiner neuen Heimat ansässigen Krähen und anderen Vögel und Tiere jetzt nicht gleich nach einer Obergrenze für Schwäne schreien. Und nicht Angst geschürt wird, dass jetzt nicht mehr genug Futter für alle da sein könnte. Doch die Gefahr scheint eher gering. Sind Tiere im Umgang mit anderen Tieren zumeist eher tolerant, ignorieren sie Neuzugänge im schlimmsten Fall. Und sie standen auch noch nie unter Verdacht, die Nester anderer Tiere angezündet zu haben.

Eine neue Allianz?

Es gab Stimmen in der Vergangenheit, die sagten, dass in diesem Blog der Name eines bestimmten Ministerpräsidenten zu oft auftauche. Deshalb ist heute einmal und weil Wochenende ist, ein Bundesminister im Fokus. Und zwar der Minister für Wirtschaft und Energie und Vorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel. So viel Ausgewogenheit soll schon sein. Insbesondere, nachdem ja auch Wahlen vor der Tür stehen. Mit denen es aber sicher nichts zu tun hat, was Herr Gabriel jetzt forderte.

Er will, offensichtlich nach sehr reiflicher Überlegung, ein „Solidaritätsprojekt für unsere eigene Bevölkerung“. Denkt dabei aber nicht daran, dass dies ein Ausgleich sein soll für all die Milliarden, die zum Beispiel für Subventionen in den unterschiedlichsten Bereichen ausgegeben werden. Nein, sein Motiv ist viel konkreter. Wie er jetzt in dem ZDF-Talk „Maybrit Illner“ sagte, höre er jetzt in deutschen Landen immer öfter von den Menschen da draußen den Satz: „Für die macht ihr alles, für uns macht ihr nichts!“ Was „supergefährlich“ sei und eben ein Solidaritätsprojekt „für unsere eigene Bevölkerung“ erfordere, damit die Menschen merkten, „dass ihre Bedürfnisse nicht weiter unter die Räder geraten“.

Zur Erläuterung: Mit „die“ sind laut Sigmar Gabriel die Hunderttausende Flüchtlinge gemeint, die nach Deutschland kamen und wohl noch kommen werden. Und er fordert explizit, dass eben nicht nur für die Integration von Flüchtlingen Geld ausgegeben werden dürfe, weil uns sonst „die Gesellschaft auseinanderfliegt“. Es sollten vielmehr im Rahmen dieses Solidaritätsprojektes in den sozialen Wohnungsbau und Kita-Plätze investiert und niedrige Renten aufgestockt werden.

Weshalb sich jetzt natürlich die Frage stellt, was den Vizekanzler, Bundeswirtschaftsminister und Vorsitzendem der SPD veranlasste zu glauben, dass die Sendung „Maybritt Illner“ zeitgleich bei einer Pegida-Kundgebung auf dem Dresdner Theaterplatz zu sehen sein würde. Oder ob er sich damit Tatjana Festerling, die sich gerade „voll und ganz hinter die Clausnitzer“ und das Vorgehen der dortigen Polizeikräfte stellte, und der Pegida als Redner  für den nächsten „Montagsspaziergang“ empfehlen wollte. Eine diesbezügliche Anfrage an das Ministerium wurde noch nicht beantwortet.

Clausnitz zeigt den Weg

Wenn das nicht ein Rettungsanker allererster Güte ist, hier endlich die Hand gereicht wird, um Angela Merkel vor dem endgültigen Absturz zu bewahren. Und wer ist der Retter in der Not? Die sächsische Polizei! Hat sie jetzt doch das einzig Richtige getan. Und Ermittlungen eingeleitet gegen den Mob im Flüchtlingsbus in Clausnitz. Der offensichtlich keine Ahnung hatte von deutscher Willkommens-Kultur. Würde nicht wundern, wenn die Wut der Businsassen daher rührte, dass man ihnen bei der Ankunft nicht gleich Gutscheine für Guthaben-Aufladungen ihrer Prepaid-Handys aushändigte.

Kann jetzt natürlich so ein Gutmensch daherkommen und behaupten, dass sich zum Beispiel der Junge deshalb so gewehrt hätte, weil jeder in Syrien weiß, dass der Anfang vom Ende im Chaos dieses Landes die Verhaftung von achtzehn Jungen zwischen 10 und 15 Jahren war. Sie sollen in der Stadt Daraa eine Parole gegen das Assad-Regime an eine Wand der Schule gesprüht haben und wurden von der Polizei verhaftet und gefoltert. Auslöser für die ersten großen Demonstrationen gegen das Regime.

Die nach kurzer Pause neue Dimensionen bekamen, nachdem der 13-jähriger Schüler Hamza verhaftet und wenig später von Sicherheitskräften seinen Eltern tot zurück gebracht worden war. Die Eltern dokumentierten Foltermale wie Brandwunden, zertrümmerte Kniescheiben, den gebrochenen Kiefer und die abgeschnittenen Genitalien und stellten sie als Video ins Internet. Diese Bilder waren dann Auslöser für die Aufstände in Homs und weiteren syrischen Städten. Was natürlich ein Polizist in Sachsen nicht wissen kann, schließlich bekämpft er das Verbrechen und studiert nicht Geschichte oder Psychologie.

Jedenfalls zeigen diese Ermittlungen einen ersten erfreulichen Ansatz und Möglichkeiten auf, das kürzlich verabschiedete Gesetz hinsichtlich der Abschiebung von straffällig gewordenen Asylbewerbern zum Tragen kommen zu lassen. Was natürlich zu einem spürbaren Sinken der Flüchtlingszahlen führen wird und damit Druck von der Kanzlerin nehmen würde. Wird dann auch die Forderung Seehofers, endlich wieder Recht und Ordnung in Deutschland herzustellen, erfüllt und auch gegen alle illegal eingereiste Flüchtlinge ermittelt, sinken die Zahlen endgültig auf ein erträgliches Maß, und statt um ihre Existenz und Sicherheit zu bangen, können viele Menschen endlich wieder aufatmen.

Natürlich müsste man die Industrie in die Ermittlungsverfahren einbinden, falls Fachkräfte unter den Angeklagten sind. Vielleicht wären auch Tageskontingente, wie von Österreichs Innenministerin Mikl-Leitner eingeführt, nicht schlecht. Dann könnte die Kanzlerin sicher auch wieder auf die Unterstützung Ungarns, Polens und Sloweniens zählen. Weil die wackere Polizei in Sachsen gezeigt hat, wie Rechtsstaatlichkeit aussieht. Dass in Deutschland Straftaten ohne Ansehen der Person geahndet werden. Nazis, Wutbürger, AfD-Politiker und Pegida-Anhänger können ein garstig Lied davon singen.

Schokoriegel

Mars, ein Familienunternehmen mit zweistelligem Milliardenumsatz und nicht ganz so bekannt dafür, dass unter seinem Dach auch Katzen- und Hundefutter hergestellt und vertrieben wird, hat in Deutschland eine Rückruf-Aktion gestartet. Auslöser dafür war ein Plastikteil, das in der Größe in den Nachrichten und Meldungen zwischen 0,5 und 1 Zentimeter schwankt und von einer Kundin in Deutschland in einem Mars-Riegel gefunden wurde.

Laut Auskunft der Firma, die 1911 von einem gewissen Frank C. Mars in Tacoma, USA, gegründet wurde, handelt es sich bei diesem Plastikteil höchstwahrscheinlich um ein Teil einer Abdeckung. Dabei wird es von einem Firmensprecher und auf der Website ausdrücklich als reine Vorsichtsmaßnahme bezeichnet, dass auch die Produkte Milky Way Mini, Snickers und Celebrations mit einem bestimmten Haltbarkeitsdatum von der Rückrufaktion betroffen sind.

Es wird nun viel gerätselt, warum Mars diese Rückrufaktion so breit angelegt hat. Insbesondere, weil in Deutschland ja nicht mit solch exorbitanten Klagesummen gerechnet werden muss wie zum Beispiel in den USA, wo in solchen Fällen auch schon zweistellige Millionensummen eingeklagt wurden. Der Wert der zurück gerufenen Ware wohl aber um ein vielfaches die Summe übersteigt, mit der für eine oder mehrere eventuelle Klagen in Deutschland zu rechnen wäre.

Recherchen im direkten Umfeld des Herstellungsbetriebes scheinen jetzt Aufschluss zu geben. Effizienz gehört nämlich zu den fünf Prinzipien der Firma, und darunter wird verstanden, dass stets alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. „Wir… verschwenden nichts und konzentrieren uns auf unsere Stärken“, sagt Mars. Weshalb sich der Verdacht erhärtet, dass noch sehr viel mehr Plastikteile in den verschiedenen Schokoriegeln unterwegs sein könnten. Und Mars nun einfach wieder in Besitz dieser Teile kommen möchte, um die Maschinerie, von der sie stammen, wieder instand setzen zu können.

Berufsverkehr

Manchmal sind es ausgesprochen banale Begebenheiten, die einem die Augen öffnen können. Zum Beispiel eine morgendliche Fahrt zum Arbeitsplatz. Es ist 6 Uhr 25. Auf einer Bundesstraße, die zur nächst gelegenen, größeren Stadt führt, reiht sich ein Auto an das andere. Wie jeden Morgen um diese Zeit. Was den einen oder anderen Autofahrer aber nicht daran hindert, eine Lücke im Gegenverkehr für ein Überholmanöver zu nutzen. Und an der nächsten Ampel zeigt sich dann der beeindruckende Geländegewinn: Eine Wagenlänge.

Doch nicht nur im Straßenverkehr scheint Geduld nur beschränkt geläufig zu sein. Man hat häufig auch in der Politik das Gefühl, dass alles andere als eine schnelle Lösung den Untergang bedeuten könnte. Nicht umsonst wird im gefühlten Minuten-Takt für die unterschiedlichsten Problemstellungen so eine schnelle Lösung gefordert. Dabei weiß jeder einigermaßen vernünftig denkende Mensch, dass das Überholen eines anderen Pkws im morgendlichen Berufsverkehr in keiner Weise zu einem schnelleren Vorankommen führt. Dass es für den Dreißigjährigen Krieg auch keine schnelle Lösung gab.

Ich habe den Eindruck, dass die Möglichkeit, in ein paar Stunden an entfernte Badestrände zu gelangen, zu der verbreiteten Annahme geführt hat, dass auch alles andere in diesem Tempo geschehen müsse. Natürlich wünscht man sich, dass die Menschen in Kriegsgebieten am liebsten in Lichtgeschwindigkeit wieder friedliche Zeiten bekämen. Dass Hunger und Not auf dieser Welt lieber heute als morgen ein Ende hätten. Aber es ist ebenso wenig realistisch wie zu glauben, dass man schneller ans Ziel käme, wenn man in einer langen Schlange ein Auto überholt.

Experten, wenn wir ihnen mal ausnahmsweise glauben wollen, gehen davon aus, dass es durchaus 100 Jahre dauern kann, bis man im Vorderen Orient zu einer neuen und friedlicheren Ordnung gefunden hat. In Europa hat dies übrigens um einiges länger gedauert. Weshalb auch die sogenannte Balkanroute nicht von heute auf morgen zum idyllischen Wanderweg werden wird. Afrika wird ebenso wenig  in kürzester Zeit zur blühenden Landschaft und einem Garten Eden, in dem die Menschen in Eintracht und ohne Hunger leben können.

Und nicht einmal Leute wie Donald Trump, Kim Jong-un oder Jaroslaw Kaczynski werden sich so schnell in Luft auflösen, wie man es sich eigentlich wünschen würde. Es braucht leider alles seine Zeit. Was nicht heißen soll, dass man nur untätig rumsitzen sollte. Meine Großmutter hatte dafür jedenfalls immer einen Satz parat: Steter Tropfen höhlt den Stein, lautete der. Sie hat dann immer noch dazugesagt, dass Rom auch nicht an einem Tag erbaut worden wäre. Vielleicht sollten die Menschen öfter mal an meine Großmutter denken.

Radiomusik

Normalerweise bin ich ja eher so der Mozart-Typ. Kleine Nachtmusik oder so. Auch mal gerne ein Brahms-Lied. Ich weiß absolut nicht, was mich heute bewogen hat, beim Rasieren einmal das Transistorradio im Bad einzuschalten. Ich wusste gar nicht mehr, dass es noch funktioniert.

Auf jeden Fall haben sie da gerade ein Lied gespielt, in dem jemand „Hör auf die Stimme, hör, was sie sagt“ singt. Und dann habe ich einmal in mich hineingehorcht, und wirklich, eine Stimme sagte zu mir: „Lege dich doch einfach wieder hin, mache dir heute mal einen gemütlichen Tag. Das fällt ja doch niemandem auf, wenn du mal die Arbeit verweigerst!“

Und ich muss sagen, es war ein wunderbarer Tag. Ich lag im Bett und habe Mozart gehört, ein Buch gelesen, oder auch einfach nur aus dem Fenster geschaut. Und ich glaube, dass es niemand bemerkt hat. Weshalb ich nun überlege, ob ich morgen früh nicht wieder in mich hinein horchen soll. Vielleicht hat meine innere Stimme wieder eine gute Idee.