Krawatten und Kohlekraftwerke

Ich wäre ja für ein absolutes Ausgehverbot gewesen. Und dass man heute auch niemand über die Grenze lässt. Ist ja nicht so schwer, das durchzusetzen. Sagt jedenfalls Frauke Petry von der AfD. Denn was passieren kann, wenn Menschen aus fremden Kulturkreisen mit unseren Gepflogenheiten unvorbereitet konfrontiert werden, das haben wir ja schon erlebt. Und was sollen dann diese Menschen davon halten, wenn wilde Horden von Frauen durch Straßen und auch Ämter ziehen und Männern die Krawatten abschneiden. Sie können ja nicht wissen, dass heute der unsinnige Donnerstag ist. Gerne auch als Weiberfastnacht bezeichnet. Und dass dieser Brauch aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts stammt, als Frauen dagegen monierten, dass bis dahin nur Männer Fasching feiern durften.

Und oft sind es ja schon die kleinen Dinge, die für uns selbstverständlich sind, sich aber jemand anderem eben nicht gleich auf Anhieb erklären. So habe ich einmal einen Mann gefragt, warum den manche seiner Landsleute nicht auf dem Fußgängerweg sondern auf dem danebengelegenen Fahrradweg laufen würden. Die Antwort war: Weil sie davon ausgingen, dass der Fußgängerweg nur für Deutsche wäre. Was vermuten lässt, dass diese Menschen Kenntnis haben von den Judenverfolgungen im Dritten Reich. Und sich nicht ganz sicher sind, ob sich seit dem in Deutschland wirklich so viel geändert hat.

Und sind wir doch einmal ehrlich. Warum zum Beispiel an so einem unsinnigen Donnerstag dies oder das getan wird, das versteht der aller größte Teil von uns „Einheimischen“ doch auch nicht wirklich. Uns verstört es einfach nur nicht, weil wir damit groß geworden sind. So wie wir ja auch nicht verstehen, dass aus Geldmangel keine Lehrer eingestellt werden können, aber die Betreiber von Kohlekraftwerken mit 1,6 Milliarden Euro und mehr dafür belohnt werden, dass sie ihre Dreckschleudern still legen. Stört aber auch niemanden, weil wir es ja nicht anders kennen.

Deshalb gebietet es eigentlich unsere Sorgfaltspflicht, Menschen, die aus Kulturkreisen zu uns gekommen sind, in denen man keinen unsinnigen Donnerstag respektive keine Weiberfastnacht kennt, heute einfach nicht auf die Straße zu lassen. Ich plädiere vielmehr dafür, dass lieber Kurse eingerichtet werden, in denen ihnen diese Seite unseres Lebens behutsam nahe gebracht wird. Sie nämlich mit unseren Werten, unserer Kultur und Geschichte oder der Rechtsordnung vertraut zu machen, wie es das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in seinen Integrationskursen tut, halte ich eher für gefährlich. Es würde letztendlich bedeuten, dass Migranten und Flüchtlinge im Endeffekt mehr darüber wissen als der größte Teil der Deutschen.  

 

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