Archiv für den Monat März 2016

Ferienlaune

Auch wenn schon zumindest die Osterfeierlichkeiten vorüber sind, es gibt noch keinen Grund, gänzlich zum Alltag zurück zu kehren. Schließlich ist am Morgen das Haus noch unüberhörbar bevölkert, der Aufgabenbereich hat sich noch nicht seine übliche Lässigkeit zurückerobert. Es sind immer noch Schulferien. Trotzdem gab es heute einen kurzen Moment des Innehaltens, fast bin ich geneigt zu sagen, des Nachdenkens. Unter anderem über das, was ich hier jeden Tag mache, von mir gebe, der großen weiten Welt des Internets an Ideen, Gedanken und manchmal sogar Tatsachen anvertraue.

Denn man kann sich natürlich und berechtigterweise fragen, was wohl gerade diesen Menschen dazu befähigen soll, etwas zu sagen respektive zu schreiben, was von Interesse und vielleicht sogar von einer gewissen Inhaltsschwere sein könnte. Und wenn man dies Befähigung freundlicherweise und aktuell wohl in erster Linie aufgrund des gerade herrschenden frühlingshaften Wetters nun einmal sogar als gegeben annehmen will, wer oder was könnte ihm eine Berechtigung erteilen, in diesem Zusammenhang und mitunter andere sogar leise zu kritisieren.

Ich habe lange gegrübelt. Und bin  wieder einmal zu der simplen Erkenntnis gekommen, dass sich diese Berechtigung aus der vielleicht etwas wenig erfreulichen Tatsache ableitet, dass eigentlich immer auch ich der Adressat für diese leise Kritik sein könnte. Ich möchte nicht einmal den kleinen Finger dafür ins Feuer legen, dass ich mir nicht vielleicht auch so einen protzigen Palast gebaut hätte wie ein gewisser Herr Erdogan. Oder in den Dschihad ziehen würde, wenn ich in Bitterfelde aufgewachsen und frühzeitig ausgeschult worden wäre. Und wenn ich klug genug wäre, würde ich vielleicht sogar eine Software entwickeln, mit der ich die Abgaswerte meines Mofas manipulieren könnte.

Das Einzige, was ich mir von mir nicht vorstellen kann, das ist, dass ich Frauen und Kinder ermorde und vergewaltige. Ihnen all das antue, was man ihnen gestern und heute und morgen auf dieser Welt antut. Aber soll ich deswegen in Zukunft nichts mehr gegen Mord und Vergewaltigung von Kindern und Frauen sagen und schreiben? In diesem konkreten Fall nehme ich es sogar hin, dass man mir den berechtigten Vorwurf machen kann, dass ich nicht wüsste, worüber ich schreiben würde. Und um zur Abwechslung einmal die ganze schlichte Wahrheit zu sagen: Ich will das auch nie wissen. Es ist unvorstellbar genug, zu wissen, dass es das gibt.

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Neue Freunde

Man könnte schon den Vorwurf machen, dass dies sprachlich nicht unbedingt der große Wurf ist. Heißt es doch zum Beispiel in dem Lied „Erdowie, Erdowo, Erdogan“, zum ersten Mal zu hören in der Satiresendung „Extra 3“ und gesendet vom NDR: „Ein Journalist, der was verfasst, das Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast.“ Da springt einem förmlich schon das angestrengte Bemühen entgegen, sich dem Reim auf Gedeih und Verderb zu verschreiben. Und noch schlimmer wird es, wenn es heißt: „Er lebt auf großem Fuß, der Boss vom Bosporus. Bei Pressefreiheit kriegt er’n Hals, drum braucht er viele Schals.“

Weshalb ich persönlich ja glaube, dass der hier satirisch aufs Korn genommene türkische Präsident Recep Rayyip Erdogan den deutschen Botschafter Martin Erdmann nur hat einbestellen lassen, weil er sich mehr Sorgfalt beim Verfassen solcher Texte wünscht. Auf garkeinen Fall aber hier die künstlerische Freiheit in einem Land im Visier hatte, das gerade dafür gesorgt hat, dass die Türkei für die Zahlung von mickrigen 6 Milliarden Euro die Absichtserklärung abgeben musste, mehr Flüchtlingslager zu bauen. Weshalb ich in der besagten Satire unbedingt auch noch angemerkt hätte, dass die Türkei die angeschlagene Wirtschaft durch Flüchtlinge zu sanieren versucht.

Dies aber eben in einer Form, die etwas mehr der langen und großen Tradition deutscher Lyrik und Reimkunst entspricht, damit der deutsche Botschafter nicht noch einmal im türkischen Außenministerium antanzen muss oder vielleicht sogar des Landes verwiesen wird. Dass es für die Einbestellung irgendeinen Zusammenhang geben könnte mit dem Besuch des Botschafters bei der Prozesseröffnung gegen zwei Journalisten, die der Spionage, Vorbereitung eines Staatsstreiches und Beihilfe zur Bildung einer terroristischen Vereinigung angeklagt sind, ist hingegen höchst unwahrscheinlich.

Schließlich hatte Erdogan zu diesem Zeitpunkt noch nicht in einer Fernsehansprache die Botschaften davon unterrichtet, dass Diplomaten zwar in ihren Botschaften und Konsulaten tätig werden dürften, außerhalb jedoch eine Erlaubnis nötig sei. Interessant wäre allerdings in diesem Zusammenhang, wann es eigentlich in jüngster Vergangenheit zu einem Gedankenaustausch zwischen Erdogan und dem nordkoreanischen Kim Jong-un gekommen ist, und ob die Türkei nur deshalb auf Visa-Freiheit für Türken in der EU gepocht hat, um wie Nordkorea Leih-Arbeiter im Ausland einzusetzen. Die nur einen geringen Teil ihres Lohnes behalten dürfen und alles andere an den Staat abführen müssen. Vielleicht muss ja das bescheidene Heim des türkischen Präsidenten vergrößert werden.

Schwarzfahrer

Manchmal sind es die Randnotizen und eher unbedeutenden Begebenheiten, die, einmal in aller Ruhe bedacht, Zuversicht geben und Mut machen können. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ja gerade zur Zeit viel gejammert und geargwöhnt wird, was alles an Kosten zu Buche schlägt für Integration, Solidarpakete, Auslandseinsätze oder Ausfallzahlungen für Konzerne beim Atomausstieg oder bei der Braunkohle. Jetzt gab es nämlich ein Vorkommnis, das unmissverständlich zeigt, dass trotzdem noch ein bisschen Geld in der Kasse der öffentlichen Hand ist.

Es ist schon ein paar Tage her, da wurde nämlich in einer S-Bahn in einer Landeshauptstadt ein Jugendlicher kontrolliert und dabei festgestellt, dass dieser keinen gültigen Fahrschein hatte, und seine vier Begleiter vermutlich auch nicht. Und allesamt waren ausgesprochen renitent. Woraufhin der Kontrolleur natürlich die Polizei rief. Was offensichtlich den vier Begleitern missfiel, weshalb sie über die Gleise den Ort der Handlung verließen. Was wiederum der Polizei missfiel, weshalb sie kurzerhand eine Suchaktion startete. Unter Einsatz von mehreren Streifenwagen und eines Hubschraubers.

Rechnet man einmal, dass die Schwarzfahrer, wenn sie gefasst werden, jeweils 60 € Strafgeld zu bezahlen hätten, also insgesamt 240 €, sich aber alleine die Kosten für den Einsatz eines Hubschraubers je nach Typ pro Minute auf mindestens 60 bis 80 € belaufen, weshalb in einer halben Stunde schon mal an die 1800 € anfallen können, so darf man getrost davon ausgehen, dass auf jeden Fall noch genügend Geld in der Staatskasse ist, um mit aller Härte und Konsequenz gegen Schwarzfahrer vorzugehen. Und da soll noch einer behaupten, unser Rechtsstaat wäre in Gefahr.

Krokodilstränen

Während sich nicht geringe Teile der Weltbevölkerung darüber erregen, dass Facebook Schwächen im Fach Erdkunde gezeigt hat, nachdem auch Menschen in Franken, Belgien oder Hawaii die Möglichkeit eingeräumt wurde, mittels « Safety Check » Freunden zu signalisieren, dass sie den Terroranschlag von Lahore, Pakistan, überlebt haben, scheint das Attentat selber weltweit keine besondere Empörung hervor zu rufen. Bezogen auf deutsche Lande kann es natürlich daran liegen, dass Politiker im Osterurlaub sind, und der Rest der Nation noch von dem Ergebnis der fußballerischen Begegnung zwischen Deutschland und England zu sehr geschockt ist, um irgendwelche Anteilnahme zu signalisieren.

Nichtsdestotrotz stellt sich und nicht zum ersten Mal die Frage, ob sich eigentlich Betroffenheit an geografischen Voraussetzungen orientiert. Eine Frage, der sich auch Facebook schon einmal stellen musste. Nachdem nämlich der Safety Check nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November aktiviert worden war, nicht aber nach dem Attentat in Beirut am Tag zuvor. Bei Facebook hat man dazugelernt, weil es hier ja auch nicht um Betroffenheit und Mitgefühl geht. Der Rest der Welt scheint sich hingegen immer noch nur dann zu entsetzen, wenn quasi die Detonation zu hören war, sich also mehr oder minder vor der eigenen Haustür ereignete.

Um auch dem Bild vom regelwütigen Volk zu entsprechen, schlage ich deshalb vor, Zonen einzurichten. Je nach der Zahl der Opfer kann dann demnach ein ganzer Staat geschockt sein. Bei entsprechenden politischen Verflechtungen respektive intensiven Handelsbeziehungen kann dieser Schock allerdings auch auf Nachbarländer ausgedehnt werden. Bewegt sich die Zahl der Opfer zum Beispiel in einem fünfstelligen Bereich, darf sich die Anteilnahme auch auf andere Kontinente erstrecken. Wobei dann allerdings natürlich auch noch nach Naturkatastrophen und Terroranschlägen unterschieden werden muss.

Schließlich ist ein Angriff auf eine Demokratie westlicher Prägung höher zu werten als einer in einem Land wie Pakistan, das keine westlichen Werte zu bieten hat. Auch wenn sich hier der Grad der Betroffenheit natürlich latent erhöht durch die Frauen und Kinder unter den Opfern und die Tatsache, dass es sich zum Teil um Christen handelte. Womit wieder einmal der Zeitpunkt gekommen wäre zu betonen, dass ich ein Mensch von schlichtem Gemüt bin. Diese Menschheit hat fliegen gelernt. Sie kann sich über tausende von Kilometer verständigen. Sie hat sogar einen Schuh geschaffen, bei dem sich die Schnürung selbsttätig zuzieht. Und sie soll nicht in der Lage sein, dem Tod von Menschen ein Ende zu machen, deren einziger Fehler ist, am falschen Ort zu sein oder den falschen Glauben zu haben?

Machen wir uns doch nichts vor. Der einzige Grund, warum es diesen Terror gibt, besteht doch darin, dass nicht wirklich etwas dagegen unternommen wird. Weil viele Menschen und ganze Staaten daran verdienen. Die von anderen Staaten nicht daran gehindert werden, weil sie doch als Exportland benötigt werden für die eigene Wirtschaft. Weil unser eigentliches Trachten doch nur darin besteht, nicht selber eines der Opfer zu werden. Wen haben die täglichen Terroranschläge im nach-amerikanischen Irak interessiert? War doch weit genug weg. Und Verwandtschaft haben die wenigsten von uns in Bagdad. Auch wenn das sicher diskriminierend für Krokodile ist, aber wäre es nicht mal langsam an der Zeit, die Krokodilstränen zu trocknen und zu überlegen, ob wir diese Heuchelei noch bis ans Ende aller Tage betreiben wollen? Sagen wir doch einfach mal die Wahrheit.

 

Frohe Ostern

Wohl dem, der einen Freund hat, der gerade aus Vietnam nach Deutschland gekommen ist. Und die Frage stellt, was denn eigentlich Ostern sei. Als erstes fällt einem natürlich ein, dass das dieses Wochenende ist, an dem man stundenlang gefärbte Eier aus zum Teil natürlichem Material und andere Süßigkeiten versteckt, die dann zu einem nicht geringen Teil das Schicksal von einzelnen Socken teilen. Sie werden nie wieder gefunden. Dafür finden sich auf den Tischen an diesem Wochenende zu verschiedenen Gelegenheiten Speisen, für die Lämmer sterben mussten und andere Tiere, für vieles war aber auch nur Zucker, Mehl und noch ein paar andere Zutaten nötig.

In erster Linie ist aber Ostern ja eine günstige Gelegenheit, um endlich mal wieder ein paar Tage auszuspannen, also um nach Florida zu fliegen oder zumindest in die Berge zum Skifahren zu fahren oder, wenn es gar nicht anders geht, auch mal wieder Verwandtschaft zu besuchen, auf dem Weg zu einem Erlebnisbad, das einem noch länger in Erinnerung bleiben wird, weil man mit einem Fußpilz nach Hause kommt. Aber natürlich ist Ostern auch das Wochenende, an dem manche Menschen in immer kleiner werdenden Gruppen auf die Straße gehen, um für den Frieden zu demonstrieren. Was aber kaum noch jemand beachtet, denn Gott sei Dank findet der Krieg ja woanders statt.

Dass Ostern aber auch noch eine andere Bedeutung haben könnte, darauf verweist eigentlich nur das Fernsehprogramm. Denn es werden zumindest am Morgen erstaunlich viele Gottesdienste übertragen und der Papst sagt irgendetwas von „urbi et orbi“ und Bischof Marx und ein Herr Bedford-Strohm kommen in auch in den Abendnachrichten kurz zu Wort. Das bezieht sich aber nur auf öffentlich-rechtliche TV-Sender, alle anderen bringen das übliche Programm von „Bauer sucht Frau – das große Wiedersehen“ bis „Crocodile Dundee – Ein Krokodil zum Küssen“. Am ehesten könnte noch „Gladiator“ einen Bezug zum Osterfest darstellen.

Aber zum Glück gibt es Suchmaschinen im Internet. Dort heißt es, dass an Ostern Jesus von den Toten auferstanden sei, nachdem er am Karfreitag auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt worden wäre. Und sich Christen an diesem Wochenende daran erinnern würden. Woraufhin ich einen Nachbarn gefragt habe, der mir antwortete, dass er davon nichts wüsste, denn er sei erst vor zwei Jahren aus Sachsen hierher gezogen. Aber dafür wüsste er ganz genau, dass Islamisten den Leuten die Hände abhacken und deutsche Frauen vergewaltigen. Mein vietnamesischer Freund hat daraufhin beschlossen, sich selber zu informieren, was es mit Ostern auf sich hat. Mir fiel dann noch die Zeitumstellung ein.

Erdbeeren, Kaffeekapseln und SUVs

Der Hamburger Senat hat jetzt den Kauf von Kaffeekapseln durch Angestellte und Staatsdiener auf Staatskosten untersagt. In erster Linie, weil durch Kaffeekapseln enorm viel Müll produziert und Energie durch die Verpackung verschwendet wird. Es hat sich bereits eine Initiative gebildet, die auch auf Städte wie zum Beispiel Berlin oder München Druck ausüben will, dem Beispiel Hamburgs zu folgen. Ein sinnvolles und unterstützenwertes Vorhaben, das den Umweltschutz und die Energiewende, die ja auch durch die Einsparung von Energie vorangetrieben wird, bestimmt wieder einen Schritt weiter bringt.

Was ich aber vermisse, das ist zum Beispiel eine Regelung, die untersagt, im Monat März ein Kilo Erdbeeren für 1,98 € in Supermärkten anzubieten. Zwar hält sich der Müll in diesem Zusammenhang einigermaßen in Grenzen, der entscheidende Faktor ist hier jedoch die enorme Energie, die aufgewendet werden muss, um schon um diese Jahreszeit und so preiswert Erdbeeren anzubieten. Von Heizungsanlagen für Spargel, damit es in den Supermärkten schon vor der Spargelzeit Spargel gibt, ganz zu schweigen.

Auch habe ich keinerlei Verständnis dafür, dass riesige SUVs, also diese sogenannten Sport- respektive Nutzfahrzeuge in Städten stundenlang im Stau stehen und aufgrund ihrer Größe oft ebenso lange nach Parkplätzen suchen. Hier sehe ich ganz besonders viel Potential Energie und Material einzusparen. Und auch der Müll ließe sich reduzieren, den die Insassen verursachen, wenn sie wegen der langen Fahrzeiten Fast-Food verzehren und Verpackungen und Trinkbecher während der Fahrt entsorgen. Aber auf jeden Fall ist das mit den Kaffeekapseln schon mal ein guter Anfang.

Kopierpapier

Das wird heute etwas kurz und bündig ausfallen. Hat nichts mit Karfreitag zu tun, die Füße bekam ich gestern schon gewaschen. Aber ich habe gerade noch kurz vor Ladenschluss einen Posten Kopierpapier ergattert. Eine Maxi-Box mit 2.500 Blatt. Aus nachhaltiger Forstwirtschaft und mit einer Beständigkeit nach DIN 9706 von ca. 200 Jahren. Letzteres bedeutet vermutlich, dass das Papier auch meine Kinder überlebt. Und das Ganze für 20 Euro und 39 Cent. Vermutlich kann ich ja das ganze Papier noch nicht einmal selber verbrauchen. Wo das Meiste heutzutage digitalisiert wird.

Doch man kann ja nicht immer nur an sich selber denken. Manchmal muss man einfach auch ein bisschen an die zukünftigen Hinterbliebenen denken. Und außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass meine Hinterlassenschaft verantwortungsvoll genutzt werden wird. Was aber nicht bedeutet, dass ich deshalb allzu vertrauensselig bin.  Ich werde heute also einmal überprüfen, ob das auch wirklich 2.500 Blatt sind. Was wohl einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Dass ich heute über Hinterbliebene und Hinterlassenschaften nachdenke, hat übrigens auch nichts mit dem Karfreitag zu tun. Das liegt eher an den derzeitigen Umständen.