Hochkulturen und Rosenblütenbäder

Da habe ich etwas losgetreten. Ich hatte gerade den gestrigen Beitrag gepostet, als auch schon der Reiseplan fertig war. Schon nach zwei Stunden standen wir dann vor dem Wellness-Bad, einem imposanten Glaspalast mit dem Charme einer Bahnhofshalle. Aber immerhin das einzige in erreichbarer Nähe mit einem Rosenblütenbad im Angebot. Laut Prospekt „stimmungsaufhellend und rückfettend“! Doch leider komme ich nicht in den Genuss herauszufinden, wie sich „rückfettend“ auf eine aufgehellte Stimmung auswirkt. Rosenblütenbäder gibt es nur auf Vorbestellung. Wahrscheinlich müssen dann erst einmal die Gärten in der Nachbarschaft geplündert werden. Dass man sich auch hier der ökologisch und ökonomisch nicht vertretbaren Blumenimporte aus Kenia bedient, möchte ich nun wirklich nicht hoffen.

Nur gut, dass es die Hot-Stone-Massage auch ohne Reservierungen gibt, sie beruhigt nach Ansicht der Wellness-Badbetreiber die Seele. Was bei mir aber nicht viel nützt. Denn außerdem gibt es eine Schokoladen-Massage im Angebot, die man auf keinen Fall auslassen darf, und mich zu einem „emotionalen und optischen Naschwerk“ macht. Doch während ich noch grüble, was ein emotionales Naschwerk ausmacht, erfahre ich außerdem, dass mexikanische Hochkulturen vor 500 Jahren Kakaobutter als Stoff für Heil- und Wundsalben verwendeten. Aber leider nicht, wie ich diese klebrige Soße wohl jemals wieder aus meiner zugegebenermaßen sehr männlichen Behaarung raus kriegen soll.

Auf jeden Fall gingen mir so auch auf der Heimfahrt die mexikanischen Hochkulturen nicht aus dem Kopf, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich eigentlich dachte, dass vor 500 Jahren die Spanier den mexikanischen Hochkulturen schon den Garaus gemacht hätten. Aber das iPhone meiner Beifahrerin belehrte mich, dass erst um 1521 die Spanier und Epidemien für das Ende der Hochkultur sorgten. Einer Hochkultur, die erstaunlicherweise nicht unbedingt auf Unterwerfung andere Völker ausgerichtet war sondern sich zumeist damit begnügte, Tribut von anderen Völkern zu fordern. Was einen Verdacht in mir aufkeimen ließ. Vielleicht ist dieses Land mit seinem allmächtigen Herrscher vom Format eines Moctezumas, das gerade einen milliardenschweren Tribut von den Nachbarländern im Nordwesten seines Landes einfordert, ja auch eine Hochkultur? Aber wenn sich Geschichte wiederholt, wer wird dann den Part der Spanier übernehmen?

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