Archiv für den Monat Oktober 2016

Gruselige Köpfe

Die Aufregung ist vielleicht doch nicht so ganz verständlich. Wird aber fast täglich ausgiebig gepflegt. Ob nun gerade der türkische Präsident Erdogan beabsichtigt, die Todesstrafe einzuführen oder wieder mal die Redakteure einer unliebsamen Zeitung ins Gefängnis werfen lässt. Der philippinische Präsident Duterte Staatsoberhäupter, einen Papst oder auch das EU-Parlament übel beschimpft und zum Mord anstiftet. Ein US-amerikanischer Präsidentschaftskandidat verbal unter die Röcke von Frauen greift und Ethnien diskriminiert. Ungarns Nationalist Orban Flüchtlinge und Muslime diffamiert und Volksentscheide ebenso wenig akzeptiert wie Vereinbarungen auf EU-Ebene. Oder ein russischer, ranghoher Politiker, der hier namentlich nicht genannt werden soll, Kinder und anderen Zivilisten bombardieren lässt.

Ihnen allen ist doch gemeinsam, dass sich die Welt. oder zumindest große Teile davon, angewidert zeigt von ihnen und ihren Worten und Taten. Was aber ganz offensichtlich nur eine reine Äußerlichkeit ist. Weil dies nämlich keine allzu weitreichenden Konsequenzen hat. So wie einst auch bei einem Gaddafi oder Berlusconi zum Beispiel, die man sich ja auch nicht gerade als Schwiegersöhne gewünscht hätte. Es werden weiter gute Geschäfte gemacht mit ihnen. Niemand kommt auf die Idee, diese Staatsoberhäupter deutlich wissen zu lassen, dass man mit ihnen nichts zu tun haben will. Solange sie sich so aufführen, wie sie sich aufführen.

Aber da ist ja noch der Dialog. Man muss mit den Bösewichten doch reden. Das ist die einzige Möglichkeit, sie doch noch von ihrem Tun abzubringen. Wird zumindest behauptet. Was dann auch immer wieder zu großer Fröhlichkeit bei den betreffenden Staatsmännern führt. Um es im Jugend-Jargon zu sagen: Die schmeißen sich weg vor Lachen. Weil das so ähnlich ist, als würde man einem halloween-mäßig hergerichteten Kürbis gut zureden, dass er nur ja nicht kleine Kinder erschrecken soll.

Ist es nicht eher so, dass es für die entrüsteten Menschen einfach zum guten Ton gehört, sich zu entrüsten? Aber überhaupt kein Handlungsbedarf besteht? Was den Urheber dieser Zeilen natürlich mit einschließt. Sieht es nicht eher so aus, dass man das zwar alles ganz schlimm findet. Es aber viel schlimmer wäre, wenn man den Urlaub streichen müsste? Oder das Gehalt gekürzt werden würde? Ich für meinen Teil habe beschlossen, die Entrüstung runter zu fahren. Die freie Zeit verwende ich jetzt, um mich über die Nachbarn zu ärgern.

Advertisements

Kleine Welt

Lassen wir doch einmal die ganze, große, weite Welt da draußen beiseite. Sprechen nicht über Syrien, Sudan, den Irak, Pakistan, Mali oder Kolumbien. Nicht über die Kriege, die Erdbeben, die Ausbeutung, das Morden und Vergewaltigen, den Fremdenhass und die Religionskriege. Noch nicht einmal von den USA. Also auch nicht über Rassismus, Sexismus, Kapitalismus, Globalismus oder Apfelmus. Und schauen uns dann unsere kleine, beschauliche Welt an, in der wir leben. Den Mikrokosmos unserer Familie, den Freundeskreis. Die netten Kollegen in unserem Büro, auf der Baustelle, im Supermarkt,  in der Putzkolonne oder durchaus auch auf den Gängen der Chefetagen.

So werden wir, wenn vielleicht auch nicht ganz so blutig, nicht so sehr bevölkert von massakrierten und geschändeten oder vom Hunger ausgemergelten Körpern, die große, weite Welt da draußen im Kleinen wiederfinden. Mit all ihrem Rassismus, Sexismus, Kapitalismus, Globalismus. Und vielleicht steht sogar gerade etwas Apfelmus auf dem Tisch. Sie scheint also eine gewisse, wenn nicht sogar große Faszination zu haben, die große, weite Welt da draußen. Was für einen Grund sollte es sonst geben, dass wir unsere kleine Welt genauso oder zumindest sehr ähnlich gestalten. Wo wir doch gerade hier in der kleinen Welt so viele Möglichkeiten hätten, etwas anders zu machen.

Wenn der Kuckuck ruft

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass ein Beitrag mit diesem Titel nicht gerade sehr zeitgemäß erscheint. Schließlich habe sogar ich mitbekommen, dass der Sommer vorbei und der Herbst ins Land gezogen ist. Spätestens seit ich morgens kaum noch das Hochhaus gegenüber sehe. Vor lauter Nebel. Weshalb ich mich hier auch nicht explizit auslassen will über diesen frechen Burschen, der seine Eier in fremden Nestern ablegt. Vielmehr geht es hier um sein, sagen wir mal, menschliches „Pendant“. Das natürlich nicht seine Eier sondern vielmehr etwas anderes „ablegt“. Und auch nicht gerade in ein Nest. Wie alle Menschen wissen, die nicht mehr an die Geschichte mit den Bienchen glauben.

Weshalb dann, nicht ganz korrekter aber gebräuchlicher Weise, die Männer, die letztendlich die Aufzucht übernehmen, als Kuckucksväter bezeichnet werden. Und alleine schon die sprachliche Ungenauigkeit belegt, dass dies ein höchst sensibles und diffiziles Thema ist. Dessen sich jetzt wieder einmal die Politik annimmt. Gibt es doch immer wieder Kuckucksväter, die durch irgendwelche widrigen Umstände mitunter erst nach 17 Jahren erfahren, dass zum Beispiel der Stammhalter das Ergebnis eines Seitensprungs der Gattin ist.

Was sie so sehr bis ins Mark trifft, dass viele wenigstens das Geld zurück haben wollen, das sie bisher in den Spross investiert haben. Und zwar vom biologischen Vater. Der nur den Spaß hatte. Aber nicht dafür bezahlen musste. Und hier zeigt sich nicht nur eine Tragödie von griechischem Ausmaß. Es offenbart auch eine vielleicht zutiefst deutsche Sichtweise. Dass zum einen nämlich für Vergnügen unbedingt bezahlt werden muss. Und außerdem, dass es für Männer allem Anschein nach nur sinnvoll erscheint, Geld für ein Kind auszugeben, wenn Mann selber das Vergnügen hatte, es zu zeugen.

Einmal abgesehen davon, dass laut Erhebungen in deutschen Landen nur ein Prozent aller Väter Kuckucksväter sind, lässt mich diese Geschichte etwas ratlos zurück. Denn ich frage mich, wie sich wohl ein Kind fühlen mag, dem ein Ziehvater signalisiert, dass es eine Falschlieferung ist. Für die das Geld zurück gefordert wird. Ein Kind, das zu lieben, er all die Jahre vorgab. So lange er noch nicht wusste, dass es nicht das eigen Fleisch und Blut ist. Ich würde viel eher für ein Gesetz plädieren, das es verbietet, einem Kind zu sagen, dass es nicht das leibliche Kind des Mannes ist, den es für seinen Vater hielt.

Und dann noch etwas. Alle, die jetzt danach schreien, dass Frauen per Gesetz gezwungen werden müssen, den biologischen Vater zu nennen, damit ein Finanzausgleich erstritten werden kann, sollten sich erst einmal überlegen, wann sie das letzte Mal in fremden Betten gelegen haben. Wie viele Kinder von ihnen vielleicht in anderen Familien aufwachsen. Weil sie sich nach der Weihnachtsfeier an nichts mehr erinnern wollten. Die Affäre beendet haben, als von einer möglichen Schwangerschaft die Rede war. Wer nachweisen kann, dass das für ihn nicht zutrifft, der werfe von mir aus den ersten Stein. Aber trotzdem bitte so, dass nicht ein Kind getroffen wird.

Gemeinsamkeit

Es ist immer wieder verblüffend, dass selbst dann, wenn man glaubt, zwei Extreme vor sich zu haben, es immer noch eine Gemeinsamkeit gibt. Ein eindeutiges Indiz, dass Menschen nie schwarz oder weiß sind, sondern immer auch noch eine Mischfarbe in sich tragen. Jüngstes und höchst eindrucksvolles Beispiel  istdie Rede eines Funktionärs vor einem Gremium, das hier nicht näher benannt werden soll, um nicht schon von vornherein eine gewisse Voreingenommenheit zu produzieren.

Dieser Mann, der natürlich genauso gut eine Frau hätte sein können, schildert also sehr drastisch, weil ausgesprochen realistisch, das Leid, das Menschen an einem bestimmten Ort der Welt angetan wird. Es ist eine bewegende und bestürzende Schilderung, bestens geeignet, um tiefste Betroffenheit zu verursachen. Was allerdings nicht für den Mann zutreffend zu sein scheint, der hier die Macht vertritt, die für diese Gräuel mit verantwortlich gemacht wird, und zu allem Überfluss auch noch „Tschurkin“ heißt.

Er entgegnet, dass sich sein Vorredner seine Ausführungen aufsparen solle „für den Roman, den Sie eines Tages schreiben werden“. Er bezeichnet die Schilderungen über die unmenschlichen Zustände als „unfair und unwahr“. Und fügt an: „Wenn ich mir eine Predigt anhören will, dann gehe ich in die Kirche!“ Worte, mit denen er höchst eindrucksvoll die Gemeinsamkeit unterstreicht, die beide Männer, die unter Umständen auch Frauen sein könnten, haben. Sie sind beide hilflos. Wenn auch jeder auf seine Weise.

Kriegsverbrechen

Anthony Lake ist der Generaldirektor des UN-Kinderhilfswerks Unicef. Dass in Syrien bei einem Bombenangriff in einer Schule 22 Kinder getötet wurden, nennt er „eine Tragödie“ und eine „Schande“. Und weiter sagte er: „Sollte der Angriff vorsätzlich ausgeführt worden sein, wäre er ein Kriegsverbrechen.“ Und dass es nicht ausreiche, Abscheu angesichts solcher „barbarischen Taten“ zu zeigen. Der Vorfall müsse die internationale Gemeinschaft aufrütteln. Die Welt müsse darauf bestehen, dass dies aufhört.

Und da kann man nur sagen, dass das unbedingt in Ordnung geht. Der Mann muss schließlich etwas tun für sein Geld. Für solche Aussagen bekam er letztendlich seinen wahrscheinlich nicht schlecht dotierten Vertrag. Schließlich bekommt bei der Unicef bereits ein Project Officer bis zu 180.000 US-Dollar pro Jahr. Würde allerdings jemand anderes solche Sätze gegenüber der Öffentlichkeit äußern, müsste man ihm wohl eine gute Portion Zynismus unterstellen.

Um es mit ganz einfachen Worten und so wenig polemisch wie möglich zu sagen: Dieser Krieg in Syrien war von der ersten Stunde an „barbarisch“. Bereits vor einem halben Jahr ist man von 470.000 zivilen Opfern ausgegangen. Und nachdem es eigentlich noch nie einen Krieg gab ohne zivile Opfer, ist vielleicht sogar jeder Krieg barbarisch zu nennen. Ganz zu schweigen davon, dass auch Soldaten, die im Krieg getötet werden, die Angelegenheit wohl nicht gerade als ein „Sommerfest“ bezeichnen würden. Wenn sie noch könnten.

Und dann könnte man vielleicht auch noch daran erinnern, dass die internationale Gemeinschaft bereits fünf Jahre Zeit hatte, um sich aufrütteln zu lassen. Außerdem gab es ja auch schon bisher die eine oder andere Gelegenheit, „Kriegsverbrechen“ zu vermuten. Weshalb jetzt vielleicht der günstigste Zeitpunkt vorüber ist, um darauf zu bestehen, „dass dies aufhört“. Und wie umnebelt muss man inzwischen sein, um nicht mitbekommen zu haben, dass die Welt ebenso wie die internationale Gemeinschaft überhaupt kein Interesse daran hat, diesen Krieg zu beenden. Weshalb es vielleicht angebracht wäre, die Menschheit mit solchen Aussagen zu verschonen. Mir genügt es zu wissen, dass jeder Krieg ein Verbrechen ist.

Frauen in den besten Jahren

Etwas schlichtere männliche Gemüter glauben vielleicht, dass der Altweibersommer so heißt, weil da schon etwas ältere Damen zwar nicht gerade ihren zweiten Frühling aber zumindest noch ein paar gefühlsmäßige „warme Tage“ erleben würden. Was die Frage aufwerfen würde, warum dies dann gerade im frühen Herbst stattfinden sollte. Wenn die Tage anfangen eher kühl zu werden. Doch vor allem Benutzer von Internet-Suchmaschinen wissen, dass der Altweibersommer nichts anderes ist als eine meteorologische Singularität. Wenn sich im Herbst nämlich über Osteuropa ein Festlandshoch bildet. Weshalb dann trockene, kontinentale Luft nach Mitteleuropa einströmen kann.

Und hier soll gleich Gerüchten widersprochen werden, wonach in diesem Jahr der Altweibersommer ausgefallen ist, weil Russlands Regierungs-Chef Putin die Ausfuhr von trockener Luft nach Europa gestoppt hätte. Als Reaktion auf die EU-Sanktionen. Vielmehr ist eher zu befürchten, dass die Ausfuhr von Krimsekt und Kaviar gestoppt wird. Was natürlich Hartz-IV-Bezieher besonders hart treffen würde. Fakt ist jedenfalls, dass niemand so genau weiß, warum der Altweibersommer gerade so heißt.

Eine etwas romantischere Erklärung besagt, dass zu Zeiten dieser meteorologischen Singularität, bedingt durch die doch schon recht frischen Nächte, morgendlicher Tau die Fäden von Spinnennetzen wie die grauen Haare älterer Damen aussehen lassen würden. Die diese beim Kämmen verloren hätten. Was vielleicht auch nicht mehr so zeitgemäß wäre. Weil es doch kaum Frauen jenseits der 50 gibt, die naturgegeben graues Haar haben. Warum das so ist, erklärt ein Blick in die Regale von Drogerie-Märkten.

Zumindest ist nach dem Spruch eines deutschen Gerichtes aus dem Jahr 1989 am Landgericht Darmstadt der Begriff „Altweibersommer“ weder frauenfeindlich noch diskriminierend. Mit dieser Begründung war die entsprechende Klage einer älteren Dame abgewiesen worden. Nach Ansicht des Gerichts ist nämlich die Verwendung des Begriffs kein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Da es ihn schon gegeben hat, als diese Frau noch gar nicht auf der Welt war. Man kann den Altweibersommer also zumindest ohne schlechtes Gewissen genießen.

Nicht lustig

Ob das mit TTIP noch schlimmer werden würde, lässt sich natürlich nicht sagen. Fakt ist aber, dass schon so manches von den USA über den Atlantik zu uns rüber geschwappt ist. Von dem man nie wusste, ob das nun wirklich so eine große Bereicherung wäre. Fast-Food-Ketten zum Beispiel. Der Trend zu Brustvergrößerungen. Oder diese dreiviertellangen Bermudas in auffälligen Farben. Und jetzt die Horror-Clowns.

Denn was in einem Film vielleicht noch zu einem mehr oder minder wohligen Erschauern führte, das wird ganz offensichtlich in der Realität unserer Zeit zu einem wirklichen Horror. Wenn nämlich Menschen mit gruseligen Clowns-Masken mit Stahlketten oder sogar Kettensägen auf kleine Kinder oder auch Erwachsene zu rennen. Die darin wahrscheinlich die einzige Möglichkeit sehen, endlich einmal Aufmerksamkeit zu erregen. Mit dem Erfolg, dass sich jetzt schon Kinder weigern, in den Zirkus zu gehen. Was nun wirklich nicht lustig ist.

Doch der Trend aus den USA, der eine noch viel größere Gefahr als die Horror-Clowns bedeuten würde, der hat es glücklicherweise noch nicht bis zu uns geschafft. Und das ist der Politik-Clown. Aber vielleicht ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch wir so einen Donald haben. Erste Bemühungen, diesen Trend aus den USA auch bei uns zu etablieren, kann man ja im Ansatz immer wieder mal erkennen. Und dass bei uns ganz offensichtlich Frauen  hierbei ganz weit vorne zu sein scheinen. Und ich denke dabei sicher nicht an Frau Roth. Es sind eher Frauen, die traditionelle Frisuren haben. Und behaupten, sie wären die Alternative.