Archiv für den Monat November 2016

Stimmungsvoll

Insgesamt lockt dieser „Nikolausmarkt“ mit nicht weniger als zwei Dutzend Ständen. Es gibt also Schweinswürstl mit Kraut, Currywurst und Pommes, frisch gebackene Waffeln und Crêpes, Speckbrot und vegetarisches Brot, Flammkuchen in verschiedenen Variationen, Potato-Chips und Bratapfelglühmost, Glühwein in Variationen und Plätzchen, Steak-, Bratwurst und Fischsemmeln, Schnäpse, Bier, „Caipe“, Asia-Ente, Garnelenspieß, Rumtopf und Weihnachtskonfekt, Hot Dogs, Kinderpunsch, Mandeln, Popcorn, Haribo, Riesenbratwurst, Bayerischer Döner, Feuerzangenbowle und natürlich Bier.

Fast die Hälfte der Stände sorgt sich also um das körperliche Wohl der weihnachtlich inspirierten Menschen, stimmt sie wie die Auslagen der Einzel- und Großhändler auf das Fest der Liebe und Christi Geburt ein. So vorbereitet, sind die Menschen gewappnet für die Weihnachtsgans, den Karpfen, den Christstollen und all die Lebkuchen, die nicht nur die Herzen sondern zumeist auch die Bäuche aufgehen lassen. Und leben damit eine Tradition, die sicher Trost ist für all jene draußen in der Welt, die nicht daran teilhaben können. Bleiben ihnen doch so weitestgehend Fettleber, Diabetes oder Adipositas erspart.

Sorgenfalten

Ob das wohl an der Jahreszeit liegt? Mir stößt jedenfalls zurzeit mehr als üblich übel auf, worauf ich bei der Zeitungslektüre oder bei meinem morgendlichen Spaziergang durch die TV-News-Sender stoße. Aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass zumindest gefühlt schon so langsam die Medien auf den Wahljahr-Modus umstellen. Jedenfalls habe ich die nicht überraschende Entdeckung gemacht, dass besonders viel lamentiert wird. Wie auch die Politik sind ebenso die Medien ganz besonders besorgt. Und insbesondere, was die Sorgen der Menschen angeht. Und deshalb mache ich mir jedes Mal ernsthafte Sorgen, wenn dann an dieser Stelle gesagt wird oder zu lesen ist, dass man sie ernst nehmen muss.

Vielleicht kommt dann nämlich noch ein Experte zu Wort. Im günstigsten Falle wird sich auf gute Ratschläge beschränkt. Und es werden Placebos verteilt. Von denen aber leider alle wissen, dass es Placebos sind. Weshalb die Wirkung zu wünschen lässt. Und das Ganze vor allem, weil nur noch Klientel verwaltet wird. Von der Politik der Wähler. Der in die Mitte der Gesellschaft zurück geholt werden muss. Wahrscheinlich will man dann ein Gruppenbild machen. Von den Medien wird hingegen der User verwaltet. Also der Zeitungsleser, online oder mit dem Papier raschelnd. Oder der TV-Zuschauer.

Ich weiß, dass Erinnerung trügen kann. Aber mir kommt es so vor, dass Politik und Medien in der für uns nun wirklich nicht so schlechten guten alten Zeit, wenigstens noch ein paar Ziele gehabt hätten. Es ging zum Beispiel nicht nur darum, Löcher im sozialen Gefüge zu reparieren. Es ging eher darum, so etwas wie ein soziales Gefüge herzustellen. Was natürlich nicht immer gelang. Aber man hat es zumindest versucht. Jetzt wird nach meinem Empfinden immer nur nach dem Ertrag geschielt. Und wenn mal jemand nicht so unbedingt an die Rendite denkt, dann hat er es in den eigenen Reihen am schwersten. Solidarität war gestern.

Heute macht man sich vor allem Sorgen. Zum Beispiel um das Konto auf den Cayman Inseln. Oder in Ermangelung eines solchen um die Identität als Deutscher. Auch wenn niemand wirklich weiß, was das ist. Weil es sie immer nur gab, wenn sie von jemand gefordert wurde. Weshalb sie sich dann oft genug in den Schützengräben wiederfand. Und natürlich kann und muss man sich manchmal Sorgen machen. Aber doch nicht, um sie in Hysterie umzuwandeln. Sie in täglich wiederkehrenden Kommentaren im Internet regelrecht zu zelebrieren.

Auch wenn man manchmal das beklemmende Gefühl eingeredet bekommt, dass uns bereits ein imaginärer Algorithmus lenken würde, es gibt noch Handlungsspielraum. Noch sind wir in der Lage, selber zu bestimmen, was wir tun und lassen wollen. Noch wäre die Politik in der Lage zu handeln. Wir, der Souverän, wir wären in der Lage, Einfluss auf Handlungen zu nehmen. Ging doch früher auch. Und geht überraschenderweise auch jetzt noch. Aber dazu muss gehandelt werden. Und nicht nur wieder und wieder auf Ereignisse reagiert werden. Und nach getaner Arbeit ist dann sicher auch wieder ein bisschen Zeit, um uns Sorgen zu machen.

Fröhliche Weihnacht

Eigentlich hat es ja noch gar nicht richtig angefangen. Trotzdem wäre es mir am liebsten, wenn es möglichst bald wieder vorbei wäre. Denn offensichtlich bin ich von vorgestern. Komme ich mit der Entwicklung einfach nicht mehr mit. Fand ich schon in den vergangenen Jahren, dass insbesondere das Abspielen von Weihnachtsliedern der besonders eingängigen Art in Dauerschleife, wie zum Beispiel das berühmte letzte Weihnachten von Wham, absolut kräftezehrend ist, so wirkt sich der neueste Trend auf mich höchst beunruhigend aus. Ich muss erkennen, dass ich psychisch kaum noch belastbar bin.

Schuld daran sind diese lustigen, kleinen Filmchen, die momentan auf Facebook-Seiten und jedem anständigen Smartphone grassieren. Gefühlt jede Nachricht auf WhatsApp begleiten. Und auf denen lustige Gestalten unheimlich lustig irgendetwas von sich geben, das mit Weihnachten zu tun haben soll. Und ausgehend von der Wirkung kann ich eigentlich nur davon ausgehen, dass hier wahrscheinlich der russische Geheimdienst seine Finger im Spiel hat. Um so die Zersetzung der westlichen Welt mit seinem Turbo-Kapitalismus und Neoliberalismus voranzutreiben. Amerikas designierten Präsidenten Donald Trump vermute ich nicht dahinter. Der braucht keine Filmchen, um zu nerven.

Und deutsche Parteien und Politiker sind dann doch zu phantasielos, um auf solche Ideen zu kommen. Den schlimmsten aber wahrscheinlich besonders nahe liegenden Verdacht wage ich allerdings kaum auszusprechen. Vielleicht grassieren diese quäkigen und angeblich unendlich lustigen kleinen Weihnachtsfilmchen, auch Weihnachts-Gifs genannt und überall kostenlos runterzuladen, einfach nur deshalb millionenfach, weil es Menschen gibt, die so etwas lieben. Weil sie es wirklich lustig finden.

Was noch ein Grund wäre, Seehofers Vorpreschen in Sachen „Mehr Bürgerbeteiligung“ eine Absage zu erteilen. Wohin Bürgerbeteiligung führt, hat man ja auch jetzt wieder in Frankreich gesehen. Da gewinnen dann auf einmal Kandidaten, die nicht unbedingt dafür vorgesehen waren. Das kann doch niemand wirklich wollen. Und schon gar nicht in der Adventszeit.   

Ein Lichtlein brennt

Jetzt ist es wirklich nicht mehr zu übersehen. Denn nicht nur, dass die Supermarktregale inzwischen geradezu überquellen vor entsprechenden und jahreszeitgemäßen Angeboten, es allmählich in den Großmärkten für Elektronikartikel zu erster drangvoller Enge kommt. Nun hat auch die Natur zumindest in den Bergen deutliche Zeichen gesetzt. Die ersten Schneeflocken dort lassen von einer weißen Weihnacht träumen, von Kerzenschimmer und Lebkuchen. Lassen keinen Zweifel daran, dass jetzt endlich auch wieder die Zeit für Christkindl-Märkte, Glühwein und geröstete Mandeln angebrochen ist. Es ist also Adventszeit. Und zumindest einen Teil dieses Wortes haben wir natürlich wieder einmal den alten Römern zu verdanken.

Es kommt also aus dem Lateinischen. Advent, das ist die verkürzte Form von „adventus“. Und das heißt natürlich erst einmal „Ankunft“. Oder auch „Nahen“. Weist uns also darauf hin, dass wir etwas zu erwarten haben. Dass etwas auf uns zukommt, naht. Aber überraschender Weise hat dieses Wort auch noch eine andere Bedeutung. Nämlich „Ausbruch“. Insbesondere in Verbindung mit dem natürlich ebenfalls lateinischen Wort „malorum“. Was nichts anderes ist, als der Genetiv Plural von „malus“, dem „Bösen“. Und auch wenn jetzt vielleicht jemand diese kleine Lateinstunde unter der Kategorie „Dinge, die ich nie wissen wollte“ ablegt, ich halte das für einen sehr interessanten Aspekt.

Der die Weihnachtsgeschichte vielleicht doch auch in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt. Denn wenn man es genau betrachtet, dann geht es doch in dieser Weihnachtsgeschichte um mehr als die Ankunft, die Geburt eines Heilands. Eines Erlösers. Es gehört doch auch zur Weihnachtsgeschichte, dass Maria und Josef auf dem Weg nach Nazareth zu der von Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung auf Menschen gestoßen sind, die ihnen Unterschlupf gewährt haben. Dass sie auf Menschen gestoßen sind, die ihnen in dieser schwierigen Situation geholfen haben. Und ist es nicht auch Teil dieser Geschichte, dass, wie bei Matthäus nachzulesen ist, Maria und Josef mit ihrem Kind nach Ägypten flüchten mussten, weil Herodes die Tötung aller neugeborenen Knaben veranlasst hatte.

Womit die andere Bedeutung des Wortes Advent ebenso plausibel erscheint. Diese Flucht war ein „Ausbruch“. Es war der Versuch dem drohenden Bösen zu entkommen. Der die Heilige Familie möglichweise entlang der Karawanenroute über Gaza und den Sinai nach el-Farama und el-Quantara geführt hat, von wo sie zum ägyptischen Festland übersetzen konnten. Drei Jahre, nämlich bis zum Tode des Herodos, blieb die Heilige Familie in Ägypten, und dass sie sodann unversehrt nach Nazareth zurück kehren konnte, spricht dafür, dass man ihnen dort Zuflucht gewährt hat, dass Menschen ihnen geholfen haben, dass sie nicht zurückgewiesen wurden. Vielleicht sollten also im Advent nicht nur der Glühwein und die Weihnachsteinkäufe im Vordergrund stehen. Sondern auch ein bisschen der Gedanke, dass Advent nicht nur die Zeit bis zum Öffnen der Geschenke ist. Es ist auch die Zeit, in der man sich vielleicht auch fragen sollte, was die Weihnachtsgeschichte für unsere Zeit bedeuten könnte.

 

Neue Lieblingslektüre

Dieses Online-Magazin kommt, zumindest was den Namen betrifft, eher gemütlich daher. „Breitbart“, das klingt doch irgendwie nach einem gemütlichen, älteren Mann. Mit einem vielleicht etwas zerzausten Bart. Wahrscheinlich in einem karierten Hemd. Auch wenn von dem inzwischen verstorbenen Gründer Andrew Breitbart, der angekündigt hatte, „die alte Medienlandschaft zu zerstören“, nicht bekannt ist, dass er gerne karierte Hemden getragen hätte.

Was eher auf den ihm nachfolgenden CEO Stephen Bannon zutrifft. Doch nicht nur was seine Bekleidung betrifft, ist der frisch ernannte persönliche Berater des höchstwahrscheinlich künftigen US-Präsidenten Donald Trump als eher rustikal einzustufen. Dies gilt auch für seine politischen Positionen. Für die wiederum Breitbart News Network ein aufschlussreiches Bild liefert. Auch wenn dort Bannen offiziell seinen Posten aufgegeben hat, bevor er Wahlkampfmanager für Trump wurde.

Breitbart News Network ist aktuell eine der am häufigsten aufgerufenen Nachrichtenportale in den USA. Und war eine der wichtigsten Medien für und in Donald Trumps Wahlkampf. Den es erst nach seinem Wahlsieg und dem Auftritt des Alt Right-Propagandisten Richard Spencer mit „Heil Trump“-Ruf und Hitler-Gruß im Publikum vorübergehend störte, dass der ultrarechten Bewegung weißer Amerikaner Breitbart News Network als Sprachrohr dient.

The New York Times bescheinigt dem Nachrichten-Portal bescheinigt, dass es eine Plattform für Frauenhass, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sei. Weshalb es Freunde in aller Welt und bereits Büros in Jerusalem und in London gibt. Wo sich Breitbart für den Brexit stark machte. Eines der Prinzipien von Breitbart: Behauptungen, wie zum Beispiel, dass US-Verteidigungsminister Chuck Hagel von einer anti-israelischen Gruppe „Friends of Hamas“ bezahlt werde, aufzustellen. Und auch nicht davon abzurücken, wenn es keinerlei Beweis dafür gibt. Die gute Nachricht zum Advent: Im Wahljahr 2017 will Breitbart News Network auch in Deutschland und Frankreich aktiv werden.

Ein offener Brief

Selbst wenn ich nicht mehr vor die Haustür gehen würde, weder Fernsehen schauen noch Radio hören würde, es würde genügen, zum Briefkasten unten im Hausflur zu gehen. Und ich wüsste, dass Weihnachten vor der Tür steht. Denn es wird mir per Post mitgeteilt, dass kranke und behinderte Kinder und Erwachsene für jede Freude dankbar sind. Wäre ich von alleine nie darauf gekommen. Und natürlich wusste ich bis zu diesem Brief auch nicht, dass man mit einer Spende helfen kann, dass sie ein bisschen Freude haben.

Ich habe allerdings auch die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass eine andere Einrichtung weiterhin mit innovativen, pädagogischen Konzepten die Lebensläufe von Kindern und jungen Müttern in positive Bahnen lenken kann. Die zwar nicht das Geld hat, um mit großen Kampagnen an die Öffentlichkeit zu treten. Aber immerhin hat sie das Geld für einen Hochglanz-Flyer mit Fotos von Kleinkindern und Säuglingen. Und auch das Finanzamt hat die Gemeinnützigkeit und Mildtätigkeit anerkannt.

Ich kann allerdings auch Pate für einen Elefantenzahn werden. Damit ein Elefant in eine bessere Zukunft blicken kann. Ich nehme mal an, dass dies keine zahnlose Zukunft sein soll. Jedenfalls kann ich da zwischen Bronze, Silber und Gold wählen. Was die Entscheidung erleichtert. Schließlich bekomme ich bei einer silbernen oder goldenen Patenschaft einen Plüschelefanten. Und außerdem weiß ich von den Olympischen Spielen, dass eine Silbermedaille zwar auch schön ist, aber trotzdem nur bedeutet, dass ich nicht der Sieger bin. Also bleibt natürlich nur die goldene Patenschaft.

Auch wenn dann kaum noch Geld übrig bleibt, um viele Menschen in Afrika vor der Erblindung zu retten. Was mit einem Antibiotikum erreicht wird, das nur so wenig kostet, dass man mit dem Gegenwert für eine Blautanne mittlerer Größe fast drei Schulklassen behandeln kann. Eine Spende wäre völlig gefahrlos, wie mir die Institution versichert, da meine dafür erforderlichen Angaben nach dem evangelischen Datenschutzgesetz verwendet werden. Steht da wirklich so. Und hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Wie übrigens überhaupt dieser postalische Ertrag eines einzigen Tages.

Denn, liebe gemeinnützige Einrichtungen, was sich vielleicht noch nicht rumgesprochen haben wird, ich weiß sogar den Rest des Jahres, was es an Elend und Not auf der Welt gibt. Und, das ist vielleicht noch eine Überraschung, ich bekomme im Dezember keine einmalige und höchst erkleckliche Erhöhung meiner Bezüge, die mir erlauben würde, alle mir angetragen Patenschaften anzunehmen respektive Spendenaufrufen Folge zu leisten. Außerdem finde ich Kinderfotos zwar durchaus berührend, habe aber ein eher seltsames Gefühl, wenn ich sie im Zusammenhang mit der Aufforderung sehe, zu spenden.

Auf jeden Fall werde ich alle diesbezüglichen Briefe und Broschüren sorgfältig aufbewahren. Denn immer im Dezember wird hier in der Gegend von Jugendlichen Altpapier gesammelt. Und der Erlös daraus geht an ein soziales Projekt.  In Afrika. Oder auf Haiti. Und ich spende dann wieder im Januar und Februar. Wenn ich nicht mehr das Gefühl habe, dass man mich anlässlich des Festes der Liebe und des Konsums unter Druck setzen will. Ein latent schlechtes Gewissen habe ich sowieso ganzjährig. Da halte ich diese Vorweihnachtszeit mit ihren hohen moralischen Ansprüchen an meinen Geldbeutel auch noch aus.

Verantwortungsvolle Piloten

Also da besteht nun wirklich kein Zweifel. Das ist doch wieder einmal eine reine Neid-Debatte. Was wird momentan wieder auf den armen Lufthansa-Piloten rumgehackt. Ich möchte den sehen, der freiwillig für lausige 200.000 € im Jahr angetrunkene Passagiere nach Mallorca fliegen will. Und was hat einen Piloten erwartet, wenn er endlich mit 55 Jahren ausgebrannt und ausgelaugt in Rente gehen konnte?

Erst einmal musste er mit etwas mehr als 100.000 € dahinvegetieren, um dann nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters im Randbereich der Altersarmut zu landen! Muss man sich doch nur einmal die Mieten und Quadratmeterpreise in München-Bogenhausen oder Hamburg-Eimsbüttel anschauen, dann ist doch klar, dass da mit 70.000 € Rente nun wirklich kein Auskommen ist.

Es ist also kein Wunder, dass die Cockpit-Malocher nicht auf ihre Übergangsversorgung verzichten und ein bisschen Lohnerhöhung bekommen wollen. Und außerdem ist das sowieso nur die halbe Wahrheit. Ums Geld geht es eigentlich nur am Rande. Der wahre Grund, warum die Piloten mit ihrem Streik schon kurzfristig an die 3.000 Flüge gecancelt haben, ist ein anderer. Stichwort „Marrakesch“!

Durch einen einzigen Passagier auf der Strecke München-New York fallen 2.5 Tonnen CO² an. Auf der Strecke Berlin-München sind es immerhin schon 0,3 Tonnen. Pro Passagier. Deshalb würde ich jetzt mal vorschlagen, die Taschenrechner rauszuholen und auszurechnen, was da der Erdatmosphäre durch diesen Streik erspart bleibt. Anstatt auf die Piloten zu schimpfen, sollte man ihnen für ihr Umweltbewusstsein danken. 

Goldene Lichtlein

Man ist gespalten. Wie in so vielen anderen Situationen auch. Einerseits bietet sich mehr und mehr nach Einbruch der Dunkelheit das Bild von festlich-vorweihnachtlich geschmückten und illuminierten Häusern und Gärten. Die nicht nur die Stromerzeuger und alle angegliederten und mitverdienenden Unternehmer erfreuen. Andererseits umschwirrten mich am gestrigen Nachmittag fröhlich die Mücken. Und Menschen aus der Voralpenregion berichteten absolut glaubwürdig, sie wären an eben diesem Nachmittag lange in der warmen Sonne gelegen.

Aber lassen wir mal für einen kleinen Moment den Trump in uns regieren und nicht über den Klimawandel debattieren. Dann bleibt trotzdem das seltsame Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Dass etwas fehlt. Denn wäre es eigentlich nicht die Zeit, um Plätzchen zu backen und leise Weihnachtslieder vor sich hin zu summen. Muss ja nicht gleich Last Christmas sein. Aber müsste man nicht auch schon längst Stunden am PC verbringen, um alles zu ordern, was dann die Lieben am Weihnachtsabend so glücklich und froh macht. Und stattdessen sitzt man in leichter Kleidung im Straßencafé, und weit und breit ist kein Heizpilz zu sehen.

Um mich wenigstens minimal darauf einzustimmen, dass in vier Wochen Weihnachten ist, das Fest der Liebe wieder die Kinderaugen und jene der Besitzer von Einzelhandelsgeschäften, Supermarktketten und Online-Shops leuchten lässt, habe ich dann wenigstens im Internet mal nach Christbaumschmuck gesucht. Eines der ersten Bilder, die mir präsentiert wurden, war ein Glimmer-Hakenkreuz als Weihnachtsbaumspitze. Und bevor jetzt Nachfragen kommen, es ist nicht verkäuflich sondern im Besitz eines Museums. Was mich jedenfalls auch nicht sehr weihnachtlich gestimmt hat. Zu meiner Freude habe ich dann wenigstens feststellen dürfen, dass es beim Discounter noch Grillkohle gibt.

Erzeuger unter Strom

So kann man sich irren. Aber ich habe nun einmal ein sehr schlichtes Gemüt. Jedenfalls glaubte ich bisher, dass ich für die Erzeugung des Stromes bezahlen würde. Den ich brauche, um mein dünnes Süppchen zu kochen. Hatte in diesem Zusammenhang auch durchaus begriffen, dass der Erzeuger natürlich und im Gegensatz zu einem liebenden Vater natürlich auch etwas daran verdienen will. Also am Erzeugen. Jetzt ist mir aber klar geworden, dass das einen sehr guten Grund hat, warum mein Stromtarif die Bezeichnung „Plus“ hat.

Denn ich zahle, wie man mir mitgeteilt hat, nicht nur den Strom an sich sondern auch die EEG-Umlage, dazu natürlich Stromsteuer, einen KWK-Aufschlag, die StromNEV-Umlage, eine Offshore-Haftungsumlage, die Umlage für abschaltbare Lasten, eine Konzessionsabgabe und, last but not least, Netznutzungsentgelte. Und einmal davon abgesehen, dass ich noch nicht die Zeit hatte, zu recherchieren, was das eigentlich alles bedeutet, hat mich vor allem die Offshore-Haftungsumlage etwas stutzig gemacht. Schließlich reichen meine mageren Englischkenntnisse, um zu wissen, dass das irgendetwas mit einer Küste zu tun hat. Die es aber hier weit und breit nicht gibt.  

Aber jetzt verstehe ich zumindest, warum mit Milliardenaufwand mickrige Stromkabel ebenso wie gigantische Stromtrassen unbedingt unter die Erde verlegt werden müssen. Man hat ganz offensichtlich Angst, dass die Menschen, wie in anderen Ländern der einstigen Dritten Welt übrigens auch, demnächst wohl anfangen könnten, die Stromleitungen illegal anzapfen. Denn weil der Strom für Anbieter immer billiger wird, für Verbraucher wie mich aber immer teurer, wird das bald die einzige Möglichkeit sein, nicht jeden Abend bei romantischem Kerzenlicht zu verbringen.

Marianne oder Marine

Auch wenn Deutschland annähernd in der Mitte Europas liegt, es ist nicht immer der Nabel der EU-Welt. Weshalb momentan ein Blick hinüber zu einem unserer Nachbarn im Westen nicht nur angebracht ist sondern sich im Hinblick auf allgemeine und aktuelle politische Entwicklungen durchaus lohnt. Denn auch dort im Land der Baguettes und Musette stehen Wahlen an. Und obwohl auch erst im kommenden Jahr angesetzt, ist es den Konservativen gelungen, schon jetzt für Aufmerksamkeit zu sorgen. Indem sie das Volk schon einmal an die Urnen rief, um die eigenen Kandidaten auszusortieren. Weil man in Frankreich ungern etwas von den USA lernt.

Und da hat es also schon wieder eine kleine Überraschung gegeben. Alain Juppé, der glamourös erfolgreiche Bürgermeister von Bordeaux, als Kandidat für das Amt des Präsidenten hoch gehandelt, landete auf Platz zwei. Eindeutig und um einiges mehr als zehn Prozent vom eher in sich gekehrten und monochromen François Fillon überholt. Dem es offensichtlich nicht geschadet hat, dass er schon einmal unter Nicolas Sarkozy diente. Der seinerseits deutlich abgeschlagen auf dem dritten Platz landete. Quasi die Bronzemedaille bekam.

Aber nachdem eine Medaille immer zwei Seiten hat, könnte es natürlich auch sein, dass beim zweiten Wahlgang am nächsten Wochenende auf einmal alles anders ist. Hillary Clinton kann ein Lied davon singen. Auch wenn ihr sicher nicht danach zumute ist. Und besonders viel Angst macht die Vorhersage der Auguren respektive Meinungsforscher und Experten, dass der Goldmedaillengewinner des kommenden Wochenendes sicher auch Präsident der Grande Nation werden wird. Wenn sich also der derzeitige Trend, was Vorhersagen betrifft, fortsetzt, sage ich nämlich vorher, dass sich dann im nächsten Jahr Angela Merkel mit Marine Le Pen und Donald Trump vergnügen darf. Man kann also nur beten und hoffen, dass der Trend bezüglich Vorhersagen auch für meine Vorhersagen zutrifft. Sonst gibt es nach der Wahl in Frankreich nur noch Graubrot und Käse aus dem Allgäu.