Archiv für den Monat Januar 2017

Kampf gegen Terror

Im Kampf gegen den islamistischen Terror und durch das in diesem Zusammenhang von Donald Trump angeordnete Einreiseverbot für Bürger bestimmter muslimischer Länder konnte eine „Bedrohung für die USA“ abgewendet werden: Am Flughafen Dulles in der US-Hauptstadt Washington wurde ein fünfjähriger Junge festgenommen und in Handschellen gelegt. Wie Trump Sprecher Sean Spicer vor Journalisten bestätigte. Der bei dieser Gelegenheit auch gleich die Vorgehensweise mit einem nicht widerlegbaren Argument begründete: „Anzunehmen, dass jemand nur aufgrund seines Alters oder seines Geschlechts oder was auch immer keine Bedrohung darstellen könnte“, sagte Spicer, „ist töricht und falsch“.

 

Angeblich soll sich nach fünf Stunden herausgestellt haben, dass der Fünfjährige US-Bürger sei und seinen Wohnsitz im US-Bundesstaat Maryland habe. Nachdem dies allerdings von einem Senator Chris Van Hollen bestätigt wurde, der Mitglied der Demokratischen Partei ist, wäre jetzt natürlich erst einmal zu überprüfen, ob es sich bei der Behauptung des demokratischen Senators nicht um alternative Fakten handelt. Spicer sagte: „Wir wissen nicht, wann der Zeitpunkt kommt, an dem ein Einreisender unsere Grenzen übertritt, um uns Schaden zuzufügen. Der Plan des Präsidenten ist, nicht darauf zu warten. Ich werde sicherstellen, dass unser Land geschützt wird – so bald wie möglich und mit jedem Mittel, das uns zur Verfügung steht.“

 

 

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I Don’t Like Mondays

Des frisch gekürten Kaisers neue Kleider lassen hierzulande die Partei-Basis jubeln. Und da ist natürlich nicht von einer TV-Soap die Rede. Real ist, dass ein Vater verzweifelt, weil er niemand anderem die Schuld geben kann am Tod von sechs Kindern. Muslim zu sein heißt heute nicht nur, an den Grenzen eines Landes in Gewahrsam genommen zu werden. Es konnte in einem anderen Land, in dem Muslime bis dato in Frieden lebten, jetzt auch den Tod bedeuten.

Und von dem großen Sterben in anderen Regionen der Erde sprechen die Medien aktuell schon gar nicht mehr. So viel Platz oder Sendezeit haben sie nun wirklich nicht. Ist es doch schon schwierig genug, über alle Entgleisungen eines egomanischen Präsidenten zu berichten. Machen wir uns also doch nichts vor. Es wäre noch nicht einmal Zynismus, wenn man sagen würde, dass es ein Montag wie jeder andere ist. Zynisch ist nur, wenn man all dies mit einem Schulterzucken hinnimmt.

Telefongespräche

Wie kann etwas „fundamentale Bedeutung“ haben, wenn es gleichzeitig „obsolet“ ist? Wie soll man „die ohnehin schon ausgezeichneten bilateralen Beziehungen“  in den nächsten Jahren noch „vertiefen“, wenn der Vorwurf im Raum steht, dass die andere Seite „katastrophale Fehler“ gemacht habe?  Und ist eine „partnerschaftliche Zusammenarbeit“ möglich, wenn von einer Seite „Sanktionen“ nicht aufgehoben werden? Die Antwort auf die Frage, ob dies alles miteinander vereinbar ist, lautet schlicht: Ja!

 

Laut einem klinischen Wörterbuch ist dies durchaus möglich, wenn eine seelische Spaltung im Sinne des Neben- und Miteinander von gesunden und krankhaften Empfindungen und Verhaltensweisen vorliegt. Wobei keine Gesetzmäßigkeiten zu Grunde gelegt werden könnten. Der Verlauf könne schubweise rezidivierend sein, ebenso gäbe es auch die Möglichkeit eines Stillstandes. Wie sich aktuell gezeigt hat, kann letzterer offensichtlich jeweils für die Dauer eines Telefonates eintreten.

not amused

Wie aus dem näheren Umfeld der britischen Premierministerin zu erfahren war, ist Theresa May mehr als verärgert über das Ergebnis ihres Besuches bei US-Präsident Donald Trump. Zwar sehe sie es immerhin als Erfolg an, dass Donald Trump vor laufenden Kameras nicht ihrer Darstellung widersprach, dass die USA an den gemeinsamen Zielen der Nato festhalten.

Was dann aber hinter den Säulen des White House passierte, soll sie und insbesondere als Frau als zutiefst diskriminierend empfunden haben. Wie sogar mit einer Kamera festgehalten, hat Donald Trump dort nur nach ihrer Hand gegrabscht. Laut Insiderberichten soll Theresa May nun nach alternativen Fakten suchen, die sie der Weltöffentlichkeit präsentieren kann, um ihren Imageschaden so gering wie möglich zu halten.

Milch macht’s

Ich musste zwei Nächte drüber schlafen. Und einen ganzen Tag darüber nachdenken. Und immerhin weiß ich jetzt, dass es ein geniales System ist. Ein absolut perfekter Kreislauf. Ein Milchkreislauf. Was jetzt kein Schreibfehler ist. Sondern ökonomische Realität ohne alternative Fakten. Denn natürlich habe ich recherchiert. Quergecheckt. Weitere Quellen ausfindig gemacht. Das Resultat: Diese Geschichte von der Milch ist wasserdicht. Zumindest für unsere Verhältnisse. In anderen Ländern mag das anderssein.

Doch zugegeben, es ist sehr komplex. Und ich möchte auch nicht behaupten, dass ich alles verstanden habe. Doch zumindest das: Nachdem sie von den Abnehmern beschissen bezahlt werden, subventioniert die EU nicht nur unsere Milchbauern, sondern kauft ihnen auch noch überschüssige Milch ab. Um es zu Milchpulver zu verarbeiten. Und tonnenweise einzulagern. So weit so gut. Oder schlecht. Doch es ist noch das Ende der Geschichte.

Die es nämlich den Herstellern von Milchprodukten ermöglicht, so billig zu produzieren, dass es sich sogar lohnt, nach Afrika zu exportieren. Und dort Milchprodukte billiger anzubieten, als dies die dort heimische Milchwirtschaft kann. Weshalb dann in afrikanischen Ländern zum Teil mit Palmöl aufgepepptes Milchpulver aus EU-Beständen gekauft wird, um es zu Produkten zu verarbeiten, die auf dem heimischen Markt verkauft werden können. Mit den Erträgen aus diesen Verkäufen von Milchpulver subventioniert die EU dann wieder unsere Milchbauern. Der perfekte Kreislauf.

Guten Appetit

Nehmen wir einmal an, dass der TV-Bericht seriös recherchiert war und keine alternativen Fakten präsentierte. Demzufolge werden derzeit in Paris, das übrigens kein Land ist, sondern die Hauptstadt eines Landes, abendlich kostenlose, warme Mahlzeiten an Obdachlose verteilt. Allerdings hat weder ein Konzern noch der Front National von Marine Le Pen einen Catering-Service beauftragt. Vielmehr wird seit einiger Zeit von Bewohnern in der Banlieue, also in Sarcelles oder La Courneuve, also den Problemvierteln der Stadt, mit mehr als 20 Prozent Arbeitslosigkeit, von wechselnden Gruppen auf eigene Rechnung Essen gekocht.

Wie einst bei der Ice Bucket Challenge, wenn auch ohne die lustigen Videos, wo die Menschen Kübel mit Eiswasser über dem Kopf ausleerten, werden immer wieder neue Teilnehmer nominiert, die dann wieder Essen kochen und an die Obdachlosen verteilen. Initiiert wurde das laut diesem TV-Bericht von einem Paketzusteller mit vermutlich nordafrikanischen Wurzeln. Unter dem Stichwort „Le grand défi“. Was so viel heißt wie „die große Herausforderung“. Einer der Helfer sagt: „Wenn wir Geld hätten, würden wir lastwagenweise Essen verteilen“. So sind es wenigstens ein paar hundert Obdachlose, die eine warme Mahlzeit bekommen.

Vertane Chance

Schade, dass er nicht ganz einfach und explizit gesagt hat, dass er für sich keine allzu große Chance sieht als Kanzlerkandidat. Auch weil ihm der Rückhalt in der Partei fehlt. Dass er es wohl durch sein bisheriges Auftreten und Agieren vergeigt hat. Und es deshalb lieber jemand anderes versuchen lässt.

Hätte ja nicht unbedingt mit genau diesen Worten sein müssen. Aber klar und deutlich hätte es sein können. Das hätte für einen Augenblick ein Moment von menschlicher Größe in die Politik gebracht. Ein Glitzern, das nicht einem künstlichen Feuerwerk geschuldet gewesen wäre. Aber ich bin wohl ein allzu postfaktischer Träumer.