Archiv für den Monat Februar 2017

Urlaub in der Türkei

Dies ist ein Aufruf an alle Menschen, die noch nicht ihren Urlaub gebucht haben respektive in der Lage sind, noch umzubuchen. Denn die Zahlen sind besorgniserregend. Zum Teil um bis zu 30 Prozent und mehr sind die Buchungen für Türkeireisen zurück gegangen. Die Tourismus-Branche in der Türkei ist am Boden – und reagiert mit Dumping-Preisen. So soll zum Beispiel Öger Tours eine Woche in einem Fünf-Sterne-Hotel an der sogenannten türkischen Riviera „all inclusive“ für nicht einmal 350 Euro pro Person anbieten. Hin- und Rückflug ab Berlin sind bereits im Preis enthalten. Also nichts wie hin.

Denn sogar die Hotels in bester Lage und mit exklusiver Ausstattung in Istanbul locken inzwischen mit Preisen, die jeden preisbewussten Urlauber frohlocken lassen. Zimmer mit Blick auf die Hagia Sophia und mit Komfortausstattung sind bereits für weniger als 100 Euro zu haben. Es lässt sich also an allen Ecken und Enden sparen. Weshalb man dann das Geld, das man gespart hat, Organisationen zur Verfügung stellen könnte, die inhaftierte Redakteure und Reporter wie beispielsweise den deutsch-türkischen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel unterstützen. Das Ganze unter #türkeiurlaubfürpressefreiheit.

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The winner is

… die Vernunft. Es war zwar verlockend. Mit einem tra la la auch noch den Oscar für den besten Film eingeheimst, da hätten die Kassen so richtig geklingelt. Aber dann ist es doch die Geschichte um einen Afroamerikaner geworden. Und es ist wohl kein Zufall. Dahinter scheint erfreulicherweise eine Absicht zu stehen. Befördert von einem Präsidenten, der auf eine weiße, heterosexuelle und abtreibungsfreie Klientel schwört. „Moonlight“ ist vielleicht nicht der politischste aller Filme. Aber er hat zumindest ein bisschen Zündstoff, mit seinem schwulen Protagonisten.

Natürlich wäre es noch schöner gewesen, wenn Hollywood noch mehr Mut gezeigt hätte. Aber schließlich gibt es da auch noch das Geld. Das man ja braucht, um auch morgen noch Filme zu drehen. Weshalb man wohl auch bei der Preisverleihung eher etwas zögerlich war mit politischen Statements. Aber bereits die Andeutungen stimmen etwas versöhnlich. Auch ein Hollywood kann schließlich nicht von heute auf morgen von der Geldmaschine zum Revolutionär mutieren. Aber vielleicht war „Moonlight“ ein Anfang.

Fasching meets Karneval

Ich habe das unter anderem auch bei Breitbart News recherchiert. Es besteht also ebenso wenig Zweifel daran, wie zum Beispiel an der Tatsache, dass es nie mehr Zuschauer bei einer Präsidenten-Vereidigung gab als in diesem Jahr. Auf jeden Fall wird natürlich auch in den USA Karneval oder Fasching gefeiert. Auch dort kennt man die Gepflogenheit, sich zu verkleiden und manchen Unsinn zu machen. Und daran ändern auch nichts irgendwelche Fake-News, von den Feinden Amerikas, also bestimmten Medien, in die Welt gesetzt, die das Gegenteil behaupten.

Fakt ist also, dass der Karneval oder Fasching in den USA etwas eher als bei uns im frühen Herbst begann. Zwar kennt man dort weniger die Faschingsbälle wie bei uns. Doch dafür gibt es jede Menge Karnevalssitzungen, bei denen einer am Rednerpult steht und mit witzigen Beiträgen über Politik oder Gesellschaftliches die Menschen in helle Begeisterung versetzt. Und das, ohne dass diese auch nur einen Tropfen Alkohol getrunken haben. Man darf sich also nicht wundern, wenn sich jetzt am Aschermittwoch herausstellt, dass sich Hillary Clinton die ganze Zeit als Donald Trump verkleidet hatte.

Zufälle

Ist das Leben nicht voller Zufälle. Muss man sich nur einmal überlegen, welcher zufälligen Gegebenheiten es bedurfte, um zum Beispiel den Menschen kennen zu lernen, mit dem man dann in manchen Fällen den Rest seines Lebens verbringt. So kann es natürlich überhaupt nicht überraschen, dass gerade jetzt Parteien hierzulande reihenweise ihre soziale Verantwortung entdecken. Das ist der reine Zufall. Höchstens bei einer Partei ist das etwas anders. Wer sich an Obergrenzen orientiert, der lässt dem Zufall keine Chance. Aber von allen anderen, die jetzt den sozialen Ungerechtigkeiten den Kampf angesagt haben, könnte man doch gewiss nicht behaupten, dass da jetzt irgendein Kalkül dahinter steckt. Es hat sich eben rein zufällig so ergeben.

Und so zieht sich das durch unser ganzes Leben. Und ganz besonders in der Politik. Weshalb man sich schon fragen muss, warum oft so eine große Aufregung herrscht. Wie zum Beispiel gerade jetzt wegen der Reporter, die in Washington nicht zur Pressekonferenz durften. Die hatten halt zufällig einfach keinen Platz mehr. War halt voll wie in einer Tokioer U-Bahn in dem kleinen Saal. Auch wenn wir glauben, rational zu handeln,  der Zufall hat im Leben ein viel größeres Gewicht, als wir uns eingestehen.

Nehmen wir doch einmal diesen Beitrag. Reiner Zufall, dass ich gerade über dieses Thema geschrieben habe. Ich hätte ja genauso gut über die Bundestagswahlen im Herbst diesen Jahres schreiben können. Aber mir war zufällig die Zuckerdose runter gefallen. Weshalb wir jetzt keinen Zucker mehr im Haus haben und deswegen zum Einkaufen fahren müssen. Da fiel mir zufällig ein, dass ich mir ja sowieso neue Sneakers für das Frühjahr kaufen wollte und gestern zufällig gesehen hatte, dass es gerade eine Rabatt-Aktion gibt. Bei so vielen Zufällen muss man sich doch einfach ein paar Gedanken über den Zufall machen.

Vermindert zurechnungsfähig

Menschen mit einer Behinderung, die gedemütigt und respektlos behandelt werden. Sie werden konditioniert, manipuliert und traktiert. Günter Wallraff und sein RTL-Team haben wieder zugeschlagen. Dieses Mal schleust sich eine Mitarbeiterin als Praktikantin in verschiedenen Einrichtungen für Behinderte ein. Ausgerüstet mit einer Kamera in der Brille. Was jetzt auf dem heimischen Großbildschirm zu sehen war, das sorgte natürlich für Entrüstung. Bei manchen Zuschauern vielleicht, weil sie so etwas im Fasching respektive Karneval nicht sehen wollen. Bei anderen hoffentlich, weil sie zu Empathie fähig sind.

Beides entbehrt nicht eines gewissen Zynismus. Denn schließlich hat sich diese Gesellschaft bestens damit arrangiert, dass sogenannte Behinderte vor allem kaserniert und ausgeschlossen werden. Wer sich davon überzeugen möchte, sollte sich nur einmal die Reaktionen der lieben „Mitmenschen“ anschauen, wenn Bewohner solcher Behindertenheime einmal „raus“ dürfen. Zum Einkaufen. Um eine Veranstaltung zu besuchen. Wenn es nur die Blicke sind, die dann Bände sprechen, kann man noch froh sein.

Latenter Zynismus ist allerdings auch beim investigativen Team auszumachen. Denn es präsentiert seine „Enthüllungen“ so, dass die Quote nicht gefährdet ist. Weshalb nicht deutlich gesagt wird, warum es diese Missstände gibt. Weshalb lieber einzelne Betreuer, die den Namen nicht verdienen, in den Fokus gestellt werden. Und nicht eine Gesellschaft, die so mit sich selber beschäftigt ist, dass sie keine Zeit für diese willentlich geschaffene Parallelgesellschaft der Behinderten hat. Geschweige denn gewillt ist, für bessere Bedingungen zu sorgen. Für ausreichend zahlreiches Personal, das qualifiziert genug ist, um sogenannte Behinderte menschlich zu behandeln.

Vielleicht habe ich es überhört. Aber im Beitrag hätte man an einer Stelle unter Umständen auch laut und deutlich sagen können, dass es trotzdem Menschen unter den Betreuerinnen und Betreuern gibt, die trotz miserabler Bezahlung versuchen, menschlich zu sein. Aber wahrscheinlich lässt sich auch damit keine Quote machen. Aber immerhin war der Aufschrei im Lande nach der Sendung gewaltig. Die Medien haben sich überschlagen. Und die Politik auch. Oder war das wegen einer Meldung aus den USA? Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen. Manchmal bin ich geistig etwas eingeschränkt.

A wie Abschiebung

Also so gefährlich ist Afghanistan nun auch nicht. Nimmt man die Monate Januar und Februar, dann gab es dort deutlich weniger Tote durch Terroranschläge als hierzulande Menschen durch Verkehrsunfälle gestorben sind. Oder zum Beispiel Libyen. Da hat man doch schon lange nichts mehr von Terroranschlägen gehört. Gehört ja auch eher zum Alltag. Und auf jeden Fall ist es dort wärmer als bei uns. Ganz zu schweigen von der Türkei. Dort ist ein Flüchtlingslager wahrscheinlich der sicherste Ort. Sicherer auf jeden Fall als eine Gegend, in der Kurden leben. Oder andere Regierungskritiker.

Warum jetzt also der ganze Hype wegen der Abschiebungen. Es ist ja nicht so, dass die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker Unmenschen wären. Gerne machen sie das sicher nicht. Aber manchmal muss man einfach Prioritäten setzen. Schon vergessen,  dass wir Bundestagswahlen haben? In der derzeitigen Situation haben Politikerinnen und Politiker der sogenannten Mitte gar keine andere Wahl. Oder will jemand ernsthaft Frauke Petry in der Regierungsverantwortung? Also von denjenigen, die nicht in Bettwäsche im Reichsflaggen-Design schlafen. Natürlich nicht!

Wer jetzt nicht für Abschiebung ist, wohin auch immer, der gefährdet doch letztendlich nur unsere Demokratie. Die wir nur bewahren können, wenn wir all die Abgehängten in die Gesellschaft zurück holen. Abschieben darf man die ja leider nicht. Obwohl das natürlich viel einfacher wäre. Auf jeden Fall wäre dann sowieso Schluss mit Asyl, wenn die nationalistischen Populisten die Oberhand gewinnen würden. Also heißt es jetzt eine Zeit lang Zähne zusammen beißen    und ab nach Afghanistan. Sind ja nicht alle Jahre Wahlen.

Glück in Dauerschleife

Unsere Welt, sie wird immer schöner. Und damit meine ich zwar nicht unbedingt das Amazonas-Gebiet oder den Hindukusch, aber doch zumindest einen immer größer werdenden Teil der Erde. Jenen nämlich, wo Smartphones selbstverständlicher sind als ein Frühstück. Wo Fortschritt ganz gerne auch mal das tägliche Brot zu ersetzen versucht. Und einer der neueren Trends lässt vermuten, dass wir uns in Zukunft auch gar keine Gedanken mehr darüber machen müssen, was uns lieber ist. Das wird möglicherweise mehr und mehr eine Software übernehmen, die anhand unseres Gesichtsausdruckes feststellt, was für uns gerade notwendig ist, um uns glücklich zu machen.

Sie wird schon eingesetzt. Von einigen Global-Playern zum Beispiel, um herauszufinden, ob Kunden ihre Werbefilme gefallen, wie Kunden auf ihr Angebot reagieren. Der Aufwand an Hardware ist überschaubar: Eine Kamera. Den Rest erledigt das Programm. Das in der Lage ist, Emotionen zu erkennen, diesbezüglich Gesichter zu deuten. Was dann wieder Rückschlüsse darauf zulässt, wie man einer Kundin oder einem Kunden etwas schmackhaft machen kann. Basierend auf der nicht überraschenden Erkenntnis, dass Kaufen zumeist weniger von der Vernunft als vielmehr vom Bauchgefühl geleitet wird.

Sprich, je nachdem in welchem Gemütszustand jemand gerade ist, wird die Werbebotschaft angepasst. Und wenn wir dann den Supermarkt verlassen, haben wir eine Menge Sachen gekauft, die unsere finstere Miene aufgehellt haben. Die sich wahrscheinlich erst wieder verfinstern wird, wenn wir zu Hause feststellen, dass wir Geld für Dinge ausgegeben haben, die wir nicht wirklich wollten.

Aber dann müssen wir ja nur wieder zum nächsten Discounter, der auch diese Gesichtsanalyse-Software einsetzt. Und schon werden wir wieder glücklich gemacht. Für ein ja durchaus wünschenswertes Dauer-Glück in einem solchen Software-Paradies sollten Supermärkte vielleicht einmal daran nachdenken, Betten aufzustellen. Damit Kunden gar nicht mehr nach Hause müssen. Sondern nur noch mit glückseligen Gesichtern rund um die Uhr einkaufen. Gäbe es ein Grundeinkommen vom Staat, wäre das ja durchaus machbar.