Archiv für den Monat März 2017

Schluss mit MIT

Ich bin mehr als entsetzt. Das hat mich mehr geschockt als die Frisur des US-amerikanischen Präsidenten. Denn es ist einfach unglaublich: Der türkische Geheimdienst spioniert in der Bundesrepublik Deutschland! Wie hat unser Bundesinnenminister de Maizière sinngemäß gesagt: Spionieren darf man nicht, das ist strafbar! Und bis jetzt haben sich offensichtlich ja auch alle daran gehalten. Der russische SWR, übrigens nicht identisch mit dem Südwestrundfunk, der israelische Mossad, der britische MI6, US-amerikanischer NSA oder CIA und BND, sie alle spionieren nämlich überhaupt nicht. Na ja, manchmal wird von ihnen vielleicht ein Telefon abgehört. Aber sonst sitzen ihre Mitarbeiter nur in Straßencafés und lesen Zeitung, in die sie ein Loch gemacht haben.

Aber die Türken!!!!!! Also wenn das keine Gestapo-Methoden sind, dann ist Erdogan ein lupenreiner Demokrat. Die haben sogar richtige Fotos von Leuten gemacht. Und tagelang dicke Telefonbücher gewälzt, um die Telefonnummern ihrer Opfer rauszukriegen. Bis jetzt war ich ja durchaus dafür, dass Meinungsfreiheit für alle gilt. Sogar für türkische Politiker, die gegen deutschen Faschismus wettern. Aber jetzt ist auch meine Toleranz erschöpft. Es ist allerhöchste Zeit, den Türken Grenzen aufzuzeigen. Man darf uns Nazis nennen, faschistische Methoden vorwerfen. Doch wenn Geheimdienste anfangen, ihre Arbeit ernst zu nehmen, dann ist Schluss mit Lustig. Jetzt ist allerhöchste Zeit über Sanktionen nachzudenken. Ich habe bereits den Verzehr von Döner eingestellt.

No Exit for Brexit

Sie können einem wirklich leidtun, diese Inselbewohner. Da hat sich eine knappe Mehrheit für einen Schritt entschieden, der jetzt wohl annähernd alle betroffen machen wird. Inklusive Fondmanager. Ein deutliches Signal, dass Volkes Wille nicht immer der sinnvollste ist. Aber nun ist es zu spät. Die Scheidung ist eingereicht. Da führt kein Weg zurück. Und es wird Leidtragende geben. Denn es wird auch für uns EU-Bürger nicht ohne Abstriche abgehen. Als erstes wird wohl Guinness-Bier teurer. Dann natürlich auch Plumpudding, Worcestersauce und Schottenröcke.

Auf der anderen Seite des Ärmelkanals sieht es allerdings noch drastischer aus. Denn irgendwie scheint man vergessen zu haben, dass England keine Kolonialmacht mehr ist. Nicht einmal das Commonwealth ist eine Alternative zur EU. Der Handel mit diesen Ländern, das sind aktuell eher Peanuts. Weil 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus Dienstleistungen herrühren. Es wird kaum produziert. Außerdem hat London auch als Finanzplatz einige Probleme am Hals.

Weshalb das Ganze irgendwie an Twitter-Donald erinnert. Mein Lieblingsbild der Woche: Er kippt Umweltstandards, damit die Kumpels wieder in den Berg einfahren können. Und die, die zur diesbezüglichen Daily Soap eingeladen waren, verziehen keine Miene. Was stark an Theresa May und England erinnerte. Sie ist voller Tatendrang und gut drauf. Doch im United Kingdom haben viele Menschen auf Halbmast geflaggt. Sogar der Absatz von Tassen mit dem Konterfei der Queen soll zurück gegangen sein. Das ist wirklich kein gutes Zeichen.

Kohlekumpel

Wenn man es sich genau überlegt, ist es ja bis heute nicht so richtig bewiesen, dass die Erde eine Kugel ist. Und nicht doch eine Scheibe. Wofür übrigens die Tatsache sprechen würde, dass es immer wieder Schiffe gibt und im vergangenen Jahr ja auch ein Flugzeug, die spurlos verschwinden. Es weiß also niemand, ob die nicht ganz einfach über den Tellerrand, über den ganz offensichtlich noch nicht einmal mächtige Männer hinaus schauen können, gekippt und in die Tiefe gestürzt sind.

Doch obwohl ich vollstes Verständnis dafür habe, wenn jemand konkrete Hilfe für konkrete Menschen leisten möchte, also zum Beispiel Kohlekumpel wieder in Brot und Arbeit bringen will, bin ich mir nicht so ganz sicher, ob es Sinn macht, dafür einen ganzen Planeten zu opfern. Allerdings nur vorausgesetzt, dass dieser Planet wirklich eine Kugel ist und keine Scheibe. Denn sollte letzteres der Fall sein, dürfte die Wahrscheinlichkeit sehr groß sein, dass der Klimawandel wirklich nur ein Fake der Lügenpresse ist.

Naturzeit

Manchmal wird man doch noch daran erinnert, dass der Mensch nicht nur rund um die Uhr mit dem World Wide Web, sondern auch und auf seltsame Weise mit der Natur verbunden ist. Spätestens, wenn wieder einmal die Zeit umgestellt wurde. Was an sich schon ein Paradox ist. Denn Zeit lässt sich nicht umstellen. Sie verrinnt kontinuierlich. Ohne Zeitsprünge. Kann nicht angehalten und auch nicht zurück gedreht und schon gar nicht vor gespult werden.

Es ist nicht nur einfach Müdigkeit, die man verspürt. Eher kommt es einem so vor, als sei nicht nur die Zeit, sondern auch noch der ganze Organismus umgestellt und damit durcheinander gebracht worden.  Und natürlich reagieren sogar Haustiere mit Unverständnis auf diesen Bruch mit den gewohnten zeitlichen Abläufen. Jetzt gibt es schließlich schon Frühstück, wenn sonst mit Nachdruck darauf gepocht wurde, dass noch Schlafenszeit wäre.

Mich würde brennend interessieren, was daran hindert, mit diesem – gelinde gesagt – Blödsinn endlich Schluss zu machen. Dass dadurch Energie gespart würde, ist hinlänglich widerlegt. Aber wenn es beruhigt, ich würde auch auf diverse Wochenendausflüge verzichten, wenn das irgendjemand glücklich macht. Wenn ich dafür nur wieder ganz einfach mit den Hühnern aufstehen und das Abendessen mit dem Gesang der Amseln einnehmen darf.

Farbenspiel

Da hätte man sich im Saarland lieber noch eine AfD mit 20 Prozent gewünscht als eine rein rote Regierung. Denn die Angst vor dem Kommunismus sitzt immer noch tief. Auch wenn er respektive sein Erfinder inklusive Manifest schon 1989 vom einstigen Arbeitsminister Norbert Blüm für tot erklärt wurde. Ein bisschen Braun, das findet man schließlich auch in gut bürgerlichen Wohnzimmern.

Aber Rot? Da hat sich der Wähler und natürlich auch manche Wählerin doch lieber mehrheitlich für ein freundliches Schwarz entschieden. Und wem nach Grün ist, der geht derzeit sowieso lieber raus in die erwachende Natur. Nur im weiß-blauen Bayern ist man jetzt ratlos. Dass dieses gute Ergebnis der Schwesterpartei ohne Festlegung einer Obergrenze zustande kam, das treibt nun doch manchem die Zornesröte ins Gesicht.

Zutiefst berührend

Ein bewegendes, zutiefst berührendes Bild. Das tränenüberströmte Gesicht eines Mannes. Eines noch jungen Mannes, irgendwas zwischen 20 und 30 Jahren. Mein erster Gedanke: Es hat schon wieder einen Terroranschlag gegeben. Höchstwahrscheinlich in Europa. Vielleicht in Deutschland. Ich habe die Gepflogenheit, im Fernsehen noch mal schnell nach einer Nachrichtensendung zu suchen, wenn ich am späteren Abend nach Hause komme. Einfach um mich noch einmal zu informieren, was in den Stunden passiert ist, die ich unterwegs war. So auch am gestrigen Abend.

Doch dann machte die Kamera einen Schwenk, und mir wurde schnell anhand der Bilder klar, dass es keine Nachrichtensendung war. Sondern eine Unterhaltungssendung, eine Art Schlagerparade. Möglicher Titel: Atemlos durch die Nacht mit Florian Silbereisen. Und dass dieser junge Mann so in Tränen aufgelöst war, das war allein der Tatsache zu verdanken, dass Helene Fischer offensichtlich nach langer Zeit wieder ein Album herausgebracht hat. Und gerade und zum ersten Mal einen Song daraus sang.

Schadenfreude

Was können Menschen geradezu widerlich sein. So hämisch. Schadenfroh. Aber damit muss man offensichtlich leben. Das lässt sich ebenso wenig ausrotten, wie der Hang, sich permanent selber zu fotografieren. Oder zu allem und jedem in den sogenannten sozialen Medien seine Meinung zu verbreiten. Aber meistens nur um die Gelegenheit zu nutzen, den Dampf abzulassen, der sich irgendwo aufgestaut hat. Weil man sich zum Beispiel nach 38 Jahren Ehe immer noch nicht getraut hat, dem Partner zu sagen, dass einen morgens die Wäsche auf dem Fußboden nervt. Vielleicht auch die offene Zahnpasta-Tube. Oder die Ehe überhaupt.

Jüngstes und extremes Beispiel dafür, wie hämisch, wie schadenfroh Menschen sein können, ist jedenfalls das, was gerade in den USA passiert ist. Nicht nur, dass ein Mann, der dauernd in irgendeine Kamera grinst und auch noch von sich behauptet, dass es nichts gäbe, was er nicht in den Griff bekäme, eine Schlappe allererster Güte erlitten hat. Nein, es sind auch noch seine eigenen Leute, es ist seine Partei, die ihm diese beschert hat. Die ihn vorgeführt hat wie einen russischen Tanzbären. Jedenfalls war ich schon lange nicht mehr so ausgelassen fröhlich wie am gestrigen Tag. Nachdem ich gehört hatte, dass sich Obamacare bester Gesundheit erfreut.

Nazi-Methoden

Der Fußballer Lukas Podolski hat das getan, was man sich von manchem Politiker wünschen würde. Er hat aufgehört. In der Nationalmannschaft. Warum ich es gerade jetzt interessant fände, dass selbige unbedingt gegen die Türkei antreten sollte, ist schnell erklärt. Ich würde einfach zu gerne wissen, ob man mit Nazi-Methoden auch ein Fußballspiel gewinnen kann. Wahrscheinlich würden im Falle eines Sieges gewisse Leute hinterher behaupten, die deutschen Spieler hätten Zyklon-B einesetzt.

Was einer Internetseite mit dem putzigen Namen „luebeck-kunterbunt“ zu Folge allerdings kein tödliches Gas sondern ein als Entlausungsmittel eingesetztes „Insektizid“ ist. Mit dem die Nazis hätten Leben retten wollen. Was den Schluss nahelegt, dass ganz offensichtlich das Leugnen des Holocaust nicht immer strafverfolgt wird. Schließlich war diese Seite bei Google ganz weit oben bei den Treffern. Und bereits bei der Eingabe des Begriffes „Zyklon B“ hat Google freundlicherweise die Suchen „zyklon b vergasung nicht möglich“, „gaskammern lüge“ und „holocaust wissenschaftlich widerlegt“ vorgeschlagen. Ist offensichtlich alles sehr gefragt.

Und vielleicht ist es ja das, was Menschen sagen wollen, die in diesen Tagen von Nazi-Methoden sprechen. Es soll damit nicht auf die Methoden der Nazis Bezug genommen werden, Menschen zu ermorden. Das wäre ja auch zu idiotisch. Zu behaupten, dass Angela Merkel Menschen vergasen lässt. Vielmehr und höchstwahrscheinlich geht es um die bis in unsere Zeit praktizierte Methode von Nazis, zu leugnen, was Nazis verbrochen haben. Die zurzeit aber geradezu inflationär sogar von Politikern übernommen wird, die man nicht als Nazis bezeichnen sollte. Wenn man sich nicht der Strafverfolgung aussetzen möchte.

Ignoranz ignorieren

Es ist eine Erfahrung, die bereits im Kindesalter gemacht wird. Wenn man zum Beispiel fünf Mal am Tag hört: Räum‘ jetzt endlich dein Zimmer auf! Irgendwann geht das zu einem Ohr rein. Und zum anderen wieder raus. Auch wenn wir uns da noch nicht der Tragweite bewusst sind. Denn es ist für den weiteren Lebensweg unerheblich, ob und wie oft wir unser Zimmer aufgeräumt haben. Von Bedeutung ist hingegen, dass wir glauben gelernt zu haben, dass Ignorieren eine Lösung wäre.

 Was in Kindertagen das unaufgeräumte Zimmer, das sind später die unaufgeräumten Beziehungen. Die Verletzungen, die wir hinnehmen. Weil wir nicht den Mut haben, sie zum Thema zu machen. Und natürlich hat diese Haltung auch Bestand, wenn es um gesellschaftliche Fragen geht. Zwar erlauben uns inzwischen die sogenannten sozialen Medien eine unverbindliche Stellungnahme. Aber wirklich etwas zu tun, auf diese Idee kommt man nicht so leicht.

Das passiert beim Großteil der Menschen frühestens, wenn das Wasser bis zum Hals steht. Oder schon zum Mund rein schwappt. Früher war das der Moment, als beispielsweise der Verlust des Taschengeldes drohte. Jetzt wartet man, bis nicht mehr nur Worte sondern Taten sprechen. Und es vor der eigenen Haustür stattfindet. Bis trotz aller Fantasie etwas nicht mehr geleugnet werden kann. Also zum Beispiel die Erde anfängt sich derer zu entledigen, die sie ruinieren. Und natürlich ist nicht die Kindheit daran schuld.

Es gibt Kinder, die hatten nie ein Zimmer. Und ignorieren trotzdem als Erwachsene, was auf den ersten Blick unbequem ist. Auf den zweiten aber oft eine Tragweite hat, die in keiner Relation steht für den kurzen Moment der entspannten Sicht auf die Dinge. Vielleicht könnte ja ein neues Schulfach Abhilfe schaffen. Ein Fach, in dem die Möglichkeiten des Umgangs mit der Realität gelehrt werden. In dem gelehrt wird, dass sich Probleme nicht dadurch lösen, dass sie ignoriert werden. Auch wenn das beim Kinderzimmer oft geklappt hat.

 

Vogelgezwitscher

Man könnte sich als Blogger eigentlich schön entspannt zurücklehnen. Zumindest aktuell müssen nicht mehr Einreiseverbote von bestimmten Politikern thematisiert werden. Endlich kann man also wieder guten Gewissens Döner essen. Und vielleicht haben sich die Medien ja entschlossen, nicht mehr über jede Blähung zu berichten. Jedenfalls hat auch die Schlagzahl der Tweets von jenseits des großen Teiches sehr stark nachgelassen. Fast könnte man den Eindruck haben, dass da jemand angefangen hat, nachzudenken statt zu tweeten.

Und hat sich mal jemand die Mühe gemacht nachzurechnen, wann zum letzten Mal das Wort „Obergrenze“ zu lesen oder zu hören war? Gefühlt sind das Wochen. Fast scheint es, als wäre der Frühling mit seinem fröhlichen Vogelgezwitscher, den freundlichen Farben und dem blauen Band auch bei den Nachrichten eingezogen. Wenn da nicht wieder einmal eine junge Frau gesucht werden würde. Dass sie sich nur verlaufen hat, das wäre zu schön, um wahr zu sein.