Archiv für den Monat Juni 2017

Fingernägel

Menschen und – hier muss ich nun wirklich etwas unausgewogen sein, auch wenn mir die Nestbeschmutzung natürlich nicht leicht fällt – insbesondere Männer sind etwas höchst Seltsames. Da sind nämlich zum Beispiel lustige kleine Tiere mit Schuppen vom Aussterben bedroht, die sich von Ameisen und Termiten ernähren, sonst aber niemandem was Böses wollen. Sie werden aber von Menschen in großer Zahl gefangen und getötet. Und ihre Schuppen werden zu Pulver gemahlen. Weil Männer glauben, dass dieses Pulver sie zu so richtigen Männern machen kann.

Und weil sie viel Geld dafür bezahlen, werden immer noch mehr Tiere getötet. Dabei könnten diese Männer ebenso gut ihre Fingernägel kauen respektive zu Pulver mahlen. Denn diese Schuppen bestehen zum größten Teil wie Fingernägel aus Keratin. Den Tieren hilft das aber leider nicht. Sie müssen weiterhin als teuer bezahltes Potenzmittel und Delikatesse mit Status-Potential herhalten. Zumindest so lange es sie noch gibt.

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Schnellschuss

Diese Entscheidungsfreudigkeit würde man sich sehr viel öfter wünschen. Ganz zu schweigen von der Schnelligkeit. Nicht einmal eine Woche hat es gedauert, und schon stand der Termin fest. Als ginge es um Leben und Tod. Also etwa um Kindesarmut. Feinstaub. Oder den CO²-Ausstoß von Kohlekraftwerken. Und die größte Überraschung: Nicht vielleicht wie für andere Gesetzesvorhaben erst nach der Wahl, sondern noch in dieser Woche will der Deutsche Bundestag über die „Ehe für alle“ abstimmen.

Damit wir uns nicht missverstehen. Ich finde es in Ordnung, dass jeder heiratet, wen er will. Habe mich schon gefragt, wann die CDU/CSU entdeckt, dass auch Lesben und Schwule Menschen sind. Und durchaus geeignet, um Kinder ebenso schlecht und recht zu erziehen wie Heteros. Wenn nicht vielleicht sogar besser. Wie jetzt Frau Merkel. Aber diese Dynamik überrascht dann doch.

Und wenn man ein schlechter Mensch wäre, also entweder schwul, lesbisch, genderübergreifend oder heterosexuell veranlagt, würde man vielleicht sagen, dass es schon ein bisschen widerwärtig ist, was hier veranstaltet wird, um auch noch die letzte Weidel ins Boot zu holen respektive ein weiteres Kreuz auf dem Wahlzettel zu ergattern. Ich bin auf die nächste Sekundenlösung für die großen Probleme der Menschheit gespannt.

Länderquiz

Fangen wir doch mal ganz klein an. Mit einer Kleinstadt. Einer sehr kleinen Kleinstadt. Aber, wie ich finde, durchaus auch repräsentativ für größere Städte oder Großstädte. Schließlich sind die Menschen ja das Entscheidende. Kurzum, an einem schönen Sommerabend mangelt es in einer ganz bestimmten Gegend der Kleinstadt an Parkmöglichkeiten. Weshalb ein Fahrzeug auf einem Areal abgestellt wird, das vor einer gewerblich genutzten Halle und einem kleinen Wohnblock mit vier oder fünf Parteien liegt. Vor dem stehen bereits einige Fahrzeuge, bei denen besagtes Auto geparkt wird. Der größte Teil der großen asphaltierten Fläche ist leer.

Was immer noch der Fall ist, als nach einiger Zeit das Fahrzeug wieder weggefahren werden soll. Doch inzwischen hat sich ein anderer Pkw quer dahinter gestellt. Sodass ein Wegfahren unmöglich geworden ist. Der Fahrzeughalter ist zwar bald gefunden, aber er weigert sich erst einmal, auf die Seite zu fahren. Erst möchte er eine Lehrstunde abhalten.

Denn es sei dreist, sich auf seinen Parkplatz zu stellen. Und eigentlich könne er gar nicht mehr fahren, weil er schon ein Bier getrunken habe. Einmal davon abgesehen, dass nichts darauf verweist, dass bestimmte Plätze bestimmten Fahrzeugen vorbehalten wären, wird das Wort dreist noch 23 Mal wiederholt, verbunden jeweils mit der Forderung nach einer Entschuldigung, die schon längst erfolgt ist und mehrmals wiederholt wurde. In welchem europäischen Land befinden wir uns?

 

P.S. und hilfreicher Hinweis: Ich war es nicht.

Flora und Fauna

Vermutlich liegt es doch nicht an der Sonne. Die These, wonach mein derzeitiges mangelndes Engagement in Sachen Politik und Gesellschaft durch das sommerlich sonnige Wetter bedingt sein könnte, erlitt im Verlauf des gestrigen Tages Schiffbruch. Vielmehr scheint die Ursache zu sein, was sich bereits in einem ganz bestimmten Wort im gestrigen Beitrag andeutete. Das Wort ist „Lethargie“. Ausgelöst von Hoffnungslosigkeit. Ich habe mir in jüngster Zeit das zweifelhafte Vergnügen gegönnt, „Baustellen“ zu sammeln – und jetzt ausgewertet.

Also Gegebenheiten, die nachweislich etwas abträglich sind für uns Menschen, für die Natur, für Flora und Fauna. Weshalb man vielleicht etwas dagegen unternehmen sollte. Um wenigstens Schlimmeres zu verhüten. Habe dabei wahllos einfach nur „zu den Akten genommen“, was mir in den von mir gelesenen Print-Medien und Online-Diensten über den Weg gelaufen ist. Was ich in Dokumentationen und Polit-Magazinen gesehen und gehört habe. Und da war noch nicht einmal „Breitbart“ dabei ; –) .

Es ist beeindruckend. So beeindruckend, dass ich es mir erspare, hier alle Einzelfälle aufzuführen. Liest ja dann doch keiner. Schließlich hat „Der Mann ohne Eigenschaften“ auch kaum jemand ganz gelesen. Noch beeindruckender ist jedoch die Tatsache, dass es kaum jemand wirklich zu interessieren scheint. Dass kaum Interesse daran zu bestehen scheint, auch nur versuchsweise etwas an den Missständen zu ändern. Weshalb man jetzt natürlich schon geneigt wäre, das Wort „früher“ in den Mund zu nehmen respektive zu schreiben.

Ich unterlasse es. Denn das Einzige, was zumindest für uns Europäer in vergangenen Jahrzehnten anders war als sonst: Es gab keinen Krieg. Ansonsten gebärdeten sich die Menschen wie immer. Und inzwischen wissen wir eben auch haargenau, wie sie sich in allen anderen Ecken der Erde gebärden. Weshalb nur helfen kann, ins Detail zu gehen, sich auf weniges zu konzentrieren. Wie im Supermarkt, wenn man nicht völlig pleite nach Hause gehen möchte. Und ab morgen fange ich damit an. Egal wie das Wetter ist. Und wenn nichts dazwischen kommt.

 

Sonne

Vielleicht liegt es einfach daran, dass der Blick auf die Welt heller ist, nicht mehr so düster wie in den Wintermonaten. Dass die Sonne dafür sorgt, vieles in einem anderen Licht zu sehen. Jedenfalls kann ich erstaunlicherweise zurzeit Meldungen aus den unzähligen Problemzonen der Welt zur Kenntnis nehmen, Zorn, Wut oder Verzweiflung halten sich aber in einem Bereich, dass ich nicht halbe Tage die achtlose Grausamkeit von Menschen, gepaart mit ihrer Gier und gekrönt von ihrer Dummheit, im Kopf herum wandern lassen muss. Viel lieber lege ich diesen Kopf in den Schatten und beobachte von dort aus das Spiel der Sonnenstrahlen, dass sogar eine Betonwand zu Leben erwecken kann.

Aber vielleicht ist es auch nur eine Müdigkeit, eine Erschöpfung. Oder die Wärme, die ein bisschen lethargisch macht. Denn so strahlend auch die Sonne daher kommt, sie kann nicht verdecken, was natürlich immer noch auf der Welt geschieht. Noch nicht einmal das gleißendste Licht kann aus dem Elend ein erträgliches Bild formen. Aber die Farben bieten willkommene Ablenkung und überstrahlen zeitweilig zumindest die deprimierende Erkenntnis, dass irgendwann wieder Herbst sein wird. Und die Menschen immer noch die gleichen sind.

 

Fluchtreflex

Manchmal ist so eine Landpartie nicht nur erbaulich wegen der guten Luft und der idyllischen Bilder. Sie kann auch zu tief gehenden Erkenntnissen bezüglich menschlicher Verhaltensweisen führen. Zum Beispiel bezüglich Radfahren. Habe ich mich doch schon immer gefragt, warum fast ausschließlich Männer mit einem so hochroten Kopf, dass man geneigt ist, vielleicht schon mal die Ambulanz anzurufen, auch noch in der größten Hitze und in einer Montur, die auch noch die letzten körperlichen Mängel herausarbeitet, durch die Lande rasen.

Auch wenn die Trikots, die sie tragen, darauf hindeuten, sie kriegen schließlich kein Geld dafür. Und nachdem Männer selten etwas umsonst tun, noch nicht einmal in der Liebe, wo ja auch die Liebeserklärung auf den Vollzug des Geschlechtsaktes hinarbeitet, lag für mich der Schluss nahe, dass dies auch beim Radfahren nicht anders ist. Und ich habe die Erklärung gefunden.

Darauf gekommen bin ich durch eine kleine Feldforschung im Bekanntenkreis, wo natürlich auch dieser Typus des Radfahrers mit Tour-de-France-Anspruch zu finden ist. Und schnell auffällig wurde, dass alle Intensiv-Radler Beziehungsprobleme hatten. Es ist offensichtlich: Sie sind quasi auf der Flucht. Sie versuchen auf dem Rad der Beziehung zu entkommen. Riskieren dafür Kreislaufkollaps und schwere Stürze. Hauptsache nicht zu Hause sein, wo die Partnerin lauert. Mit dem für einen Mann gefährlichsten aller Forderungen, die Frau in einer Beziehung stellen kann: Wir müssen reden.

 

Verlockungen

Ich hatte Post. Und was ich da las, das klang doch mehr als verlockend. Sie ist blutdruckausgleichend, herzstärkend, blutbildend, Immunstärkend, krebshemmend, cholesterinsenkend, hilft bei Diabetes, wirkt Stoffwechsel anregend, ist antioxidant und fördert den Stressabbau. So steht es geschrieben. Weshalb durchaus die Vermutung angebracht ist, dass es auch gegen Terrorismus hilft, bei Altersarmut oder gegen Kinderarbeit eingesetzt werden kann. Denn, so heißt es im Text, diese Wunderpflanze ist immer ausgleichend. Zitat: „Was zuviel ist wird gedämpft und was zuwenig ist angeregt.“

Es eignet es sich also zumindest nicht für Sexualprobleme in einer Partnerschaft, wenn es beide einnehmen. Aber dieses Manko wird durch die vielfältigen Möglichkeiten ausgeglichen, sich dieses „Kraut der Unsterblichkeit“ (Originaltext) einzuverleiben. Man kann es nämlich als Gewürz nehmen oder Smoothies beigeben, als Tee trinken oder einfach kauen. Und das allerschönste, man kann es selber anbauen. Man muss nur den Samen kaufen.

Und bevor ich es vergesse, natürlich hilft es auch gegen Erschöpfung, Kopfschmerzen, Erkältungen, Entzündungen, Einschlafprobleme und Hyperviskosität. Letzteres musste ich erst googeln, ob es sich allerdings auch positiv auf den Intelligenzquotienten auswirkt, dazu konnte ich leider keine beweisfesten Aussagen finden. Aber wenigstens blüht diese Wunderpflanze namens „Jiaogulan“ schön, und ich frage mich verzweifelt, warum man mir nicht viel früher geschrieben hat.