Archiv für den Monat Oktober 2017

Heiße Mode

Dänische Journalisten haben aufgedeckt, dass der schwedische Modegigant H&M jährlich etwa 12 Tonnen an unverkaufter Bekleidung verbrennen lässt. Mit der Begründung, dass die ausgemusterten Stücke schadhaft oder sogar gefährlich für die Verbraucher wären, weshalb weder der Verkauf noch das Recyceln möglich sei. Was plausibel klingt, schließlich sind die Journalisten bei ihrer Recherche unter anderem auf anderthalb Tonnen modischer Bekleidung mit Etiketten und Preisschild gestoßen, die der Müllverbrennung zugeführt wurden. Außerdem wurde bei stichprobenartigen Laboruntersuchungen festgestellt, dass die untersuchten Bekleidungsstücke nicht die Grenzwerte für Schadstoffe überschritten.

 Üble Nachrede dürfte außerdem sein, dass die Lager nur so schnell und kostengünstig für die neuen Kollektionen frei gemacht werden können. Die bei H&M relativ schnell die Vorgänger-Kollektionen ersetzen, damit modebewusste Frauen und Männer nicht länger als nötig in alten Klamotten rumlaufen müssen. Schließlich wird einem in einem Restaurant ja auch nicht das Gericht serviert, das schon gestern auf dem Tisch stand. Zumindest hofft man das jedes Mal, wenn man in einem Restaurant die Bestellung aufgibt.

H&M reagiert also nur auf die Bedürfnisse seiner Kunden, für die modische Bekleidung vielfach eher wie Joghurt ist: Man stellt ihn ja durchaus mal für einen oder zwei Tage in den Kühlschrank, nachdem man ihn gekauft hat. Aber spätestens wenn das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, landet er trotzdem und halb voll im Mülleimer. Weshalb es sicher ein Service der besonderen Art wäre, wenn auch H&M für seine Bekleidung ein Haltbarkeitsdatum angeben würde. Zum Beispiel den Tag, an dem die nächste Kollektion in die Läden kommt. Dann könnten modebewusste Menschen zuhause schon mal die Schränke leer machen und die alten Klamotten zur Müllverbrennung bringen.

 

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Trash Isles

Wer glaubt, dass düstere Aussichten ausreichend wären, um Menschen davon abzuhalten, in ihr Unglück zu rennen, hat die menschliche Psyche nicht verstanden. Der Beweis dafür: Nie wurde so viel CO² in die Luft geblasen wie im vergangenen Jahr. Und die Prognose, dass es für dieses Jahr noch düsterer aussieht, ist nicht allzu gewagt. Dabei ist es so einfach. Viele Menschen wollen jetzt einfach noch mal die Gunst der Stunde nutzen. Schließlich weiß man ja nicht, wie lange es überhaupt noch möglich ist, diese riesigen Mengen von CO² zu produzieren.

Denn wenn erst einmal die Meeresspiegel noch mehr angestiegen, weite Landstriche überflutet sind, kann das schwierig werden. Weshalb man jetzt eine Petition auf change.org unterschreiben kann. Der Gedanke dahinter: Es schwimmt Plastik in den Ozeanen, ausreichend, um eine Insel in der Größe von Frankreich zu schaffen. Das Ziel: Von der UN als Land anerkannt zu werden. Um somit unter die UN-Umwelt-Charta zu fallen. Die Idee hatten die Website LADbible und die Plastic Oceans Foundation. Und Al Gore war der erste Bürger der Trash Isles. Es sind noch Plätze frei.

 

 

   

Wellenspiele

Eigentlich hatte ich ja für heute eine kleine Strafpredigt angedacht. Schließlich ist ja Sonntag. Aber dann haben mich die nicht immer ganz so sozialen Medien mit einer Amtsrichterin aus Meißen bekannt gemacht. Und ich musste erkennen, dass vieles in diesem, unseren Lande weniger beunruhigend ist, als ich dachte. Stichwort „Meinungsfreiheit“. Ein hohes Gut in unserer Demokratie. Natürlich auch für eine Familienrichterin. Nur zur Information: Meißen liegt in Sachsen. Weshalb die Richterin auf Facebook postete, wie traurig und zunehmend empörend es sei, „wie wir aus dem öffentlichen Raum vertrieben werden“. „Wir“, das ist wohl das Volk, das sich Alexander Gauland zurückholen möchte. Und der öffentliche Raum ist offensichtlich ein Freizeitbad in Meißen, aus dem die Amtsrichterin durch „Kopftücher, Schleier, Verhüllung“ vertrieben wird.

Die „im Übrigen mit Religion nichts zu tun“ haben, wie die Richterin auf Facebook schreibt. Und dass sie es ablehne, den Islam als Religion zu „qualifizieren“. Von einer großen Tages- und Familienzeitung mit Bildern darauf angesprochen, stellte die Amtsrichterin dann allerdings entsetzt fest, dass ihr Facebook-Account gehackt worden sei. Was aber offensichtlich für sie kein Grund war, diesen oder Einträge über „Flüchtlinge“ zu löschen. Ihr Kommentar: „Sie sind aber weder rechtsradikal noch strafrechtlich relevant.“ Und dass sie sich nicht den Mund verbieten lasse. Weshalb auch einer ihrer Geburtstagswünsche war, dass die Bundesregierung zurücktreten möge.

Und während im Bundestag vier Parteien verhinderten, dass ein AfD-Politiker, der ebenfalls den Islam nicht als Religion „qualifiziert“, Bundestagsvizepräsident wird, besteht laut dem Vorgesetzten der Amtsrichterin derzeit „kein Anlass, an den Angaben von Frau Kutscher zu zweifeln“. Es war dem entsprechenden Medienbericht leider nicht zu entnehmen, ob er damit das Hacken des Facebook-Accounts meinte, oder die Sichtweise der Amtsrichterin, dass der Islam keine Religion sei. Auf jeden Fall ist es ein beeindruckender Beweis, dass für die Justiz zumindest in Sachsen das im Grundgesetz verankerte Recht auf Meinungsfreiheit das höchste Gut ist.

Führungs-Duo

Sie werfen sich gegenseitig vor, sich zu wenig kompromissbereit zu zeigen, die Sondierungsgespräche geradezu zu torpedieren. In Berlin sind die launigen Bemerkungen über Jamaika und die Entfernung bis dorthin und irgendwelche Flüsse längst Schnee von gestern. Was jetzt natürlich kein Wortspiel sein soll  hinsichtlich des Gebrauchs von Rauschmitteln auf der Karibik-Insel. Obwohl natürlich ein paar – natürlich legal in der Apotheke bezogene – Joints vielleicht durchaus dafür sorgen könnten, dass sich die Damen und Herren der vier Parteien etwas entspannter Themen wie Migration oder Umwelt nähern.

Oder CDU/CSU nehmen sich gleich ein Beispiel an unserem österreichischen Nachbarn. Wo der Wahlsieger Sebastian Kurz, kürzlich und natürlich völlig inakzeptabel vom Satire-Magazin „Titanic“ als „Baby-Hitler“ bezeichnet und ebenfalls auf einen Koalitionspartner angewiesen, jetzt kurzerhand und kurzentschlossen die rechtsnationale FPÖ ins Regierungs-Boot holen will. Sozusagen kurze Wege geht. Und somit gar nicht erst an ein Jamaika geschweige denn an den Einsatz von Joints denken muss.

Mit diesem Koalitionspartner schließt Kurz vielmehr endlich die Ostflanke der EU – und damit Lücken auf der rechten Seite. Außerdem wäre es doch hierzulande ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung, wenn es nicht nur einen weiblichen Kanzler sondern auch einen ebenso weiblichen Vize-Kanzler und Außenminister gäbe. Angela Merkel und Alice Weidel als Führungsspitze und Ausgleich für die miserable Frauenquote im 19. Deutschen Bundestag, wäre das nicht ein wichtiger Schritt auf dem langen Marsch der Frauen in Führungspositionen?

 

Das Beste für die Gäste

Man hat sich ja schon gefragt, warum das keiner hinkriegt. Doch es ist gelungen. Deutsche Tugendenden wie Effizienz, ökonomisches Handeln, optimierte Abläufe, Innovationen, Personaleinsparung, also alles, was uns zum Exportweltmeister gemacht hat, ist jetzt auch in die Abwicklung der Flüchtlingskrise eingeflossen. Und wieder einmal haben die Menschen mit den Laptops und in den Lederhosen einen ganz wichtigen Part dabei übernommen.

Weshalb jetzt das „Entscheidungs- und Rückführungszentrum“ im oberfränkischen Bamberg ein Vorzeige-Objekt ist, das bundesweit Schule machen soll. CDU/CSU haben es versprochen. Die Vorzüge fangen damit an, dass auf dem ehemaligen Gelände des US-Militärs, wo immer noch ein Zaun mit Stacheldraht für die Sicherheit der Insassen sorgt, der Raum großzügig genutzt ist. Jeder der etwa 1.300 Insassen hat so etwa 8 m² für sich in einer der Wohnungen, die gerne mit mehreren Familien belegt sind, zur Verfügung.

Essen gibt es nur in einer sogenannten Mensa, natürlich „halal“ und für alle 15 vertretenen Nationen stets das Gleiche. Damit niemand bevorzugt wird. Außerdem wird so wenig wie möglich Bargeld an die Flüchtlinge ausgegeben. Sachleistungen ersparen den Insassen schließlich die Mühe, selber einkaufen zu müssen. Und auch alles andere gibt es vor Ort: das Bamf, sechs Sozialberater, ein Verwaltungsgericht, Schul-Filialen und Ärzte. Für eine Rechtsberatung hat wohl der Platz nicht mehr gereicht.

So können jedenfalls alle Asylanträge vor Ort gestellt und in einer Schnelligkeit abgewickelt werden, dass in vielen Fällen kaum mehr als 8 Wochen zwischen Antrag und Bescheid respektive „Rückführung“ liegen. Und nachdem alle Flüchtlinge zwei Tage für die Vorbereitung auf die Befragung hinsichtlich der Gründe für den Asylantrag haben, müssen sie sich auch nur kurz mit schrecklichen Erinnerungen plagen. Zudem sorgt Wachpersonal akribisch dafür, dass weder Presse noch Vertreter des Flüchtlingsrates mit Fragen alte Wunden bei den Flüchtlingen aufreißen.

Und natürlich kommt man ihnen auch mit der Einspruchsfrist entgegen. Die läuft nach zwei Wochen ab, damit Betroffene sich nicht zu lange mit der Hoffnung quälen müssen, sie könnten doch in Deutschland bleiben. Einen Termin bei einem Rechtsanwalt zu bekommen, ist schließlich eher illusorisch. Sie können Deutschland also mit dem guten Gefühl verlassen, dass alles menschlich Mögliche für ihr Wohlbefinden getan wurde. Jetzt müssen das nur noch die „Grünen“ kapieren, dann wird es bald nur noch solche Wohlfühl-Oasen für Flüchtlinge in unserer Republik geben.

Komplimente von Männern

Vermutlich interessiert das Thema kein altes Schwein. Und bei jüngeren Leuten, zumindest denen, die ebenfalls männlichen Geschlechts sind, ist es wohl auch nicht ganz vorne auf der Agenda. Das war jedenfalls der Eindruck, den nicht nur die Debatte über sexuelle Belästigung und Vergewaltigung von Frauen im EU-Parlament hinterließ, wo immerhin nicht ganz eine Handvoll Männer teilnahmen. Auch auf WordPress scheint dieses Thema, wenn überhaupt, nur nach allen anderen wahrgenommen zu werden. Zumindest erschien mir das so, nachdem ich zu der Kampagne „#metoo“ etwas geschrieben hatte.

Und jetzt weiß ich immerhin auch warum. Die Schauspielerin Nina Proll (ich weigere mich, in diesem Zusammenhang auf das geflügelte Wort „nomen est omen“ zu verweisen) hat mir mit ihrem Facebook-Eintrag die Augen und – ich muss es zugeben – den Mund geöffnet. Originalton: „Ich bin seit 20 Jahren in diesem Beruf tätig, und ich schwöre, ich bin dabei noch nie von einem Mann sexuell belästigt worden. Weder von einem Mächtigen noch von einem ohnmächtigen. Aber das liegt vermutlich daran, dass ich sexuelle Annäherungsversuche von Seiten eines Mannes grundsätzlich erfreulich finde und einen solchen erst mal als Kompliment und nicht als Belästigung verstehe.“

Sieht man einmal davon ab, dass ich noch nie von Nina Proll gehört hatte, geschweige denn davon, dass sexuelle Belästigung vor allem als Kompliment gedacht ist, sie hat natürlich recht. Es hat sich nur noch nicht bei allen Frauen rumgesprochen. Aber vielleicht kommt man nur zu dieser Sichtweise, wenn man 20 Jahre Schauspielerin war. Weshalb das zum Beispiel für eine Sekretärin oder eine Flugbegleiterin ganz anders aussieht. Auf jeden Fall habe ich schon mal versucht rauszukriegen, wo Frau Proll wohnt. Ich könnte ihr ja mal ein Kompliment machen. Auch wenn ich schon ein bisschen betagt bin. Schließlich bin auch ich ein Mann.

Große Erleichterung

Was für eine Erleichterung. Wenigstens dieser Kelch ist aschon mal n uns vorüber gegangen. Und die Gefahr, dass es zum Äußersten kommen würde, war vermutlich größer, als selbst hinter vorgehaltener Hand zugegeben wurde. Doch jetzt eine erste Entwarnung. Auch wenn damit die Gefahr noch nicht gänzlich gebannt ist, zumindest hat sich schon einmal die potentielle Jamaika-Koalition jetzt in den Sondierungsgesprächen darauf geeinigt, dass es keine höhere Besteuerung für die höchsten Einkommen geben wird. Obwohl das die Grünen ja im Wahlkampf noch angedroht hatten. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass da jetzt ganz Deutschland jubelt.

Hätte doch wirklich nicht wenige von uns betroffen, und ebenso nicht wenige letztendlich in den Ruin getrieben. Einmal ganz zu schweigen von der Schnapp-Atmung der Märkte, die mit Sicherheit eingesetzt hätte. Doch, und das ist jetzt die beste Nachricht, die Investoren werden nicht vergrault. Auch weil nichts davon in dem Papier steht, dass jetzt zum Beispiel ein Programm aufgelegt werden würde, um die Abschaltung von CO²-Dreckschleudern wie Kohlekraftwerke zu finanzieren. Da lässt es sich sogar verkraften, dass geringe und mittlere Einkommen eine Entlastung erfahren sollen. Das kann man hinnehmen, ist halt einfach eins der üblichen Wahlgeschenke.