Entsetzen in Hollywood

frühzeitige

Der 54-köpfige Vorstand der Oscar-Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat den Produzenten Harvey Weinstein rausgeschmissen. Schon vorher war er vom Filmstudio TWC, das er mit seinem Bruder Bob gegründet hat, entlassen worden; der britische Filmverband BAFTA hat seine Mitgliedschaft ausgesetzt; Cannes zeigt sich ebenso bestürzt wie die Schauspielerinnen und Schauspieler Meryl Streep, Ryan Gosling, Tom Hanks und Leonardo DiCaprio und der Regisseur und Oscar-Preisträger Michael Moore.

Auslöser dafür sind bekanntermaßen Vorwürfe der Schauspielerinnen Ashley Judd, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Heather Graham, Kate Beckinsale, Cara Delevingne und Léa Seydoux, Weinstein habe sie sexuell belästigt. Die Schauspielerin Rose McGowan beschuldigte Weinstein der Vergewaltigung. Dessen Reaktion nach einem entsprechenden Artikel der New York Times: „Ich weiß, dass mein Verhalten gegenüber Kollegen viel Schmerz verursacht hat. Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo die Regeln am Arbeitsplatz und die Kultur anders war…“ Vielleicht etwas übertrieben in einem Land, in dem der aktuelle Präsident behauptet, dass er jede „Pussy“ angrabschen dürfe.

Was allerdings noch mehr überrascht, das ist ein Statement der Oscar-Akademie, wonach man eine Botschaft sende wolle, „dass die Ära von vorsätzlicher Ignoranz und schmählicher Mitschuld bei sexuell rücksichtslosem Verhalten und Belästigungen am Arbeitsplatz in unserer Branche vorbei ist“. Das verwundert vor allem, weil es die Vorwürfe schon seit langem gab. Weshalb der Rauswurf Weinsteins aus der eigenen Firma wohl vor allem der Erkenntnis geschuldet war, dass nach dem Artikel der New York Times ein Image-Schaden für die Firma abgefedert werden musste.

Fakt dürfte sein, dass sich auch nach dem Rauswurf Harvey Weinsteins aus Akademie und Firma Schauspielerinnen immer wieder auf einer „Besetzungs-Couch“ in Rückenlage wiederfinden werden – wenn nicht sogar auf den Knien vor dem Sessel eines Produzenten. Denn ein Harvey bedeutet noch nicht das Ende des Frauenbildes, das der Großteil der männlichen Spezies hat. Wonach Frauen vor allem verfügbar zu sein haben, ihr „Nein“ durchaus auch „Ja“ bedeuten kann. Und außerdem und trotz 21. Jahrhunderts und Charta der Menschenrechte immer noch das Recht des Stärkeren gilt. Ob frühzeitige Kastrationen daran nachhaltig etwas ändern könnten, ist wissenschaftlich nicht belegt.

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