Archiv für den Monat Januar 2018

Es ist vollbracht

Heureka! Könnte man sagen, wenn man des Alt-Griechischen mächtig wäre. Jedenfalls ist nicht nur der Groschen sondern auch eine Entscheidung gefallen. Vor wenigen Minuten hat der SPD-Vorstand das Ergebnis verkündet, und es bedeutet ein „Ja“ zu Koalitionsverhandlungen. Was auch bedeutet – natürlich auch Alexander Dobrindt sei Dank –, dass der Zwergenaufstand niedergeschlagen wurde. Und selbst wenn man nicht unbedingt ein Verfechter von weiteren vier Jahren behäbigen Regierens ist, weitere Monate ohne eine Regierung wären jetzt auch nicht so prickelnd gewesen.

Was mich ganz persönlich am meisten an einer Groko stört, das ist der Verdacht, dass es zu einem Wiedersehen kommen könnte mit manchem Gesicht, das schon in der vergangenen Legislaturperiode latente Brechreize ausgelöst hat. Der sich nicht unbedingt und einzig auf ein Pflanzengift oder Auto-Schadstoffe zurückführen lässt, aber doch zumindest in einem engen Zusammenhang mit diesen steht.

Ich wünsche mir eine Chance für neue Gesichter, wohl wissend, dass auch hinter diesen nicht immer und zu allen Gelegenheiten ein kluger Kopf stecken wird. Ganz ohne Nostalgie wird es sowieso nicht abgehen. Schließlich bleibt uns Frau Merkel erhalten. Die Aufgabe könnte also lauten: Bewahren und trotzdem in die Zukunft schauen. Das könnte sich auszahlen. Auch ohne Steuersenkung für Vielverdiener.

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Im Dschungel der Gefühle

Bei der ersten Prüfung kam ich mit Müh und Not gerade mal auf zwei Punkte. Von den zwölf Stars im aktuellen Dschungelcamp waren mir nämlich nur zwei Namen nach akribischem Grübeln bekannt vorgekommen. Der eine, weil ich vermutete, dass eine Verwandtschaft mit einem Schauspieler bestehen könnte, der 1985 an der Seite von Heiner Lauterbach dafür gesorgt hatte, dass Deutschland im Kino mal wieder lachen konnte.

Und der andere Name, weil er in einem Betrugsprozess mit Todesfolge im Mittelpunkt stand. Die Dame kann darüber hinaus immerhin eine Karriere vom Escort-Girl zur zeitweiligen Begleiterin eines Rennen fahrenden Adligen aus dem Hause Hohenzollern vorweisen, mit Zwischenstopps bei Erotik-Messe und RTL-Doku-Soaps. Weshalb man ja vielleicht auch nicht unbedingt zu der Annahme gelangen kann, dass es sich bei ihr um einen Star handeln könnte.

Für alle anderen Kandidaten gilt jedenfalls bei mir: Nie gehört! Und so muss ich jetzt wie diese Stars im Dschungelcamp die nächsten 14 Tage etwas Ekliges machen. Weil ich das Namen-Raten vor dem 58-Zoll-Flatscreen haushoch verloren habe, darf ich jetzt so lange den Abfall runter bringen. Und die Flaschen zum Recycle-Hof. Und das macht wohl den Unterschied aus. Denn ich bekomme keinen Cent dafür.

Während die Stars im Dschungelcamp angeblich und zumindest im vergangenen Jahr zwischen 50.000 und 180.000 Euro bekommen haben sollen. Je nachdem, wie nackt sie sich schon einmal für bestimmte Magazine, von Männern bevorzugt gelesen, haben ablichten lassen. Weshalb ich jetzt und nachdem ich mir die Lebensläufe dieser Stars angesehen habe, die Sendung mit ganz anderen Augen sehe. Diese Sendung ist wirklich gut. Sie verhindert letztendlich, dass solche Stars demnächst Hartz IV beantragen müssten, und somit dem Staat zur Last fallen würden. Danke RTL.

Sinnloses Glück

Damit hier auch einmal etwas Intelligentes steht, also ein Gedanke beispielsweise, der nicht nur Hand und Fuß hat, sondern auch noch zum Denken anregt, habe ich mich entschlossen, heute einmal jemand anderes zu Wort kommen zu lassen. Nämlich die Zeit-Redakteurin Iris Radisch. Die im Falle eines Falles von einem Gefühl von Sinnlosigkeit Albert Camus liest. Was ich nachvollziehen kann, mir hilft das auch. Doch was sie Kluges in diesem Zusammenhang schrieb, das wäre mir nie im Leben eingefallen.

Hier ihre Begründung für den Griff zum Buch: „Denn das ganze Glücks- und Lebenssinngequatsche geht mir im Grunde ziemlich auf die Nerven. Ständig soll man glücklich sein. Als wenn es nicht reichen würde, dass man lebendig ist. Solange man lebt, also richtig lebt, spielt die Sinnlosigkeit keine Rolle.“ Es ist sinnlos, darüber nachzugrübeln, warum mir das nicht eingefallen ist. Obwohl ich es doch ganz genauso sehe.     

Friederike und andere Katastrophen

Habe heute Mittag gelesen, dass es nie mehr Katastrophen gegeben hat, als im vergangenen Jahr. Der Schaden belief sich auf 330 Milliarden Euro, es sind 10.000 Menschen gestorben. Von den 710 Überschwemmungen, Stürmen, Dürrekatastrophen und Erdbeben, die in diesem Zusammenhang erfasst wurden, richteten Stürme und Überschwemmungen das größte Unheil, und in Asien kamen die meisten Menschen ums Leben, während es in Nordamerika zu den größten materiellen Schäden kam. Und es gab mehr als doppelt so viele Katastrophen im vergangenen Jahr als 1980.

Das alles hat mich so erschüttert, dass ich mich spontan in meinen SUV gesetzt habe und zum Discounter gefahren bin, um mir ein paar richtig große Steaks zu holen. Essen hilft mir, wenn ich erschüttert bin. Und was mir auch hilft, das ist reisen. Und so habe ich am Nachmittag gleich noch New York für ein Wochenende gebucht, natürlich zum Schnäppchen-Preis. Und dann ging es mir wieder ein bisschen besser. Jetzt quält mich nur noch die Frage, warum denn niemand etwas tut gegen diese Katastrophen.     

Meinungsmacher

Es ist schon eine großartige Sache, dieses Internet. Noch nie konnten sich Menschen in dieser Hemisphäre so ausführlich und umfassend informieren wie heute. Dem Internet sei Dank. Man muss nicht mehr zum Zeitungsstand laufen, um kurz mal zu erfahren, was in der Welt geschieht. Sondern klappt morgens und gerne auch noch in Nachthemd oder Pyjama den Laptop auf, und schon hat man alle Informationen, um sich eine Meinung zu bilden. Oder eine Meinung bestätigt zu sehen. Weshalb viele Menschen sich gerne bei den sogenannten sozialen Medien auf den neuesten Stand bringen. Denn nirgends sonst gibt es auf einer Plattform so viele unterschiedliche Menschen, die sich zu einer Sache äußern, als hier. Und da fällt einem nur ein Wort ein: Meinungsvielfalt.

Außer vielleicht in Österreich. Dort haben Internet-Freaks mal den Kaffee to go zur Seite gestellt und sich die Mühe gemacht nachzuforschen, wer denn eigentlich in den Meinungsforen so alles seine Meinung sagt. Und bei dieser Gelegenheit bei Millionen Posts auch gleich mal nachgesehen, wer das denn im Einzelnen ist, der da beispielsweise zum politischen Geschehen seine Meinung sagt. Und dabei die überraschende Erkenntnis gewonnen, dass etwa 8.000 User für etwa die Hälfte aller Posts sorgen. In manchen Fällen hatte ein User sogar mehrere Kommentare gleichzeitig geschrieben. Was vermuten lässt, dass mit einer hilfreichen Software gearbeitet wurde. Vielleicht ist ja Meinungsvielfalt nur eine Frage der Technik, respektive von Software.

Mehr Freiheit für Männer

Ach, haben es die Franzosen doch gut. Nicht nur das einer der teuersten Fußballspieler der Welt für einen französischen Verein Tore schießt, ihr Käse besser schmeckt als der bei uns zumeist gebräuchliche Analog-Käse und ihr Präsident nicht so verhärmt aussieht wie unsere Kanzlerin. Jetzt hat sich auch noch gezeigt, dass mindestens 100 Frauen Frankreichs eine Einstellung haben, die einem deutschen Mann Tränen in die Augen treibt, just wie damals, als Mario Götze das entscheidende Tor bei der Fußball-WM schoss.

Unter ihnen keine geringere als die Schauspielerin Catherine Deneuve, weshalb ganz hämische Menschen argwöhnen, bei ihr sei altersbedingt der Wunsch der Vater des Gedanken, oder doch zumindest die Aussicht, von der Presse wieder einmal wahrgenommen zu werden. Wozu die Tatsache passen könnte, dass sie inzwischen schon wieder ein bisschen zurück gerudert hat. Aber das ist natürlich alles nur übelste Nachrede.

Sie und ihre 99 ausgesprochen prominente und teils intellektuelle Mitstreiterinnen haben nämlich etwas getan, womit sich hierzulande nur eine  eher unbekannte Frau namens Thomalla einem Shit-Storm und entsprechender Aufmerksamkeit aussetzte. In Frankreich hingegen dürfen die Damen, die jetzt für männliche Anmache die „Freiheit zu belästigen“ forderten, zur Elite gezählt werden. Was sich natürlich gegen die #metoo-Kampagne richtet, von der die Damen sagen, dass sie ein puritanisches Klima fördere und Formen von Hass auf Männer und Sexualität annähme. Ganz zu schweigen vom Denunziantentum, das damit einhergehe.

Und die Damen haben Mitleid. Mit Männern, deren einziges Verbrechen darin besteht, ein Knie berührt zu haben. Versucht zu haben, einen Kuss zu stehlen, bei einem Arbeitsessen eher intime Dinge erzählt zu haben, oder eine SMS mit sexuellen Anspielungen an eine Frau geschickt zu haben, die sich im Gegensatz zum männlichen Absender nicht von diesem angezogen fühlte.

Kurzum, Frauen mit so einer Einstellung gegenüber Männern sind nicht nur bestens für Weihnachtsfeiern geeignet, sie sind der männliche Traum schlechthin für jede Gelegenheit. Auch wenn ich jetzt nicht gerade ein großer Freund von Froschschenkeln oder Schnecken bin: Sollte diese Gruppe mit ihrem Aufruf in Frankreich Erfolg haben, werde ich mir durchaus überlegen, meinen Lebensabend vielleicht doch in Frankreich zu verbringen.

Unbekannte Prominente

Natürlich kann das auch an mir liegen. Zugegebenermaßen bin ich zu selten beim Friseur oder beim Zahnarzt, um gründlich informiert zu sein über alles, was im Bereich Glamour und Promis so passiert. Auch gehöre ich nicht unbedingt zu den regelmäßigen Zuschauern von Promi-Dinnern oder Promi-Shopping, oder was es sonst noch alles gibt aus der Welt der Reichen und Schönen und Erfolgreichen. Allerdings sind meine diesbezüglichen Kenntnisse seit gestern doch ausreichend genug, um konstatieren zu können, dass nicht allzu viele von diesen wirklich schön sind.

Weitergehende Recherchen haben auch ergeben, dass nicht jeder, der als reich bezeichnet wird, auch wirklich reich ist. Wobei natürlich nicht Bill Gates die Messlatte für Reichtum ist, sagen wir mal, eher ein Vorstand bei einem DAX-Unternehmen. Der verdient ja auch schon ganz gut. Aber selbst wer bei diesen zwei Kriterien noch einigermaßen mithalten kann, wenn es um Prominenz geht, dann, finde ich zumindest, wird es schon ausgesprochen problematisch.

Denn man kann nun wirklich nicht behaupten, dass ich nicht das Ohr am Puls der Zeit hätte. Ich surfe durch Instagram ebenso wie durch die moralischen Untiefen von Facebook oder Twitter, habe jeden Morgen das Vergnügen, wenn ich eigentlich meine Emails checken will, erst einmal über aktuelle Brustvergrößerungen, gefakte Six-packs und ähnlich hochinteressante Neuigkeiten aus dem Land der Promis informiert zu werden. Und da fängt mein Problem zum Beispiel schon an.

Ich kenne einfach den Großteil dieser Menschen nicht. Habe bisher aber geglaubt, dass Prominenz mit einem gewissen Bekanntheitsgrad einhergeht. Momentan habe ich allerdings eher den Eindruck, dass eigentlich schon jeder als Promi eingestuft wird, der schon mal ein Selfie mit oder ohne Unterwäsche gepostet hat und mehr als 999 Likes bekam. Weshalb ich ernsthaft darüber nachdenke, das auch mal zu probieren. Denn ich habe zwar schon viele Tätigkeiten in meinem Leben ausgeübt. Prominent war ich noch nie. Und die Unterwäsche könnte ich mir sicher bei jemand ausleihen.