Archiv für den Monat Februar 2018

Klagende Frau

Eine Frau hat geklagt, weil sie will, dass sie in den Formverträgen und AGBs ihrer Sparkasse expressis verbis als Frau angesprochen wird. Was bis dato nur in den persönlichen Anschreiben geschieht. Jetzt entscheidet der BGH. Ein Vorschlag: Einfach in allem und jedem Zusammenhang sowohl die Anrede für Frauen, Männer, Kinder, Schwule, Lesben, Transgender, Transsexuelle als auch gänzlich Geschlechtslose und vielleicht auch sämtliche Tierarten verwenden.

Ich mache das schon seit längerem auch in persönlichen Briefen. Da ich ja nie so genau wissen kann, ob es seit dem letzten Brief nicht zu einer Geschlechtsumwandlung oder zumindest zum Anvisieren eines neuen Geschlechts oder einer anderen Spezies gekommen ist. Dadurch werden Verträge und natürlich auch Briefe zwar länger, aber die Gerichte haben auf jeden Fall etwas mehr Zeit für andere, nicht ganz so wichtige Aufgaben. Wohingegen etwas weniger Zeit für TV-Nachrichten wäre. Denn natürlich genügt es nicht, „guten Abend, meine Damen und Herren“ zu sagen. Alle anderen Varianten zu nennen, ist zweifelsohne ebenfalls erforderlich.

Außerdem hätte ich persönlich absolut kein Problem damit, immer als Frau angesprochen zu werden. Schließlich weiß ich einigermaßen sicher, welches Geschlecht ich habe. Und Frauen an sich ja nichts ehrenrühriges sind. Ich brauche also keine Bestätigung als Mann durch Sparkassen und Verträge. Dankbar bin ich dieser Frau aus dem Saarland, die ganz offensichtlich ihren Lebensabend so sinnvoll nützt, anstatt nur vor dem Fernseher zu sitzen, aber auf jeden Fall. Dafür, dass sie bereits vor Gericht erstritten hat, Tiefdruckgebiete nicht immer nur nach Frauen zu benennen. Denn da hatte ich mich als Mann einfach ausgesprochen benachteiligt gefühlt. Dieses Gerichtsurteil hat meinem Ego ungeheuer gut getan.

Advertisements

Staubsauger im Zweierpack

Gerne wird ja behauptet, dass wir Internet-Nutzer in der Hand von Google, Facebook und Co. wären, und all ihren Ablegern und Konkurrenten. Dass sie bestimmen würden, was wichtig wäre, was interessant ist, was wir schon immer wissen wollten. Weil es auf den Seiten ganz oben erscheint, als erstes gezeigt wird. Alles andere „unter ferner liefen“ läuft.
Experten, also Menschen, die mit der Materie vertraut sind, oder zumindest behaupten, damit vertraut zu sein, sagen hingegen, dass Google und Co. das Heft längste aus der Hand gegeben hätten. Nämlich an die Algorithmen. Die darauf geeicht sind, vor allem das zu bevorzugen, von dem sie annehmen, dass es ganz besonders potentielle Werbekunden frohlocken lässt. Dass da auch schon mal extremes Gedankengut oder pornografisches dazwischen rutschen kann, erscheint plausibel, auch da gibt es schließlich eine Klientel.
Und so lautet der Vorwurf, dass die Konzerne inzwischen schon gar nicht mehr der Künstlichen Intelligenz diktieren könnten, was gezeigt wird. Selbst wenn sie wollten. Was mir wirklich gefährlich erscheint, nachdem diese Künstliche Intelligenz auch ganz schön blöd sein kann. Wie sonst käme sie auf die Idee, dass ich mir sofort einen zweiten Staubsauger kaufen möchte, wenn ich mir gerade einen Staubsauger gekauft habe.

Türkische Woche

Während bei dem Discounter Lidl eine französische Woche avisiert ist, sorgte jetzt schon die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel für ein mediales Schnäppchen mit der Türkei als Schwerpunkt. Anlass ist die Entlassung des deutschen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel aus türkischer Haft. Weidel, die zwar wie der Journalist mit türkischen Wurzeln die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt aber in der Schweiz wohnt, schrieb auf Facebook, Yücel als „deutschen Journalisten“ zu bezeichnen, seien „zwei Fakenews in einem Satz“. Einmal davon abgesehen, dass Yücel sicher weiß, wie man Fake News richtig schreibt, ist er laut Weidel ein „antideutscher Hassprediger“, der eigentlich nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen dürfe.

Zeitnah wurde der deutsche Bundestagsabgeordnete und vormalige Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, von türkischen Teilnehmern der Sicherheitskonferenz in München in einem Hotel als Terrorist bezeichnet und entsprechend bei der deutschen Polizei interveniert. Woraufhin Özdemir, der ebenfalls türkische Wurzeln hat, unter Polizeischutz gestellt wurde und auf das Frühstück im Hotel auf Bitte der Polizei verzichtete. Gemeinsamer Nenner scheint also zu sein, dass konzertiert und mit Hilfe der rechten AfD Stimmung gemacht werden soll gegen Deutsche mit türkischen Wurzeln, die Erdogan kritisieren. Wohl mit dem Ziel, die Gesellschaft hierzulande noch mehr zu spalten. Höchste Zeit, dass der BND untersucht, ob es Kontakte gab oder noch gibt zwischen der AfD und türkischen Regierungskreisen.

Frauen von rechts

Bravo!, möchte man ausrufen. Jetzt haben es sogar schon die Frauen gemerkt, die ansonsten eher nach alter Tradition den rechten Herd hüten und dann und wann mit auf eine Demo gegen Flüchtlinge mitdürfen, damit sie auch mal an die frische Luft kommen. Sie haben ihr eigenes #metoo gestartet, einen Videoclip auf Youtube gepostet, mit dem sie die Gewalt gegen Frauen anprangern wollen. Nennt sich bei ihnen allerdings #db120, und wenn man sich dieses Video bis zum Ende angetan hat, dann weiß man, dass es vor allem um Ausländerhetze geht.

Was dann allerdings überhaupt nicht mehr wundert, wenn man weiß, dass die aufrechten jungen Frauen, die hier so eindrucksvoll ihr Leid schildern, von der Identitären Bewegung ins Bild gerückt wurden. Einer rechtsextremen Vereinigung, die sich insbesondere der sogenannten sozialen Netze bedient, um durchaus gekonnt gegen alles zu hetzen, was von ihr als links oder liberal verortet wird. Im Fokus natürlich Flüchtlinge, Migranten, der Islam. Weshalb sie selber im Fokus des deutschen Verfassungsschutzes ist.

Eher unbehelligt können sie allerdings bei Youtube, Facebook und Co. agieren. Immer nach deren Motto, dass die Gesetze des Landes obsolet sind, in dem sie viel Geld verdienen. Das sie dort ja auch nicht versteuern. Die Internet-Autokraten kennen nur America first, also die Heimstatt von Ku-Klux-Klan, Rassismus und Ausländerhetze von höchster Stelle. Das Land, in dem man ungestört Hitler und die in seinem Namen begangenen Gräueltaten feiern darf. #db120 bezieht sich übrigens auf die 120 Dezibel eines handelsüblichen Notalarms. § 130 StGB wäre die adäquate Antwort darauf.

Ordnungsruf

Man hat mich zur Ordnung gerufen. Mich an das Motto erinnert, unter dem dieser/dieses  Blog steht. Und deshalb hier die Erklärung zu der von mir im vorangegangenen Blog gestellten Frage: Wer in der Komfortzone lebt, hat keinen Grund zu Grausamkeiten, die medienwirksam sein könnten. Aber Grund für Entsetzen.

Er/sie/es beschränkt sich auf die alltäglichen kleinen Grausamkeiten, bei denen kein Blut fließt, nur Psychen und Leben zerstört werden. Für alle anderen, also jene außerhalb einer Komfortzone, stehen nur zwei Möglichkeiten zur Wahl.

Entweder Täter zu sein. Oder Opfer. Und viele haben noch nicht einmal eine Wahl. Sie werden von den Tätern zu Opfern gemacht. Weil Grausamkeit eine Frage der Situation ist. Nicht der Moral. Des Charakters. Nur wenige dürften das besser wissen, als alle, die sich an das Dritte Reich erinnern können und wollen.

Stumme Frage

Manchmal macht Internet Sinn. So bin ich auf eine Organisation gestoßen, die sich im Nordirak um traumatisierte Menschen kümmert, versucht, insbesondere Frauen und Kindern in Trauma-Zentren zu helfen. Jedenfalls bin ich durch die Internetseite dann auch auf einen Zeitungsartikel respektive ein Interview gestoßen, in dem mich ein Satz ganz besonders stumm gemacht hat.

Da berichtet nämlich ein Trauma-Therapeut von einem kleinen Jungen, „der neun Monate nicht mehr gesprochen hatte, nachdem seine Mutter, die ihn an der Hand hielt, erschossen worden war“. Und damit ich nicht so schnell wieder das Plappern anfange, kam dann heute wieder einmal die Meldung von einem Amoklauf in einer Schule im US-amerikanischen Florida, bei dem 17 Menschen ermordet wurden.

Vielleicht liegt es an meinem schlichten Gemüt, vielleicht bin ich einfach nicht intelligent genug. Nicht empathisch genug? Jedenfalls habe ich nur eine ganz leise Ahnung, was es Menschen ermöglicht, solche Grausamkeiten zu begehen. Natürlich habe ich ein paar vage Theorien. Wie jene, dass vermutlich auch ich dazu in der Lage wäre. Ich möchte wissen, was andere Menschen darüber denken. Vielleicht erfahre ich es auf diesem Wege. Ich will nicht stumm bleiben.

 

Spätfolgen

Es tut mir ja herzlich leid, und ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich mich mit solchen Äußerungen auf das inzwischen allgemein übliche niedrige Niveau in den angeblich sozialen Netzen begebe, nicht allzu weit von dem entfernt bin, was ich eigentlich gerne kritisiere. Aber es ist Aschermittwoch heute, da kann man sich das schon mal erlauben. Vielleicht mit dem Hinweis, dass es Spätfolgen wären des etwas überbordenden Alkoholgenusses am gestrigen Abend.

Was ich durchaus auch für den Gegenstand meiner, mit Schnappatmung verbundenen Entrüstung gelten lassen würde. Wenn ich wüsste, dass es zutreffend wäre. Aber ich habe eigentlich kaum einen Zweifel, dass die Gründe für die verbalen Rundschläge der CSU-Politiker Scheuer und Söder, dem bayerischen Doppel-S, einfach auf der Tatsache basieren, dass die Herren massive Potenzprobleme haben.

Nur so lässt sich in meinen Augen diese ganze Frustration und Häme erklären, die in jedem dieser, von mir beanstandeten Sätze mitschwingen, also womit die Herren Scheurer und Söder heute Festzelt-Stimmung in Passau machten. Das war unterste Schublade und gipfelte in dem Satz des Noch-Heimatministers Söder, dass Deutschland sei nur so erfolgreich sei, „weil es uns Bayern gibt“.  Wer das fürs Ego braucht, sollte unbedingt auch Porsche fahren. Ich habe jedenfalls Olaf Scholz einen Brandbrief geschrieben, die GroKo zu „lindnern“.