Archiv für den Monat Februar 2018

Frischluftkur

Wenn das nicht die Gefahr mit sich bringen würde, dass man dann irgendwann einen Trump als Regierungschef hat, würde ich mir in Situationen wie diesen wünschen, wir hätten US-amerikanische Verhältnisse. Weil man dort nicht gerade zimperlich mit Firmen umgeht, die Fehler zu Lasten der Verbraucher gemacht haben. Zwar am liebsten, wenn es sich um Firmen aus den Ausland handelt. Aber immerhin. Hierzulande jedoch sind Autohersteller heilige Kühe. Die man wie in Indien ja nicht von den Straßen vertreiben darf.

Weshalb das aktuelle Urteil hinsichtlich Fahrverboten für Dieselfahrzeuge in Städten mit zu hoher Schadstoffbelastung natürlich in keiner Weise impliziert, dass jetzt die Automobilkonzerne richten müssten, was sie verbockt haben. Im Gegenteil, bei Audi, Daimler, BMW und Co. reibt man sich die Hände. Denn Politiker fordern jetzt, um unpopuläre Fahrverbote mit allen Mitteln zu vermeiden, dass die Autohersteller die Prämien für neue Dieselfahrzeuge erhöhen sollen. Damit Dreckschleudern verschrottet und neue Diesel gekauft werden, die nur Jasmin-Duft aus dem Auspuff entweichen lassen.

Also dasselbe Verfahren wie einst, als allen Autofahrern der damals eher unbeliebte Dieselmotor schmackhaft gemacht wurde. Und zum Siegeslauf der Selbstzünder führte. Aber nachdem Daimler im vergangenen Jahr nur 11 Milliarden und VW in den ersten neun Monaten 2017 nur 13 Milliarden Gewinn machten, stünden sicher zehntausende Arbeitsplätze auf dem Spiel, wenn jetzt die Konzerne Dieselfahrzeuge so umrüsten müssten, dass sie die Abgaswerte erreichen, die seit Jahrzehnten von den Herstellern versprochen werden.  

Also helfen nur noch massenhafte Fahrverbote. Also zumindest in den Bundesländern, in denen in diesem Jahr keine Wahlen sind. Aber nur so ließe sich in allen anderen Bundesländern genug Volkszorn wecken, um die Politik vielleicht doch noch in die einzig richtige Richtung zu bewegen. Nämlich die Autohersteller in die Pflicht zu nehmen. Und nicht schon wieder Bürger eine Zeche bezahlen zu lassen für ein Produkt, das nicht hält, was der Hersteller verspricht. Schließlich müssen von denen ja erst noch die Geschenke abbezahlt werden, die die Politik den Betreibern von Atommeilern gemacht haben.

Advertisements

Goethe irrt

Johann Wolfgang soll ja behauptet haben, dass das Reisen bildet. Darauf kam er wohl nur, weil er nicht Gelegenheit hatte, in einem Flughafen An- und Abreisende zu beobachten, ihren Gesprächen zu lauschen. Ich hatte jetzt wieder einmal und aufgrund einer erklecklichen Verspätung die Möglichkeit dazu, weshalb ich nun auch überzeugt bin, dass Oscar Wilde ebenfalls gewaltig irrte, als er sagte, „Reisen veredelt den Geist und räumt mit allen anderen Vorurteilen auf“.

Denn nachdem sich der Großteil der Gespräche darum drehte, warum es jetzt wieder einmal so lange mit dem Gepäck gedauert hat, ob es in erreichbarer Nähe einen Imbiss gibt, und wo denn bitte der Abholdienst des Hotels bleibt, hatte ich eher den Eindruck, dass das Edle wohl auf dem Gepäckband verloren gegangen ist. Wohingegen Vorurteile bestens in den Koffern verstaut waren.

Nicht ganz richtig lag allerdings auch Erich Kästner, für den die etwas einfacheren Menschen in fremden Ländern angeblich die Museen besuchen. Wohingegen die Klugen in „die Tavernen“ gehen würden. Wer den Reiseberichten von Mallorca-Heimkehrern lauscht, kann das auf gar keinen Fall bestätigen. Eher ist man geneigt, Kurt Tucholsky zuzustimmen, der der Ansicht war, dass man als deutscher Tourist im Ausland vor der Frage stünde, „ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon andere deutsche Touristen dagewesen sind“.

Aber immerhin hat der französische Existenzialist Alber Camus Weitblick bewiesen. „Früher zeichnete man auf Reisen, um sich erinnern zu können, wo man war. Heute filmt man auf Reisen, um zu erfahren, wo man gewesen ist.“ Eine Behauptung, die inzwischen von einem Großteil der mehr als 50 Millionen Deutschen und mehr als einer Milliarde Menschen weltweit, die alljährlich eine Reise machen, tagtäglich aufs Neue bestätigt wird. Weshalb man etwas provokant geneigt ist, dem großen Meister der Literatur und des Reisens, Goethe, in einem anderen Punkt Recht zu geben. Er hat nämlich auch gesagt: „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“ Man darf sich fragen, auf welchem Wort die Betonung liegt.

Kleine Sache, große Wirkung

Habe mal wieder in einer Zeitung gestöbert. Und mich doch sehr gewundert. In dem Artikel geht es um ein Medikament, mit dem Haarausfall bei Männern gestoppt bzw. der Haarwuchs wieder auf Touren gebracht werden soll. Was angeblich durchaus funktioniert. Wohingegen es mit etwas anderem ziemlich bergab geht. Nämlich mit der Libido und den Möglichkeiten, dieser nachzugehen. Was laut diesem Bericht bei nicht wenigen betroffenen Männern zu schweren Depressionen, Auseinanderbrechen von Beziehungen, Jobverlust und Verlust jeglichen Selbstwertgefühls geführt haben soll.

Was mich vor die Frage stellt, ob denn bei Männern das ganze Leben davon abhängt, dass ein bestimmter Körperteil nicht nur rumhängt. Und wieder einmal zu bestätigen scheint, dass Männer diesbezüglich doch sehr viel anders ticken als Frauen. Schließlich gibt es ja laut Wissenschaft und Zeitungsartikeln  nicht wenige Frauen, die ihr ganzes Leben lang auf ein erfülltes Sexualleben verzichten müssen. Was in ihrem Fall nicht an Medikamenten sondern vielmehr und mehr als häufig an den Männern liegt. Nicht bekannt ist mir jedoch, dass Frauen deshalb ihr ganzes Leben in Frage stellen und nur noch in Depression versinken.

Die Männer, die vermutlich durch die Einnahme des Haarwuchsmittels auf ein erfülltes Sexualleben verzichten müssen, streben jedenfalls eine Sammelklage gegen einige Hersteller des Mittels respektive entsprechender Generika an. Sie wollen Schadenersatz. Wenn sie schon nicht ihre Libido zurück bekommen. Und vielleicht sollten sich Frauen, denen diese ebenfalls abhanden gekommen ist, ebenfalls einmal überlegen, ob sie nicht auch auf Schadenersatz klagen sollten. Auch wenn es für sie natürlich prekärer wäre. Müssten sie doch wohl in erster Linie den Gatten oder Lebensgefährten verklagen. Was keinen großen Sinn macht, wenn sie in Zugewinngemeinschaft leben.

Erwärmende Nachricht

Draußen klirrende Kälte, innenpolitisch nun auch nicht gerade ein Frühlingserwachen, und in Teilen der Welt herrschen die bekannten, zumeist unerträglichen Zustände, die es einem auch nicht gerade warm ums Herz werden lassen. Schon seit Stunden suche ich deshalb nach einem Ereignis, einer Nachricht, der es gelingt, diesen frostigen Zeiten etwas entgegen zu setzen. Etwas Wärme in die zugigen Stuben von gerade noch erschwinglichen Altbauwohnungen oder betonbesessenen Wirtschaftswunder-Wohnsilos zu bringen. Anderswo sorgt vielleicht eher eine hochmoderne Niedrigenergie-Heizungsanlage dafür.

Jedenfalls bin ich jetzt endlich auf eine Nachricht gestoßen, die das Zeug hat, wenigstens den Kreislauf auf Touren zu bringen. Was ja durchaus auch für ein gefühltes Mehr an Wärme sorgen kann. Ganz zu schweigen von dem Glücksgefühl, das sich parallel dazu einstellen wird. Sofern man direkt davon profitiert, dass US-Star-Investor Warren Buffett mit seiner Investmentfirma Kapital in Höhe von 116 Milliarden Dollar angehäuft hat. Allein im letzten Quartal 2017 hat sich der Gewinn verfünffacht. Er sucht jetzt nach Firmen, deren Kauf noch mehr Profit verspricht. Wohl am besten aufgrund von Personalabbau.

Dank, wem Dank gebührt

Es gibt Momente, da muss man einfach einmal alle Fünfe gerade sein lassen und über seinen Schatten springen. Auch wenn es extrem schwer fällt. Deshalb jetzt und hier und ohne wenn und aber der Sprung ins kalte Wasser: Danke, AfD! Ein Dankeschön an Frau Weidel und Herrn Gauland. Nicht zu vergessen Herrn Höcke und all die anderen Funktionsträger dieser Partei, die dafür sorgen, dass kein Zweifel daran bestehen kann, was diese Partei will.

Und ein ganz besonderer Dank natürlich für den Antrag im Bundestag, Texte des gerade aus türkischer Haft freigekauften deutschen Journalisten Deniz Yücel aus früheren Jahren zu rügen. Vorgetragen von ihrem Abgeordneten Gottfried Curio, dem selbstverständlich auch mein Dank gilt. Sie alle haben dazu beigetragen, dass es zu einer Rede des Grünen-Abgeordneten Cem Özdemir kam, die zu der erfreulichen Kenntnis führt, dass dieses Parlament die Bezeichnung immer noch verdient, trotz all der häufigen Dornröschen-Debatten in der Vergangenheit.

Man fühlte sich an jene glorreichen Tage erinnert, als noch ein Herbert Wehner zeigte, dass Emotionen und Politik zusammenpassen. Und es ein Franz Joseph Strauß für eine Zumutung hielt, wenn Politiker mit Floskeln abspeisen.  Weshalb ihm die Antwort Cem Özdemirs auf den Antrag der AfD sicher gefallen hätte. Özdemir hat sich keiner Floskeln bedient, er hat den Abgeordneten der AfD mit einer emotionalen und brillanten Rede mehr als deutlich gesagt, was er von ihnen hält. Das lässt für dieses Parlament hoffen. Es ist ein Anfang.

 

Hier der Link: https://www.stern.de/politik/deutschland/cem-oezdemir-rechnet-in-emotionaler-bundestagsrede-mit-afd-ab-7875706.html

 

Ü-60-Party

Unter anderem auch die Bilder von den Regionalkonferenzen der SPD, bei denen Teile der Führungsriege um ein „Ja“ für die GroKO warben, waren symptomatisch. Hätte es nicht die Kommentare dazu gegeben, man hätte es genauso gut für einen Bericht von der Kaffeefahrt eines Seniorenheims halten können. Und das ist kein Einzelfall, das ist nicht auf die SPD beschränkt. Bei Parteitreffen von CDU/CSU sieht es nicht anders aus. Auch hier könnte man leicht den Eindruck gewinnen, dass sich eine Rentnergang zu einer Ü-60-Party geschleppt hat.

Und wenn noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel ankündigt, ihr eventuelles Kabinett zu verjüngen, dann ist damit zu rechnen, dass der Altersdurchschnitt wahrscheinlich um satte 1 1/2 Jahre von 71 auf 69 1/2 Jahre gesenkt wird. Langer Rede kurzer Sinn: Politik, wie sie sich in der Öffentlichkeit in weiten Teilen darstellt, scheint eine Rentner-Veranstaltung zu sein. Auch wenn die Beteiligten zumeist sehr viel mehr Geld dafür bekommen als der Großteil der Rentner hierzulande im Portemonnaie hat. Was gleichzeitig ein Grund dafür sein könnte, dass sich Politiker so sehr an ihre Posten klammern.

Damit soll nicht die Behauptung untermauert werden, dass sich junge und jüngere Menschen nicht für Politik interessieren und für sie engagieren. Aber sie haben es ganz offensichtlich verdammt schwer. Zum einen sind sie nicht so präsent in der Berichterstattung, weil sie andere Kommunikationswege haben. Sie brauchen nicht unbedingt Regionalkonferenzen und Bierzelte, um sich zu vernetzen und auszutauschen.

Vor allem aber wird es ihnen nicht gerade leicht gemacht, in den Parteien-Hierarchien nach oben zu kommen. Muss doch zumeist erst Gevatter Tod seinen Job machen, damit Politiker einen Posten räumen. Aber eine Gesellschaft besteht nicht nur aus Menschen jenseits der besten Jahre. Sie muss auch und in diesen Zeiten mehr denn je von jenen repräsentiert werden, die die Zukunft noch vor sich haben. Sonst geriert der gesamte Staat zu einem gigantischen Seniorenheim. Es gibt Länder, in denen man dies bereits erkannt hat.

Lernen fürs Leben

Das ist nun also wirklich ganz nah an Genialität. Und eines großen Staatsmannes mehr als würdig. Nicht nur, dass US-Präsident Donald Trump sich mit Überlebenden des Schul-Massakers in Parkland, Florida, im Weißen Haus getroffen hat und sich in einer „Listening Session“ die mehr als tragischen und schmerzvollen Geschichten von Angehörigen der Opfer „mit versteinertem Gesicht, die Arme eng vor der Brust verschlungen“, wie die WirtschaftsWoche online schreibt, angehört hat.

Ihm ist es auch gelungen, mit einem dezidierten Vorschlag den von diesem und anderen Massakern Betroffenen und allen Eltern von schulpflichtigen Kindern die Angst vor erneuten Amokläufen an Schulen zu nehmen. Der US-Präsident will nämlich darüber nachdenken, vermutlich beim Golf, ob bewaffnete Lehrer nicht die Lösung des Problems wären. Als Abschreckung für potentielle Amokläufer. Und Eingreiftruppe im Fall des Falles. Vielleicht sollte man an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass Psychologen behaupten, Genie und Wahnsinn würden oft eng beieinander liegen.