Archiv für den Monat März 2018

Das Leben des Brian

Nach offizieller Darstellung ist ja der heutige Tag, also der Karfreitag, nicht nur ein Tag der Trauer, sondern auch ein Fasten- und Abstinenztag. Ein Eindruck, der nicht durch den gestrigen Tag bestätigt wurde. Was da an mittel- bis hochprozentigen Getränken und leckeren Fertiggerichten aus den Supermärkten gekarrt wurde, ganz zu schweigen von den Bergen von Süßwaren, das war gigantisch und hatte Weihnachtsniveau. Und nachdem am morgigen Tag, also dem Samstag, wohl kaum die Supermärkte verwaist bleiben werden, liegt der Schluss nahe, dass die Einkäufe vom Donnerstag nicht nur für das Oster-Wochenende gedacht waren.

Zwar wurde immerhin 2016 das bayerische und besonders rigide Gesetz zum Schutz des Karfreitags vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Als verfassungswidrig. Weil es die Versammlungsfreiheit und die Freiheit der Weltanschauung verletzte. Aber noch immer sind bundesweit Tanz- und Sportveranstaltungen und andere Veranstaltungen, die der „Unterhaltung“ dienen, verboten. Sogar Theater und Opernhäuser müssen ihre Spielpläne entsprechend planen. Und sogar ein Volksfest mit einer Tradition, die ins 11. Jahrhundert zurück geht, der Hamburger Frühlingsdom, muss an diesem Tag geschlossen bleiben.

2016 waren in Deutschland etwa 28 Prozent der Bevölkerung Katholiken, 26 Prozent gehörten der Evangelischen Kirche an. Die restliche Bevölkerung teilte sich auf andere Religionen respektive Konfessionslose auf. Sind wir also einmal extrem leichtgläubig und nehmen wir an, dass die insgesamt 54 Prozent Christen alle gläubig wären, dann bleiben immer noch 46 Prozent der Bevölkerung, denen am Karfreitag „Unterhaltung“ versagt wird. In NRW sogar der Film „Das Leben des Brian“. Da laut dem Oberlandesgericht Hamm am Karfreitag nur Filme vorgeführt werden dürfen, die „vom Kultusminister oder der von ihm bestimmten Stelle als zur Aufführung am Karfreitag geeignet anerkannt sind […]. „Das Leben des Brian“ gehört nicht dazu. Religionsfreiheit ist offensichtlich eine Frage der Religion.

 

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Vorbeugende Maßnahme

Viele Menschen fragen sich so kurz vor Ostern und nach dem Besuch des frisch ernannten Bundesaußenministers und Gabriel-Nachfolgers in Israel, warum nur Freundschaftsbekundungen, Schuldbekenntnisse und Gelöbnisse zu hören waren. Und kein einziges Wort bezüglich Siedlungspolitik und Zwei-Staaten-Lösung. Wo man den vormaligen Justizminister Heiko Maas insbesondere im Umgang mit Internet-Giganten bisher als eher forsch und mutig voran preschend erlebt hatte.

Ich habe bis heute gerätselt, doch jetzt eine plausible Erklärung für dieses Verhalten gefunden. Der Grund sind die Strafzölle auf Stahl, die US-Präsident Donald Trump der EU angedroht hat, und die trotz Aufschub noch nicht vom Tisch sind. Strafzölle, die Umsatzeinbußen für die deutschen Stahlerzeuger bedeuten würden. Was natürlich üblicherweise Arbeitsplätze kostet. Und ein SPD-Politiker natürlich nicht dulden könnte.

Deshalb hat Maas jetzt schon mal vorgebeugt. Denn Umsatzeinbußen der heimischen Stahlindustrie lassen sich schließlich am besten durch Rüstungsgeschäfte kompensieren. Und da fällt einem selbstverständlich als erstes Israel ein. Schließlich ist es eines der letzten Länder, das man noch beliefern kann ohne Angst haben zu müssen, dass diese Waffen für etwas anderes benutzt werden als für die Verteidigung. Nach diesem Besuch von Heiko Maas kann es wohl nicht mehr lange dauern, bis die ersten Bestellungen Israels bei der deutschen Rüstungsindustrie eingehen.

Offenes Ende

Also die hatte ich ja überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. Irgendwie hatte man ja eher den Eindruck, dass sich die FDP und ihre Politikerinnen und Politiker nach ihrem Abschied von den Jamaika-Verhandlungen kollektiv zum chillen nach Malle abgesetzt hätten. Das war wohl so nicht so ganz richtig. Die FDP ist jedenfalls zumindest in Bayern wieder voll da. Was dann allerdings ein Indiz dafür sein könnte, dass doch alle auf Malle waren. Jedenfalls sind sie gerade dabei, die Politik so richtig aufzumischen mit dem Thema Ladenschluss. Mit dem soll endlich Schluss sein.

 

„Der Staat hat mündigen Verbrauchern nicht vorzuschreiben, wann sie werktags einkaufen gehen. Während die Grünen den Bürgern am liebsten den veganen Einkaufszettel diktieren würden, will die CSU den Bürgern ihre Einkaufszeiten vorschreiben. Ein Staatsdirigismus, den wir Liberale nicht länger akzeptieren“, sagte jetzt die bayerische Generalsekretärin der FDP, Miriam Gruß, und verteilte demonstrativ kurz vor Ladenschluss kleine Lebensmitteltüten.

Und bezogen auf mich ist diese Aktion auf jeden Fall ein Erfolg. Ich weiß jetzt, dass eine Miriam Gruß Generalsekretärin der bayerischen FDP ist. Bin auch dankbar für den diskreten Hinweis, dass in diesem Jahr ja Wahlen in Bayern sind. War außerdem schon immer der Meinung, dass man aus den Beschäftigten im Einzel- und Großhandlung wirklich noch einiges mehr rausholen kann. Was die Belastung betrifft, haben sie noch lange nicht das Niveau von Pflegepersonal. Noch offen ist allerdings für mich die Frage, ob sich die FDP den Inhalt für die verteilten kleinen Lebensmitteltüten bei einer der Tafeln in München geholt hat.

  

 

Hat sie es getan?

Warum gibt es eigentlich so etwas nicht bei uns. Beste Sendezeit, ein Fernsehsender der für investigativen Journalismus bekannt ist. Also sagen wir mal Sat1. Oder auch n-tv. Und dann gesteht eine Frau dem Moderator, dass sie mit der Bundeskanzlerin Sex gehabt hätte. Einvernehmlich. Halt, das geht ja schon mal gar nicht. Also vielleicht liegt es daran. Dass wir eine Bundeskanzlerin haben. Die USA haben es da besser. Bei denen ist es gerade passiert. Stormy Daniels hat behauptet, dass sie mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika einvernehmlichen Sex gehabt hätte.

Was selbst dadurch nicht glaubwürdiger wird, dass dies bereits 2006 geschehen sein soll. Man kann sich nicht vorstellen, dass Trump damals nicht schon Trump gewesen ist. Es gibt nur einen Grund, die Sache annähernd für plausibel zu halten. Stormy Daniels, die übrigens derzeit mit dem Slogan „Make America Horny Again“ durch Strip-Clubs tourt und auch schon durchaus erfolgreich für Pornos vor der Kamera stand, sagte nämlich dem TV-Reporter, dass sie für diesen Job mehr Geld bekommen habe, obwohl sie den gleichen Job gemacht habe, den „sie immer gemacht hat“.

Zeichen setzen

Früher, also vielleicht im Mittelalter, verhielt es sich wohl so ähnlich mit Pest und Cholera. Man wusste nicht, woher sie kommen, geschweige, wie man sich vor ihnen schützen kann. Und heute liest man einen Satz wie diesen: „Den Wissenskampf gegen den Computer kann der Mensch nur verlieren.“ Als wäre es ein unabwendbares Menetekel, so wird von Ökonomen davon ausgegangen, dass Computer respektive Roboter in der Zukunft unzählige Arbeitsplätze obsolet werden lassen.

Einmal abgesehen davon, dass man wirksame Mittel gegen Pest und Cholera gefunden hat. Warum wird eigentlich davon ausgegangen, dass Internet und IT Dinge sind, gegen die sich die Menschheit nicht schützen kann? Gegen die der Mensch nur verlieren kann. Bevor ich nun jedoch als Ewiggestriger entlarvt werde, der sich die Höhlen des Neandertals zurück wünscht: Sogar ich weiß, dass IT in nicht wenigen Bereichen segensreich ist.

Aber was für einen Grund soll es geben, Algorithmen nicht in Schranken zu weisen? Computern Aufgaben zuzuweisen? Und sich nicht von Computern vorschreiben zu lassen, was noch von Menschen erledigt werden darf? Ganz abgesehen davon, dass man Internet-Giganten wie Facebook, Google oder Amazon die Deutungshoheit überlässt, als wären sie die wahren Herrscher der Erde. So wie man sich in den Urzeiten der Menschheit Göttern unterwarf. Oder im tausendjährigen Reich einem Gröfaz. Mir erscheint es da wie ein Zeichen, dass Le Figaro gerade meldet, US-Milliardär Elon Musk habe auf Facebook die Seiten seiner Firmen Tesla und SpaceX gelöscht. Geht doch!

Wetterkapriolen

Ich bin jetzt nicht unbedingt der geborene Verschwörungstheoretiker. Doch manchmal, so scheint es mir, geht es nicht anders. Dann erliege ich der Versuchung. Zum Beispiel, was die gegenwärtigen Wetterkapriolen betrifft. Ich bin inzwischen felsenfest davon überzeugt, dass Schnee und Eis, die jetzt Ende März immer noch die Natur daran hindern ihr buntes Kleid anzuziehen, der Politik geschuldet sind. Denn auch wenn bunte Ostereier im Schnee natürlich sehr viel leichter zu finden sind, eigentlich war das Osterfest, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, ursprünglich keine PR-Aktion der Supermärkte für Süßigkeiten und Gourmet-Speisen in Folie oder tiefgefroren und in diversen Geschmacksrichtungen. Sondern ein kirchliches Fest und Synonym für Auferstehung und Neuanfang.

Und ja, dass dem in diesem Jahr nicht so ist, davon bin ich überzeugt, daran ist die Politik schuld. Die Tatsache, dass wir eine GroKo und ein Heimatmuseum haben. Eine Groko, die eigentlich GroKä heißen müsste: Große Kälte. Ein Synonym ist für Kälte und Eis, die alles erstarren lassen. Für Stillstand. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir bereits blühende Landschaften und eine bunte Vielfalt hätten, wenn es zu Jamaika gekommen wäre. Auch wenn das natürlich das Risiko des einen oder anderen kleinen Wirbelsturms beinhaltet hätte. Jedenfalls könnten wir mit Jamaika jetzt sicher schon in leichter Kleidung in Straßencafés sitzen und eine Latte schlürfen. Also noch einmal: Dankeschön, Herr Lindner! Danke F.D.P!