Archiv für den Monat April 2018

Urlaubsziele

Was haben wir uns früher den Kopf zerbrochen. Ans Meer, in die Berge – oder doch lieber in eine der hippen Metropolen? Vielleicht ein Urlaubsort mit guten Sportmöglichkeiten? Oder doch lieber nur in der Sonne am Strand faulenzen? Naturwunder bestaunen? Kunstdenkmäler begutachten? Man weiß ja nicht, wie lange die noch stehen. Nächte haben wir damit verbracht, Kataloge zu wälzen. Gab ja noch kein Internet.

Damit ist jetzt aber endgültig Schluss. Denn man braucht noch nicht einmal das ganze World Wide Web. Es genügt Instagram. Und der Rest ergibt sich von alleine. Also nicht, dass man dort Zustandsberichte über die Wasserqualität an einem bestimmten Badestrand bekommt. Es gibt noch nicht einmal Bewertungen von Hotels.

Aber dafür kann man zielgenau erfahren, wo man die besten Fotos machen kann, die Fotos, die dann auf Instagram – höchstwahrscheinlich – die meisten Klicks und Likes bekommen. Weshalb sich schon viele Urlaubsorte gezielt so in Szene setzen, dass sie interessant sind als Kulisse für vielversprechende Instagram-Fotos. Der richtige Urlaubsort ist nämlich der, der einzigartige Fotos verspricht. Man darf sich nur nicht davon irritieren lassen, dass zehntausende Menschen das gleiche Foto schießen wollen.

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Zufälle in Zahlen

Manchmal gibt es schon sehr seltsame Zufälle. Da hat zum Beispiel die Bundesregierung auf Grund einer Anfrage der Linken im Bundestag mal nachgeschaut und ist zu der erstaunlichen Erkenntnis gekommen, dass in Deutschland 3,7 Millionen Beschäftigte weniger als 2000 Euro verdienen. Wohl gemerkt, dabei ist nicht von Teilzeit-Jobbern die Rede, sondern von Vollzeitbeschäftigten.

Das sind, respektive waren für das Jahr 2016 nicht weniger als 17,7 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten. Von denen der Westen der Republik, bescheiden wie so oft, 14,7 Prozent übernommen hat. Für den Osten der Republik sind das hingegen 31,2 Prozent der Vollzeitbeschäftigten. Spitzenreiter ist übrigens Mecklenburg-Vorpommern, auf dem zweiten Platz, und alles andere als abgeschlagen, Sachsen.

Und jetzt kommt der Zufall ins Spiel. In den einstigen fünf neuen Bundesländern ist die AfD seit der Bundestagswahl des vergangenen Jahres mit 22,5 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU. Und vor der SPD, Der Linken, den Grünen und der FDP. Ein Schelm also, der Böses dabei denkt oder, schlimmer noch, da einen Zusammenhang sieht. Das ist doch nur etwas für Verschwörungstheoretiker. Dass wäre so ähnlich, als würde man davon ausgehen, dass man nass werden kann, wenn es regnet.

Cheeseburger

Sagen wir einmal so: Für das Geld hätten Angela Merkel und Gatte gut und gerne im Sterne-Restaurant Richard in Berlin Kreuzberg essen können, sogar mit Freunden, falls es solche gibt. Und da wäre sogar noch einiges übrig geblieben. Vielleicht für einen neuen Hubschrauber der Bundeswehr oder ähnliches. So aber flog sie mit ihrem Tross auf ein Schwätzchen mit US-Präsident Donald Trump nach Washington und ging am Vorabend des Treffens in ein Diner namens „J.Paul“ und aß laut Augenzeugen einen Cheeseburger mit Bacon und Cheddar und Pommes Frites und trank Pinot Grigio. Vielleicht ging sie davon aus, dass es am nächsten Tag bei Donald und Melania sowieso nichts zu essen geben würde.

Schließlich hatte der US-Präsident für das Gespräch gerade mal zwei Stunden Zeit, vermutlich musste er gleich anschließend noch seinen Flieger bekommen, der ihn wie jeden Freitag nach Florida und zum Golfplatz bringen musste. Immerhin gab es bei diesem Besuch ein Küsschen von Trump bei Merkels Begrüßung und einen Händedruck für die Pressefotografen. Und außerdem flog Merkel noch am selben Tag mit der Gewissheit nach Deutschland zurück, dass es ungewiss ist, wie sich der US-Präsident in den Fragen, die sie mit ihm besprechen wollte, entscheiden wird. Was mich dann an die Gespräche mit den Kindern erinnerte, die ihr Zimmer aufräumen sollten.

Rückenleiden

Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz. Zumindest in Bayern helfen da ganz offensichtlich auch keine Orthopäden. Sondern nur noch Psychiater. Natürlich weiß ich, dass im südlichsten Bundesland ein Wahljahr ist. Aber deswegen muss man ja nicht so tun, als wäre schon Hochsommer und eine  ganze Fraktion inklusive neuem Ministerpräsidenten hätten einen Sonnenstich abbekommen.

Und als wäre das noch nicht Beweis genug, dass auf Initiative von Söder das bayerische Kabinett beschlossen hat, im Eingangsbereich aller Behördengebäude des Freistaates ein Kreuz aufhängen zu lassen, werden jetzt auch noch Kritiker dieser Maßnahme vom CSU-Generalsekretär als „Religionsfeinde“ bezeichnet. Sind dann Politiker, die Symbole anderer Religionen in der Öffentlichkeit ablehnen, auch „Religionsfeinde“.

Auf den Hund gekommen

Also erst einmal ein paar Worte zu meiner Person: Ich bremse nicht nur, wenn Menschen eine Straße überqueren könnten. Natürlich auch, wenn sie die Straße überqueren. Und genau das Gleiche tue ich bei Hunden und Katzen. Neulich, bei einem Wochenendausflug, auch für eine mutmaßliche Entenfamilie. Kann natürlich auch sein, dass die Beiden gar nicht verheiratet waren. Ja, und man höre und staune, es ist noch nicht so lange her, dass ich einem größeren, kreuzenden Vogel ausgewichen bin. Nachdem ich mich überzeugt hatte, dass dadurch niemand anderes gefährdet wurde. War vermutlich eine Amsel, die mein Auto vielleicht für eine Artgenossin hielt. Die Farbe zumindest spräche für diese These.
Und dann schätze ich auch eine Plattform wie Change.org und damit die Möglichkeit, mich für etwas oder gegen etwas zu positionieren. Flagge zu zeigen. Da wird Internet für mich sinnvoll. Oder sollte ich sagen: Da war Internet für mich sinnvoll. Denn jetzt habe ich meine leisen Zweifel. Nachdem ich nämlich weiß, dass mehr Menschen eine Petition für die Rettung eines Hundes namens Chico unterschrieben haben, als es auf der selben Plattform Unterstützer einer Kampagne gegen das geplante bayerische Polizeigesetz gab. Mit dem die Befugnisse der Polizei so weit ausgebaut werden sollen, dass sich auch Türken in Bayern wie zu Hause fühlen würden. Und an diesen Zweifeln würde sich für mich auch nichts ändern, wenn dieser Hund nicht zwei Menschen tot gebissen hätte.

Kennenlerngespräche

Es gibt, bevorzugt in Radio und Fernsehen, ein Genre, dass sich großer Beliebtheit erfreut, obwohl es eigentlich nichts anderes ist, als ein Gespräch zwischen zwei Menschen. Und insofern über das klassische Interview hinausgeht, als eben nicht konkreten Fragen nachgegangen wird, sondern sich, im günstigsten Fall, im Gespräche ein Bild eines Menschen, des Eingeladenen nämlich, und seines Lebens ergibt.

Da ist mir eines ganz besonders aufgefallen. Dass es fast ausschließlich alle vorgestellten Menschen entweder bereits zu einer gewissen Bekanntheit gebracht haben. Und infolgedessen ihr Leben als etwas besonderes betrachtet wird. Oder dass sie durch einen schweren Schicksalsschlag, zumeist eigene Krankheit oder Tod eines anderen Menschen, und dessen Bewältigung gerade die Chance bekommen haben, bekannt zu werden. Dem entnehme ich, dass das Leben eines halbwegs gesunden Menschen, den gerade mal seine Familie, Anverwandten, Freunde, Arbeitskollegen und vielleicht noch Kassiererinnen oder Kassierer an der Kasse des bevorzugten Supermarktes kennen, nicht besonders interessant ist.

Obwohl dieser Mensch, nehmen wie einmal an, dass es ein Mann ist, sich nie im Leben wie gewisser Filmregisseur aufgeführt hat. Im Gegensatz zu Berühmtheiten aus verschiedenen Berufsgruppen auch immer brav seine Steuern bezahlt hat. Das einzige, was ihn befähigen könnte, für solch eine Sendung interessant zu sein, das wäre vielleicht, wenn er Opfer eines Amokläufers werden würde. Schade nur, dass Tote nicht reden können.  

Meersalz

Das sieht jetzt natürlich so aus, als hätte ich gemerkt, dass Blogs, die sich mit Essen und Trinken beschäftigen, mehr Follower und Leser haben. Es ist aber reiner Zufall. Für den ich selbstverständlich auch mitverantwortlich bin. Ich lese nämlich Zeitungen aus Papier. Aus Gründen der Ersparnis vor allem, wenn sie schon etwas älter sind. So kann es gut möglich sein, dass diese Erkenntnis vor allem Schnee von gestern ist. Mitten im Frühling. Hat aber nicht gehindert, dass ich es interessant genug finde, um mich an dieser Stelle darüber auszulassen.
Und auch das nicht rein zufällig, sondern einfach nur, weil ich bisher glaubte, dass da, wo Gourmet drauf steht, auch besonders leckere Sachen drin sind. Jetzt bin ich nicht mehr so ganz sicher. Weil nämlich in besagtem Zeitungsartikel die Behauptung aufgestellt wird, dass es inzwischen nicht mehr ungewöhnlich sei, wenn zum Beispiel im Fleur de Sel, der von TV-Gourmet-Köchen empfohlenen Krone des Salzes aus Mittelmeer oder Atlantik, Mikro-Plastik auftauchen würde.
Das einzig Gute daran ist, dass wir Deutschen auf gar keinen Fall daran schuld sein können. Wir produzieren zwar den meisten Plastik-Müll in ganz Europa. Aber nirgends wird so akribisch Mülltrennung zelebriert, wie hierzulande. Was bedeutet, dass nicht allzu viel Plastikmüll der Wiederverwendung zugeführt wird. Aber jedenfalls wird der Großteil in andere Kontinente exportiert. Und dass China unseren Müll nicht mehr will, ist auch kein Argument. Malaysia ist im ganz großen Stil in die Bresche gesprungen. Trotzdem werde ich wohl wieder auf ordinäres Salz aus den guten alten Salzbergwerken umsteigen.