Kennenlerngespräche

Es gibt, bevorzugt in Radio und Fernsehen, ein Genre, dass sich großer Beliebtheit erfreut, obwohl es eigentlich nichts anderes ist, als ein Gespräch zwischen zwei Menschen. Und insofern über das klassische Interview hinausgeht, als eben nicht konkreten Fragen nachgegangen wird, sondern sich, im günstigsten Fall, im Gespräche ein Bild eines Menschen, des Eingeladenen nämlich, und seines Lebens ergibt.

Da ist mir eines ganz besonders aufgefallen. Dass es fast ausschließlich alle vorgestellten Menschen entweder bereits zu einer gewissen Bekanntheit gebracht haben. Und infolgedessen ihr Leben als etwas besonderes betrachtet wird. Oder dass sie durch einen schweren Schicksalsschlag, zumeist eigene Krankheit oder Tod eines anderen Menschen, und dessen Bewältigung gerade die Chance bekommen haben, bekannt zu werden. Dem entnehme ich, dass das Leben eines halbwegs gesunden Menschen, den gerade mal seine Familie, Anverwandten, Freunde, Arbeitskollegen und vielleicht noch Kassiererinnen oder Kassierer an der Kasse des bevorzugten Supermarktes kennen, nicht besonders interessant ist.

Obwohl dieser Mensch, nehmen wie einmal an, dass es ein Mann ist, sich nie im Leben wie gewisser Filmregisseur aufgeführt hat. Im Gegensatz zu Berühmtheiten aus verschiedenen Berufsgruppen auch immer brav seine Steuern bezahlt hat. Das einzige, was ihn befähigen könnte, für solch eine Sendung interessant zu sein, das wäre vielleicht, wenn er Opfer eines Amokläufers werden würde. Schade nur, dass Tote nicht reden können.  

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