Archiv für den Monat Juni 2018

Veränderung

Es wäre falsch zu behaupten, dass sich nichts ändern würde. Ich zum Beispiel war in meiner Jugend und auch noch in jungen Jahren davon ausgegangen, dass sich noch etwas verändern ließe, ja, ich ging sogar so weit anzunehmen, dass die Menschheit lernfähig wäre, dass sie in der Lage wäre, aus Fehlern zu lernen. Von dieser Einschätzung bin ich dann vor zwei Jahrzehnten endgültig abgerückt, diesbezüglich habe ich meine Meinung grundlegend geändert. Es gibt also Veränderung.

Und das ist die politisch absolut korrekte Version, durchaus auch für Kinder geeignet und für ganz sensible Gemüter. Die aber in dieser Welt den größten denkbaren Makel hat. Ganz besonders in unseren Tagen würde sich kaum jemand dafür interessieren. Und zugegebenermaßen hat auch das sich geändert. Aber wohl kaum aufgrund von Einsicht, Erkenntnis oder Verständnis. In der Welt von heute kommt es nämlich nicht darauf an, wie gehaltvoll ein Gedanke ist. Wenn es schrill ist, laut ist, vielleicht auch noch vulgär, ehrverletzend, dümmlich, gelogen oder ohne jeden Sinn und Verstand, dann hat es beste Chancen gehört, bejubelt und millionenfach geteilt zu werden.

Was ja auch nicht weiter verwunderlich ist, befindet man sich doch in teilweise bester Gesellschaft. Nämlich in der von Präsidenten, Managern, Stars und Klugscheißern, die in der Lage sind, etwas zu glauben, von dem sie selber ohne allzu große Anstrengung wissen könnten, das es erstunken und erlogen ist. Und noch etwas hat sich verändert. Immer weniger machen sich Menschen die Mühe zu verbergen, was noch vor einem oder zwei Jahrzehnten liebevoll und akribisch kaschiert worden wäre. Weil man sich unter Umständen dafür geschämt hat. Und es hat einen plausiblen Grund. Es ist ehrenhaft geworden, unehrenhaft zu sein. Anders ausgedrückt: Die größten Menschenverächter werden dafür bewundert, dass sie rücksichtlos, eine Gefahr für andere, die Natur und den Fortbestand von Zivilisation und Menschlichkeit sind. Helmut Qualtinger, österreichischer Kabarettist, sagte: Der Mensch is a Sau. Womit er den Schweinen Unrecht tut.

Soll ich jetzt also Frauen begrapschen und vergewaltigen, auf der Fifth Avenue jemand erschießen, Menschen rassistisch beleidigen oder als Krönung des Tages den Holocaust als Fliegenschiss der Geschichte bezeichnen? Nur um auch einmal und wenigstens für einen Tag oder eine Stunde bemerkt zu werden. Und außerdem stellt sich für mich natürlich auch die Frage, ob sich so viel Veränderung in meinem Alter überhaupt rentiert. Und ob ich das überhaupt noch hinkriege. Für mich bleibt wohl eher nur noch der Ausweg auf gewohnten Pfaden. Was allerdings bedeuten würde, dass für mich doch alles geblieben ist, wie es war. Schon in jungen Jahren war meine Maxime ein Punker-Spruch: Du hast keine Chance. Nutze sie. Das war mein Leitfaden. Daran werde ich mich wohl weiterhin halten müssen.

Zarah Leander

Heute ist doch genau der richtige Tag, um wieder einmal an die Sängerin Zarah Leander zu erinnern. Sie hat doch bereits zu Beginn der 1940er Jahre zu der Erkenntnis verholfen, dass davon die Welt nicht untergeht. Auch wenn im Lied nur von einem unglücklich liebenden Herzen die Rede war, die Kernaussage lässt sich auch auf viele andere Ereignisse in einem Leben anwenden. Zum Beispiel auch auf verlorene Fußball-Spiele, entzweite Schwesterparteien, sogenannte runde Geburtstage oder irgendwelche größenwahnsinnigen Präsidenten. Könnte zwar sein, dass sich die Menschheit eines Tages selber auslöscht. Aber auch davon wird die Welt nicht untergehen.

Tag der Schande

Dem Kapitän wird vorgeworfen, Anweisungen missachtet zu haben. Ein Bundesminister hat sogar gefordert, dass die Mannschaft zur Rechenschaft gezogen werden müsse. Obwohl diese nur das tat, was sie und viele andere Menschen in so einem Fall für richtig halten. Und jetzt haben sich auch noch die Vereinten Nationen eingeschaltet. Sie haben das Verhalten der Offiziellen in dieser Sache gerügt und eine schnelle Lösung gefordert.

Und während Horst Seehofer am liebsten auch noch das Schiff beschlagnahmen lassen würde, fragt die deutsche Crew der „Lifeline“, die jetzt nach tagelanger Irrfahrt auf Malta einen Hafen anlaufen durfte, welcher Straftatbestand ihr denn vorgeworfen werden soll. Und ob es nach Meinung des Ministers ein Verbrechen sei, „Menschen aus Lebensgefahr zu retten“. Dem könnte man auch noch hinzufügen: Und das alles nur, um eine Wahl zu gewinnen?

Kontakt

Davon ist momentan sehr häufig die Rede. Verbunden zumeist mit der Frage, ob er denn stattgefunden habe, dieser Kontakt, und wenn ja, welche Konsequenzen er haben müsste oder hat. Um dann häufig stundenlang zu diskutieren, ob denn zum Beispiel das Ganze wirklich einen Strafstoß oder gar einen Elfmeter wert war.

Aber natürlich gibt es auch noch andere Bereiche des Lebens, in denen der Kontakt geradezu gesucht wird, respektive als zwingend notwendig angesehen wird. Würde doch sonst die Menschheit langsam aber sich aussterben. Was für den Planeten an sich natürlich eher wünschenswert wäre, die Spezies Mensch aber wohl eher als bedauerlich empfinden würde.

Und dann gibt es noch Konstellationen, in denen es als nicht dienlich erachtet wird, dass jeglicher Kontakt stattfindet. Distanz also nicht nur das Gebot der Stunde ist, sondern auch in speziellen Fällen sogar ein Kontaktverbot von der Exekutive ausgesprochen wird. Doch da ist es dann nicht selten wie auf dem grünen Rasen. Und es werden zum Beispiel drei tote Kinder und eine tote Frau gefunden. Für eine Strafe, wie auch immer sie geartet sein mag, ist es dann allerdings zu spät.

Wurzeln

Die Bilder sind zweckdienlich. Menschen, die jubeln und hupen, weil ein Politiker und amtierender Präsident, der gerne mit der Attitüde eines Sultans auftritt und regiert, eine gefühlt getürkte Wahl gewonnen hat. Aber gar nicht im besagten und vom Wahlsieger gern gelobten Land leben. Sondern in einer Demokratie, die zwar gerade dabei ist, sich zu zerlegen, aber zumindest noch eine Demokratie ist. Mit Meinungsfreiheit und vielfältigen sozialen Einrichtungen.
Da fragt sich natürlich die Volksseele leicht verstimmt, warum ihnen der deutsche Präsident nicht genug ist, sie sogar jenen in der Heimat ihrer Väter und Großväter viel besser finden. Doch wenn man sich die Zahlen anschaut, müsste man die Erregung gleich mal wieder runterfahren. Denn es sind nicht mehr als 60 Prozent aller Menschen mit türkischen Wurzeln, die in Deutschland leben, die diesen Präsidenten gewählt haben. Weil ihn nur noch die Hälfte aller Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland hätten wählen können.
Aber solche Feinheiten haben eine Volksseele noch nie gestört. Viel schöner ist es doch, wenn etwas, was man sowieso schon seit langem wusste, bestätigt sieht. Und eine Frau ohne türkische Wurzeln hat vielleicht sogar insgeheim gehofft, dass dieser Präsident mit den Stimmen von in Deutschland lebenden Menschen mit türkischen Wurzeln Präsident bleibt.
Man weiß ja nicht, ob ein Nachfolger sich auch für Geld dazu bereit erklärt hätte, Flüchtlinge daran zu hindern, nach Europa aufzubrechen. Relativ sicher dürfte sein, dass ebenso wie die Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland wohl auch das Geld aus Brüssel dafür gesorgt hat, dass dieser Präsident nun noch zielstrebiger auf dem Weg zum Alleinherrscher ist. Aber was weiß man von den Wurzeln eines Menschen. Vielleicht hat ja ein Vorfahr unserer Bundeskanzlerin dereinst vor den Toren Wiens gelebt.

Last Minute

Ob das der ultimative Trend ist. Nicht nur die Flüge Last Minute buchen, sondern auch die großen Probleme erst in aller letzter Minute angehen? Vielleicht doch erst in Verhandlungen einwilligen, wenn die Atombombe schon unterwegs ist? Es hat natürlich seinen Reiz. Und diese Welt lebt ganz offensichtlich am liebsten im Reizzustand. Es wird der letzte Kick gesucht, denn Langeweile hat man ja schon bis zum Abwinken. Das fängt schon beim Urlaub an und setzt sich in Beziehungen fort. Die werden inzwischen auch nur noch mit einem so einzigartigen Event legalisiert, das die Beteiligten schon vorher vor Erschöpfung zusammenbrechen lässt.

So richtig prickeln tut Last Minute allerdings, wenn es um Entscheidungen in der Politik geht. Ist ja gut und schön, dass man schon vor Jahren wusste, wie problematisch das mit den Flüchtlingen werden wird. Aber liebe warten, bis die Situation so aussichtslos ist, dass auf einmal und ganz überraschend alles auf Messers Schneide steht. Eine Regierung zur Debatte steht. Mit ihr vielleicht auch eine EU. Und damit natürlich auch der Euro. Wir also alle Chancen haben, uns gemächlich zurück in die Steinzeit zu bewegen. Mit bester Aussicht auf die Idylle, die diese Epoche so sehr auszeichnete.

Und ausnahmsweise geht es mir mal nicht um Schwarzmalerei. Es ist vor allem die Dramaturgie, die mich fasziniert. Da bewegt sich die Politik über Jahre und Jahrzehnte in bester Manier wie Schnecken, sprich, man zieht sich ins Schneckenhaus zurück, wenn die sensiblen Fühler auf ein Problem stoßen. Und wenn wir dann irgendwann alle zusammen über die Autobahn kriechen, da schießt uns das Adrenalin dermaßen in die Blutbahnen, dass wir nur noch gebannt und fasziniert auf die heranbrausenden LKWs starren können. Dass es eine Brücke über die Autobahn gegeben hätte, das hat niemand interessiert. Aber vielleicht können die LKWs ja doch noch bremsen. Oder einer schießt ein Tor.

Alle sind bereit

Beinahe wäre es noch eng geworden. Also die drei Kästen Bier haben wir ja gerade noch ergattert. Aber bei den Chips sah es düster aus. Vor allem die mit Meersalz und indischem Pfeffer haben wir erst im dritten Supermarkt bekommen. Zum Glück hatten wir ja nicht nur die Grillkohle gleich bei Beginn der Weltmeisterschaft gebunkert, sondern auch das komplette Grillfleisch und die Würstchen. Lief ja so eine BBQ-Aktion bei einem Discounter. Alles original, wie es auch die Amerikaner gerne haben, hat es da gegeben. Groß, und ohne dass man Gefahr läuft, dass es gleich verdirbt. Alles eingeschweißt und schon mit antibakterieller Soße.

Jedenfalls muss ich jetzt nur noch einen Windschutz auf dem Balkon bauen. Sonst bläst es die ganze Glut aus dem Grill. Das Gute ist, dass ich den Fernseher vom Balkon aus sehen kann. Nachdem er 65 Zoll hat, kann ich sogar vom Balkon aus noch den Ball erkennen. Außerdem haben wir natürlich Sky. Da kann man noch mal zurücklaufen lassen. Die Trikots sind jedenfalls auch schon gebügelt und die Fahnen auf dem Sofa drapiert. Jetzt muss ich nur noch in die Apotheke. Meine Frau hat sich vorsichtshalber noch Antidepressiva für mich verschreiben lassen.

Frisch gepresst

Jetzt haben wir es endlich schwarz auf weiß. In der Hauspostille der CSU, der Passauer Neuen Presse, steht, dass es Schluss mit lustig wäre, wenn die Bundeskanzlerin von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch machen würde. Bloß weil er, Seehofer und die ganze CSU fänden, dass es wichtiger wäre, für die Überzeugung zu kämpfen als nur an die Posten zu denken. Und außerdem sagte der CSU-Vorsitzende mit Blick auf einen möglichen Alleingang als Bundesinnenminister in Sachen Asylstreit: „Wenn man mit dieser Begründung einen Minister entließe, der sich um die Sicherheit und Ordnung seines Landes sorgt und kümmert, wäre das eine weltweite Uraufführung. Wo sind wir denn?“

Die Frage kann relativ leicht beantwortet werden. Nachdem, was sich nun schon seit Wochen in dieser, unserer Republik abspielt, scheinen wir uns momentan in einer Art Bananenrepublik zu befinden. Womit natürlich nichts gegen Bananen gesagt werden soll. Und außerdem muss man auch anerkennend feststellen, dass die CSU schon voll und ganz und gekonnt die ja noch relativ neue Diplomatie des derzeitigen US-amerikanischen Präsidenten übernommen hat. Die auf zwei Pfeilern steht. Da ist zum einen das Schaffen von Fakten, von denen man davor gar nicht wusste, dass es sie gibt. Und zum anderen das permanente Schwingen der Keule, von Menschen ohne Humor gerne auch mal Erpressung genannt.

Jedenfalls wissen wir also seit heute schwarz auf weiß, dass Seehofer und die CSU für ihre Überzeugung auch ein Ende der Koalition mit der einstigen Schwesterpartei CDU in Kauf nehmen würden. Weshalb es nahe liegt, davon auszugehen, dass der dann folgende Schritt wohl die Unabhängigkeit Bayerns von Deutschland sein müsste. Ganz nach dem Vorbild von Katalonien und Herrn Puigdemont. Ich überlege mir jedenfalls momentan ernsthaft, ob das wirklich noch Sinn macht, mir den Pass für den diesjährigen Urlaub noch einmal verlängern zu lassen. Ist vielleicht rausgeschmissenes Geld.

Verhaltene Freude

Eigentlich müsste man ja jubeln. Endlich einmal war die Empörung groß und laut genug, dass der ansonsten unerschrocken uneinsichtige US-Präsident eingelenkt hat. Könnte man zumindest glauben. Hat er doch nun dafür gesorgt, dass die Kinder von unerwünschten Grenzgängern nicht mehr von den Eltern, von Mutter und Vater, getrennt werden.

Warum aber beschleicht mich dieses Gefühl der Beklemmung. Weil die Kinder jetzt nämlich mit Mutter und Vater ins Gefängnis wandern? Vielleicht weil ich befürchte, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, jenes Staates, der ein unerbittlicher Kämpfer für Menschenrechte und Wächter aller Moral war, dass dieser Präsident nicht versehentlich ein Gefühl wie Empathie entdeckt hat?  Sondern vielmehr gemerkt hat, dass diese Art der von ihm sonst so geliebten Aufmerksamkeit schlecht für seine Deals ist?

Und es außerdem nicht funktioniert hat, mit dem angsterfüllten Schluchzen der Kinder den Kongress dazu zu bewegen, ihm endlich die Finanzierung der amerikanischen Mauer nach chinesischem Vorbild zu genehmigen. Möglich ist es natürlich auch, dass er durch die Bilder, die in diesem Zusammenhang um die Welt gingen, seinen Plan gefährdet sah, der fünfte US-amerikanische Präsident zu werden, der den Friedensnobelpreis bekommen hat.

Uneingeschränkte Freude kann also nur darüber aufkommen, dass das Nobelpreis-Komitee im Falle der angeblichen Nominierung Donald Trumps für den Friedensnobelpreis die Polizei eingeschaltet hat.

Donald wird’s richten

Gestern noch musste man das Schlimmste befürchten, heute schon kann man wieder berechtigte Hoffnung schöpfen. Deutschland muss nicht weiter bangen, ob jetzt die Regierung am Schwester-Zwist scheitert, denn es hat sich US-Präsident Donald Trump eingeschaltet. Natürlich per Twitter. Und wie immer hat er die richtigen Worte gefunden. Adressiert waren sie an Frau Merkel, und ohne Übertreibung kann man diesen Tweet als Lehrstunde par excellence bezeichnen.

Trump befindet nämlich, dass das deutsche Volk dabei sei, sich gegen seine Regierenden zu wenden. Und die ungebremste Einwanderung die bereits fragile Koalition in Berlin erschüttert. Außerdem steige die Kriminalität eklatant an, weil man in  Europa den großen Fehler mache, Millionen Menschen ins Land zu lassen, die mit Gewalt die Kultur Europas verändern wollten.

Ob und wie er beabsichtigt, das deutsche Volk bei seinem Aufstand gegen die Regierenden zu unterstützen, sagte Trump zwar nicht. Aber wie man ihn kennt, wird es nicht lange dauern, und außerdem wird er wohl mit Strafzöllen auf Automobile Merkel  endgültig vom Thron stürzen.

Als Kanzlerin, die nicht nur Abermillionen Flüchtlinge ins Land holte, sondern auch noch die Automobilindustrie ruinierte und hunderttausende Arbeitsplätze vernichtete. Bleibt also nur noch die Frage, ob er vielleicht Horst Seehofer als neuen Bundeskanzler auserkoren hat. Neuwahlen wird es jedenfalls nicht geben. Ich gehe davon aus, dass Trump per Twitter mitteilen wird, wer der neue Bundeskanzler ist.