Archiv für den Monat Juli 2018

Blow-ups

Spätestens wenn die Meldungen über neue Geschwindigkeitsbeschränkungen auf bestimmten Autobahnabschnitten kommen, dann ist richtig Sommer. Dann ist es nämlich so warm, dass sich Betonplatten respektive Asphalt partiell und aufgrund der Temperaturen anheben. Was Befürchtungen weckt, dass Autos beschädigt werden könnten. Es im Extremfall durch diese sogenannten „Blow-ups“ sogar zu Unfällen kommen kann. Weshalb man schon einmal und unbeschadet der Wärme ins Grübeln kommen kann. Also ich habe zum Beispiel keine Erinnerung daran, dass, sagen wir mal vor 15, 20 Jahren, derartige Meldungen verbreitet wurden, also vor „Blow-ups“ gewarnt wurde.

Was natürlich durchaus an meinem Erinnerungsvermögen liegen kann. Oder an der Tatsache, dass es damals noch nicht diesen Begriff gab. Und einfach ein Schild aufgestellt wurde, dass es Straßenschäden gäbe. Aber ich muss zugeben: „Blow up“, das klingt einfach imposanter. Nach High Tech und 21. Jahrhundert. Auch wenn es dann immer noch Straßenbauarbeiter mit Schaufel und Presslufthammer sind, die die Schäden irgendwann beheben. Frage ich mir nur, ob das gemäß der aktuellen Sprachregelung dann „Blow-Jobber“ sind.

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Einfrieren

Fünf Menschen starben bereits, mehr als 500 Häuser wurden schon zerstört, die Waldbrände in Kalifornien sollen bereits auf einem Gebiet von mehr als 500 Quadratkilometern wüten. Ob Präsident Trump per Dekret dagegen vorgehen wird, ist nicht bekannt, bis jetzt hat er nur den Notstand ausgerufen. Und feiert gerade auf Twitter seinen Sieg über die großen Pharmakonzerne, darunter auch deutsche Firmen. Die sich nach Drohungen Trumps jetzt bereit erklärten, die Medikamentenpreise für 2018 einzufrieren. Vielleicht überlegt der US-Präsident ja noch, ob dieses Vorgehen nicht auch bei Waldbränden funktioniert.

Anschubser

Man würde ja so gerne, wenn es doch nur irgendwie ginge. Zumindest Menschen, die es sich einigermaßen leisten können. Also fair gehandelte Baumwoll-T-Shirts kaufen. Oder Fisch essen, der sich noch einigermaßen artgerecht ernähren konnte. Was aber bei einigen Fischarten inzwischen noch schwieriger geworden ist. Weil sie besonders beliebt sind. Weshalb man viel Geld damit verdienen kann, wenn man die Nachfrage befriedigt. Und dabei gewinnmaximiert arbeitet.

Wie zum Beispiel mit dem Lachs. Der deshalb natürlich gezüchtet wird, unter anderem vor Norwegens Küste. Und damit der Bezug zum Meer nicht verloren geht, seine Nahrung per Schiff aus Südamerika angeliefert bekommt. Inzwischen ist man übrigens auf Soja umgestiegen, weil das noch billiger ist als Fischmehl. Der kleine Nachteil, dass deshalb jetzt auch der Lachs was von den Pestiziden abkriegt, die tonnenweise auf den Sojafeldern versprüht werden, muss da wohl in Kauf genommen werden. Außerdem habe ich inzwischen die Hoffnung, dass die Natur vielleicht schon richten wird, was der Mensch vermasselt.

So wie im Falle von Plastikmüll in den Weltmeeren. Haben sich doch jetzt Wind und Meeresströmungen zusammengetan, eifrig Plastikmüll gesammelt und an dem Strand von Santo Domingo, Hauptstad des Ferienparadieses Dominikanische Republik, deponiert, an dem eigentlich Touristen die schönste Zeit des Jahres genießen wollten. Weshalb die ortsansässigen Menschen so langsam ein ganz anderes Verhältnis zu Plastikmüll bekommen. Weil jetzt nämlich die Touristen wegbleiben.

Und vielleicht hilft die Natur ja auch bei den Lachsen nach. Wenn da erst mal mehr Pestizide auf dem Teller liegen als Omega-3-Fettsäuren, wenn die Pestizide sich erst einmal in Menschen so angesammelt haben, dass man zweifelsfrei feststellen kann, was sie beim Menschen anrichten. Dann werden die ja vielleicht auch darauf kommen, dass Lachszucht eventuell nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Gewinnmaximierung gesehen werden sollte. Denn der Mensch braucht eben kleine Denkanstöße aus dem praktischen Leben, um etwas zu verstehen. Etwas, das er quasi mit den Händen greifen kann.  

Gewonnen

Die Zahlen sind nicht so ganz aktuell. Aber eindrucksvoll. Im Jahr 2016 entfielen auf jeden Einwohner der Bundesrepublik Deutschland 220 Kilogramm Verpackungsmüll. Also Kind, Greis, Homosexuellen, Asyltouristen oder Pegida-Anhänger. Wurde jedenfalls so heute bekannt gegeben. Und auch wenn es natürlich kritische Stimmen gibt, ich finde, dass das eine richtig gute Nachricht ist. Denn selbstverständlich ist gerade Kunststoff nicht ganz unproblematisch, und daraus besteht dieser Verpackungsmüll ja vor allem. Aber gleichzeitig ist das doch ein Beweis dafür, dass Hygiene bei uns in der BRD ganz groß geschrieben wird. Dass wir da ganz weit vorne sind.

Nachdem bereits einzelne Tomaten oder auch Ananas und mundgerecht im geschnittenen Zustand in Frischhaltefolie verpackt werden, haben Keime hierzulande sicher keine Chance. Also zumindest bei der Hygiene sind wir also Weltmeister. Und bei den Krankheiten immerhin Europameister. Schließlich gehen in keinem europäischen Land mehr Menschen zum Arzt als bei uns. Wenn es auch nicht Fußball ist, es sind immerhin eine Welt- und eine Europameisterschaft.

Sommer auf dem Balkon

Merkel? Hat nur den Aufenthaltsort gewechselt. Bleibt sich sogar außerhalb Berlins treu. Der Heimatminister? Plantscht vermutlich im Mittelmeer, um die Außengrenze zu überwachen. Das Schöne an Donald McRonald Trump? Bei ihm ist es egal, wo er wann ist. Er bleibt immer der Gleiche. Doch ihnen allen ist eines gemeinsam: Gegen das Sommerloch haben sie keine Chance. Das ist den Hinterbänklern vorbehalten.

Man kann also ganz beruhigt den ganzen Tag in der Sonne liegen, in der Gewissheit, dass genug Joghurt im Kühlschrank ist, um am Abend die durch den Sonnenbrand ausgelösten Schmerzen etwas zu lindern. Sommer lässt einen erahnen, wie die Welt sein könnte, wenn es keine Politiker gäbe. Auch wenn man nicht weiß, wer sich dann wohl dafür aufopfern würde, uns ins Verderben zu stürzen. Wenn die Sonne vom Himmel brüllt, ohne dass gleich die Häuser und die Menschen verbrennen, will ich das auch gar nicht wissen.

Frage des Geldes

Das Wandern ist des Müllers Lust? War mal, heute fliegen Müllers lieber irgendwohin. Am liebsten dahin, wo auch viele andere hinfliegen. Oder fahren. Mit dem Schiff zum Beispiel. Nach Venedig. In die Lagunenstadt, die inzwischen gerade noch 54.000 Einwohner hat. Früher waren es 100.000. Aber sie müssen trotzdem keine Angst haben zu vereinsamen. Denn sie bekommen Besuch. Zur Hauptreisezeit mehr als 70.000 Touristen. Pro Tag.

Und weil viele von ihnen auch mal für einen Tag oder mehrere leben wollen, wie richtige Venezianer, übernachten sie auch in Venedig. Weshalb viele Venezianer inzwischen woanders wohnen, weil es nicht mehr genug Wohnungen für sie gibt, obwohl sich die Zahl der Einwohner fast halbiert hat. Manchmal liegt es auch nur daran, dass manche Venezianer einfach nicht für eine Wohnung so viel bezahlen können, wie Touristen bei Airbnb auf den Tisch legen.

Und da könnten sich doch nicht wenige Leute hierzulande wirklich mal ein Beispiel nehmen. Stellen wir uns doch einmal vor, dass zum Beispiel nach München, was ja auch eine schöne Stadt ist, täglich bedeutend mehr als doppelt so viele Menschen kämen, wie dort wohnen. Also schlappe 3.500.000 Besucher. Und trotzdem würde niemand von den Besuchern angepöbelt, geschlagen oder etwa sogar lebensbedrohlich verletzt werden.

Im Gegenteil. Sie würden in den Restaurants bedient und durch die überfüllten Straßen gelotst werden. Man wäre um ihr Wohl besorgt. Und das über Jahre. Aber vielleicht ist das der kleine Unterschied. Wenn die Menschen, die über das Mittelmeer zu uns kommen, anstatt in Afrika zu bleiben, anständig bezahlen würden für Essen und Unterkunft und hässliche Souvenirs, für Ferienwohnungen auf jeden Fall mehr als Einheimische, dann würde man sie hier sicher auch anständig behandeln.