Archiv für den Monat April 2019

Profis

Sieht das nicht richtig geil aus: 1 800 000 000 US-$. Okay, nur in Dollar. Aber immerhin, die Tendenz ist steigend. Während die Bundesrepublik Deutschland die Wachstumserwartungen senkt und senkt, ist weltweit endlich mal wieder ein sattes Plus zu verzeichnen. Und dabei ist ja ein Absatzgebiet mit Syrien jetzt fast ganz weggebrochen. Aber das ist eben das schöne. Man braucht ja nicht gleich einen neuen Krieg, um die Militärausgaben zu erhöhen. Klar, mit Krieg ist die Rendite natürlich größer. Aber ohne Krieg ist es auch nicht so schlimm, Militärausgaben zahlt schließlich der Steuerzahler. Und da ist ja immer Luft nach oben.

Im Bedarfsfall sagt man halt einfach, dass wegen dem Klima der Strom für Privathaushalte noch teurer werden muss. Dann kann sich ja jeder bei den Schulschwänzern bedanken. Weil die so einen Druck auf die Politik ausgeübt haben. Eigentlich waren ja immer die Jungen schuld, wenn was schief gelaufen ist. Wenn man es nicht den Profis überlassen hat. Denn dafür sind die 1,8 Billionen US-Dollar für die weltweiten Militärausgaben das beste Beispiel. Für diese Erfolgsmeldung haben die Profis gesorgt.

Kaffee

Ich kann noch nicht einmal sagen, wie lange es inzwischen her ist, dass ich mir die Kuchen, Katzen und Landschaftsbilder auf Facebook jetzt schon nicht mehr angesehen haben. Meinen Account gibt es noch. Aber ich schaue nicht mehr hin. Und bin dann immer ganz verwundert, wenn mir jemand sagt, dass auf Facebook irgendjemand etwas für mich gepostet, mir geschrieben hat. Einen Link geschickt hat. Weil ich inzwischen lieber mit Menschen kommuniziere, die ich persönlich kenne. Und die wissen, wie sie mich erreichen. Wenn sie mich erreichen wollen. Ich habe gelernt, dass auf Facebook keine Freundschaften entstehen. Die entstehen woanders. Zum Beispiel wenn man sich in einem Café gegenübersitzt. Ich trinke wieder mehr Kaffee.

Schlagerparade

Das war einfach zu viel auf einmal. Gestern die Berichterstattung über den Parteitag der FDP. Heute dann noch die Auftakt-Party von CDU/CSU für den Endspurt in Sachen Europawahl. Oder habe ich etwas falsch verstanden? Jedenfalls hatte ich vorher leider noch ein Stück der Thomas-Gottschalk-Schlager-Gedächtnis-Sendung sehen müssen. Und hätte mich dann überhaupt nicht gewundert, wenn plötzlich Markus Söder oder AKK gesungen hätten. Der Übergang war fließend.

Und entsprach damit meinem Eindruck, dass es kaum noch einen Unterschied gibt zwischen der medialen Unterhaltungsbranche und der Politik. Parteivorsitzende singen, spielen Comedian, treten mit Quietschenten auf. Zum Glück ist es jetzt wenigstens mal von einer Wahlkommission bestätigt worden, dass eine Präsidentschaft und eine Reality-Soap nahtlos ineinander übergehen können. Vermutet hat man es schon lange. Jetzt ist es amtlich.

Zum Glück hatte ich gestern eine Wette verloren, weshalb ich heute auch noch eine Musiksendung im MDR anschauen musste. Das hat mir die  Augen geöffnet. Nach einer Viertelstunde hatte ich verstanden, warum das alles so ist. Und ich vermute, dass es jetzt auch in Spanien solche Musik-Sendungen gibt. Weshalb bei denen jetzt nach langen Jahren der Normalität ebenfalls eine Partei wie Vox auf dem Vormarsch ist. Mit Rechts und Liedgut in der Landessprache marschiert es sich eben momentan einfach am besten.  

Gebote und Glaube

Da habe ich wohl wieder einmal etwas verschlafen. Dass nämlich die katholische Kirche die zehn Gebote um eines reduziert hat. Zumindest für einige Würdenträger hierzulande. Es geht um das Gebot, nicht falsch gegen seinen Nächsten auszusagen. Und um den sogenannten Missbrauch durch kirchliche Würdenträger. Den man auch Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen nennen kann. Wofür der Großteil der Täter nicht belangt wurde. Da war es immerhin ein Hoffnungsschimmer, dass Aufklärung versprochen wurde. Sogar ein Kriminologisches Institut beauftragt wurde, den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche zu untersuchen.

Was dem Institut nicht so richtig gelang. Weil hohe Kirchenvertreter immer wieder bremsten, versuchten massiv Einfluss darauf zu nehmen, was letztendlich überhaupt an die Öffentlichkeit kommen darf. Laut Zeugen mit Drohungen. Geld. Der Vernichtung von Beweismaterial. Es scheint also immer noch nicht üblich zu sein in dieser Kirche, sich an das zu halten, was man predigt. Ich werde aufmerksam verfolgen, welches Gebot als nächstes abgeschafft wird. Ich habe da schon was ganz bestimmtes im Auge.

Finstere Zeit

Ich frage mich nicht zum ersten Mal, ob es nicht einfach daran liegt, dass es de Möglichkeit gibt. Hat vor dem globalen Mitteilungsblatt, das sich Internet nennt, sich jemand über jemanden entrüstet, so war er zumindest gezwungen, wenn er dies einer oder einem Dritten mitteilen wollte, zu Papier und Kugelschreiber zu greifen, einen Brief abzuschicken. Wenn überhaupt eine Adresse da war, an die man diesen Brief schicken konnte.

Heute tunkt man sein labbriges Hörnchen, das großspurig als Croissant verkauft wird, in den Kaffee und verbreitet mit der anderen Hand, was man denn zu nörgeln hat. Es gibt ja zwei, drei Adressen, die genügen, um auch noch den letzten Mist in die Welt hinaus zu schreien. Und natürlich auch, wenn ein schwarzes Loch der Auslöser für die Erregung ist. Korrekter gesagt: Die Fotografie eines schwarzen Loches.

Um es ganz genau zu sagen: Die Fotografie einer Frau, die an der Fotografie eines schwarzen Loches beteiligt war. Und ich hätte nie gedacht,  dass es daran etwas auszusetzen gegeben hätte. Gab es aber. Weil ein Wissenschaftlerteam mit 200 Mitgliedern und einem gigantischen Aufwand rund um den Globus es zustande bekommen hatte, die Fotografie vom schwarzen Loch zu machen. In den Medien aber vor allem das Foto der Forscherin Katie Bouman zu sehen war. Weil nun mal Wissenschaftlerinnen mitunter etwas ansehnlicher sind als zauselige Wissenschaftler.

Hat aber kaum jemand interessiert. Frau Katie Bouman wurde zum globalen Buhmann. Es wurde ihr von vermutlich kleinschwänzigen Hirnträgern unterstellt, dass sie überhaupt nicht die Fähigkeit hätte, an so einem Foto mitzuknipsen. Man erstellte Fake-Profile von ihr und versuchte ihren Wikipedia-Eintrag sperren zu lassen. Es war ein Shitstorm, als hätte Kim Kardashian endlich zugegeben, dass sie lieber ein Mann wäre.

Wohingegen Katie Bouman erwiesenermaßen nicht darum gebeten hatte, dass ihr Konterfei im Zusammenhang mit der Fotografie vom schwarzen Loch in den Medien verwendet wird. Weshalb ich jetzt zwar immer noch nicht weiß, woran es liegt, dass aus jeder Mücke zweihundert Elefanten gemacht werden. Aber zumindest wüsste ich einen guten Verwendungszweck für das schwarze Loch.

Alterserscheinungen

Der Mann war einmal Chefredakteur des „Spiegel“. Gut, er hatte auch Pferde, die er vor einer Windkraftanlage schützen wollte. Was misslang. Weshalb er dann gerne gegen Windkraft schrieb. Und zugegeben, als der Spiegel sich von ihm trennte, war er dann schon nicht mehr der Jüngste. Und jetzt hat er ein Alter erreicht, das man das, was er tut, mit einer gewissen Milde sehen könnte. Wenn er jetzt nicht noch einen „Essay“ geschrieben hätte, in der „Welt am Sonntag“. Und was er da vom Stapel lässt, das sich nicht mehr mit dem Alter erklären.

Es geht ihm um seine Sicht der Dinge auf Klimawandel – und um die „Vertreter des Guten auf dieser Welt und die Vertretung der Guten. Womit er auch die Partei Die Grünen meint. Und natürlich die 16-jährige Greta, die gegen den Weltuntergang die Schule schwänzt. Und markante Zöpfe trägt, „die bisher eher als Zeichen einer völkischen Familie galten“. Spätestens an dieser Stelle hat AfD-Grande Gauland sicher gewiehert vor Freude.

Und wen das noch nicht überzeugt hat, für den tritt dieser Stefan Aust den wissenschaftlichen Beweis an: Dass nämlich die Wikinger wegen einer Wärmeperiode nach Grönland gereist wären. Obwohl es damals ja noch keine Industrienationen und deshalb keinen CO²-Ausstoß gegeben hätte. Da hat dann Donald Trump spontan applaudiert. Stefan Aust hat klar erkannt: „Gretas ansteckende Panik wird unser Problem. Kann man nur hoffen, dass Stefans wohl altersbedingte Verwirrung nicht auch noch ansteckend ist.

Konsumgüter

Vielleicht werde ich auswandern, in die Mongolei. Habe nämlich neulich bei einem Umzug geholfen. War zwar nur ein Zimmer in einer WG. Hat aber gereicht, dass ein sechsköpfiges Team über Stunden beschäftigt war. Es ist ganz erstaunlich, was man auf 15 Quadratmetern so alles stapeln kann. Um im Dschungel der westlichen Konsumwelt überleben zu können.

Und dann habe ich heute eine Fotografie gesehen, da hatte ein Paar alles aus ihrem Zelt, das mitten in der mongolischen Wüste steht, davor aufgereiht. Das höchstwahrscheinlich sogar mehr als 15 Quadratmeter hatte. Was war das so herrlich überschaubar, was da vor dem Zelt stand. Mit den zwei Hunden mittendrin. Und dabei sah das Paar ganz zufrieden aus.

Feiertage

Ich habe volles Verständnis mit den Leuten, die einfach nicht so genau wissen, ob jetzt Ostern ist, weil Jesus gestorben ist. Oder weil er geboren wurde. Man kann das inzwischen ja wirklich leicht verwechseln. Also bei den Geschenken für die lieben Kleinen kann man ja die beiden Feste kaum noch auseinanderhalten. Und egal, ob es jetzt Weihnachten ist oder Ostern, man fährt weg. Und wenn es irgendwie möglich ist in den Süden. Oder nach Dubai.

Und auch was Vorbereitungen für das Essen betrifft im Extremfall, dass man zu Hause bleibt, da gibt es ja nun wirklich keine so elementaren Unterschiede. Und mehr und mehr muss man auch feststellen, dass es auch keinen Sinn macht, sich am Wetter zu orientieren. Bezüglich der Temperaturen gibt es eigentlich kaum noch Unterschiede.

Aber einen Punkt habe ich jetzt gefunden, daran kann man eindeutig fest machen, ob es Ostern ist oder Weihnachten. Wenn die Bundesliga in die Winterpause geht, dann ist Weihnachten. An Ostern beginnen die letzten Bundesligaspiele der Saison.

Madeira

Es ist furchtbar, dieses Busunglück. Auf Madeira. Da wollten Menschen ein paar schöne Tage oder Wochen erleben. Und jetzt sind sie tot. Kein Wunder, dass man den Hinterbliebenen gegenüber Anteilnahme zeigt. Wie umgehend von Regierungsseite aus Berlin zu hören war, hat sich Bundesaußenminister Heiko Maas ohne nachzudenken entschlossen, nach Madeira zu reisen. Ihn sollten demnach Psychologen, Ärzte und Sanitäter begleiten, auch der Einsatz eines MedEvac-Airbus der Luftwaffe sei in Erwägung gezogen. Als schnelle Hilfe für verletzten Deutschen.

Der MedEvac ist nämlich eine fliegende Intensivstation. Und das wirft Fragen auf. Denn wenn es um die Gesundheit der Verletzten geht, warum fliegt da nicht Gesundheitsminister Jens Spahn. Oder: ob es denn keine Krankenhäuser und Ärzte auf Madeira gibt? Ganz zu schweigen von der Frage, ob dieser Airbus in einem ähnlich schlechten Zustand ist wie zum Beispiel die Regierungsflugzeuge. Und last but not least: Sind denn schon wieder Bundestagswahlen?

Gute Ideen

Ist irgendwie gruselig. Da hat man mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz versucht, „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität“ zu verhindern. Eine richtig gute Idee. Die aber einige Menschen auf die Idee gebracht hat, sich zum Beispiel bei Arbeitgebern zu bewerben. Was ja auch eine gute Idee wäre. Wenn die Bewerbungen nur nicht rein darauf abzielen würden, nicht genommen zu werden. Um dann vor den Kadi zu ziehen, weil man nicht genommen worden ist. Ein guter Grund findet sich dann schon.

Jetzt ist das Bundesverfassungsgericht gerade mit der Frage beschäftigt, ob der Paragraph 217, der die „geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“ verbietet, mit dem Grundgesetz und dem Recht auf Selbstbestimmung vereinbar ist. Und weil geschäftsmäßig „auf Wiederholung angelegt“ bedeutet, fürchten auch Palliativmediziner und sonstige Ärzte, bei entsprechenden Hilfeleistungen belangt zu werden. Und klagen auch dagegen. Eine gute Idee. Weil sich so Menschen, deren Leben nur noch eine Qual ist, Medizinern anvertrauen könnten. Und nicht Geschäftemachern in die Hände fallen, die sich jetzt schon in Stellung bringen. Für den Fall, dass das Gesetz gekippt wird. Und richtig Geld mit Sterbehilfe verdient werden kann. Wie sagte der österreichische Kabarettist Helmut Qualtinger so treffend: „Der Mensch is a Sau!“