Archiv für den Monat März 2020

Es wird aufgerüstet

Das macht doch viel mehr Sinn als Klopapier. In den USA haben viele Menschen Waffen und Munition gehamstert. Mit gutem Grund, wie von einem der Käufer in einer langen Schlange vor einem Waffengeschäft erklärt wurde. Er sagte: „Es geht eigentlich nur darum, dass die Regierung und die Polizei nicht in der Lage sein werden, uns zu schützen, wenn die Dinge in den nächsten Wochen bis Monaten schlecht laufen und die Menschen in Panik geraten und randalieren und plündern.“ Und wer hat schon mal gehört, dass ein Randalierer oder Plünderer mit einer Rolle Toilettenpapier niedergestreckt worden wäre. Noch nicht einmal, wenn es sich um Recyclingpapier handelt.

Laut der NSSF, der Handelsvereinigung der Schusswaffenindustrie in den USA hat sich der Umsatz des Waffengeschäftes alleine in der Zeit von Ende Februar bis Mitte März vervierfacht. Kein Wunder also, dass jetzt die NRA, die Waffenlobbyorganisation, gegen die auch Barack Obama nichts ausrichten konnte, während Trump von ihr unterstützt wird, Klage eingereicht hat. Weil in Kalifornien durch den Gouverneur Gavin Newsom im Rahmen der Maßnahmen gegen Corona nämlich die Waffengeschäfte geschlossen wurden.

Argument der NRA: Waffengeschäfte sind lebenswichtig! Und außerdem verstoße ihre Schließung gegen Verfassungsrecht. Denn man könne keine Waffen, wenn man sie nicht kaufen kann. Ersteres aber von der Verfassung garantiert werde. Weshalb Waffengeschäfte zu den „lebensnotwendigen“ Geschäften gehörten. Ob die Klage Erfolg haben wird, ist noch nicht bekannt, aber immerhin soll bereits ein Texaner ein Coronavirus mit einer Pumpgun eliminiert haben. Seine Frau soll dabei allerdings auch ums Leben gekommen sein.

Kurzzeitiges Rampenlicht

Sie mussten hart und viel arbeiten. Waren schlecht bezahlt. Wurden halt ausgebeutet. Jetzt sind sie Helden. Es  werden stellvertretend für alle Einzelne von ihnen zur besten Prime-Time im Fernsehen oder im Rundfunk präsentiert. Die Bundeskanzlerin dankt ihnen persönlich in Fernsehansprachen. Die Konzerne, die diese Helden ausbeuten, schalten Rundfunkspots. In denen sie sich bei den Helden bedanken.

 

Und wenn dann wieder die sogenannte Normalität zurückgekommen ist, müssen sie wieder hart und viel arbeiten. Werden sie schlecht bezahlt. Sie werden halt wieder ausgebeutet. Denn das ist unsere Normalität: Dass dank einer Pandemie der Unternehmer, Präsident, Chairman und CEO eines Onlineversandhandels in zehn Tagen 10 Milliarden Euro reicher wird, der Aktienwert seiner Firma um 100 Milliarden Euro zulegt.

Strategiewechsel

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Weißrusslands Präsident Lukaschenka lässt in seinem Land nicht nur Fußball spielen, er hat auch die ultimative Idee, wie wir alle in der gegenwärtigen Situation reagieren sollten. Er sagt:

„Es ist besser stehend als auf Knien zu sterben.“

Gemeinsam sind wir stark

Die Idee ist gut. Wenn jetzt jemand seinen Job verloren hat, die oder der zum Beispiel in einem Lokal gearbeitet hat. Natürlich keine Festanstellung. Sondern auf eigenes Risiko. Und nun natürlich seine Miete nicht zahlen kann. Bis wir wieder alle auf die Straße dürfen, und die Lokale wieder aufmachen. Dann darf sie oder er nicht gleich auf die Straße gesetzt werden, wenn er oder sie die Miete nicht mehr zahlen kann.

 

Da fühlen sich jetzt natürlich auch Unternehmen angesprochen, die beispielsweise im vergangenen Jahr 2 respektive fast 1,3 Milliarden Euro Gewinn gemacht haben. Wie Adidas oder H&M. Ein anderer Kandidat, Deichmann, sagt nicht, wie hoch der Gewinn ist, hat aber 2,3 Milliarden Euro Umsatz gemacht.

 

Sie haben also allen Grund, um auch das Corona-Hilfsgesetz in Anspruch zu nehmen und ebenfalls für ihre Geschäfte keine Miete mehr zu zahlen. Wie sie angekündigt haben. Ich habe allerdings keine Ahnung, was das mit der einstigen Fernsehsendung mit Hans-Joachim Kulenkampff zu tun haben kann. Die ist mir sofort eingefallen. Die Sendung hieß „EWG“: Einer wird gewinnen. Ist ja völlig idiotisch. Schließlich sind das doch mindestens drei Unternehmen.

Infektion

Für den heutigen Tag wird von einer durchaus zuverlässigen Quelle berichtet, dass in Deutschland knapp 44.000 Menschen infiziert wären. Und ich habe die Befürchtung, dass diese Zahl nicht stimmen kann.

Wenn ich mir anschaue, dass auf allen TV- und Rundfunkkanälen, in den Print- und Online-Medien und ganz zu schweigen von den angeblich sozialen Portalen gefühlt im Sekundentakt darüber berichtet wird, dann darf man wohl eher davon ausgehen, dass hierzulande 95 bis 99 Prozent der Menschen zumindest geistig infiziert sind.

Doch während wir sehr genau wissen, welches die gesundheitlichen Folgen einer körperlichen Infektion sind, kann sich offensichtlich noch niemand vorstellen, wie die psychischen Folgen aussehen könnten. Gedanken kann man schließlich nicht mit Seife waschen.

Der kleine Unterschied

Laut Angaben der einzelnen Länder sind weltweit jedes Jahr etwa 630.000 Verkehrstote zu beklagen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass diese Zahl aus politischen Gründen teilweise viel zu niedrig angesetzt ist, sie geht von circa 1.322.000 Menschen aus, die im Straßenverkehr ihr Leben verlieren. Die gleiche Organisation stellte fest, dass alljährlich annähernd 435.000 Menschen auf unserem Planeten an Malaria sterben. Mehr als 90 Prozent davon in Afrika. Hungertote sind pro Jahr ungefähr 8.760.000 zu beklagen, an den Folgen des Alkohols sterben im gleichen Zeitraum 3 Millionen Menschen.

Es ist nicht bekannt, dass deswegen Schulen und Universitäten, Geschäfte und Betriebe geschlossen wurden. Auch wurden von den Regierungen keine milliardenschwere Hilfsprogramme gegen Malaria oder Alkoholismus aufgelegt. Was macht also den Unterschied? Dass das Coronavirus höchstwahrscheinlich zwar nur einen Bruchteil dieser Zahlen an Opfern fordern wird; aber dem Wirtschaftssystem, landläufig als Kapitalismus bezeichnet, schweren Schaden zufügen könnte?

 

Die Lese-Empfehlung des Tages:

Vernunft, Verzicht und Ellbogen

Die Corona-Krise verändert unsere Gesellschaft. Klima, Wissenschaft, Onlinehandel und Internetkonzerne gewinnen, aber das menschliche Miteinander ist in Gefahr.

Von Gesa Lindemann

 

https://www.zeit.de/kultur/2020-03/coronavirus-folgen-gewinner-klima-amazon-verlierer-demokratie

 

 

Leere Stadien

Als jetzt an den Börsen Verluste eingefahren wurden, die teilweise selbst jene der Finanzkrise von 2008 übertrafen, war man geneigt zu sagen, dass es jetzt wohl nicht mehr schlimmer kommen kann. Ein Irrtum, wie wir inzwischen wissen. Nachdem nun nämlich beschlossen wurde, Fußball-Bundesligaspiele vor leeren Rängen stattfinden zu lassen. Denn im Durchschnitt verzeichnen die Fußballstadion der Bundesligavereine an jedem Spieltag 729.000 Besucher. Dreiviertel davon Männer. Vorsichtig geschätzt. Dass sind 546.750 Männer, die für Stunden nicht wissen, wo sie hingehen könnten. Die also im ungünstigsten Falle zu Hause bleiben, um wenigstens über die Medien die Spiele zu verfolgen. Denn schließlich sind in diesen Zeiten von Corona auch größere Zusammenrottungen in Kneipen und ähnlichen Etablissements eher unerwünscht.
Kurzum, es ist eine Situation eingetreten, die Beziehungen schweren Belastungsproben unterwerfen werden. Die ein Wochenende für alle Beteiligten zur Hölle werden lassen können. Denn nicht nur die betroffenen Männer sind so einem extremen Stress ausgesetzt, auch für Frauen und Kinder bergen diese Wochenenden das Risiko schwerer Traumatisierungen. Sie stehen aus dem Nichts heraus vor der Herausforderung, ohne die ansonsten durch die Fußballspiele gewährleisteten familiären Ruhephasen auskommen zu müssen. Ist es jetzt doch zu spät, um alle Betroffenen sukzessive und therapeutisch begleitet an diese elementare Veränderung heranzuführen. Corona ist so nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Beziehungen zur tödlichen Gefahr geworden.