Archiv des Autors: peterklaertdiewelt

Mensch und Demokratie

Soll einer mal behaupten, Menschen würden sich nicht weiterentwickeln. Da muss man sich doch nur einen Trend in der Politik anschauen, der sich ganz offensichtlich mehr und mehr stabilisiert. Und beweist, dass Demokratie eigentlich ganz einfach ist. Man braucht nur einen Milliardär, der möglichst gerade ein Verfahren am Hals hat, wegen Bestechung oder irgendeiner anderen kleinen Schweinerei, was ihn als ausgebufften Geschäftsmann ausweist. Der muss den Leuten dann nur noch das erzählen, was viele hören wollen, auch wenn er selber nicht vorhat, sich nach der Wahl daran zu halten.

Und schon hat man einen Regierungschef, der sich der Vorteile der Demokratie oder einer EU zu bedienen weiß, ohne deshalb aber die Prinzipien wirtschaftlichen Denkens aufzugeben. Sich also weiterhin vor allem in die eigene Tasche arbeitet. Basierend auf dieser Entwicklung und ihres Erfolges wäre es vielleicht angebracht darauf adäquat zu reagieren. Und in Zukunft auf Wahlzetteln keine Partei mehr sondern nur noch das Vermögen der Kandidaten anzugeben.  

Advertisements

Insektensterben

Laut einer Untersuchung, basierend auf Zahlen aus Deutschland, gibt es aktuell etwa zwei Drittel weniger Fluginsekte als noch vor drei Jahrzehnten. Vermutliche Ursachen: Intensive landwirtschaftliche Nutzung, Pestizide, andere Schadstoffe. Und mit unabsehbaren Folgen. In einer anderen Untersuchung wurde außerdem festgestellt, dass weltweit nun mehr Menschen vorzeitig an den Folgen von Umweltverschmutzung und Giften in der Umwelt sterben als durch AIDS, Tuberkulose oder Malaria. Oder durch Kriege und Gewalt. Ob dies allerdings auch für die USA zutrifft, oder ob hier eher Waffengebrauch die häufigste Ursache für einen vorzeitigen Tod ist, wurde noch nicht untersucht.

Kniefälle und die Folgen

Anfang Dezember sind es 47 Jahre, dass der damalige Bundeskanzler Willy Brandt in Warschau am Ehrenmal der Helden des Ghettos einen Kranz niederlegt. Dann aber nicht im Stehen verharrte, sondern auf die Knie sank. Daraufhin schrieb der Kolumnist Hermann Schreiber im „Spiegel“, Brandt habe sich damit zu einer Schuld bekannt, an der er selber nicht zu tragen habe, und bitte um eine Vergebung, derer er selber nicht bedürfe. Brandt bekam im Jahr darauf den Friedensnobelpreis.

Der Quarterbeck Colin Kaepernick der Football-Mannschaft San Francisco 49er ging vor einem Jahr ebenfalls in die Knie, als wie üblich im Stadion vor dem Spiel die amerikanische Nationalhymne ertönte. Er allerdings um auf die Schuld hinzuweisen, die wieder einmal weiße Polizisten auf sich geladen hatten, als sie Schwarze erschossen. Sein Vorbild dafür war natürlich der schwarze Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King, der 1968 von einem weißen Rassisten erschossen wurde.

Kaepernicks Beispiel hat Schule gemacht, inzwischen gehen sogar Fußballspieler in Deutschland auf die Knie, um gegen den Rassismus in den USA zu protestieren. Und es zeigte auch Wirkung bei US-Präsident Trump. Er fragte sein Publikum bei einer Versammlung: „Würdet ihr nicht gern sehen, dass der Eigner einer NFL-Mannschaft sagt, wenn jemand unsere Flagge verachtet: Nehmt den Hurensohn aus dem Spiel! Sofort! Er ist gefeuert!“ Wie allgemein bekannt sein dürfte, hat Kaepernick noch nicht den Friedensnobelpreis bekommen, er wurde entlassen. Einen neuen Verein hat er bisher noch nicht gefunden. 

 

Weite Wege

Ein Weinkenner bin ich ja nun wirklich nicht. Aber ich habe die Grundschule besucht, infolgedessen rudimentäre Grundkenntnisse in den vier Grundrechnungsarten. Und deshalb leise Zweifel. Denn wenn ich die Seiten der wöchentlich erscheinenden Prospekte von Discountern nach Knallern der Woche durchforste, stoße ich inzwischen auf manch edlen Tropfen aus Südafrika. Und das auch noch zu einem erstaunlich günstigen Preis, der die Frage aufwirft, ob man für das Geld denn überhaupt einen edlen Tropfen in die Flasche bekommt.

Noch nicht einmal drei Euro kostet so eine Flasche nämlich zumeist. Was vielleicht daran liegt, dass der Wein erst hierzulande in selbige kommt, weil der Transport in Flaschen noch teurer käme und die Winzer in Südafrika noch weniger für ihren Wein bekommen könnten. Und außerdem kann man so aus verschiedenen Metallcontainern von verschiedenen Winzern eine herrliche Cuvée zusammenstellen und verhindern, dass sich einzelne Winzer in Südafrika einen eigenen Namen machen und deshalb noch mehr Geld verlangen.

Doch so bezahlen Weinkenner hierzulande eben nicht fünf Euro oder mehr für einen Wein, der aus einer Region in erreichbarer Nähe und von einem Winzer kommt, sondern sehr viel weniger für einen Wein, der aus Südafrika kommt. Aber vielleicht kann der Wein aus Südafrika auch deshalb so preiswert und trotzdem so gut sein, weil er ohne die Wahrheit auskommt, die ja bekanntlich ansonsten im Wein liegt. Doch wie gesagt, ich bin kein Weinkenner.

Reisepläne

Man lernt nicht aus. Und ganz besonders nicht, wenn man ein so schlichtes Gemüt wie ich hat. Habe ich doch immer geglaubt, dass ein Geschäft so abläuft, dass jemand etwas kaufen möchte und deshalb den Kaufpreis entrichtet, um das Objekt der Begierde in seinen Besitz zu bekommen. In bestimmten Fällen vielleicht mit einer kleinen Preisreduktion bei sofortiger Bezahlung. Was sich dann nach meinen Informationen „Skonto“ nennt. Mitnichten.

Zumindest was den Verkauf von Kriegswaffen betrifft. Hier kann es ganz offensichtlich und in einem ganz bestimmten Fall vorkommen, dass über Skonto gar nicht geredet wird. Weil nämlich die Bundesregierung sowieso einen Teil des Kaufpreises erstattet. Konkretes Beispiel: Dieses ganz bestimmte Land kauft vier Korvetten für 430 Millionen Euro. Und die Bundesrepublik Deutschland übernimmt doch glatt und freundlicherweise davon sage und schreibe 115 Millionen Euro.

Wenn sich mein Taschenrechner nicht täuscht, ist das auf jeden Fall doch ein bisschen mehr als 2 Prozent Skonto. Dafür aber amtlich. Ich habe jetzt an die Bundesregierung geschrieben, ob es denn nicht möglich sei, bei mir genauso zu verfahren. Ich muss mir nämlich unbedingt ein anderes Auto kaufen, damit ich noch einmal nach Stuttgart fahren kann, um eine Bekannte zu besuchen. Übrigens eine Überlebende des Holocaust und verständlicherweise nicht mehr die Jüngste.

Kleine Welt

Ob das irgendeine Bedeutung hat? Und wenn ja, welche? Unsere Autos werden immer größer. Die Egos auch. Ganz zu schweigen von unseren Fernsehgeräten. Die zumeist nur noch in Altersheimen und verwandten Einrichtungen so genannt werden. Doch gleichzeitig ist in einem anderen Bereich die Welt klein geworden. Im günstigsten Falle und in der Diagonale 5,8″ groß. Zumindest für Besitzer eines iPhone X.

Gut, man kann Details zoomen, bis einem die Pixel Tränen in die Augen treibt. Aber dann hat man eben nur wieder ein Detail vergrößert. Das Bild an sich bleibt klein. Korrekter gesagt, das Foto, das man gemacht hat. Um einen Moment festzuhalten. Ein Gesicht. Eine Landschaft. Oder, was man gegessen hat.

Aber dafür hat man tausende von Fotos. Die man ganz schnell scrollen kann. Um dann doch nicht das ultimative Foto vorzeigen zu können. Es scheint nicht mehr auffindbar zu sein. Ich vermute, weil es so klein ist. Und manchmal kommt es mir so vor, dass diese Fotos auch nicht mehr so wichtig sind. Versehentlich gelöscht?  Alles mit dem Smartphone zum Teufel oder auch nur zu einem Taschendieb (über-)gegangen? Fängt man einfach das Sammeln wieder an.

Es kommt mir ein bisschen so vor, als sei es letztendlich gar nicht einmal beabsichtigt, dass diese Fotos und die Momente oder Dinge, die sie dokumentieren, erhalten bleiben. Als seien diese Fotos auf den Smartphones vor allem eine momentane Selbstvergewisserung. Für das, was gerade stattgefunden hat, gesehen wurde. Und dann geht es das Leben einfach mit einem Klick weiter.

 

Entsetzen in Hollywood

frühzeitige

Der 54-köpfige Vorstand der Oscar-Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat den Produzenten Harvey Weinstein rausgeschmissen. Schon vorher war er vom Filmstudio TWC, das er mit seinem Bruder Bob gegründet hat, entlassen worden; der britische Filmverband BAFTA hat seine Mitgliedschaft ausgesetzt; Cannes zeigt sich ebenso bestürzt wie die Schauspielerinnen und Schauspieler Meryl Streep, Ryan Gosling, Tom Hanks und Leonardo DiCaprio und der Regisseur und Oscar-Preisträger Michael Moore.

Auslöser dafür sind bekanntermaßen Vorwürfe der Schauspielerinnen Ashley Judd, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Heather Graham, Kate Beckinsale, Cara Delevingne und Léa Seydoux, Weinstein habe sie sexuell belästigt. Die Schauspielerin Rose McGowan beschuldigte Weinstein der Vergewaltigung. Dessen Reaktion nach einem entsprechenden Artikel der New York Times: „Ich weiß, dass mein Verhalten gegenüber Kollegen viel Schmerz verursacht hat. Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo die Regeln am Arbeitsplatz und die Kultur anders war…“ Vielleicht etwas übertrieben in einem Land, in dem der aktuelle Präsident behauptet, dass er jede „Pussy“ angrabschen dürfe.

Was allerdings noch mehr überrascht, das ist ein Statement der Oscar-Akademie, wonach man eine Botschaft sende wolle, „dass die Ära von vorsätzlicher Ignoranz und schmählicher Mitschuld bei sexuell rücksichtslosem Verhalten und Belästigungen am Arbeitsplatz in unserer Branche vorbei ist“. Das verwundert vor allem, weil es die Vorwürfe schon seit langem gab. Weshalb der Rauswurf Weinsteins aus der eigenen Firma wohl vor allem der Erkenntnis geschuldet war, dass nach dem Artikel der New York Times ein Image-Schaden für die Firma abgefedert werden musste.

Fakt dürfte sein, dass sich auch nach dem Rauswurf Harvey Weinsteins aus Akademie und Firma Schauspielerinnen immer wieder auf einer „Besetzungs-Couch“ in Rückenlage wiederfinden werden – wenn nicht sogar auf den Knien vor dem Sessel eines Produzenten. Denn ein Harvey bedeutet noch nicht das Ende des Frauenbildes, das der Großteil der männlichen Spezies hat. Wonach Frauen vor allem verfügbar zu sein haben, ihr „Nein“ durchaus auch „Ja“ bedeuten kann. Und außerdem und trotz 21. Jahrhunderts und Charta der Menschenrechte immer noch das Recht des Stärkeren gilt. Ob frühzeitige Kastrationen daran nachhaltig etwas ändern könnten, ist wissenschaftlich nicht belegt.