Archiv des Autors: peterklaertdiewelt

Endzeitstimmung

Was macht man, wenn man gerade nicht das Geld hat für eine kleine Yacht? Oder wenigstens ein Segelboot. Noch nicht einmal für ein E-Bike in Leichtbauweise. Es wird immer schwieriger, für einen geliebten Menschen ein Geschenk zu finden. Wenn man nicht das nötige Kleingeld hat. Denn sie haben einfach schon alles: Smartphone, Alexa, LCD-Großbildschirm, Thermomix, und, und, und. Und sogar die Liebe bekommen sie schon seitenweise über Tinder geliefert.

Könnte man vielleicht wenigstens mit einem Einzelstück punkten, darf es natürlich nicht etwas selbst gebasteltes sein. Dann muss es unbedingt aus einer Manufaktur kommen. Was dann auch schnell unerschwinglich ist. Deshalb bin ich für Gift-Sharing. Klingt gut, und würde bedeuten, dass man sich die Geschenke mit jemandem teilt. Wäre nur noch zu regeln, wer wann was bekommt. Ist aber auch kein allzu großes Problem. Nachdem immer mehr Menschen an Weihnachten Urlaub in Dubai oder sonst wo machen.

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Politik heute

So geht Politik. Da demonstrieren zum Beispiel Menschen in gelben Westen, weil ihnen so langsam das Benzin zu teuer wird. Kann man verstehen. Nicht ganz so verständlich, dass es dabei zu Attacken auf Geschäfte oder Monumente und gegen Polizisten kommt. Doch jetzt, nachdem der Mob organisiert in französischen Städten tobt, lichtet sich langsam der Nebel. Denn inzwischen geht es auch um den Migrationspakt der UN, also gegen Flüchtlinge, einen Verlust der eigenen Kultur.

Und das insbesondere und befeuert in den sogenannten sozialen Medien, dem Lieblings-Medium aller Nationalisten und Rassisten. Sehr verständlich, dass sich Marine Le Pen, Chefin des einstigen Front National, wieder einmal die Hände reibt. Sie liebt die sozialen Medien und lässt sie je nach Bedarf bespielen. Sie und andere aus dem rechten Spektrum haben begriffen, wie man heutzutage Politik macht.

Hoffnung

Ich gebe ja zu, dass ich manchmal durchaus etwas zur Verzweiflung neige. Ist ja auch nicht wirklich verwunderlich. Die Meeresspiegel steigen, die CDU hat schon wieder eine Parteivorsitzende, Trump lässt eine Chinesin verhaften. Weshalb die Märkte natürlich verhalten und der Dax mit leichtem Absturz reagieren. Es gibt so viel, weshalb man an der Menschheit verzweifeln könnte. Doch heute habe ich endlich wieder einmal Zuversicht geschöpft.

Wie jeder anständige Mensch, der weiß, dass das Weihnachtsgeschäft nicht nur für den Groß- und Einzelhandel, sondern für die ganze Gesellschaft von aller größter Bedeutung ist, war ich natürlich beim Shoppen. Und unter anderem in einem Supermarkt. Und als ich dort erleben respektive sehen durfte, dass es jetzt auch Adventskalender für Hunde gibt, da war ich mir ganz sicher, dass es gar nicht so schlimm steht mit der Menschheit.

Verpasste Chance

Endlich hatte ich wieder einmal das Gefühl, dass ich für die Zukunft planen kann. Habe mir als erstes zum Schnäppchen-Preis einen 56-Zoll Fernseher geholt. Schließlich haben die Augen in letzter Zeit doch etwas nachgelassen. Und dann habe ich auch noch gleich was für die Umwelt getan. Nämlich eine Seereise gebucht. Denn Fliegen ist ja so schädlich fürs Klima. Und außerdem den alten Diesel gegen ein neues Auto eingetauscht. Also fast. Jedenfalls habe ich eine Umtauschprämie bekommen und habe jetzt auch Sitzheizung in dem SUV.

Und jetzt haben sie die Annegret Kramp-Karrenbauer zur Vorsitzenden der CDU gewählt. Und ich weiß absolut nicht, wie ich das jetzt alles bezahlen soll. Ich hatte doch so auf Friedrich Merz gebaut. Der hat doch versprochen, dass wir alle mit Aktien reich werden, wenn er Vorsitzender ist. Dass selbst wir Alten so noch der Altersarmut entkommen und den Lebensabend retten können. Und jetzt haben das 517 Delegierte auf dem CDU-Parteitag versaut. Wenigstens habe ich eine Reiserücktritts-Versicherung. Und Schuld ist wahrscheinlich diese #metoo-Debatte. 

Diaspora

Es ist wieder einmal ein Experiment. Die Welt schaut voller Spannung. Aber ich frage mich bang, wohin sie denn gerade blickt. Kein Radio verfügbar, kein Fernsehgerät in Reichweite. Und ja, noch nicht einmal irgendeine noch so marginale Verbindung mit dem Internet. Und wie kommt denn da der oder das Blog ins Netz? Fragt vielleicht die Eine oder der Andere. Ganz einfach, lautet die Antwort, Telefon gibt es, also konnte der Text telefonisch weitergegeben werden. Wurde sozusagen in die Sprechmuschel diktiert. Und freundlicherweise sodann auf Computer und die Web-Seite übertragen.
Man braucht also auch dazu gar kein Modem, solange es wenigstens ein Telefon, schnurgebunden, und einen entgegenkommenden Menschen gibt. Und was jetzt so banal daherkommt, ist dann auch ein Plädoyer für den Menschen. Noch ist er manchmal unverzichtbar. Und das hat zumindest für mich etwas beruhigendes. Und geradezu beunruhigend ist es, wie beruhigend es sein kann, nicht zu wissen, was gerade wieder auf der Welt passiert oder eben leider nicht. Wenn ich jetzt noch den Kopf heben müsste, um aufs Meer zu schauen, wäre das geradezu paradiesisch. Aber Bäume sind ja auch was schönes.

Gipfeltreffen

Politik scheint schon seit einiger Zeit wie Bergsteigen zu sein. Das betrifft aktuell zum Beispiel den G-20-Gipfel, den Umwelt-Gipfel in Katowice oder den gefühlt hundertsten Diesel-Gipfel in Berlin. Erstens einmal macht sie offensichtlich süchtig, die Gipfelstürmerei.

Denn, einmal auf dem Gipfel angekommen, ist das Ergebnis in erster Linie, dass man unbedingt ein weiteres Gipfeltreffen vereinbaren muss. Und danach geht es wieder runter ins Tal, und was vor allem bleibt, das ist die Erinnerung. Ansonsten lebt man sein Leben wie bisher.

Wochenbericht

Während in Frankreich Warnwesten getragen werden, hat sich der eigentliche Unfall im nicht ganz so fernen Osten ereignet, vor der Küste der Krim. Doch wenigstens werden die Staatenlenker und -innen in Buenos Aires eine Abschlusserklärung unterschreiben, die rechtlich nicht bindend ist und vom US-Präsidenten auf dem Heimflug per Twitter widerrufen werden wird.

Und hierzulande könnte ein Merz nicht für einen politischen Frühling, sondern für die Rückkehr von Vergangenheit sorgen. Derweil die Natur mit Unverständnis auf die weihnachtlichen Kaufprämien für SUVs blickt, deren Fahrzeuglenker mit mordlustig glitzernden Augen durch die Industrieparks rasen, als wären auch bei uns verheerende Feuer ausgebrochen. Dabei ist es nur das Christkind, das naht.