Archiv der Kategorie: Aktuell

Es ist feige

Es hat nichts mit Mut zu tun, wenn man sich in die Luft sprengt, um Kinder und Jugendliche zu ermorden. Man ist auch kein Märtyrer, wenn man glaubt, dass das irgendeinem Gott gefallen könnte. Man ist einfach nur feige. Aber es gibt auch zu viele andere Menschen, die feige sind. Jene nämlich, die den Mund halten, obwohl sie wissen, dass da einer anfängt, verrückt zu spielen. Wir alle sind feige, Bürger wie Politik, die wir uns Mut machen mit dem in Dauerschleife herunter gebeteten Satz, dass die Terroristen gewinnen würden, wenn wir uns den Spaß an Konzerten, Straßencafés oder Fußballspielen verderben lassen würden.

Denn insgeheim glauben wir nur krampfhaft, dass es hoffentlich immer nur die Anderen treffen wird. Anstatt den Mut zu haben, allen laut zu widersprechen, die Hass säen. Ob an unseren Stammtischen, in den Internet-Foren oder Moscheen. Die Wahrheit ist, dass wir es mit einem Schulterzucken hinnehmen. Wir es noch nicht einmal versuchen, gegen feigen Terror wirklich zu kämpfen. Ich will niemandem seine Betroffenheit absprechen. Aber eigentlich könnten wir sie uns sparen. Sie kommt mir inzwischen nur noch wie ein Ritual vor. Das unsere Feigheit kaschiert, wenigstens den Versuch zu unternehmen, etwas zu tun.

 

P.S.: Nach einigen Stunden mit gefühlt zehntausend Kommentaren sei mir noch eine Anmerkung gestattet. Terroranschläge sind ebenso wenig unvermeidlich wie dies Autounfälle oder Drogentote und die Folgen von Alkohol sind. Es gibt zumindest die Möglichkeit zu versuchen, sie zu vermeiden. Sie sind kein Naturereignis. Sondern von Menschen zu verantworten.

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Politische Korrektheit

Mannheim hat nicht nur Söhne sondern auch McDonalds. Sie wissen schon, diese lauschigen Großraum-Imbissbuden, wo es leckere Salate und Hackfleisch auf Brötchen gibt, gerne auch für zu Hause. Und da muss jetzt einer umziehen. Und damit die Menschen nicht während des Umzugs verhungern, war der Filial-Leiter so nett und hat mit Schildern auf zwei andere McDonalds-Filialen in der Nähe verwiesen. Eines auf Deutsch. Eines auf Türkisch. Als besonderen Service für unsere türkisch-stämmigen Mitbürger.

Doch dann ist einem dieser Mitbürger aufgefallen, dass das Viertel, auf das das türkisch-sprachige Schild verweist, nicht so schöne Häuser und nette Geschäfte hat, wie das Viertel, auf das das deutsch-sprachige Schild verwies. Und während man früher Natron genommen hat, wenn einem etwas aufstieß, beschwert man sich heutzutage natürlich in den angeblich sozialen Netzen. Was der türkisch-stämmige Mitbürger tat und von der Netzgemeinde dankbar aufgegriffen wurde.

Das Resultat: Ein Aufschrei unserer Mitbürger mit türkischem Migrationshintergrund. Rassismus-Vorwürfe. Und natürlich sind sie mehr als berechtigt. Denn politische Korrektheit darf in Deutschland nicht auf bestimmte Bevölkerungsgruppen oder den Müllhaufen der Geschichte beschränkt sein. Gegen Diskriminierung muss auf allen Ebenen vorgegangen werden. Und schließlich sind ja gerade unsere Mitbürger mit türkischem Migrationshintergrund besonders sensibel, wenn es um Diskriminierung geht.

Oder waren nicht Hunderttausende von ihnen auf die Straßen gegangen, um gegen die unerträglichen und diskriminierenden Nazi-Vergleiche von Erdogan zu protestieren? Dass übrigens der McDonalds-Filialleiter behauptet, es wäre reiner Zufall gewesen, dass das türkisch-sprachige Schild auf die schlechtere Wohngegend verwies, hat einen Sprecher der türkischen Gemeinde in Mannheim natürlich auch nicht daran gehindert, Gesprächsbedarf zu sehen.

Der Friedensengel

Der Besuch des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Saudi-Arabien hat den Durchbruch gebracht. Nun ist es gewiss, dass ein Frieden in der Region in greifbarer Nähe ist. Bereits am ersten Tag des Besuches wurden Abkommen im Wert von 340 Milliarden Euro unterzeichnet. Ein Großteil betrifft Waffenlieferungen, unter anderem von gepanzerten Fahrzeugen, Raketen und Sprengkörpern. Vor allem über die Lieferung von Präzisionsmunition, unter Obama noch verboten, wird man sich im benachbarten Jemen freuen, wo sich Saudi-Arabien sehr intensiv engagiert.

Doch auch im Syrienkonflikt kommt damit der Frieden näher. Hatte doch Saudi-Arabien vor kurzem erst den Vorschlag gemacht, aktiv und mit Bodentruppen in den Kampf gegen den syrischen Präsidenten einzugreifen. Und nachdem inzwischen zumindest offiziell die Unterstützung vom sogenannten Islamischen Staat oder Al Qaida obsolet ist, könnte nun Saudi-Arabien mit den neuen Waffen an der Seite der USA gegen den Terror und gleichzeitig gegen Assad zu Felde ziehen. Und somit auch den Einfluss des Iran eindämmen.

Um den Frieden in der arabischen Region dauerhaft zu stabilisieren, wird die US-Handelsdelegation unter Ägide von Donald Trump wohl auch in Israel Abkommen über Waffenlieferungen abschließen, der nächsten Station auf seiner Reise. Und nach der für heute zu erwartenden Rede Trumps über den Islam, dürfen auch die Menschen in Europa aufatmen. Nachdem der US-Präsident in der Vergangenheit mit anti-islamischen Äußerungen aufgefallen war, wird diese Rede zweifelsohne den Wendepunkt in der Beziehung zwischen Islam und westlicher Welt markieren. 180-Grad-Wenden sind schließlich seine Paradedisziplin.

Ein Herz bebt

Durch meine Venen fließt der Bass. Hämmert gegen meine Sehnen. Auf das Leben ist Verlass. Es hat noch viel zu geben. Und ich nehm‘ deine Hand. Muss tanzen, immer weiter. Ich vergesse den Verstand. Der Horizont wird breiter. Herzbeben – lass uns leben, wir woll’n was erleben! Herzbeben – vorwärts, Herz! Lass es beben, beben! Herzbeben – deinem Beat total ergeben. Lass mich leben, Herzbeben, lass es beben! Herzbeben – lass uns leben, wir woll’n was erleben! Herzbeben – vorwärts, Herz! Lass es beben, beben! Herzbeben – lass uns durch die Decke heben! Herzbeben – lass uns leben! Lass doch unsre Körper reden! Reiß dich los! Ich will schweben, dir entgegen! Herzbeben – lass uns leben! Komm und reiß dich los! Ja, wir haben uns gefunden! Unsere Seelen sind verbunden!


Herzbeben! Ja, mein Herzschlag ist was zählt. Der Beat macht mich lebendig. Hab dich längst schon ausgewählt. Bin völlig überwältigt. Komm mit auf meine Umlaufbahn! Bring mich aus dem Takt! Vergessen wir den Lebensplan. Genießen den Kontakt! Spürst du den Rhythmus? Dann steig mit ein! Das kann unsere Reise sein! Herzbeben – lass uns leben, wir woll’n was erleben! Herzbeben – vorwärts, Herz! Lass es beben, beben! Herzbeben – lass uns durch die Decke heben! Herzbeben – lass uns leben! Lass doch unsre Körper reden! Reiß dich los! Ich will schweben, dir entgegen! Herzbeben – lass uns leben! Komm und reiß dich los! Ja, wir haben uns gefunden! Unsere Seelen sind verbunden!


Herzbeben! Verlangsamt sich der Puls der Nacht, doch mein ein Atem möcht‘ dich finden. Der Tag ist längst nicht aufgewacht, wenn sich, wenn sich die Energien verbünden. Spürst du immer noch mein Herz? Herzbeben! Herzbeben! Herzbeben – lass uns leben, wir woll’n was erleben! Herzbeben – vorwärts, Herz! Lass es beben, beben! Herzbeben – Deinem Beat total ergeben. Lass mich leben Herzbeben – lass es beben. Reiß dich los! Ich will schweben, dir entgegen! Herzbeben – lass uns leben! Komm und reiß dich los! Ja, wir haben uns gefunden! Unsere Seelen sind verbunden!
Herzbeben!

(Lyrics: Helene Fischer)

Selfie mit Terrorist

Allem Anschein nach ist es nie genug. Es genügt nicht zu wissen, was geschehen ist. Weil man dabei war. Dazugekommen ist. Man muss es auch dokumentieren. Wenn man abends in einem Café mit Freunden sitzt, macht man ja schließlich auch Fotos. Von den Freunden. Von den Getränken. Vom Café. Oder bei einem Konzert. Von der Bühne. Den Künstlern. Dem Publikum.

Inzwischen ist es wohl ein Reflex. Smartphone in Stellung bringen. Touchscreen kurz berührt. Schon ist das Bild im Kasten. Schon läuft die Videoaufnahme. Dieser Reflex, das scheint mir die einzig plausible Erklärung zu sein. Dafür, dass jemand Blutlachen aufnimmt. Zerborstene Gegenstände. Zerfetzte Menschen. Menschen in Panik. Verletzt. In Todesgefahr.

Was dann natürlich auch in den angeblich sozialen Netzen hochgeladen und reflexartig millionenfach angeklickt wird. Allerdings scheint es auch dieses Mal niemandem gelungen zu sein, ein Selfie zusammen mit einem der Hauptakteure des Abends zu machen. Da würden die Klicks wahrscheinlich die Milliarden-Grenze überschreiten. Aber wenigstens ist es auch so nicht so wirklich rätselhaft, dass manche Menschen so schreckliche Verbrechen begehen. Sehr wahrscheinlich ist es auch bei ihnen ein Reflex.

 

Krieg gegen den Terror

Täter, sofern sie noch leben, haben das Feld geräumt. Jetzt ist Platz für die ideologischen Leichenfledderer. Jetzt ist der beste Moment, um den Stopp der Flüchtlingslawine zu fordern. Oder wie die französische radikale Rechtsaußenpopulistin Marine Le Pen, dass alle mehr oder minder unter Verdacht gestellte Muslime in Lagern kaserniert werden. Und natürlich müssen die Grenzen dicht gemacht werden. Damit die Polizei gezielter Attentäter kontrollieren, erfassen und weiterfahren lassen kann. Während alle Welt behauptet, dass man sich das normale Leben nicht nehmen lassen würde von solchen Terroristen. Und eine große Menschenmenge auf der Place de la République in Panik davonrennt, weil irgendjemand behauptet hat, dass irgendwo Schüsse gefallen wären.

Nur gut, dass gerade die G20-Staaten in Antalya tagen. Da wird doch sicher eine gemeinsame Erklärung abgegeben werden, dass der Terrorismus mit aller Härte bekämpft werden wird. Und vielleicht auch gleich vereinbart, wie viele Milliarden Erdogan für den Kampf gegen IS erhält. Schließlich muss er ja auch irgendwie kalkulieren können, wie viele Milliarden er für den Kampf gegen die PKK zur Verfügung hat. Keine Frage, dass jetzt auch Putin sofort damit aufhören wird, Assad-Gegner und die syrische Bevölkerung bombardieren zu lassen, und nur noch den gemeinsamen Kampf gegen den Terror unterstützt.

Alles wird gut, kann man da nur voller Zuversicht ausrufen. Und man sollte es auf Plakate drucken und als Banner am unteren Bildrand bei allen Fernsehsendungen einblenden. Selbstverständlich auch auf Arabisch, um auch den saudischen Milliardären Mut zu machen, die gerade weitere Millionen an den sogenannten Islamischen Staat überweisen. Was auf jeden Fall unterbleiben sollte, das ist ein Vorgehen gegen all jene, die mit den Terroristen gute Geschäfte machen. Also zum Beispiel Händler, die für den IS syrische oder irakische Kulturgüter verschachern. Das würde nur eine neue Armut fördern und damit potentielle Sympathisanten für die Terrorbanden.

Ich plädiere eher dafür, dass die EU einen neuen Rettungsschirm aufspannt. Damit das Übel an den Wurzeln gepackt werden kann. Will sagen, zum Beispiel im Kampf gegen die Armut als Ursache für Terrorismus in manche Länder endlich die notwendigen Gelder fließen. Was dann übrigens auch der heimischen Wirtschaft nicht unbedingt schadet. Weil dann nämlich die Regime wieder neue Waffen und große Limousinen Made in Germany kaufen können. Schließlich muss unser Bundesfinanzminister ja auch irgendwie die immensen Kosten für die Aber-Millionen Flüchtlinge aufbringen, damit die schwarze Null nicht gefährdet ist. Fragt man sich, ob es irgendeine Bedeutung hat, dass Schwarz auch die Farbe des IS ist.

Überlebensstrategien der Psyche

Es sollte das Thema für den nächsten Tag werden. Die Radiosendung war plötzlich unterbrochen worden. Ein sehr, sehr seltener Vorgang. Mit der Meldung, dass es Bombenalarm für das Pariser Hotel gegeben hätte, in dem die deutsche Fußballnationalmannschaft vor dem Freundschaftsspiel gegen Frankreich logierte. Dass das Hotel evakuiert werden würde. Dann wenig später die Entwarnung, es sei kein Sprengstoff im Hotel gefunden worden. Typisch, so meine Reaktion. Wenn in Beirut ein Selbstmordattentäter 40 Menschen ermordet, es mehr als 200 Verletzte gibt, dann wird bei uns keine Sendung unterbrochen. Aber wenn es Bombenalarm gibt im Hotel der deutschen Fußballnationalmannschaft. Dazu muss einmal etwas gesagt werden. Denke ich mir, und ich mache mir eine erste Notiz.

Am Abend ist das Spiel der beiden Mannschaften noch nicht so wirklich spannend, als etwa 20 Minuten nach dem Anpfiff ein Knall zu hören ist. Fünf Minuten später ein zweiter. Vielleicht haben irgendwelche Chaoten Kracher gezündet. Kommt ja bei Fußballspielen vor. So richtig zündend wird das Spiel der deutschen Nationalmannschaft deswegen auch nicht. Es sieht nach Fußball-Langeweile aus. Dann der erste Hinweis des Moderators, dass es wahrscheinlich doch keine Böller waren. Das Wort Explosion fällt. Ich schalte auf einen französischen Kanal. Und von Minute zu Minute wird mir immer klarer, warum eine Radiosendung nicht unterbrochen wird, wenn in Beirut ein Selbstmordattentäter 40 Menschen ermordet.

Es ist keine gewollte Diskriminierung. Es ist die Nähe. Je näher uns etwas ist, desto größer das Interesse. Desto mehr sind wir beteiligt. Betroffen. Denn wir sind sowieso schon überfordert. Es gibt kaum mehr ein Unglück auf dieser Welt, von dem wir nicht erfahren. Kein Elend, von dem wir kein Bild vor Augen haben. Kaum ein Verbrechen, über das nicht berichtet wird. Es gehört offensichtlich zur Überlebensstrategie der Psyche, Geschehen zu gewichten, auszublenden, zu den Akten zu legen. Einen Radius anzulegen. Bis die Psyche dann auf einmal doch mit ihrem Latein am Ende ist. Uns ein Ereignis so nahe kommt, dass es nicht mehr abperlen kann, es sich in den Poren festsetzt, im Kopf einnistet, die Bilder einfach nicht verblassen wollen.

Und uns offensichtlich so sehr paralysiert, dass wir das Wichtigste in diesen Momenten vergessen. Denn es ist wichtig, dass wir Empathie zeigen können. Dass wir uns solidarisch zeigen, Trauer empfinden, Wut vielleicht. Doch wäre es nicht viel wichtiger, endlich einmal Konsequenzen zu ziehen? Etwas grundlegend zu verändern, wenn die erste Starre gewichen ist? Anstatt nach einiger Zeit wieder zum Alltag zurück zu kehren. Und mehr oder minder auf das nächste Unglück zu warten. Wäre es nicht wichtig, uns einfach zu überlegen, ob wir alles tun wollen, um vor allem nur unseren Wohlstand zu bewahren? Oder das Mögliche, um Menschenleben zu retten? Und vielleicht nicht nur die in unserer Nähe. Ich habe keine Antwort auf die Frage, ob Menschen dazu in der Lage sind.