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Was dann?

Eine junge Frau sitzt auf den Stufen, die zum Eingang eines Museums hinauf führen, in der Frühlingssonne. Das Museum ist geschlossen. Die junge Frau ist alleine. Bis sich Polizeibeamte nähern. Sie wird aufgefordert, den Ort zu verlassen, am besten nach Hause zu gehen. Es könnte sonst eine Geldstrafe drohen. Die junge Frau folgt der Aufforderung, die Polizeibeamten setzen ihren Weg fort.

Die Schengen-Verträge, das Grundgesetz, das sind Begriffe geworden. Ihre Bedeutung ist weitgehend aufgehoben. Grenzen werden nach Belieben geschlossen, ohne Absprachen. Menschen werden gehindert, ihrer Arbeit nachzugehen, auch wenn diese „systemrelevant“ ist. So wie jetzt im Saarland, an der Grenze zu Frankreich. Auf der anderen Seite ist jetzt ein Hochrisikogebiet.

Hauptsache das Geld kommt weiter aus Brüssel, denkt man sich auch an den Grenzen von Polen oder Ungarn. Solidarität, das ist was für Träumer. Also alles zu seiner Zeit. Auch die Grundrechte. In diesen Zeiten hat man nicht die Zeit für so ein langes Wort wie „Verhältnismäßigkeit“. Bis das einmal gesagt wurde, haben sich schon wieder zwei Menschen infiziert.

Lieber macht man jetzt Putzfrauen zu Helden. Da braucht man sie nicht besser zu bezahlen, wenn man sie nur noch als Putzfrauen braucht. Gilt übrigens auch für andere prekäre Berufe. Wer jetzt auf keinen Cent verzichten kann, das sind die Vorstände, die um Arbeitsplätze kämpfen. Schließlich wurden Daimler, Aldi Nord und Süd oder Bayer nur geschaffen, um Menschen Brot und Arbeit zu geben..

Was wird man wohl machen, wenn das Virus nicht mehr mitspielt? Wenn es nicht mehr herhalten will für Verordnungen, die gültiges Recht aufs Abstellgleis schieben. Wer wird sich noch erinnern, was früher war. Wer hat dann noch ein Interesse, die guten alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Vielleicht hatte die junge Frau auf den Stufen des Museums ja einen Migrationshintergrund. Oder Mund und Nase mit einem Palästinensertuch geschützt.

Kuba-Krise 2.0

Ich fand das damals gar nicht so schlecht. Als russische Schiffe Richtung Kuba fuhren und Raketen an Bord hatten, die dort stationiert werden sollten, drohten die USA mit einem atomaren Erstschlag. Vorausgegangen war die Stationierung von US-amerikanischen Mittelstreckenraketen auf einem Nato-Stützpunkt in der Türkei. Das war 1962.

Und führte bei uns zu Hause zu einem Tabu-Bruch. Denn bis dahin wurde der Fernseh-Apparat nie vor 20 Uhr eingeschaltet. Jetzt lief der Apparat fast den ganzen Tag. Wegen möglicher neuer Nachrichten in diesem Konflikt zwischen den USA und der damaligen UdSSR. Und ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben weitestgehend unbehelligt fernsehen.

Jetzt wollen die USA und Russland nicht nur die INF-Verträge aufkündigen, die USA denken auch wieder darüber nach, in  Europa atomare Waffen zu stationieren. Natürlich mit entsprechender Reaktion in Russland. Es droht also keine Kuba-Krise dieses Mal, sondern eher eine Europa-Krise. Was aus meiner Sicht völlig unnötig ist. Schließlich kann ich inzwischen fernsehen, wann ich will und so lange ich will. Im Gegenteil, ich versuche sogar aktuell, immer weniger auf Bildschirme zu starren.  

Lebensmittel-Müll

Endlich mal wieder ein richtig großer Wurf. Dafür verzeiht man sogar als Dieselfahrer jeden Satz von Andy Scheuer. Was Ernährungsministerin Julia Klöckner heute quasi als Marshall-Plan für die kommenden Jahrzehnte vorgestellt hat, um dem Missbrauch von jungem Gemüse den Kampf anzusagen, das wird nicht nur die BRD in seinen Grundfesten erschüttern, sondern den ganzen Planeten.

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen hierzulande jedes Jahr im Müll. Schließen also Frau Klöckner und die Bild-Zeitung messerscharf, dass das 55 Kilogramm pro Kopf sind. Weshalb der meiste Müll zwangsläufig von Privathaushalten verursacht wird. Ist ja logisch. So viele Supermarkt-Mitarbeiter gibt es ja schließlich nicht. Also soll der Bürger und natürlich vor allem die Bürgerin bis 2030 seinen/ihren Lebensmittel-Müll halbieren.

Und wenn die Lebensmittel-Industrie unbedingt will, kann sie gerne zu all den Jumbo-Packungen in den Regalen auch etwas kleinere Gebinde stellen. Damit die Menschen manchmal auch aufessen können, was sie kaufen. Und weil Frau Klöckner immer auch an die freiheitlich demokratische Grundordnung denkt, ist das natürlich wie immer alles freiwillig. Denn wie der Volksmund weiß, währt freiwillig einfach am längsten. Nur wer Lebensmittel aus einer Mülltonne klaut, der kommt selbstverständlich vor Gericht. Ob er will oder nicht.  

Seiten einer Geschichten

Wie groß die Sorgen sind, die sich derzeit Google macht, das lässt sich wohl am leichtesten anhand des Anzeigenformats nachvollziehen. Eine ganze Seite in einer nicht gerade unbekannten Tageszeitung aus dem Süden der Republik war es dem Suchmaschinen-Giganten aus den USA wert darauf hinzuweisen, dass man bemerkt  hat, dass es neue Urheberrechtsrichtlinien der EU gibt.

Die Freude darüber ist verhalten. Dass es ihretwegen „großen und kleinen Medienhäusern“ nicht mehr möglich ist, selbst zu bestimmen“, wie ihre Inhalte gefunden werden können, das bereitet der Konzernleitung offensichtlich Unbehagen. Und warum? Weil es, so Google, „noch nie so wichtig“ war, „alle Seiten einer Geschichte zu kennen“.

Und ich war bisher in dem Irrglauben, dass es schon immer bei Google nur möglich war, alle Seiten einer Geschichte zu kennen, wenn man sich durch alle Seiten zu einem Thema oder Stichwort kämpfte, die Ergebnis einer Suche waren. Weil Google sowieso schon immer die Medienhäuser nach oben rückte, die am meisten dafür zahlten oder die meisten Werbekunden versprachen. Um alle Seiten einer Geschichte kennen zu lernen, ist Google ungeeignet.

Strafzölle

Manchmal muss man die Daumenschrauben einfach ein bisschen anziehen. Ließen sich ja nicht so sonderlich von den Strafzöllen auf Autos oder Stahl, verhängt oder nur angedroht, beeindrucken, diese Deutschen. Und jetzt zieht auch noch Kanzlerin Merkel rotzfrech und als hätte sie gerade entdeckt, dass sie ja nun wirklich nicht mehr Kohls kleines Mädchen ist, bei der Münchener Sicherheitskonferenz vom Leder, als gäbe es kein Morgen. Das Töchterlein des US-Präsidenten konnte gar nicht so oft pikiert gucken, wie Merkel gegen den Vater aufmuckte.

Aber der hat gleich die richtige Antwort darauf und die Knute gefunden, vor der die Deutschen vielleicht doch noch kuschen. Jetzt sollen nicht nur Peanut Butter und iPhones in die EU und insbesondere nach Deutschland geliefert werden, sondern auch IS-Kämpfer. Und ob auf die von der EU Strafzölle erhoben werden können, das ist fraglich. Ungarn und Polen sollen schon mal klar gestellt haben, dass sie grundsätzlich niemand nehmen, der nicht schon katholisch gemacht ist.

Notstand

Die Situation ist wirklich mehr als prekär. Nicht nur, dass die Nachbarn auf der linken Seiten vor sechs Monaten Zwillinge bekommen haben. Rechts von uns hat sich die Familie, zwei Kinder, Mutter, Vater, drei Meerschweinchen, jetzt auch noch einen Hund angeschafft. Jetzt muss gehandelt werden. Ich habe den Notstand ausgerufen. Jetzt kann nur noch eine Mauer helfen. Auf beiden Seiten. Also jeweils zehn Meter lang. Und natürlich kommen nur Gabionen in Frage. Also diese Drahtkäfige, in die Steine gefüllt werden.

Sind nicht billig, aber sehr massiv. Also schon ein bisschen teuer. Zum Glück bin ich Pendler, ich brauche also einen SUV. Daran kann nicht gerüttelt werden. Das Geld für den Urlaub können wir auch nicht dafür hernehmen. Der ist schon bezahlt. 14 Tage Dubai. Und weil es ein Schnäppchen war, gibt es keine Rücktrittsmöglichkeit. Aber nachdem wir ja einen Notstand haben, habe ich kurzerhand beschlossen, dass die Gabionen mit dem Geld bezahlt werden, dass für die Frühjahrsgarderobe von Frau und Kindern vorgesehen war. In Notzeiten müssen halt alle Verzicht üben.

Schnee von gestern

Natürlich ist das Schnee von gestern. Keine Frage. Aber erst jetzt, dank einsetzendem Tauwetter, wird die Dimension so richtig sichtbar. Die Faktenlage hat sich eminent erweitert. Auch wenn bei dem Wort Fakten natürlich bei einigen Zeitgenossen mit der rechten Gesinnung gleich mal die Alarmglocken läuten. Aber es gibt ja noch viele andere Menschen, die solche Berührungsängste nicht haben. Und die könnte es interessieren, wie es dazu kam, dass Herr Scheuer, Retter der deutschen Autofahrer, sogar einen Brief an die EU-Kommission schrieb.

Er will, dass der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter für Stickstoffdioxid gemäß EU-Luftqualitätsrichtlinie überprüft wird. Weil eine Gruppe deutscher Lungenärzte an diesem Grenzwert zweifelt. Oder um gleich Herrn Scheuer zu zitieren: „Es mehren sich Stimmen in der deutschen Ärzteschaft, die die wissenschaftliche Herleitung des Jahresmittelwerts von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter für Stickstoffdioxid in der EU-Luftqualitätsrichtlinie infrage stellen.“

Ausgelöst wurden diese Zeilen von dem Pensionär und Pneumologen Dieter Köhler. Der zwar nie zum Thema Forschungen an- oder eine Studie erstellte. Aber ein zweiseitiges Papier verfasste, in dem er behauptete, es gebe „keine wissenschaftliche Begründung für die Grenzwerte“. Und hundert Unterstützer für diese These auftrieb. Unter anderem den Motorenexperten und engagierten Verteidiger des Dieselmotors, Thomas Koch. Und es damit in kürzester Zeit in fast alle Talk-Shows schaffte, tatkräftig unterstützt von der Bild-Zeitung mit der Überschrift: „Ärzte-Aufstand gegen Feinstaub-Hysterie.“

An der Köhler-Hysterie konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass die „Stimmen in der deutschen Ärzteschaft“ und Unterzeichner seines Papiers auf Anfrage des Wissenschaftsmagazins „nano“ verneinten, sich jemals mit den Gefahren von Feinstaub und Stickstoffdioxid beschäftigt zu haben. Die Auto-affine Internetgemeinde, Teile der Politik und insbesondere Verkehrsminister Scheuer stürzten sich trotzdem mit großer Begeisterung auf die steile These. Oder wahrscheinlich gerade deshalb. Die größte Begeisterung erzielt man wohl in diesen Zeiten mit Behauptungen, die nur von der Überzeugung belegt werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand behauptet, dass die Erde eine Scheibe ist. Weshalb Autos seitlich runterfallen könnten. An wen dann wohl Herr Scheuer schreiben wird?