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Auf den Hund gekommen

Also erst einmal ein paar Worte zu meiner Person: Ich bremse nicht nur, wenn Menschen eine Straße überqueren könnten. Natürlich auch, wenn sie die Straße überqueren. Und genau das Gleiche tue ich bei Hunden und Katzen. Neulich, bei einem Wochenendausflug, auch für eine mutmaßliche Entenfamilie. Kann natürlich auch sein, dass die Beiden gar nicht verheiratet waren. Ja, und man höre und staune, es ist noch nicht so lange her, dass ich einem größeren, kreuzenden Vogel ausgewichen bin. Nachdem ich mich überzeugt hatte, dass dadurch niemand anderes gefährdet wurde. War vermutlich eine Amsel, die mein Auto vielleicht für eine Artgenossin hielt. Die Farbe zumindest spräche für diese These.
Und dann schätze ich auch eine Plattform wie Change.org und damit die Möglichkeit, mich für etwas oder gegen etwas zu positionieren. Flagge zu zeigen. Da wird Internet für mich sinnvoll. Oder sollte ich sagen: Da war Internet für mich sinnvoll. Denn jetzt habe ich meine leisen Zweifel. Nachdem ich nämlich weiß, dass mehr Menschen eine Petition für die Rettung eines Hundes namens Chico unterschrieben haben, als es auf der selben Plattform Unterstützer einer Kampagne gegen das geplante bayerische Polizeigesetz gab. Mit dem die Befugnisse der Polizei so weit ausgebaut werden sollen, dass sich auch Türken in Bayern wie zu Hause fühlen würden. Und an diesen Zweifeln würde sich für mich auch nichts ändern, wenn dieser Hund nicht zwei Menschen tot gebissen hätte.

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Kennenlerngespräche

Es gibt, bevorzugt in Radio und Fernsehen, ein Genre, dass sich großer Beliebtheit erfreut, obwohl es eigentlich nichts anderes ist, als ein Gespräch zwischen zwei Menschen. Und insofern über das klassische Interview hinausgeht, als eben nicht konkreten Fragen nachgegangen wird, sondern sich, im günstigsten Fall, im Gespräche ein Bild eines Menschen, des Eingeladenen nämlich, und seines Lebens ergibt.

Da ist mir eines ganz besonders aufgefallen. Dass es fast ausschließlich alle vorgestellten Menschen entweder bereits zu einer gewissen Bekanntheit gebracht haben. Und infolgedessen ihr Leben als etwas besonderes betrachtet wird. Oder dass sie durch einen schweren Schicksalsschlag, zumeist eigene Krankheit oder Tod eines anderen Menschen, und dessen Bewältigung gerade die Chance bekommen haben, bekannt zu werden. Dem entnehme ich, dass das Leben eines halbwegs gesunden Menschen, den gerade mal seine Familie, Anverwandten, Freunde, Arbeitskollegen und vielleicht noch Kassiererinnen oder Kassierer an der Kasse des bevorzugten Supermarktes kennen, nicht besonders interessant ist.

Obwohl dieser Mensch, nehmen wie einmal an, dass es ein Mann ist, sich nie im Leben wie gewisser Filmregisseur aufgeführt hat. Im Gegensatz zu Berühmtheiten aus verschiedenen Berufsgruppen auch immer brav seine Steuern bezahlt hat. Das einzige, was ihn befähigen könnte, für solch eine Sendung interessant zu sein, das wäre vielleicht, wenn er Opfer eines Amokläufers werden würde. Schade nur, dass Tote nicht reden können.  

Meersalz

Das sieht jetzt natürlich so aus, als hätte ich gemerkt, dass Blogs, die sich mit Essen und Trinken beschäftigen, mehr Follower und Leser haben. Es ist aber reiner Zufall. Für den ich selbstverständlich auch mitverantwortlich bin. Ich lese nämlich Zeitungen aus Papier. Aus Gründen der Ersparnis vor allem, wenn sie schon etwas älter sind. So kann es gut möglich sein, dass diese Erkenntnis vor allem Schnee von gestern ist. Mitten im Frühling. Hat aber nicht gehindert, dass ich es interessant genug finde, um mich an dieser Stelle darüber auszulassen.
Und auch das nicht rein zufällig, sondern einfach nur, weil ich bisher glaubte, dass da, wo Gourmet drauf steht, auch besonders leckere Sachen drin sind. Jetzt bin ich nicht mehr so ganz sicher. Weil nämlich in besagtem Zeitungsartikel die Behauptung aufgestellt wird, dass es inzwischen nicht mehr ungewöhnlich sei, wenn zum Beispiel im Fleur de Sel, der von TV-Gourmet-Köchen empfohlenen Krone des Salzes aus Mittelmeer oder Atlantik, Mikro-Plastik auftauchen würde.
Das einzig Gute daran ist, dass wir Deutschen auf gar keinen Fall daran schuld sein können. Wir produzieren zwar den meisten Plastik-Müll in ganz Europa. Aber nirgends wird so akribisch Mülltrennung zelebriert, wie hierzulande. Was bedeutet, dass nicht allzu viel Plastikmüll der Wiederverwendung zugeführt wird. Aber jedenfalls wird der Großteil in andere Kontinente exportiert. Und dass China unseren Müll nicht mehr will, ist auch kein Argument. Malaysia ist im ganz großen Stil in die Bresche gesprungen. Trotzdem werde ich wohl wieder auf ordinäres Salz aus den guten alten Salzbergwerken umsteigen.

Grillsaison

Mit dem heutigen Blog habe ich mir absichtlich etwas Zeit gelassen. Schließlich möchte man doch niemandem das sonntägliche Grillen vermiesen. Doch jetzt kann man es sich wohl langsam schon erlauben, mal über Separatorenfleisch zu sprechen. Es haben nämlich Redakteure eines Polit-Magazins für eine Geflügelwurst von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft einen silbernen DLG-Preis bekommen. Das ist dieses schöne Emblem, das dem Verbraucher signalisiert, dass in Deutschland eigentlich nichts reguliert werden muss, weil alle Hersteller sowieso nur das Beste für ihre Kunden wollen.

Was in diesem Fall neun Prozent Fleisch waren, 27 Prozent Wasser und 46 Prozent Separatorenfleisch sind. Und um auf 100 Prozent zu kommen, hatte man noch etwas Schlachtblutplasma beigemischt. Da merkt man nicht so schnell, dass so viel Wasser in der Wurst ist. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass Separatorenfleisch das ist, was man sonst nicht mehr verwerten kann. Weshalb es auch eher ein Brei ist, der auf Grund seiner Struktur anfällig für Bakterien ist. Außerdem besteht laut Medizinern das Risiko, dass Separatorenfleisch Krankheiten übertragen kann, mit besonderem Potential für Erkrankungen des Gehirns. Und jetzt die beste Nachricht: Separatorenfleisch ist so billig, dass man freitags, samstags und sonntags grillen kann.

Empörung

Gestern, also am 20. April, war nicht nur Adolf Hitlers Geburtstag, sondern auch die Premiere für die Wiederaufführung eines Stückes von George Tabori aus dem Jahr 1987. Das überraschenderweise den Titel „Mein Kampf“ trägt und als Groteske Hitlers Zeit als erfolgloser Anwärter auf ein Kunststudium und Bewohner eines Männerwohnheims thematisiert. Also sein Zusammentreffen mit dem jüdischen Schriftsteller Schlomo Herzl. Der Hitler ermuntert und unterstützt, doch lieber Politiker zu werden.

Dass jetzt nicht nur dieses Stück aufgeführt sondern auch der türkisch-stämmige Regisseur Serdar Somuncu und der Intendant des Konstanzer Stadttheaters, Christoph Nix, die Idee hatten, freien Eintritt zu versprechen, wenn jemand mit Hakenkreuz am Arm zur Vorstellung kommt, hat Empörung ausgelöst. Vielleicht auch, weil regulär zahlenden Gästen hingegen nur ein Davidstern versprochen wurde.

Jedenfalls sahen sich die deutsch-israelische Gesellschaft aus der Region und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Konstanz genötigt, mit einem offenen Brief die Inszenierung, den freien Eintritt und das für die Premiere gewählte Datum heftig zu kritisieren. Noch ausstehend ist die Meldung, dass sich AfD-PolitikerInnen der Region vom freien Eintritt begeistert zeigen, weil man endlich einmal Flagge zeigen kann. Respektive AfD-MdB Beatrix von Storch via Twitter kritisiert, dass ausgerechnet an Hitlers Geburtstag in einem Stück über Hitler ein gebürtiger Türke Regie führt.

Hotspot

Es ist ein Skandal, und ich habe keine Ahnung, warum das nicht schon jemand publik gemacht, die Öffentlichkeit und die Politik aufgerüttelt hat. Dass ich darauf gestoßen bin, das war eher unfreiwillig und mit der Grund, warum dieses Blog mitunter etwas verwaist erschien in jüngster Zeit. Doch zur Sache und die auf einen kurzen Nenner gebracht: Die Versorgung mit einem einigermaßen akzeptablen Internet-Zugang ist bei Ärzten noch schlechter als die Besoldung der Menschen, die in der Pflege arbeiten.

Bei den Summen, die die Krankenkassen den Ärzten alleine schon für überflüssige Beratungen oder auch noch überflüssigere Operationen – insbesondere im Teilbereich Gelenke – zahlen, müsste es doch möglich sein, in den Wartezimmern für Internet zu sorgen. Doch die Lage ist katastrophal, wie ich jetzt hautnah feststellen musste. Zum Einen, weil bei den derzeit üblichen Wartezeiten es durchaus schon einmal vorkommen kann, dass Kinder in der Zwischenzeit das Abitur machen oder selber welche kriegen. Dann möchte man doch wenigstens auf WhatsApp ein Video von diesem Ereignis sehen.

Und dann ist da noch ein weitaus wichtigerer Grund. Denn wie lässt sich die Zeit im Wartezimmer eines Arztes denn besser nutzen als mit Recherchen im Internet hinsichtlich der Beschwerden, die man hat. Schließlich sind doch die Zeiten endgültig vorbei, dass man sich wie ein Lamm vom Mediziner zur Schlachtbank respektive auf den OP-Tisch führen lässt. Und welcher Arzt wäre nicht enttäuscht, wenn er nicht mit dem Patienten die Diagnose gründlich ausdiskutieren könnte. Und wenn es den Ärzten zu teuer ist, dann sollen sie sich die Einrichtung von kostenlosen Hotspots doch von den Kassen bezahlen lassen. Als Beratungskosten.  

Sieg der Vernunft

Nicht nur um die Linie der jüngsten Zeit fortzusetzen, heute eine Erfolgsmeldung aus Polen. Dort gibt es einen Urwald namens Bialowieza mit einer in Europa einzigartigen Fülle seltener Flora und Fauna. Für den Regierung und staatlicher Forstbetrieb eigentlich vorgesehen hatten, dass er in erster Linie als Holzlieferant dient. Wogegen auch die EU etwas hatte. Ein Teil des Urwaldes ist nämlich Nationalpark und nach EU-Recht besonders geschützt.
Polens Regierung ging jedoch wie in der Flüchtlingsfrage davon aus, dass sie in Polen machen kann, was sie will, und forcierte noch den Kahlschlag. Bis die EU Geldstrafen von bis zu 100.000 € pro Tag androhte und der Europäische Gerichtshof eingeschaltet wurde. Der jetzt entschied, dass bei erneutem Verstoß die EU-Kommission klagen und finanzielle Sanktionen gegen Polen beantragen kann. Was die polnische Regierung endlich in die Lage versetzt, die Vernunft siegen zu lassen.