Archiv der Kategorie: Allgemein

Eingeschweißte Ware

Die Frau war vielleicht in ihren besten Jahren. Zumindest deuteten Jeansweste im Retro-Look und ein weißer Spitzen-Mini ebenso wie die eher kräftigen aber gebräunten Beine darauf hin, dass sie sich von vielen Konventionen verabschiedet hatte, sich nicht vorschreiben ließ, was Kleingeister eventuell von einer Frau ihres Alters erwarten würden. Und so erläuterte sich auch mit etwas grimmigem Gesicht der vermutlichen Filialleiterin des Supermarktes, der übrigens für sich selbst in Anspruch nimmt, ein Discounter zu sein, was sie an dem hier erstandenen Räucher-Lachs beanstande.

Der Röte im Gesicht der vermutlichen Filialleiterin, die übrigens keinen weißen Spitzen-Mini trug, könnte jedenfalls ein Hinweis darauf gewesen sein, dass man nicht unbedingt einer Meinung war, das Gespräch außerdem wohl schon einige Zeit in Anspruch genommen hatte. Und so dauerte es auch nicht mehr lange, bis ihr Widerstand gänzlich erlahmte, sie eilig zum weit entfernten Kühl-Regal lief, dort einen in Plastik eingeschweißten Räucherlachs der gleichen Marke aus der meerblauen Umverpackung entnahm.

Sie warf noch einen prüfenden Blick auf das Haltbarkeitsdatum, bevor sie wieder zurück zum Kassenbereich ging, dort den eingeschweißten Lachs ohne Umverpackung an besagte Frau übergab, um sich sodann umgehend wieder dem Einräumen von Ware zu widmen. Wohingegen die Frau mit den gebräunten Beinen jetzt nicht mehr grimmig sondern mit leicht triumphierend Gesichtsausdruck mit dem Plastik-Beutel den Supermarkt verließ, in ihr Mercedes-Cabrio stieg und davonbrauste.

Advertisements

Sommer-Interview

Jetzt mache ich mir so langsam richtig Sorgen um die alte Dame. Dass nicht gerade alles zum besten läuft bei der SPD, ist ja nicht erst seit gestern allgemein bekannt. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so schlimm ist. Doch wie jetzt die Aussage von Fraktionsvorsitzender Andrea Nahles unmissverständlich deutlich machte, geht es wohl wirklich um alles.

Sie hat nämlich gesagt, dass man jetzt Herrn Erdogan und die schwächelnde Lira nicht im Regen stehen lassen dürfe, schließlich sei die Türkei ein Nato-Partner und unbedingt in schweren Zeiten zu unterstützen, weil sie so wichtig für Europa sei. Justiz, Pressefreiheit und Menschenrechte in allen Ehren und natürlich mit Ausnahme inhaftierter deutscher Staatsbürger.

Und dafür kann es eigentlich nur einen Grund geben. Nachdem der deutsche Arbeiter nicht mehr die Zukunft für die SPD ist, weil es ihn in der traditionellen Form kaum noch gibt, spekuliert man bei den Genossen jetzt wohl darauf, dass man bei den nicht wenigen AKP-Anhängern und Erdogan-Unterstützern in deutschen Landen zumindest ein paar Stimmen für die SPD rekrutieren kann. Oder es lag einfach an den Temperaturen. Das Interview fand schließlich im Freien statt.  

Schweinemäster

So sieht Fürsorge aus. Geht es dem Deutschen Bauernverband doch gar nicht ums Geld. Sondern nur um das Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes. Denn Fakt ist laut Bauernverband, dass die Schweinemäster, die sich schon jetzt kein Schweineschnitzel leisten können, alle pleite gehen. Wenn nämlich die Tierschutzvorgaben umgesetzt werden, die da so im Gespräch sind.

Die einzige Alternative wäre, dass Schweinefleisch, des Deutschen Lieblingsgemüse, gut und gerne doppelt so teuer wird. Also geht es absolut nicht darum, dass die am Hungertuch nagenden Schweinemäster mehr Geld wollen. Sie wollen einfach nur weiterhin mästen können. Damit den Schweinefleischliebhabern nicht der Schlaf und ihr Grundnahrungsmittel geraubt werden. Und das sind wirklich nicht wenige. Die dann auch erheblich mehr als 40 Kilo davon pro Jahr verzehren.

Weil das der statistische Durchschnittsverbrauch pro Kopf und Kind, Veganer und zahnlosem Greis ist. Und weil das wirklich keiner will, kann es nur darauf hinauslaufen, dass man am Tierschutz ein bisschen herumschnippelt, wie man das ja auch an den männlichen Ferkeln tut. Und so seinen Beitrag leistet, dass auch in Zukunft mindestens 60 Prozent der Männer und etwa 37 Prozent der Frauen übergewichtig sind. Schließlich sind Dicke doch so gemütlich. Wie die Politik hierzulande. Die ja nicht wissen kann, welche Folgen Massentierzucht und massenhafter Verzehr von Fleisch haben.

Gerichtsentscheidung

Ein Mann wird abgeschoben. Obwohl ein Gericht die Abschiebung untersagt hat. Das ist zwar unangenehm in einem Rechtsstaat, aber es kann eben mal passieren. Und wenn  die Politiker, die dafür gesorgt haben, dass der Beschluss des Gerichtes missachtet wurde, sich mit etwas Asche „mea culpa“ auf die Stirn schreiben, dann muss einem trotzdem nicht bange werden.

Wenn aber dann der Innenminister eines Bundeslandes, der Mitglied der CDU ist, sagt: „Die Unabhängigkeit von Gerichten ist ein hohes Gut. Aber Richter sollten immer auch im Blick haben, dass ihre Entscheidungen dem Rechtsempfinden der Bevölkerung entsprechen.“ Und hinzufügt: „Wenn die Bürger Gerichtsentscheidungen nicht mehr verstehen, ist das Wasser auf die Mühlen der Extremen.“

Dann macht das Angst. Denn es zeigt, dass dieser Innenminister noch nicht das Prinzip der Gewaltenteilung verstanden hat, die im Grundgesetz der BRD verankert ist. Er scheint die Justiz für ein Instrument der Politik zu halten. Weshalb er mit einem Nebensatz Recht hat. So eine Aussage ist Wasser auf die Mühlen der Extremen. Und zwar jener, die diesem CDU-Mann offensichtlich näher stehen, als einem lieb sein kann.

Solidarität

Jetzt wäre doch ein wunderbarer Moment, um Solidarität zu zeigen. Knallhart zu demonstrieren, dass man nicht nur über Empathie reden kann, sondern sie auch lebt. Ich weiß natürlich, dass es gegen diese Frau Vorbehalte gab und gibt. Aber jetzt darf davon nicht mehr die Rede sein. Denn sie hat ganz offensichtlich einen Wandel vollzogen, fast möchte man sagen, eine 180-Grad-Wende hingelegt.

Und wie wir alle miteinander aus mehr als leidvollen Erfahrungen wissen, gibt es nichts schlimmeres, als wie das Kaninchen vor der Schlange in einer Situation zu verharren, die unerträglich ist. Aber diese Frau hat nun den entscheidenden Schritt getan, sie hat sich vor der Realität nicht mehr weggeduckt, sieht ihr jetzt ins Auge. Und zieht die einzig richtige Konsequenz aus dieser Realität.

Sie will sich also scheiden lassen. Doch weil sie sich auch ihrer Situation und Position bewusst ist, nimmt sie, anders als ihr Mann, Rücksicht. Will mit der Scheidung warten, bis er nicht mehr Präsident ist. Weshalb jetzt die internationale Gemeinschaft gefragt ist. Und natürlich auch Menschen wie Sie und ich. Die wir alles tun sollten, was in unserer Macht steht, damit dieser Mann so schnell wie möglich aus seinem Amt verschwindet. Damit diese Frau die Scheidung einreichen kann.

Größe

Vielleicht bin ich einfach etwas zu streng. Habe ich zu hohe Ansprüche. Oder bin zu wenig mit der Zeit mitgegangen. Habe wesentliche Entwicklungen nicht mitgemacht. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass es nicht allzu lange Zeit dauern kann, bis einer von diesen „Machthabern“ vielleicht wie weiland ein russischer Präsident einen Schuh auszieht und damit auf einen Tisch eindrischt. Im günstigsten Falle. Oder vielleicht gleich dem Krokodil eins über den Schädel zieht, so wie das in jedem anständigen Kasperletheater Brauch ist.

Ich habe heute Morgen ein Video gesehen, in dem ein leibhaftiger Präsident in einfachen Worten erklärt, dass er gerade einen Erlass erlassen hat, auf Grund dessen ein Waffenarsenal geschaffen werde, das die Welt noch nicht gesehen habe, weshalb man wohl die Welt nicht mehr sehen wird, wenn es einmal angewendet worden ist. Doch das erscheint geradezu zweitrangig, wenn man Gesichtsausdruck, Mimik und Wortwahl berücksichtigt, mit denen dieses Vorhaben dem staunenden Publikum kundgetan wurde.

Wahrscheinlich ist allerdings auch, dass es schon immer so war. Dass es Menschen gab, die Positionen innehatten, die sie besser nicht innegehabt hätten. Und jene Kleingeister, die glaubten, dass Größe dazu gehöre, Großes zu tun. Obwohl sie selber nicht einmal dazu in der Lage waren so zu tun, als hätten sie das Zeug, eine Position einzunehmen, die es ihnen ermöglichen würde, so zu tun, als würden sie Großes leisten. Und sei es mit Mimik und Gesichtsausdruck eines sehr einfältigen Menschen, für den Größe nur eine Frage des Kontostands ist.  

Schlaumeier

Manche Menschen wissen mehr als andere. Andere Menschen wissen einfach ein bisschen weniger als einige andere. Was alles gar nicht so schlimm wäre. Wenn es nicht eine doch etwas zu weit verbreitete Spezies gäbe, die ihren Status dazu missbraucht, das offensichtlich etwas zerrüttete Ego aufzumöbeln. Und jetzt kommt die Überraschung: Es ist jene Spezies, die weiß, dass sie mehr weiß als das Gegenüber. Oder zumindest glaubt, mehr zu wissen. Und deshalb das Gegenüber unbedingt an ihrem Wissen teilhaben lässt.

Also zum Beispiel einem Barmann erklärt, wie man einen Fako mixt. Oder einem Sommelier, welcher Wein zu Hirschragout passt. Oder der ganzen Welt, was ein Fußballtrainer so alles falsch macht. Und seit neuestem geben die Medien solch liebenswerten Menschen sogar noch eine Plattform. Indem sie Menschen dazu aufrufen, Lösungen öffentlich zu äußern für Probleme, die ein ganz klein wenig komplexer sind als die Zubereitung eines Kaffees auf der Basis von Instantpulver.

Eine der Erkenntnisse daraus: Zu glauben, etwas zu wissen, ist noch nicht gleichbedeutend mit Klugheit. Und wer auch immer gesagt hat, dass er wüsste, das er nichts weiß, er wusste wohl auch nicht, dass eines Tages jeder, der die Tastatur eines iPads bedienen kann, glauben wird, dass er klüger sei als der Rest der Welt. Was insofern etwas problematisch ist, als auch der Rest der Welt zu glauben scheint, dass er mehr wüsste als der Rest der Welt. Und wer bitte soll dann daraus klug werden?