Archiv der Kategorie: Lifestyle

Vorfreude

Man glaubt, es schon klingeln zu hören. Obwohl man ja nie so genau weiß, ob es jetzt das Glöckchen am Hals von Rudolph, dem Rentier, ist. Oder vielleicht doch eher das Klingeln der Kassen, im Jahrhundert 2.1 natürlich elektronisch hergestellt. Auf jeden Fall muss man nicht mehr in den Kalender schauen, es genügt ein Blick in Supermärkte und anverwandte Geschäfte, um zu wissen, was es geschlagen hat. Und es ist zwar noch nicht Fünf vor Zwölf, das ja sowieso aus der Mode zu kommen scheint, schließlich ist es ja sogar schon für den Klimawandel eher Fünf nach Zwölf. Aber so langsam drängt die Zeit.

Denn schließlich muss ja alles auf den Punkt gebracht werden. Der Weihnachtsbraten. Die Geschenke. Die festlich-romantisch-nostalgisch-wehmütig-depressive Stimmung. Ganz zu schweigen vom Outfit und der Weihnachtsdeko. Es wird also auch in diesem Jahr alle Jahre wieder sein, es wird Last Christmas geben, Weihnachtsstollen mit Palmöl – und den Satz, dass der Umtausch natürlich möglich sein und das Geschenk, das man bekommen hat, ein heimlicher Traum sei. Nie wird mehr gelogen, als an Weihnachten. Aber mit einer guten Absicht. Die dann nur der Alkoholpegel im Verlauf des Abends etwas zunichtemacht.

Was allerdings nicht daran hindern wird, dass auch dieses Fest als eines der schönsten Weihnachtsfeste in die Familien-Annalen eingehen wird (wer hier ein Wortspiel vermutet, sollte bitte daran denken, dass sich Anus mit einem „n“ schreibt und Weihnachten für Satire eher ungeeignet ist, das sie die Realität überflügelt). Kurzum, die Vorfreude darf groß sein, und im Bedarfsfall kann man ja Sylvester in Bangkok feiern. Genießen wir also die 42 Tage, die heute, am 13. November, noch vor uns liegen. Und falls heute zufällig die Erinnerung an den Terroranschlag vor zwei Jahren in Paris dazwischen kommt: einfach was auf facebook posten. Und dann weiterfreuen.

 

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Altersfragen

Frauen ab einem gewissen Alter kommen leicht in Gewissensnöte. Habe ich jedenfalls durch mein Umfeld so mitbekommen. Da wird sich schon einmal die Frage gestellt, ob ein Rock nicht zu kurz sei. Langer Ärmel nicht doch besser wäre als kurzärmelig oder sogar nur mit Trägern. Weich fließend besser als eng anliegend. Tenor: Vielleicht sollte ich das in meinem Alter nicht mehr tragen. Mit Ausrufezeichen wohlgemerkt, nur eher selten mit einem Fragezeichen versehen.

Männer haben dieses Problem nur in ganz seltenen Fällen. Bei ihnen kann die Wampe in sanften Wellen über den Hosenbund hängen, das stört nicht daran, mit freiem Oberkörper oder eng anliegendem T-Shirt über die noch sommerlichen Straßen und Plätze zu flanieren. Auch käseweiße, mit Krampfadern durchzogene Waden hindern nicht daran, kurze Hosen zu tragen. Kaum ein Mann käme auf die Idee, sich die Frage zu stellen, ob er respektive sein Körper wirklich noch für Radrenntrikots geeignet sei.

Das hat einen simplen Grund. Männer, und insbesondere ältere Männer, definieren sich nicht über ihren Körper. Ihre Außenwirkung beziehen sie aus hubraumstarken Autos, gerne auch aus dem Einkommen. Liegt beides nicht vor, reicht mitunter auch affiges Gehabe, lautes Brüllen oder was sonst noch an irgendwelche Vorfahren und Artverwandten erinnert. Und wenn das auch nicht reicht, dann kann Mann ja immer noch seine Frau verprügeln. Auch damit lässt sich das Ego aufpolieren.

Unbeschadet einer ganzen, damit beschäftigten Industrie kommt für Frau wie für Mann mit dem Alter die eine oder andere körperliche Veränderung einher, die mit propagierten Schönheitsidealen nicht mehr so ganz konform geht. Nachdem das persönliche Empfinden höchst komplex ist in diesem Zusammenhang, plädiere ich dafür, betroffenen Frauen den Appell zu ersparen, sich doch weniger über ihren Körper zu definieren.

Vielmehr sehe ich das Entwicklungspotential für Männer, sich weniger über kraftstrotzende Wohlstandssymbole und angeblich männliches Gehabe zu definieren. Und eher mal darüber nachzudenken, ob es nicht auch für sie ab einem gewissen Alter respektive entsprechenden körperlichen Gegebenheiten angebracht wäre, einmal darüber nachzudenken, ob eine längere Hose und ein etwas weiteres Hemd nicht auch darauf verweisen könnten, dass man zwar älter geworden ist, vielleicht auch vergesslicher. Deshalb sein ästhetischen Empfinden aber noch lange nicht verloren hat. Was natürlich voraussetzen würde, dass es dieses überhaupt gegeben hat. Aber schließlich ist man nie zu alt für Neuland.

Neuer Drive fürs Leben

Es ist eine gute Nachricht. Ich habe wieder einmal elementare, neue Erkenntnisse gewonnen. Ich musste nämlich zum Arzt. Nichts Gravierendes, wollte einfach mal mit jemand über ein neues Hüftgelenk sprechen. Zwar hat mir dann das Gespräch lediglich zu der Erkenntnis verholfen, dass ich auch mit einem neuen Hüftgelenk nicht leichtfüßiger aus einem flachen Sportwagen aussteigen kann. Doch natürlich habe ich in diesem Zusammenhang viel Zeit im Wartezimmer verbracht, schließlich bin ich Kassenpatient. Weshalb ich mir jetzt ja schon immer vorsichtshalber etwas zum Essen und Trinken mitnehme.

Jedenfalls hatte ich so mal wieder Gelegenheit, in diversen Illustrierten zu blättern. Und weiß jetzt dank einer Frauenzeitschrift, was ich bisher in meinem Leben alles falsch gemacht habe. Und es ist nicht wenig. Unter dem Titel „Ich will mich verändern! Aber wie?“ wurden nämlich 21 Fragen gestellt, die mir nur allzu bekannt sind. Zum Beispiel: „Wie lässt man die Sonne ins Leben?“ Da hätte ich als Mensch von eher schlichterem Gemüt natürlich spontan gesagt: „Indem man nach draußen geht, wenn sie scheint!“ Wäre aber grundfalsch gewesen.

Man muss nämlich aufhören, sich selber und andere zu beurteilen. Hat laut der Zeitschrift der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh gesagt. Und um das zu schaffen, müsse man die Dinge einfach geschehen lassen, ohne sie gleich verändern zu wollen. Ich habe heute Morgen gleich damit angefangen und seelenruhig zugesehen, wie der kleine Rotzlöffel von nebenan mit seinem Dreirad immer wieder an meiner Autotür lang geschrammt ist. Und irgendwie hat es auch funktioniert. Denn die ganze Zeit hat die Sonne geschienen. Allerdings wüsste ich jetzt nur noch gerne, wie man dabei auch braun werden kann.

Am faszinierendsten fand ich allerdings die Antwort auf die Frage, „Wie man es am besten schafft, umzudenken“. Die hat nämlich eine Professorin für Psychologin an der Harvard-Universität gefunden. Sie hat Frauen im Reinigungsservice eines Hotels empfohlen, sich vor Augen zu führen, dass Böden schrubben, Betten machen oder Bäder wienern im Grunde wie ein Krafttraining im Fitness-Studio sei. Nach mehreren Wochen wurde dann festgestellt, dass die Frauen abgenommen und einen niedrigeren Blutdruck hatten und sich außerdem grundsätzlich wohler fühlten.

Allerdings würde mich jetzt brennend interessieren, was ich mir vorstellen muss, damit trotz dieser ewigen, nervigen Schreiberei auch mein Blutdruck sinkt und ich endlich mal auf hundert Kilo runter komme. Bis jetzt habe ich noch keine Idee, weshalb ich auf jeden Fall schon mal die Frauenzeitschrift angeschrieben habe. Vielleicht können die mir ja die Telefonnummer von der Psychologie-Professorin geben. Oder ich suche mir einfach einen Job in einem Hotel. Und fange an, Böden zu schrubben, Betten zu machen und Bäder zu wienern.

Lebenstraum

Da habe ich wohl einen Fehler gemacht. Wenn ich mich bisher bei meinem E-Mail-Account ausgeloggt habe, dann habe ich immer gleich auf „Stopp“ geklickt. Und deshalb habe ich nie mitbekommen, welche Wunderwelt sich da auftut. Doch heute wurde ich beim ausloggen abgelenkt, die Seite konnte sich vollständig laden, und ich konnte zum ersten Mal bestaunen, was ich bisher versäumt hatte. Es wird mein Leben revolutionieren. Da bin ich mir ganz sicher.

Neben den Daily News, dass Deutschland im Losglück ist und in Monaco irgendeine „verstohlene“ Hochzeit stattgefunden habe, gibt es nämlich jede Menge Angebote, die mich ohne Zweifel dem einen oder anderen Lebenstraum näher bringen werden. Da wäre zum Beispiel die Möglichkeit, in Kautschuk zu investieren. Mit der erstaunlichen Zuwachsrate von 287 Prozent. Und weil an anderer Stelle versprochen wird, dass ich beim Verkauf von altem Schmuck hohe Gewinne erziele, werde ich wohl gleich mal meine Mutter anrufen. Damit ich was zum Investieren habe. Sie trägt die Klunker sowieso kaum noch.

Und für den Fall, dass die Rendite nicht ganz ausreicht, um meinen Traum von einem Haus auf einer griechischen Insel zu verwirklichen, werde ich wohl das Angebot annehmen, mehr als 8.000 Euro im Monat zu verdienen. Steht auch auf der Seite. Und wäre ja nur vorübergehend. Bis ich das restliche Geld für das Haus zusammen habe. Anschließend reicht die Rendite sicher für den Lebensunterhalt. Und wenn die Griechen bis dahin wieder ihre Drachme haben sowieso.

Was ich mir auf jeden Fall aber gleich gönnen werde, das ist dieses Mittel, mit dem die Manneskraft auf natürliche Weise gesteigert wird. Denn ein anderer Anbieter ist sich ganz sicher, dass er eine neue Liebe für mich finden wird. Außerdem garantiert mir ein Freunde-Finder, dass 10 Millionen Singles auf mich warten. Auch wenn ich da nicht so ganz genau weiß, ob das alles Frauen sind, 5 Millionen Singles, die auf mich warten, wären ja auch nicht schlecht.

Aber damit bei den Dates dann auch nichts schiefgeht, hole ich mir auch gleich den Zuschuss von 1.500 Euro für ein neues Hörgerät und die Sofort-Leistung bei Zahnersatz. Und wer diese ganzen Angebote sieht, der fragt sich schon, warum immer noch so viele Menschen in Deutschland von Hartz IV leben müssen. Also entweder haben die kein Internet und keinen E-Mail-Account, wo sie sich ausloggen müssen, oder keine Mutter, die ein bisschen alten Schmuck hat.

Autokennzeichen

Spätestens nach einem Blick auf die Kennzeichen der Fahrzeuge, die vor, neben und hinter einem im Stau stehen, wird unmissverständlich klar, dass Urlaubszeit ist. Sich Abermillionen von Menschen auf den Weg machen, um fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen. Oder auch einfach nur an der Nordsee oder an den Stränden von Ibiza und Florida zu relaxen. Doch selbst wenn die Motive für diese Massenbewegung verschieden sein können, es gibt eine Gemeinsamkeit. Auch wenn es mir persönlich sehr oft lieber wäre, dass sie es nicht gäbe.

Diese Gemeinsamkeit besteht darin, dass dieser „Homo Urlaubensis“ glaubt, die schönste Zeit des Jahres unbedingt dazu nutzen zu müssen, Freiheiten zu genießen, die ihm während der übrigen Zeit des Jahres zumeist verwehrt sind. Sich nämlich auf eine Art und Weise zu kleiden und zu präsentieren, die durchaus dazu geeignet ist, nicht nur in fremden Ländern und Kulturen sondern auch bei Spaßbremsen und Zeitgenossen wie mir Anstoß zu erregen.

Um gleich allen möglichen Irrtümern vorzubeugen: Ich bin nicht der Typ, der immer mit Badehose an den FKK-Strand geht. Und ich habe auch kein Problem damit, dass nicht alle Männer einen Waschbrett-Bauch und manche Frauen keine Figur wie Gisele Bündchen haben. Was mich lediglich immer wieder aus der Fassung bringt, dass ist diese Unbedarftheit, mit der ansonsten üblichen Gebräuche und Gepflogenheiten auf einmal durch das schlichte Wort „Urlaub“ außer Kraft gesetzt werden.

Ich habe nämlich bei unserem Bäcker noch nie jemand in Badehose Semmeln kaufen gesehen. Und am Sonntag in der Kirche waren bis dato eigentlich auch alle Kirchenbesucher immer angemessen gekleidet. Doch sowie die gleichen Menschen im „Urlaub“ sind, hat das alles keine Gültigkeit mehr. Da ist die Freiheit grenzenlos und manifestiert sich in nackten Bäuchen, kaum bedeckten Brüsten und mehr als gewagten Bekleidungen respektive nicht vorhandener Bekleidung.

Im Urlaub sind sie halt Mensch, hier glauben sie, dass sie sich mehr oder minder so zeigen dürfen, wie Gott sie schuf. Dabei vergessen sie aber, dass Gott auch andere Menschen geschaffen hat. Die diese Sichtweise vielleicht nicht immer teilen. Dass es eine Mär ist, dass es irgendeine Ethnie gäbe, die selbstverständlich mit Nacktheit umgeht. Es gibt nur Ethnien, die glauben, dass ihnen ein Urlaub alle Freiheiten gäbe.

Und jetzt kann ich schon richtig sehen, wie mancher Kamm schwillt, sich Unmut breit macht. Weil man sich das bisschen Freizügigkeit, diese saloppe Lebensart, nun wirklich nicht verbieten lassen will von so einem Spießer. Der wahrscheinlich auch immer das Licht ausmacht, wenn er… na, Sie wissen schon was. Soll er doch lieber eine Therapie machen, als an der Bekleidung von harmlosen Urlaubern rumzumeckern!

Zu Eins: Ich spiele schon seit Jahren  Golf. Zu Zwei: Ich werde keine Therapie machen. Ich gehe lieber am Sonntag in Badelatschen, Shorts und Netzunterhemd in die Kirche. Und wenn ich jetzt gleich zum Bäcker fahre, lasse ich auch das Netzunterhemd weg. Auch wenn ich nicht weggefahren bin, ich habe schließlich momentan meinen wohlverdienten Urlaub.

Richtungswechsel

Es ist eine Empfehlung. Und ich nehme sie natürlich ernst. Ist ja auch gut gemeint. Schließlich geht es wieder einmal um die Themen, die an dieser Stelle behandelt respektive abgehandelt werden. Und meine permanente Beschwerde, ob es die ganze Mühe wert sei, dies für eine Hand voll erlesener Interessenten zu tun. Was offensichtlich manche Menschen so sehr nervt, dass sie schlaflose Nächte haben. Und deshalb krampfhaft nach einer Lösung suchen.

Aus diesen schlaflosen Nächten resultiert jetzt der Vorschlag, ich sollte es doch einmal mit Rezepten probieren. Frauen wären sowieso mehr als Männer an solchen Blogs interessiert. Und außerdem würde geschlechterübergreifend mein andauerndes Gejaule über diese ach so böse Welt letztendlich sowieso alle meine Leser vergraulen. Und da ich weder Besitzer noch Mieter der Drei-Raum-Wohnung bin, in der wir leben, greife ich diesen Vorschlag natürlich gerne auf.

Möchte aber trotzdem noch explizit darauf hinweisen, dass diese freundliche Empfehlung also von einer Frau kommt. Und wer könnte sich besser auskennen mit Menschen allgemein und Frauen ganz besonders. Kurzum, ich werde also ab heute in loser Folge Rezepte präsentieren. Jahreszeitgemäß erst mal was Leichtes, Sommerliches. Wie diesen leckeren Salat mit Krabben.

Für den Sie lediglich einen Eisbergsalat brauchen, drei kleine Paprika in rot, gelb und grün (das Auge isst ja schließlich mit!), ein paar Cocktail-Tomaten, eine halbe Salatgurke, ein hart gekochtes Ei, eine Zwiebel. Und natürlich Krabben. Was zugegebenermaßen etwas problematisch ist. Kaufen Sie die nämlich bei einem Fischhändler, können sie ihm nur blind vertrauen. Wo die Krabben wirklich herkommen, das weiß wahrscheinlich noch nicht einmal er selber.

Wohingegen bei abgepackten Krabben aus dem Supermarkt wenigstens noch auf der Packung steht, wo sie vermutlich herkommen. Steht zum Beispiel „Nordsee“ drauf, ist aber wenigstens sicher, dass die Krabben mit dem Lastwagen quer durch Europa gefahren wurden. Nämlich zum Pulen nach Marokko. Stammen sie aber aus Thailand, dann sollte man vorher vielleicht mal mit seinem Arzt sprechen. Wegen der Antibiotika, die sich zumeist in diesen Krabben finden.

Weshalb ich die Krabben bei diesem Salat immer weglasse. Wichtiger ist sowieso die Sauce aus Essig, Oliven-Öl, Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker, die mit etwas Kresse und Dill geschmacklich abgerundet wird. Außerdem habe ich noch keinen Fernseh-Bericht gesehen, in dem behauptet wurde, dass in Kresse oder Dill Antibiotika wären. Wie Oliven-Öl meistens zustande kommt, darüber sprechen wir beim nächsten Mal.

Minderheiten

Strebe einen Schichtwechsel an. Möchte gerne von der schweigenden Mehrheit zu der Minderheit von einem Prozent wechseln, die in Deutschland zwei Drittel des Vermögens besitzen. Bin auch mit umgehenden Vorbereitungsseminaren einverstanden, eventuell auf Schloss Elmau. Zeitlich gänzlich unabhängig. Bräuchte allerdings einen Shuttle-Service oder Tickets für öffentliche Verkehrsmittel, da die Anfahrt mit Fahrrad wohl zu zeitraubend wäre. Offerten an peterklaertdiewelt@gmail.com