Archiv der Kategorie: Meldung

Krieg gegen den Terror

Täter, sofern sie noch leben, haben das Feld geräumt. Jetzt ist Platz für die ideologischen Leichenfledderer. Jetzt ist der beste Moment, um den Stopp der Flüchtlingslawine zu fordern. Oder wie die französische radikale Rechtsaußenpopulistin Marine Le Pen, dass alle mehr oder minder unter Verdacht gestellte Muslime in Lagern kaserniert werden. Und natürlich müssen die Grenzen dicht gemacht werden. Damit die Polizei gezielter Attentäter kontrollieren, erfassen und weiterfahren lassen kann. Während alle Welt behauptet, dass man sich das normale Leben nicht nehmen lassen würde von solchen Terroristen. Und eine große Menschenmenge auf der Place de la République in Panik davonrennt, weil irgendjemand behauptet hat, dass irgendwo Schüsse gefallen wären.

Nur gut, dass gerade die G20-Staaten in Antalya tagen. Da wird doch sicher eine gemeinsame Erklärung abgegeben werden, dass der Terrorismus mit aller Härte bekämpft werden wird. Und vielleicht auch gleich vereinbart, wie viele Milliarden Erdogan für den Kampf gegen IS erhält. Schließlich muss er ja auch irgendwie kalkulieren können, wie viele Milliarden er für den Kampf gegen die PKK zur Verfügung hat. Keine Frage, dass jetzt auch Putin sofort damit aufhören wird, Assad-Gegner und die syrische Bevölkerung bombardieren zu lassen, und nur noch den gemeinsamen Kampf gegen den Terror unterstützt.

Alles wird gut, kann man da nur voller Zuversicht ausrufen. Und man sollte es auf Plakate drucken und als Banner am unteren Bildrand bei allen Fernsehsendungen einblenden. Selbstverständlich auch auf Arabisch, um auch den saudischen Milliardären Mut zu machen, die gerade weitere Millionen an den sogenannten Islamischen Staat überweisen. Was auf jeden Fall unterbleiben sollte, das ist ein Vorgehen gegen all jene, die mit den Terroristen gute Geschäfte machen. Also zum Beispiel Händler, die für den IS syrische oder irakische Kulturgüter verschachern. Das würde nur eine neue Armut fördern und damit potentielle Sympathisanten für die Terrorbanden.

Ich plädiere eher dafür, dass die EU einen neuen Rettungsschirm aufspannt. Damit das Übel an den Wurzeln gepackt werden kann. Will sagen, zum Beispiel im Kampf gegen die Armut als Ursache für Terrorismus in manche Länder endlich die notwendigen Gelder fließen. Was dann übrigens auch der heimischen Wirtschaft nicht unbedingt schadet. Weil dann nämlich die Regime wieder neue Waffen und große Limousinen Made in Germany kaufen können. Schließlich muss unser Bundesfinanzminister ja auch irgendwie die immensen Kosten für die Aber-Millionen Flüchtlinge aufbringen, damit die schwarze Null nicht gefährdet ist. Fragt man sich, ob es irgendeine Bedeutung hat, dass Schwarz auch die Farbe des IS ist.

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Überlebensstrategien der Psyche

Es sollte das Thema für den nächsten Tag werden. Die Radiosendung war plötzlich unterbrochen worden. Ein sehr, sehr seltener Vorgang. Mit der Meldung, dass es Bombenalarm für das Pariser Hotel gegeben hätte, in dem die deutsche Fußballnationalmannschaft vor dem Freundschaftsspiel gegen Frankreich logierte. Dass das Hotel evakuiert werden würde. Dann wenig später die Entwarnung, es sei kein Sprengstoff im Hotel gefunden worden. Typisch, so meine Reaktion. Wenn in Beirut ein Selbstmordattentäter 40 Menschen ermordet, es mehr als 200 Verletzte gibt, dann wird bei uns keine Sendung unterbrochen. Aber wenn es Bombenalarm gibt im Hotel der deutschen Fußballnationalmannschaft. Dazu muss einmal etwas gesagt werden. Denke ich mir, und ich mache mir eine erste Notiz.

Am Abend ist das Spiel der beiden Mannschaften noch nicht so wirklich spannend, als etwa 20 Minuten nach dem Anpfiff ein Knall zu hören ist. Fünf Minuten später ein zweiter. Vielleicht haben irgendwelche Chaoten Kracher gezündet. Kommt ja bei Fußballspielen vor. So richtig zündend wird das Spiel der deutschen Nationalmannschaft deswegen auch nicht. Es sieht nach Fußball-Langeweile aus. Dann der erste Hinweis des Moderators, dass es wahrscheinlich doch keine Böller waren. Das Wort Explosion fällt. Ich schalte auf einen französischen Kanal. Und von Minute zu Minute wird mir immer klarer, warum eine Radiosendung nicht unterbrochen wird, wenn in Beirut ein Selbstmordattentäter 40 Menschen ermordet.

Es ist keine gewollte Diskriminierung. Es ist die Nähe. Je näher uns etwas ist, desto größer das Interesse. Desto mehr sind wir beteiligt. Betroffen. Denn wir sind sowieso schon überfordert. Es gibt kaum mehr ein Unglück auf dieser Welt, von dem wir nicht erfahren. Kein Elend, von dem wir kein Bild vor Augen haben. Kaum ein Verbrechen, über das nicht berichtet wird. Es gehört offensichtlich zur Überlebensstrategie der Psyche, Geschehen zu gewichten, auszublenden, zu den Akten zu legen. Einen Radius anzulegen. Bis die Psyche dann auf einmal doch mit ihrem Latein am Ende ist. Uns ein Ereignis so nahe kommt, dass es nicht mehr abperlen kann, es sich in den Poren festsetzt, im Kopf einnistet, die Bilder einfach nicht verblassen wollen.

Und uns offensichtlich so sehr paralysiert, dass wir das Wichtigste in diesen Momenten vergessen. Denn es ist wichtig, dass wir Empathie zeigen können. Dass wir uns solidarisch zeigen, Trauer empfinden, Wut vielleicht. Doch wäre es nicht viel wichtiger, endlich einmal Konsequenzen zu ziehen? Etwas grundlegend zu verändern, wenn die erste Starre gewichen ist? Anstatt nach einiger Zeit wieder zum Alltag zurück zu kehren. Und mehr oder minder auf das nächste Unglück zu warten. Wäre es nicht wichtig, uns einfach zu überlegen, ob wir alles tun wollen, um vor allem nur unseren Wohlstand zu bewahren? Oder das Mögliche, um Menschenleben zu retten? Und vielleicht nicht nur die in unserer Nähe. Ich habe keine Antwort auf die Frage, ob Menschen dazu in der Lage sind.

Angst vor der Angst – La peur de la peur

Erst war es nur ein Fußballspiel. Ein Freundschaftsspiel. Dann hörte man zwei Explosionen. Dann war es kein Fußballspiel mehr. Weil man schon wusste, dass etwas geschehen war. Dass zumindest eine der Explosionen durch einen Selbstmordattentäter verursacht worden war. Dass an mehr als sechs Orten in Paris auf Menschen geschossen worden war. Auf Passanten, Menschen, die in einem Restaurant aßen, in einem Café saßen. Dass im Bataclan, einer Lokalität, in der ein Konzert stattfand, Geiseln genommen worden waren.

Was sich vergangene Nacht in Paris ereignete, ist nicht schrecklicher als ein Attentat in Beirut, Bagdad oder Kabul. Oder der Krieg in Syrien, Daesh im Irak. Doch wovor ich jetzt Angst habe, das ist die Angst. Die Angst vor weiteren Attentaten. Und die Reaktionen darauf. Vor der Angst, die aus dem Hass entsteht. Und zu Hass werden kann.

Dann sind auch wir Geiseln. Zwar nicht vom Tod bedroht, wie die Menschen in den Straßen und Lokalen in Paris. Aber zumindest auf einem guten Weg, unter Umständen auch so zu hassen, auch zu Mördern zu werden. Vielleicht sollten wir zeigen, dass wir zwar Angst haben. Aber nicht genug, um uns den Hass aufzwingen zu lassen. Nicht genug, um selber zu Mördern zu werden. Und dass wir schon gar nicht genug Angst haben, um die Mörder weiter morden zu lassen. Vielleicht sollten endlich alle zeigen, dass Solidarität mehr ist als ein Wort. Und Europa mehr als ein Kapitalmarkt.

Ich

Alles weist darauf hin, dass einzig der Egoismus Antrieb und Motivation für das menschliche Handeln ist. Im günstigsten Fall können allerdings auch andere Menschen von diesen Handlungen profitieren. Und ist diese Wirkung gewollt, dürfte es sich um einen glücklicheren Egoisten handeln.

Oh, du Fröhliche

Da scheint ganz offensichtlich ein Zusammenhang zu bestehen. Das kennen wir doch alle. Irgendwann hat man mal etwas bei einem Versandhandel bestellt. Und seitdem schneien einem immer mal wieder Kataloge ins Haus, Schnäppchenangebote, Sonderprospekte. Dass in der Weihnachtszeit besonders viele und vor allem potentielle Geschenke anpreisende Kataloge und Prospekte im Briefkasten landen, ist da nicht besonders verwunderlich, heißt es doch nicht umsonst: Süßer die Kassen nie klingeln, als in der Weihnachtszeit!

Auf jeden Fall kann man daraus ganz leicht der Deutschen liebste Geschenke ablesen. Uhren, Schmuck, das müssen absolute Renner sein. Und natürlich jede Menge elektronischer Spielzeuge, wie Fernseher, Kameras, Spiele-Konsolen. Ganz zu schweigen von explizitem Kinderspielzeug, auch wenn die lieben Kleinen sowieso lieber nur das neueste iPhone hätten. Bescheiden, wie sie nun mal sind. Nur warum zur Weihnachtszeit besonders viele Kataloge mit Damen-Unterwäsche auf den Tisch flattern, das hat sich mir nicht gleich erschlossen.

Doch ich habe die Lösung gefunden, nachdem ich mir mal so ein Druckerzeugnis einmal näher angesehen, um nicht zu sagen, wissenschaftlich untersucht habe. Es ist ganz einfach. In erster Linie ist es nämlich sogenannte Reizwäsche, die hier an die Frau respektive den Mann gebracht werden soll. Denn wie eine spontane Umfrage ergeben hat, sind es die Männer, die nicht ganz uneigennützig diese als Geschenk für ihre Frauen kaufen. Um dann nämlich bereitwillig diesen Reizen erliegen zu können. Dabei aber nicht bedenken, dass diese Reizwäsche ohne Inhalt verkauft wird. Die verführerischen, jungen Damen sind nicht im Preis mit inbegriffen. Aber diese Erkenntnis stellt sich wohl zumeist erst ein, wenn es schon zu spät ist.

Staatsmann bis zur letzten Sekunde

Er war ohne Zweifel ein großer und engagierter Staatsmann. Und dem tut auch die Tatsache keinen Abbruch, dass sich jetzt sogar Leute über Helmut Schmidt lobend äußern, die zu seinen Lebzeiten Reizhusten bekommen haben, wenn auch nur sein Name gefallen ist. Was mich an seinem Tod allerdings etwas schockiert, das ist der Umstand, dass so viele Menschen von seinem Tod so schockiert sind. Der Mann war schließlich 96 Jahre alt. Da kann das schon mal passieren, dass jemand stirbt. Auch wenn uns manche Mediziner ganz gerne glauben lassen wollen, dass das ewige Leben dank moderner Medizin in erstaunliche Nähe gerückt sei.

Die wahre Qualität Helmut Schmidts als Politiker zeigt sich jedenfalls für mich wieder mal ganz besonders in seiner letzten Tat. Die bis zum jetzigen Zeitpunkt und zumindest nach meinem Wissenstand noch niemand so richtig zur Kenntnis genommen hat. Aber wieder einmal mehr nur die Sache und nicht irgend ein parteipolitisches Kalkül im Visier hatte. Für mich ist es jedenfalls kein Zufall, dass Helmut Schmidt gerade jetzt die Augen für immer geschlossen hat.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sich Helmut Schmidt vorher mit Bundesinnenminister de Maizière abgesprochen hat. Der ist nämlich dank dieses Timings nur marginal in die Schusslinie der von Pegida so gerne als Gutmenschen bezeichneten Leute geraten. Obwohl er gerade reumütig zu Schengen zurück gekehrt ist, was Syrer betrifft. Weshalb jetzt niemand von Flüchtlingen aus Syrien spricht, die wieder auf Boote umsteigen müssen, wenn sie nicht in Griechenland als Erstaufnahme-Land gemäß Schengen den Winter und weitere Jahreszeiten verbringen wollen. Sondern alle nur von Helmut Schmidt.

Blauer November statt Herbst-Blues

Also wir saßen Sonntagnachmittag zum Kaffee trinken draußen, hatten den Sonnenschirm aufgespannt, denn direkt in der Sonne war es doch ein wenig zu warm. Meine Gattin in einer Bluse, ich hatte ein Polohemd mit kurzem Arm an. Anders war es nicht auszuhalten. 38 Grad zeigte das Thermometer in der Sonne. Immerhin noch 24 Grad im Schatten. Nur die Wespen störten etwas, die von unserem Obstkuchen angelockt wurden. Und vielleicht für alle Menschen, die Sonntag nicht in der Sonne sitzen konnten, der diskrete Hinweis, dass dies kein nostalgischer Tatsachenbericht aus längst vergangenen Augusttagen ist. Ich spreche natürlich vom gerade vergangenen Sonntag. Ich spreche vom 8. November 2015.

„Wenn das wegen dem Klimawandel ist, dann habe ich nichts dagegen!“. Hat eine junge Frau im Rundfunk gesagt. Auf die Frage, wie sie denn das momentane Wetter findet. Und eigentlich hat sie ja recht. Also wenn man nicht gerade ein glühender Verfechter von weißer Weihnacht und dampfendem Glühwein auf dem Christkindl-Markt ist, dann ist das jetzt doch wirklich nur noch der reinste Genuss. Morgens kein Eis von den Autoscheiben kratzen. Die Haushaltskasse jubelt auch. Weil man kaum oder auf jeden Fall weniger heizen muss. Und selbst Voyeure, sonst zu dieser Jahreszeit bereits in schwere Depression verfallen, sind guter Laune. Kriegen sie doch immer noch ein bisschen was zu sehen.

Und dann natürlich unsere Politiker. Schließlich bedeutet dieser fast schon sommerliche November auch für sie, dass sie etwas durchatmen können. Keine Meldungen über erfrorene Flüchtlinge an den Grenzen und auch nicht in den Zelt-Städten. Weshalb mir der sinnvollste Ratschlag in diesen Tagen zu sein scheint, die Temperaturen und das Wetter einfach zu genießen. Und einfach mal und solange es noch möglich ist, zu vergessen, dass uns vielleicht demnächst zumindest Teile unseres Planeten um die Ohren fliegen können. Wenn es nämlich wirklich der Klimawandel ist. Und in Paris wieder nur Absichtsbekundungen abgegeben werden.