Archiv der Kategorie: Rätsel der Menschheit

Unser Cousin Kepler

Nicht immer aber zumindest mitunter kann es durchaus eine Freude sein, auf einen nahen Verwandten zu treffen. Wie das im konkreten Fall aussieht, ist allerdings noch unklar. Laut Einschätzung der Nasa, der US-amerikanischen Weltraumbehörde, ist der gerade entdeckte Planet mit dem romantischen Namen „Kepler-452b“ nämlich so etwas wie ein „sehr enger Cousin der Erde“. Einmal davon abgesehen, dass ich nicht wusste, dass Cousins enger und weiter sein können, soll damit wohl impliziert werden, dass es sich hierbei um einen Planeten handelt, der dem unseren ziemlich ähnelt.

Was natürlich alle auf den Plan ruft, die schon immer davon ausgegangen sind, dass es irgendwo im Universum intelligente Wesen gibt. Und natürlich eine sehr gewagte Annahme ist. Schließlich lässt der Blick auf die Menschheitsgeschichte und den Zustand unseres Planeten noch nicht einmal die Vermutung zu, dass es überhaupt Intelligenz im Universum gibt. Aber vielleicht sieht das auf einem Cousin ja ganz anders aus. Haben wir es hier sogar einmal nicht mit irgendwelchen klebrigen, grünen Männchen zu tun, sondern mit Wesen, die uns auch äußerlich ähneln.

Allerdings mit dem gravierenden Unterschied, dass sie vielleicht wirklich intelligent sind. Was dann theoretisch bedeuten könnte, dass sie noch nicht ihren Planeten ruiniert haben, keine Touristik-Branche kennen und keine Finanzmärkte, keine Daily-Soaps im Fernsehen und SUVs. Weder Religions- noch sonstige Kriege führen, kein Wirtschaftswachstum-Syndrom und noch nicht einmal asozial soziale Medien haben. Dass alleine schon diese Vorstellung bei manchen Menschen auf unserem Planet Begehrlichkeiten weckt, sie neue Märkte sehen, ist naheliegend und auch nichts Neues.

Schon immer hatten Menschen die Vorstellung, dass die Menschheit zumindest in Teilen respektive in zahlungskräftigen Teilen auf einen anderen Planeten auswandern könnte, wenn die Erde endlich komplett ruiniert ist. Doch da kann man unseren Cousin „Kepler-452b“ zum Glück einigermaßen beruhigen. Nachdem er annähernd 1400 Lichtjahre von unserer Erde entfernt ist, können sich die Leute dort vorerst noch ziemlich entspannt zurücklehnen.

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Sokrates und Menschenkenntnis

„Die“ oder „den“ kenne ich gut. Sagt man gerne. „Sie“ oder „er“ ist wie ein offenes Buch für mich. Sagen oft Menschen, die mit einem anderen Menschen schon lange zusammen gelebt haben. Und Konfuzius, gern zitierter und altgedienter chinesischer Philosoph, meint: Menschlichkeit ist das Wesen der Sittlichkeit, Menschenkenntnis das Wesen der Weisheit.

Womit er mir mehr als deutlich macht, dass es bei mir mit der „Weisheit“ nicht allzu weit her ist. Was wiederum verständlich machen würde, warum ich seinen Spruch „Mit einem Menschen muss man zusammen leben, um ihn zu kennen“ absolut nicht nachvollziehbar finde.

Ich gehe vielmehr davon aus, dass das, was wir „kennen“ nennen, nichts anderes ist als das Ergebnis mehr oder minder empirischer Erhebungen. Wenn sie oder er so und so oft so oder so gehandelt oder reagiert hat, dann besagt das trotzdem nichts für die Zukunft. Das ist nämlich so ähnlich wie mit dem Gesetz der Schwerkraft. Das sogar nach Meinung von manchem Wissenschaftler eigentlich erst wirklich bewiesen wäre, wenn einmal das Gegenteil eingetreten ist. Bis dahin bleibt es Spekulation.

Warum aber behaupten Menschen immer wieder und selbst nach herben Rückschlägen, dass sie andere Menschen kennen würden, sogar für „durchschaubar“ halten. Ich habe da eine Vermutung. Es ist einfach das Unbehagen, das den Großteil der Menschen überfällt, wenn er mit etwas Unbekanntem konfrontiert wird. Da zieht er es lieber vor, so zu tun, als ob er etwas wüsste.

Als ob der Schweizer Reformator Zwingli nicht Recht hätte, wenn er sagt: Wer den Menschen studieren und erkennen will, der unternimmt ein so schwieriges Werk wie einer, welcher Tinte anfassen möchte, ohne sich zu beschmutzen. Was also Menschen betrifft, das ist, als würde man behaupten, man kennt den Mond, nur weil man einmal seine Oberfläche durch ein Teleskop gesehen hat.

Die Intelligenz des Schwarms

Jetzt hat sie ihren Hashtag, die Angela. Sie wird gedisst, beleidigt, verhöhnt, im besten Falle kritisiert. Und was hat sie getan? Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unfreiwillig das getan, was Politiker ansonsten akribisch verbergen, kaschieren. Sie hat gezeigt, dass sie hilflos ist. Auch wenn es sicher schon bekannt ist, kurz die Situation: Merkel will von Schülern wissen, was für sie „Gut leben in Deutschland“ bedeutet. Hätte sie nicht tun sollen, zugegeben.
Denn ein Mädchen, Palästinenserin und mit Zwischenstation in einem libanesischen Flüchtlingslager ins gelobte Deutschland gekommen, möchte nicht einmal besonders gut leben in Deutschland. Ihr würde es reichen, wenn sie überhaupt hier bleiben und zum Beispiel studieren könnte.

Und als sich ihre Hoffnungslosigkeit in Tränen manifestiert, weiß die Bundeskanzlerin erst einmal nicht mehr weiter. Angela Merkel hat ein Handicap. Sie hat menschliche Regungen. Wendet sich dem Mädchen zu, streichelt es ausgesprochen unbeholfen, bevor sie wieder Bundeskanzlerin wird. Und ich sage es ganz offen, ich verstehe diese Schmähungen nicht, die jetzt zum Beispiel bei Twitter unter dem Hashtag #merkelstreichelt über sie hereinbrechen. Was hätte sie tun sollen? Sagen, dass das alles kein Problem ist, dass das Mädchen natürlich da bleiben kann, und ihr Familie selbstverständlich auch?

Wie unterbemittelt muss man denn sein, zu glauben, dass das möglich ist? Wie unbedarft muss man sein, jetzt zum Beispiel zu sagen, die Reaktion Merkels sei „das falsche Signal an die Fachkräfte von morgen“ gewesen. Wissen diese Menschen nicht, wo sie leben. Dass Politik und Menschlichkeit nun wirklich keine besonders engen Freunde sind. Ich finde, die Reaktion von Angela Merkel in dieser Situation war das Beste, was sie seit langem gezeigt hat. Mich hat beeindruckt, wie sie den Moderator nach seinem dämlichen Einwurf, es sei schließlich eine belastende Situation, zusammengestaucht hat, für diesen Moment den letzten Rest Kontenance verlor.

Hätte dieser berühmt berüchtigte Schwarm die viel beschworene Intelligenz, dann hätte sich allenfalls der Moderator einen Hashtag verdient. Denn obwohl ich aus dem Fanclub von Angela Merkel schon zu Kohls Zeiten und nach meinen Bemerkungen über ihre gerüschten Blusen rausgeflogen bin, kann ich in dieser Angelegenheit nicht anders, als sie zu loben. Sie hat gezeigt, dass Hilflosigkeit für sie kein Fremdwort ist. Dass sie unbeherrscht sein kann. Menschliche Regungen hat. Herz, was begehrst du mehr. Ich schaue mir das Video immer wieder an.

Konsequent schreibt sich jetzt mit „c“

Konsequenter Weise sollte in Zukunft konsequent mit „c“ geschrieben werden. Es mit „d“ zu schreiben, wie es eigentlich angebracht wäre, wird sich wahrscheinlich nicht durchsetzen. Aber nachdem Verkehrsminister Dobrindt wie kaum ein anderer für die Qualitäten der CSU steht, geht das wohl auch mit dem „c“ in Ordnung. Also mit „consequent“ wie CSU. Der Grund hierfür ist schnell erklärt. Ein Verkehrsexperte schaut sich die Rechnung an, mit dem das Verkehrsministerium auf Einnahmen in Höhe von netto 500 Millionen Euro aus der Pkw-Maut kommt.

Und stellt fest, dass man als Grundlage die Zahl der ein- und der ausreisenden ausländischen Autos genommen hat. Nachdem aber ausreisende Pkw keine Maut bezahlen, wäre es richtiger gewesen, nur die einreisenden Autos in Ansatz zu bringen. Also die Hälfte. Weshalb sich die Erträge mindestens auf die Hälfte reduzieren, wenn nicht gar nur 130 Millionen betragen würden, wie der Experte errechnet hat.

Aber das ist nicht der Punkt. Entscheidend ist, dass der Experte das dem Verkehrsministerium mitgeteilt hat und einigen Politikern noch höchstpersönlich. Und vor allem rechtzeitig vor der Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag. Sogar vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages hat er sein Rechenexempel dargelegt. Was im Sitzungsprotokoll festgehalten wurde.

Der Erfolg: Die Maut wurde beschlossen. Das Verkehrsministerium machte sich noch nicht einmal die Mühe, die Berechnung des Verkehrsexperten in Frage zu stellen, zu dementieren. Es hat einfach nichts dazu gesagt. Und wie soll man das anders nennen als „consequent“. Die Maut war beschlossen, also hat man das entsprechende Gesetz verabschiedet. Kein Weichen und Wanken, auch wenn schon klar war, dass nicht nur falsch gerechnet worden war sondern auch Brüssel rummäkeln würde. Mehr „Consequenz“ geht wirklich nicht.

Kant und die Buchempfehlung

Es ist noch nicht einmal Kants berühmt, berüchtigter kategorischer Imperativ, von dem wir natürlich alle wissen, was er bedeutet, es ist lediglich der beliebte, simple Alltags-Imperativ: „Du musst das unbedingt lesen!“ Danach kommt ein Buchtitel, ein Zeitungsartikel oder irgendetwas anderes Schriftliches. Variante zwei: „Den musst du dir unbedingt anschauen!“ Da ist dann fast immer ein Film gemeint. Ist der Artikel in diesem Fall hingegen weiblich, so handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um eine Ausstellung. Wenn nicht, ist die Anweisung eher sexistischer Natur.

Denn was eigentlich eine freundlich gemeinte und dann wahrscheinlich gerne aufgegriffene Empfehlung sein sollte, klingt ja wirklich zumeist wie ein Befehl. Und nachdem der Gebrauch solcher Formulierungen absolut geschlechterübergreifend ist, kann man nicht davon ausgehen, dass ein Hang zum Militarismus oder eine Reminiszenz an Bundeswehrzeiten dahinter stehen könnten.

Vielmehr klingt das nach einer unumstößlichen Überzeugung, dass derjenige, an den die Botschaft gerichtet ist, ebenso empfinden wird wie der Hinweisgeber. Dass sie oder er eben auch das Buch, den Film oder die Ausstellung lieben, faszinierend finden, davon begeistert sein wird. Was gleichzeitig impliziert, dass hier nicht nur eine Koryphäe des jeweiligen Genres spricht sondern derjenige auch über so viel Kenntnis über das Gegenüber besitzt, dass er ganz bestimmt weiß, was diesem oder jener gefällt.

Was gleichzeitig ein erhellendes Licht auf dieses Verhalten wirft. Denn letztendlich wird hier so getan, als sei ein alter Menschheitstraum verwirklicht: Dass man weiß, was die oder der Andere fühlt, denkt, sucht, will. Weshalb man auch in Zukunft solche „Empfehlungen“ ganz gelassen sehen kann. Es gibt nämlich nichts was man „muss“. Denn ebenso, wie man selber oft nicht weiß, was man fühlt, denkt, sucht oder will, so kann man hundertprozentig sicher sein, dass das ein anderer Mensch noch weniger weiß. Und meistens sogar noch nicht einmal eine dumpfe Ahnung davon hat, was bei dem anderen vor sich geht.

Die Suche nach Nähe

Ob Buddha oder Dalai Lama, die Mönche in den christlichen Religionen, selbst die großen Denker, die keiner bestimmten Glaubensrichtung angehörten oder angehören, sie haben gesucht und suchen vor allem die Einsamkeit, die Ruhe, die innere Einkehr, um Weisheit, Verstehen und mitunter sogar eine der größten menschlichen Tugenden, die Toleranz, zu erlangen.

Der Großteil der Menschen unserer Hemisphäre gehen zum Beispiel bei diesen sommerlichen Temperaturen am liebsten in ein Schwimmbad, an einen See oder an ein Flussufer, wo sie dann dicht an dicht mit anderen Menschen die Natur, den Sommer und die Sonne genießen. Ein anderes Vergnügen in diesen herrlichen Zeiten sind für sie auch Straßencafés, wo sie nicht selten mit jenen zusammentreffen, die auch im Schwimmbad, an einem See oder einem Flussufer zu finden sind, aber auf jeden Fall wieder in großer Zahl.

Doch der Sommer beschert den Menschen auch viele Festivals, Konzerte und sonstige Veranstaltungen unter freiem Himmel, die wiederum Gelegenheit bieten, auf andere Menschen zu treffen. Wo man sich dann auch wieder dicht an dicht an den gebotenen Attraktionen vorbeischiebt oder in langen Schlangen darauf wartet, dass man vielleicht etwas zu essen oder zu trinken ergattert.

Wo auch immer man hingeht, es drängt sich überall der Eindruck auf, dass die Menschen unserer Tage und in besonders hierzulande die Nähe zu vielen anderen Menschen suchen. Was sich übrigens auch noch bestätigt, wenn man sich einmal an ihren bevorzugten Urlaubszielen umschaut. Auch dort vor allem Massen und weit und breit keine Einsamkeit. Weshalb man sich auch wirklich nicht wundern muss, zu was diese Menschen mitunter fähig sind.

Hitzerekord

Will man in diesen Tagen nichts mehr zu griechischem Wein und Tränen fördernden aktuellen Nachrichten vom Peleponnes sagen, so bleibt eigentlich nur noch dieser Jahrtausendsommer mit seinen Hitzerekorden, die im gefühlten Minutentakt gebrochen werden. In diesem Zusammenhang ist es allerdings der Mühe wert, etwas und im Detail auf die Tatsache einzugehen, dass in ähnlicher Taktung über „diese Hitze“ gestöhnt wird. Schließlich sind nicht nur unsere Exporteure und die Fußballer Weltmeister, auch was das Stöhnen betrifft, sind wir Deutschen ganz weit vorne. Zumindest, wenn das Stöhnen von irgendwelchen Umständen und Gegebenheiten ausgelöst wird und nicht etwa von sexuellen Handlungen.

Weshalb es auch durchaus sinnvoll ist, einen Blick auf das aus der sommerlichen Hitze resultierende zwanghafte Verhalten eines nicht geringen Teils der Bevölkerung zu werfen. Strömt doch dieser Teil und um der Hitze zu entkommen zu allem, was auch nur entfernt als Gewässer bezeichnet werden kann, sowie sich die Gelegenheit ergibt. Und das stets mit dem Hinweis, dass es ja sonst nicht auszuhalten sei. Weshalb sich dann viele Menschen gerne auch schon zur Mittagszeit und bei Sonnenhöchststand und mit wenigen Zentimetern Abstand zu den Leidensgenossen und auf der Haut perlendem Schweiß an Flüssen, Seen, Weihern, Kiesgruben und in öffentlichen Schwimmbädern aufhalten.

Wo dann alleine schon wegen der Körpertemperaturen die Außentemperaturen noch einmal um einige Grad steigen. Was natürlich wieder ein Grund zum Stöhnen ist, aber seltsamerweise nur in seltenen Fällen zu einer Einschränkung des Appetits führt. Dass die Aufnahme von Flüssigkeit an solch sommerlichen Tagen sehr wichtig ist, steht nicht zur Debatte. Wieso sich aber hartnäckig das Gerücht zu halten scheint, dass auch die Zufuhr von Kalorien zur Kühlung beitragen würde, ist mir absolut schleierhaft. Hat aber dazu geführt, dass inzwischen an öffentlichen Gewässern und in Schwimmbädern im Durchschnitt mindestens zwei Imbissbuden auf eine Toilette kommen.

Was wiederum zur Folge zu haben scheint, dass spätestens ab dem frühen Nachmittag auf zwei Liter Wasser ein Liter Urin kommt. Und somit auch die Temperatur des Wassers im Verlauf eines Tages und bis zum späten Abend ansteigt. Weshalb wiederum gestöhnt wird, weil das Wasser auch keine Abkühlung brächte. Die kann man sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen aber ganz leicht verschaffen. Indem man nämlich ganz einfach auf dieses ewige Stöhnen verzichtet. Zumindest auf jenes Stöhnen, das nicht von sexuellen Handlungen ausgelöst wird.