Schweigen

Tage gibt es, da wäre so viel zu sagen. Ein Blick über die Straße. In eine Zeitung. Auf einen TV-Bildschirm. Und dann macht man vielleicht noch eine Email auf. Und hat schon wieder etwas, worüber man sprechen müsste. Aber es kommt kein Wort über die Lippen. Weil man das Gefühl hat, das jedes Wort nur wieder das Fass zum Überlaufen bringen könnte. Und dann eine Flut losbricht, die Dämme einreißen kann.

Und alles überdeckt, was einem eigentlich wichtig ist. Was einem eigentlich sehr viel mehr wert ist als dieses Gerede, das einem den letzten Nerv raubt. Weil man es wieder und wieder hört.  Seit Jahren. Seit Jahrzehnten. Seit Jahrhunderten. Es will einem einfach nicht in den Kopf, dass die Menschen nicht damit aufhören. Und weil man alles sein möchte, nur nicht so wie sie, deshalb schweigt man. Vielleicht aber auch, weil man weiß, dass man genauso ist wie sie.   

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Das Leben ein Zufall

Das Urteil ist gefällt. Und damit auch endgültig bewiesen, dass es bei ganz genauer Betrachtung – also zum Beispiel aus Sicht des BND – bei dem NSU um drei Einzeltäter gehandelt hat, die rein zufällig zusammen wohnten. Da nach irgendwelchen Verbindungen oder Strukturen zu suchen, ist mehr als abstrus.

Wie hätten die den auch ein Netzwerk aufbauen sollen. Wo doch jeder, der halbwegs bei Trost und vielleicht auch noch in Diensten dieses Staates ist, weiß, dass Rechtsradikale dazu doch gar nicht in der Lage sind. Rückwärts gewandt, wie sie sind, können die doch noch nicht einmal ein Handy bedienen, geschweige ein Smartphone oder Internet. Sie schreiben ihre Mitteilungen wie dereinst in Runen und am liebsten auf Juchtenleder. Ein Wunder, dass die beiden Einzeltäter vom NSU überhaupt eine Pistole bedienen konnten.

Wahrscheinlich hätte man sich bei den kriminaltechnischen Untersuchungen viel besser mal mit der Möglichkeit beschäftigen sollen, ob die Opfer nicht vielleicht doch Suizid-gefährdet waren. Wenn man sich als Migrant hierzulande nicht richtig integriert, kann das locker zu Depressionen führen. Auch wenn wir damals noch einen anderen Innenminister hatten. Es wäre auf jeden Fall plausibler gewesen als dieses Geraune aus der linken Ecke, dass es ein rechtsradikales mörderisches Netzwerk gäbe.

Deutschland ist sicher

Wahrscheinlich haben wir das dem neuen Bundesinnen- und Heimatminister zu verdanken. Kaum ist er im Amt, schon fühlt man sich viel sicherer. Wozu natürlich auch solche Ereignisse beitragen. Da wird nämlich ein Mann in einer S-Bahn ohne Fahrschein angetroffen. Und nachdem er auch keine Ausweis-Papiere hat und trotz guter Deutschkenntnisse einwandfrei als Mensch mit Emigrationshintergrund von den Kontrolleuren identifiziert werden kann, diese aber leider nicht die Befugnis haben, den Mann gleich zu verhaften, wird die Polizei zur Unterstützung angefordert.

Der Mann macht zwar keinerlei Anstalten, sich einer weiteren Befragung zu entziehen, aber die Kontrolleure sind trotzdem mehr als erleichtert, als die polizeiliche Unterstützung in Gestalt von 6 – in Worten: sechs – Polizisten eingetroffen ist, um die Personalien festzustellen. Es also zu keinem Blutvergießen kommt, die Bevölkerung nicht in allzu große Gefahr geraten ist, und alle unmittelbar und mittelbar Beteiligten wieder aufatmen können. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

Stimmgewaltig

Ich konnte noch nicht abklären, ob es bereits eine anerkannte Sportart ist, es Vereine gibt oder Wochenendseminare zur Weiter- und Ausbildung, oder das Ganze noch unter dem Aspekt „privates Vergnügen“ verbucht werden muss. Auf jeden Fall findet es in der Öffentlichkeit statt. Und das Einzige, was man dazu braucht, ist ein Konzert. Unabhängig davon, ob es in einem Saal stattfindet, oder unter freiem Himmel. Auch wenn sich dadurch natürlich die Anforderungen verändern. Wie selbstverständlich auch durch die Art der Musik. Ob es also ein Rock-Konzert ist, klassische Musik gespielt wird, oder sentimentale Lieder gesungen werden.

Eine Voraussetzung muss auf jeden Fall erfüllt sein: eine zweite Person ist unbedingt erforderlich. Mutet es doch wirklich mehr als seltsam an, wenn jemand nur mit sich selber spricht. Das Zwiegespräch ist Kern und Angelpunkt bei diesem oft und gerne praktizierten Wettbewerb der Stimmen. Wohingegen der Ablauf immer gleich ist. Sowie die Musik einsetzt, beginnt man ein Gespräch mit einem Nebenmann oder auch einer Nebenfrau.

Und die Herausforderung besteht nun darin, sofort auf die Lautstärke der Musik mit noch mehr Lautstärke im Gespräch zu reagieren. Meister dieses Fachs ist, wer anhaltend lauter sprechen kann, als die Musiker spielen. Was natürlich eine gewaltige Herausforderung ist, wenn die Musik elektrisch verstärkt wird. Und wer es schafft, dass das Publikum nur noch dem Gespräch lauscht und die Musik komplett vergisst, der hat natürlich den Olymp in dieser Disziplin erreicht.  

Der Anfang ist gemacht

Der erste Schuss vor den Bug ist gefallen. Circa 800 Handelsgüter aus China bekommen eins obendrauf. Nämlich 25 Prozent Strafzoll. Weil sie sonst die Sicherheit der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika gefährden. Oder so ähnlich. Und wie versprochen hat die chinesische Regierung gleich nachgezogen. Die US-amerikanischen Bauern werden demnächst jubeln. Denn es betrifft insbesondere ihre Agrarprodukte.
Und jubeln werden auch die Turbo-Kapitalismus-Gegner, alle, die ewiges Wachstum für übertrieben halten. Denn man muss kein Wirtschaftswissenschaftler sein, um zu vermuten, dass in unseren Zeiten globaler wirtschaftlicher Zusammenhänge mit dem sich anbahnenden Handelskrieg zwischen den USA und China und der EU und anderen der mühsam erarbeitete momentane Wirtschaftsaufschwung einen spürbaren Dämpfer erhalten wird.
Allerdings ist absehbar, dass sich früher oder später die Augen der meisten Beteiligten mit Tränen füllen werden. Vielleicht nicht gerade bei Politikern oder Wirtschaftsbossen. Aber bei all denen, bei denen es dann kein Auskommen mit dem Einkommen mehr gibt. Die auf der Straße stehen, keine Arbeit mehr haben, keine Zukunft. Und die zum Beispiel in Deutschland mit Wehmut an die Zeiten zurückdenken werden, als wir kein größerer Problem hatten, als fünf Asylbewerber täglich in ihre Ankunftsländer zurück zu schicken.

Von links nach rechts

Es kommt ja inzwischen immer häufiger vor. Und das in Bevölkerungsschichten, von denen man bisher annahm, dass sie eigentlich immun sein müssten. Oder wer hätte vor zehn Jahren geglaubt, dass ein strammer Linksaußen eines Tages zum inneren intellektuellen Kern einer AfD gehören könnte. Was man dereinst schon an sich für einen Widerspruch gehalten hätte. Aber nun findet es statt. Gymnasiallehrer, die sogar Fritz Teufel persönlich oder zumindest vom Hörensagen kannten, schütteln jetzt bedenklich den Kopf, wenn jemand gegen den Innen- und Heimatminister wettert. Weil er doch wenigstens die Ängste der Bürger versteht, denn schließlich kann er sich selber sehr gut verstehen.

Noch verblüffender: ein Journalist zum Beispiel, der dereinst und als Redakteur des „Spiegel“ schon einen Helmut Kohl als nicht links genug kritisierte. Und sich jetzt bei Beatrix von Storch für das ganze Bild in Positur bringt. In der Hoffnung, dass aufgrund der gemeinsamen Positionen ein bisschen PR für sein aktuelles Buch rausspringt. Dezenter Hinweis: Dieser Journalist heißt nicht Marylin Monroe.

Die Namen der Stellungswechsler könnten spielend Seiten füllen. Man findet Professoren darunter, Mediziner und noch ein paar andere hochgeschätzte Berufsgruppen. Sogar Richter. Das man fast geneigt ist zu sagen: Also wenn die das sagen, dass Gauland und Weidel Recht haben, dann kann das ja nicht so falsch sein. Kann allerdings auch zu der Vermutung führen, dass es einfach Wirkung zeigt, wenn im Kampf gegen die Rechtsaußen oft genug wiederholen, welche Ängste der rechten Bürger sie ernst nehmen. Wobei es natürlich nie nachvollziehbar sein wird, ob sie da nicht auch von sich selber sprechen. Was allerdings ebenso abwegig ist wie die Überlegung, dass mancher in diesem Kampf gegen Rechts selber ein bisschen Schlagseite bekommt, weil er seine eigenen Ängste nicht gänzlich vernachlässigen möchte.

Stürzt 45

So geht Demokratie. Da haben die Verantwortlichen bei dem US-amerikanischen Discounter Walmart doch glatt übersehen, dass es in ihrem Warensortiment ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Impeach 45“ gibt. Was nichts anderes ist als der Aufruf, den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, zu „stürzen“. Weshalb umgehend Anhänger des America-first-Präsidenten zum Boykott von Walmart aufriefen.

Kam natürlich prompt der Rückruf für diesen Artikel, sämtliche T-Shirts mit diesem Aufdruck wurden aus den Regalen genommen. Weshalb jetzt auch wieder Trump-Anhänger bei Walmart einkaufen. Wozu sie allerdings auch allen Grund haben. Denn natürlich gibt es auch weiterhin bei diesem Discounter T-Shirts mit dem Aufdruck „Make America Great Again“, dem allseits beliebten und bekannten Schlachtruf und Wahlkampf-Slogan von US-Präsident Donald Trump.