Lohnerhöhung

Schon dieser Tage habe ich es kurz angedeutet. Man sollte einfach nicht nur das Negative sehen. Sondern viel besser nach dem Erfreulichen Ausschau halten. Auch wenn man vielleicht eine Lupe braucht. Oder ein Fernglas. Jedenfalls habe ich mich zuerst einmal über die gerade wieder steigenden Benzinpreise respektive Preise für Diesel echauffiert.

Doch inzwischen habe ich mich an Details aus dem BWL-Studium erinnert. Was mich zur Einsicht brachte und zu der Erkenntnis, dass es nur einen plausiblen Grund für die Preiserhöhungen geben kann: Lohnerhöhungen! Denn die müssen natürlich auf das Produkt umgelegt werden. Also Gratulation an alle Werktätigen der Öl verarbeitenden Industrie. Ihr habt es verdient, dass endlich mal wieder mehr in die Lohntüte kommt.

 

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Ansprüche

Die Psychiater sind ausgelastet, die geschlossen Anstalten gut gefüllt. Doch es laufen immer noch mehr als genug Menschen durch die Gegend, die ganz offensichtlich einer Behandlung bedürfen. Man begegnet ihnen auf der Straße, in jeder beliebigen Gegend, im In- wie im Ausland. Es wird darüber geschrieben, was sie anrichten, in Fernsehen, Internet oder Rundfunk wird über sie und ihre Taten berichtet. Und manchmal hat man den Eindruck, dass sie auf dem besten Weg zu einer Mehrheit sind. Dass Menschen, die Menschlichkeit nicht nur buchstabieren sondern auch leben können, eine bedrohte Spezies sind.

Aber vielleicht ist einfach der Anspruch zu hoch. Vielleicht sollte man schlicht sich und die Welt nur noch glücklich preisen, wenn der schlimmste Fall nicht eingetreten ist. Wenn es vielleicht einen Tag ohne Amoklauf oder terroristischen Anschlag gab. Oder zumindest keine Nachricht darüber verbreitet wurde. Vielleicht sollte man sich ganz entspannt und zutiefst zufrieden zurücklehnen, wenn an einem Tag Not und Elend und Leid einmal nicht noch eklatant größer geworden ist. Vielleicht kann man nicht mehr an Glück verlangen, als dass das Kind wieder gesund und wohlbehalten nach der Schule nach Hause kommt.

Echo

Die Echo-Verleihung fand zwar schon vor drei Tagen statt, aber nachdem ich wirklich keine Lust und auch nicht die psychische Verfassung hatte, mich dieser Paradesendung deutscher Unterhaltung auszusetzen, musste ich jetzt erst einmal mühsam recherchieren, was da überhaupt los war. Habe mich also durch die Texte von Kollegah & Farid Bangs Album „JBG3“ gearbeitet, unterstützt von einer Art Synonym-Lexikon des deutschen Rap. Original-Ton: „Von hinten nehmen“ als eine andere Bezeichnung für Geschlechtsverkehr in der Doggystellung oder auch Hündchenstellung. Wow! Aber immerhin hat man so schon einmal einen ersten Eindruck, wovon die beiden Sängerknaben auf diesem Album „Jung Brutal Gutaussehend 3“, die Begriffe, die für „JBG“ stehen, am liebsten erzählen.

Kurzum und einmal unberücksichtigt lassend, dass die beiden Rapper nun wirklich nicht besonders gut aussehen, Campinos Statement, dass mit diesen Musikstücken seine persönliche Schmerz- und Toleranzgrenze überschritten sei, weil die Songs als frauenfeindlich, homophob, rechtsextrem oder antisemitisch eingestuft werden können, ist mehr als berechtigt. Denn es wird nicht nur von hinten genommen, die Texte sind auch schlicht ausländer- und frauenfeindlich, durchaus als antisemitisch interpretierbar – und außerdem einfach nur phantasielos. Was mir allerdings bei Campinos Speech sehr gefehlt hat, das war die wohl mehr als berechtigte Frage, wer bei Echo auf die Idee gekommen ist, diese beiden Pseudo-Rapper mit einem Deutschen Musikpreis auszuzeichnen. Es gibt nur eine, einigermaßen plausible Erklärung: Sie haben sich die Songs nicht angehört.

 

Frühling

Sie leuchten dieses Jahr ganz besonders in der Landschaft, die Forsythien mit ihrem kräftigen Gelb. Aber allenthalben haben Farben das Zepter in der Natur übernommen. Die Wiesen sind schon wieder recht saftig, Bäume haben ihr erstes Grün angelegt. Die Vögel zwitschern schon mit Tagesanbruch und sind den ganzen restlichen Tag damit beschäftigt, dem Nachwuchs ein Heim zu bauen. Alles signalisiert Aufbruch und Neuanfang. Sogar die Knospen des etwas bedächtigeren Flieders scheinen kurz davor zu stehen zu explodieren. Die Raketen, die in Syrien niedergegangen sind, haben das schon hinter sich.

Boomende Börse

Mal sollte zwischendurch und insbesondere an einem Freitag den 13. einfach mal positiv denken. Nehmen wir also einmal an, dass der Typ, der gerne damit den Tag beginnt, mit seinen Tweets die Welt ein Stückchen näher an den Abgrund zu schubsen, dass also der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika weiß, was er tut. Und da bleibt eigentlich nur eine Erklärung für seinen jüngsten Vorstoß in Sachen Syrien und Giftgas. Immer noch positiv denkend und insofern davon ausgehend, dass er nicht idiotisch genug sein dürfte, wirklich eine atomare Auseinandersetzung mit Russland zu riskieren.

Auf dieser Grundlage und unter Berücksichtigung steigender Ölpreise und boomender Börsen als Folge der angedrohten Raketenangriffe auf syrische Militärbasen, bleibt eigentlich nur die Annahme, dass es ihm einzig um die Belebung der Finanzmärkte ging. Denn die haben sehr positiv, also ausgesprochen „bullisch“ auf die mögliche Eskalation reagiert. Hoffentlich bringt das diesen Präsidenten trotzdem nicht auf die Idee, dass so ein kleiner Atomkrieg für seine Geschäfte und die Staatsfinanzen einen richtigen Schub mit sich bringen könnte.

Erklärung der Erklärung

Das ist doch wirklich verführerisch. Endlich einmal nicht für Hebammen unterschreiben, oder gegen Unkrautvernichtungsmittel. Endlich einmal seinen Namen unter eine Petition setzen – und sich dabei in bester Gesellschaft zu befinden. Nämlich in der Gesellschaft von Intellektuellen, DDR-Regimekritikern, Publizisten,  Schriftstellern und Professoren und, und, und. Gut Sarrazin hat jetzt nicht gerade den allerbesten Ruf, aber ein schwarzes Schaf gibt es ja immer.

Jedenfalls hat das auf den ersten Blick einen Hauch von ’68 und im Namen Seriosität: „Erklärung 2018“. Und dann auch noch der Hinweis, dass der Auslöser für diese Erklärung die „Sorge um Deutschland“ sei. Doch das Glück währt nur kurz, denn auch die Erklärung ist nur kurz. Und eindeutig. Was da so professoral und bedeutsam und beindruckend daherkommt, ist nur eine Außenstelle der AfD. Man sorgt sich wieder mal nur wegen der „illegalen Masseneinwanderung“.

Gelöstes Rätsel

Nun ist es also gelöst, eines der letzten großen Rätsel der Menschheit. Wobei wir es einmal unerheblich sein lassen wollen, welcher Herkunft der Urheber dieser revolutionären Erkenntnis ist, wir wollen doch schließlich keine Vorurteile fördern. Außerdem ist es einzig und allein entscheidend, dass wir einem Mann die Antwort auf diese Frage verdanken, die seit Jahrtausenden die Menschheit beschäftigt und bis vor nicht allzu langer Zeit auch noch die Justiz in unserem Lande.

Wie ein kürzlich geführtes Gespräch eindrucksvoll bestätigte, geistern selbst noch in unserer, von Youtube und Google aufgeklärten Welt noch verschiedenste Thesen zu diesem Thema. Umso schöner, dass jetzt mit allen Mutmaßungen Schluss ist. Und um es auf den einfachsten Nenner zu bringen: Homosexuell werden Knaben, wenn ihre Mütter beim Zeugungsakt an einen anderen Mann als den gerade mit der Zeugung beschäftigten zu denken.

Wenn also das passiert, was viele Männer befürchten. Dass nämlich ihre Partnerin während des Aktes lieber an Brad Pitt oder Florian Silbereisen denkt, als sich gänzlich auf ihren Bettgenossen zu konzentrieren. Die These, dass im Umkehrschluss Mädchen lesbisch werden, wenn der Mann bei der Zeugung an eine andere Frau als an die ihm beispielsweise angetraute denkt, ist meiner Ansicht nach nicht belastbar. Müssten doch dann mehr oder minder fast alle Mädchen lesbisch sein.