Ungleichbehandlung

Wahrscheinlich hat es ja schon die eine oder der andere mitbekommen und ist ähnlich wütend wie ich. Derzeit bietet nämlich ein sehr bekanntes schwedisches Möbelhaus in einem Katalog ein Kinderbett an. Zu einem akzeptablen Preis, der sich allerdings in einem ganz bestimmten Fall noch mal durchaus drastisch reduziert. Davon einmal abgesehen, dass das preisreduzierte Angebot erst einmal nur für Schweden gilt, kommt es allerdings nur zum Tragen, wenn eine gravierende Voraussetzung erfüllt ist. Oder wie es laut Presseberichten in einem Werbespot auf Twitter sehr einfühlsam formuliert wird: „Auf diese Werbung zu pinkeln könnte dein Leben ändern“. Was durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn auf der Katalogseite ist ein Schwangerschaftstest integriert. Und ist der dann positiv, dann wird sich natürlich – wie alle Eltern wissen – das Leben der Betroffenen auf jeden Fall ändern.

Was nicht vom Ergebnis des Tests berührt wird, das ist die Diskriminierung, die darin steckt. Nämlich die aller Männer, die ja zumeist doch irgendwie in irgendeiner Form an der Grundlage für solch eine Situation beteiligt sind. Weshalb sich die Frage stellt, warum auf dieser Katalogseite aus Gründen der Gleichbehandlung nicht auch noch ein weiterer Test angeboten wird. Damit könnte jedenfalls vermieden werden, dass der Eindruck entsteht, nur Frauen hätten das Recht auf ein verbilligtes Kinderbett. Für Männer wäre das Hinterlassen eines entsprechenden Beweises auch gänzlich unproblematisch, es wäre höchstwahrscheinlich für sie und im Gegensatz zu Frauen wohl nicht das erste Mal, dass auf sie auf einer Heftseite etwas hinterlassen.

 

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Wochen-Sieger

Man möge es mir verzeihen, dass ich es ein wenig drastisch formuliere und es eigentlich ein alter Hut ist. Aber der Voll-Horst der Woche, für den ich mich natürlich gleich bei allen Horsts entschuldige, ausgenommen bei Seehofer, der muss einfach wieder einmal an den aktuellen US-amerikanischen Präsidenten gehen. Er ist klarer Sieger, dank zweier Äußerungen. Da sind einmal die F-52-Bomber, die laut ihm an Norwegen ausgeliefert werden. Nur leider nicht in der Realität existieren, sondern nur in einem Computerspiel.

Weshalb sich jetzt fast die ganze Welt fragen sollte, ob das nicht wieder ein genialer Schachzug des bekennenden TV-Stars war. Es würde nämlich nicht wundern, wenn der Präsident oder wenigstens seine Tochter Aktien der Firma hätte, die das betreffende Computerspiel Call of Duty verkauft. Die hat jedenfalls gerade angezogen und verzeichnet mit einer Zuwachsrate 56,6 Prozent ein neues Jahreshoch. Die restliche Welt ist übrigens überzeugt davon, dass dieser Lapsus ausschließlich krankheitsbedingt ist.

Zweiter Punkt, der den US-Präsidenten zum Wochensieger macht, ist natürlich die Bemerkung über „shithole countries“, aus Gründen des Anstands von deutschen Medien ausschließlich mit „Drecksloch-Länder“ übersetzt. Womit ignoriert wird, dass selbst renommierte Wörterbücher die Bedeutung des englischen Wortes „shit“ mit „Scheiße“ angeben.

Ob nun Dreck oder Scheiße, gemeint waren damit jedenfalls Haiti und Länder Afrikas. Und auch hier kann ich nur der allgemeinen Ansicht widersprechen, es handle sich lediglich wieder einmal um eine rassistische Aussage des US-Präsidenten. Ich bin allerdings noch nicht dahinter gekommen, welche Aktien steigen, wenn ein US-amerikanischer Präsident afrikanische Länder oder Haiti als „Drecksloch-Länder“ bezeichnet.

Erfolgs-Story

Angeblich hat die SPD zwanzigtausend Flüchtlinge rausgeschlagen. Was ja durchaus beachtlich ist, wenn man davon ausgeht, dass die UNO-Flüchtlingshilfe von etwa 65 Millionen Flüchtlingen weltweit ausgeht. Jedenfalls ist jetzt angeblich von 180 000 bis 220 000 Flüchtlingen jährlich die Rede, über die nachzudenken eine künftige GroKo gewillt wäre.

Und als Zuckerl obendrauf für die SPD-Basis soll der Solidaritätszuschlag reduziert werden. Schließlich wird es keine Steuererhöhung für Spitzenverdiener geben wird. Und außerdem ist nach dem Abschneiden der AfD in den einstmals neuen Bundesländern Solidarität in diesem Zusammenhang nicht mehr unbedingt das Wort der Stunde.

Einen Kompromiss hat man auch für die Bürgerversicherung gefunden. Mit der es vielleicht möglich geworden wäre, die Zwei-Klassen-Gesellschaft im sogenannten Gesundheitswesen zu beenden. Aber nachdem für den Eintritt dieses Super-Gaus prophylaktisch schon viele Ärzte die Beantragung von Hartz IV in Aussicht gestellt haben sollen, hat man jetzt dem Hörensagen nach lieber vereinbart, dass sich in Zukunft wieder Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen.

Und damit das Soziale komplett in den Mittelpunkt gerückt wird, und so vielleicht sogar die Jusos begeistert werden können, hat man offensichtlich das Thema Umwelt erst mal weitestgehend ausgeklammert und stattdessen eine Erhöhung des Kindergeldes um 25 Euro avisiert. Weshalb einen dann doch ein bisschen das Gefühl beschleichen möchte, dass vielleicht das eine oder andere von den SPD-Forderungen auf der Strecke geblieben sein könnte. Und das eventuell dem Verhandlungsgeschick der Sozialdemokraten anzulasten wäre.

Denn wenn die SPD der CSU signalisiert hätte, dass sie lieber einen Seehofer als Bundeskanzler hätte und Dobrindt unbedingt Finanzminister werden müsste, dann hätte sie im Gegenzug auch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes für hohe Einkommen zugestanden bekommen. Die CDU hätte wohl trotzdem zu ihrer Verantwortung gestanden, für Volk und Vaterland, und letztendlich zugestimmt. Eine günstigere Gelegenheit, Angela Merkel los zu werden, wäre ja wohl nicht mehr so schnell gekommen.

Winter-Diät

Was wird nicht immer gemeckert über den derzeitigen Zustand unserer Republik. Da sei der totale Stillstand, heißt es, und das bei all den anstehenden Problemen. Doch gerade diese Meckerer sollten einfach etwas genauer hinsehen. Denn obwohl wir immer noch keine neue Regierung haben, wir haben ein Parlament, das jetzt wirklich nicht Däumchen dreht. Wie zum Beispiel am 13. Dezember des gerade vergangenen Jahres.

Da hat nämlich der Bundestag – fast gänzlich unbemerkt von der Öffentlichkeit – beschlossen, dass das bisherige Anpassungsverfahren für die Abgeordnetenentschädigungen auch in der neuen Wahlperiode wirksam bleibt. Klingt ein bisschen sperrig, ist aber ganz einfach. Denn es bedeutet lediglich, dass die Abgeordnetendiäten, derzeit etwa 9.500 Euro zuzüglich monatlichem Personalbudget von etwas mehr als 20.000 Euro, Bahncard erster Klasse und Fahrbereitschaft, zum 1. Juli automatisch angehoben werden. Gemäß Nominallohnindex. Also gemäß der allgemeinen Lohnentwicklung.

Weshalb Abgeordnete, einmal abgesehen davon, dass sie sowieso nicht die Zeit dazu hätten, nicht streiken müssen, um mehr Geld zu bekommen. Dass es mehr wird, dafür sorgen Arbeiter und Angestellte und die Gewerkschaften. Und so ist es ja wohl nur gut, richtig und wichtig, dass die IG Metall jetzt 6 Prozent mehr Lohn und Gehalt fordert und mit ihren Mitgliedern auf die Straße geht. Die moralische Unterstützung der Bundestagsabgeordneten ist ihnen wohl sicher.

Dienstboten 3.0

Wir gehen goldenen Zeiten entgehen. Zumindest wenn eintritt, was aktuell in Los Angeles als Zukunft verkauft wird. Und bereits mit sprachgesteuerten Lautsprechern wie Alexa oder Google Home und anderen in einer vielversprechenden Erprobungsphase ist. Weshalb ihr Wirkungskreis noch weiter ausgebaut werden soll.

Kann man jetzt durch Ansage diese Apparate dazu bringen, Bestellungen aufzunehmen und in die Wege zu leiten, Einkaufslisten zu führen oder Kaffeemaschinen anzuschmeißen, so sollen sie in Zukunft quasi alle Aufgaben übernehmen, die im häuslichen Bereich für sie anfallen. Mit der Option, dass sie irgendwann kaum noch Befehle brauchen, sondern selbständig die Einkäufe erledigen und Tagesabläufe managen.

Einmal davon abgesehen, dass ich eigentlich stolz darauf bin, dass ich selbstständig eine Tür öffnen kann, was zum Beispiel einer Küchenschabe nicht so leicht gelingt, ist ein Aspekt natürlich mit einer gewissen Besorgnis zu sehen. Bei mir auch ausgelöst von einer Meldung, die gleich im Anschluss an den Beitrag über die Zukunftsmesse in Los Angeles kam.

Dass nämlich zum Beispiel in unserer Bundesrepublik annähernd 50 Prozent aller Frauen Übergewicht hätten, bei den Männern sogar zwei Drittel. Und da habe ich versucht, mir vorzustellen, wie sich das wohl auf das Gewicht der Menschen auswirken wird, wenn sie in Zukunft nur noch auf der Couch sitzen und Alexa und Konsorten Befehle erteilen. Essen würden sie allerdings noch selber. Das könnte Folgen haben. 

Mensch und Maschine

Dass Geräte des täglichen Bedarfs, also Toaster, Waschmaschinen, Laptops, Fritteusen oder Smartphones, so konstruiert sind, dass dem Besitzer im Bedarfsfall, also einem Schadensfall, eine Reparatur nicht zugemutet werden kann, weil zumeist fast so teuer wie das Gerät neu kostet, daran haben wir uns ja wohl schon gewöhnt. Um nicht zu sagen, wir wollen es nicht mehr missen. Versetzt es uns doch in die glückliche Lage, erstens immer auf dem neuesten Entwicklungsstand zu sein mit unseren Gerätschaften. Und zweitens endlich mal wieder shoppen gehen zu können.

Nun deutet alles darauf hin, dass diese Verfahrensweise auch immer mehr auf den Menschen übertragen wird. Durch die Zahl der Hüftgelenk-Operationen wurde der Trend immer deutlicher, setzte sich mit anderen Austauschaktionen am menschlichen Körper kontinuierlich fort. Und nun scheint man die Idee offensichtlich auch vermehrt im Bereich der Zahnmedizin aufzugreifen. Zahnerhalt war gestern, heute wird ausgetauscht. Manchmal auch das komplette Kauwerkzeug gegen All-inclusiv-Implantate.

Und mitunter auch störrischen Menschen auf die Sprünge geholfen: Finger auf den Zahn gelegt und hin und her bewegen. Seltsamerweise hat so jeder das Gefühl, dass der Zahn wackelt. Also raus mit dem Ding und einen Neuen gekauft. Dass dies etwas damit zu tun haben könnte, dass so eine Neuanschaffung im Zahnbereich bis zu 30.000 Euro kosten kann, während eine Tiefen-Prophylaxe gerade mal mit 100 bis 200 Euro für den Zahnarzt zu Buche schlägt, ist natürlich unwahrscheinlich. Vielmehr ist davon auszugehen, dass dies nur zu unserem Besten ist. Damit auch unsere Körper zumindest in Teilen wieder wie neu sind.

Neuanfang

Man kann sich das ja in etwa so vorstellen: Da ist eine Beziehung in die Brüche gegangen. Man hat sich eine Auszeit gegönnt. Ist dann, zumindest auf einer Seite, auch mal auf Partnersuche gegangen zwischendurch. Hat aber auch nicht geklappt. Aber weil man an die armen Kinderlein denkt, möchte man trotz alledem einen Neu-Anfang probieren.

Man setzt sich also zusammen, alle Kränkungen und unterschiedlichen Standpunkte im Gepäck, die letztendlich mit zur Trennung geführt haben. Und als dann jemand nachfragt, wie denn das Gespräch verlaufen sei, vor allem, weil ja vorher noch vor Freunden schwer gestänkert worden war, da lautet die Antwort: Das Gespräch sei „ernsthaft, konstruktiv und offen“ gewesen.

Aber möglicherweise ist das der Unterschied. Während in einer realen Beziehung das Gespräch wohl mit Tränen, erneuten gegenseitigen Anschuldigungen und einem mitternächtlichen Drama geendet hätte, gehört es einfach zum Handwerk von Politikern, jemand freundlich anzulächeln, der noch kurz zuvor ziemlich Unflätiges vom Stapel gelassen hat. Vielleicht sollte man in Beziehungen öfter mal so tun, als wäre man in der Politik.