Schlagwort-Archive: AfD

Liebe der Algorithmen

Also da können andere wirklich noch etwas von der AfD lernen. Was ihre Klamotten angeht, sind sie ja nicht immer so richtig stilsicher. Was allerdings ja auch einfach daran liegen könnte, dass diese schicken braunen Uniformen bei uns nicht so gerne gesehen sind. Aber wenn es um Social Media geht, da sind sie ganz weit vorne.
Sie kriegen nämlich bei Facebook für so einen richtig guten Knaller-Post annähernd drei mal mehr Likes als alle anderen inländischen Parteien zusammen. Weil die nämlich noch nicht gemerkt haben, wie so eine Plattform für Freunde funktioniert. Es geht nämlich gar nicht darum, was man postet. Die berühmt berüchtigten Algorithmen müssen nur merken, dass sich Leute dafür interessieren. Und schon schlagen sie den Post noch viel mehr Menschen vor.
Und so weiter. Und so weiter. Und so weiter. Und was interessiert Menschen eigentlich zu jeder Tages-und Nachtzeit? Klar doch: Diffamierungen, Lügen, Übertreibungen. Und am liebsten unter der Gürtellinie. Oder knapp darüber. Argumente? Das ist was für Weicheier. Für Pussys. Und bringt keine Likes. Auch nicht im Zusammenhang mit Wahlen. Da sind die ganz einfachen Unwahrheiten ganz besonders beliebt.

Pyrrhus

Sie kapieren es einfach nicht. Ob sie nun gelbe Westen tragen oder schwarze Kapuzen-Pullis, Glatzen oder Rauschebärte. Es ändert immer etwas, wenn Menschen zusammengeschlagen werden, umgebracht werden. In den seltensten Fällen aber etwas an dem, was wirklich oder auch nur vorgeblich Grund für eine solche Attacke war.

Genau genommen: nie. Aber es wird in die Hände der jeweiligen Gegenseite gespielt. Man gibt ihr die Berechtigung, sich bestätigt zu fühlen. In den Vorurteilen, den Lügen und Halbwahrheiten. Man gibt ihr die Rechtfertigung für ihre Demagogie, die Hasstiraden der Vergangenheit. Und für die Zukunft. Ein lapidares „selber schuld“ ist selbst im Falle eines AfD-Mitglieds nicht sehr konstruktiv.

Das lässt diese rechten Volksvertreter sich noch mehr die Hände reiben. Dieser Überfall, wer auch immer auf die Idee kam, ist ein glänzender Beitrag zum Europa-Wahlkampf der Rechten. Und für den Weg zur stärksten Kraft in den Landesparlamenten von Sachsen und Thüringen. Also herzlichen Dank, ihr schwarz gekleideten Schläger. Vielleicht werdet ihr ja für eure Mühe von einem Mäzen aus der Schweiz belohnt.

Neiddebatte

Das ist doch mal wieder typisch deutsch. Da bekommt jemand und ganz ohne Zutun einen warmen Regen ab, besser gesagt Geldregen, und schon fangen alle anderen an rumzumäkeln, sprechen von Betrug und dass es unrechtmäßig sei. Dabei hat es nur jemand gut gemeint mit der armen, immer gescholtenen AfD und ganz besonders mit der Vorsitzenden Alice Weidel. Die, wie eigentlich immer, von nichts eine Ahnung hatte. Weshalb ihr jetzt die Überraschung ins Gesicht geschrieben ist.

Während die anderen Parteien rumgeifern, von wegen Wahlkampfspenden aus dem Ausland, was ja eigentlich nur Schwachsinn sein kann, denn die Schweiz kann ja gar kein Ausland sein, weil doch da die AfD-Vorsitzende wohnt und außerdem im deutschen Bundestag sitzt, wenn sie nicht gerade auf den Boden stampft. Deshalb mein Appell an alle auf-rechten Bürger: Spendet für Alice Weidel, falls die AfD jetzt wirklich das dreifache der Spende als Strafe zahlen muss. Nur weil ein paar abgewrackte Volksparteien neidisch sind. Ihnen spendet man nämlich ja noch einmal mehr Aufmerksamkeit.

Bumerang

Der emeritierte Freiburger Staatsrechtler Dietrich Murswiek hat ein Gutachten erstellt, demzufolge sein Auftraggeber mit dem Risiko lebt, dass er vom Verfassungsschutz beobachtet werden könnte. Und man kann sagen, dass er nicht gerade linksliberal ist. Auftraggeber ist übrigens die AfD. Tenor des Gutachtens: Wenn AfD-Abgeordnete weiterhin sagen, was sie bisher schon gesagt haben, wird das vom Verfassungsschutz gewürdigt werden. Durch Beobachtung. Was zumindest ehemalige CSU-Wähler dazu bewegen könnte, die Partei zu verlassen. Und CDU-Wähler von der Idee abbringen könnte, sich für und bei dieser Partei all zu sehr zu engagieren.

Weshalb Parteichef Alexander Gauland sinngemäß gesagt haben soll, dass er dann ja morgens gar nicht mehr aufzustehen brauche. Was im Übrigen für den Rest der Partei auch gilt. Aber nicht nur, weil jetzt Hans-Georg Maaßen, Ex-Protegé von Horst Seehofer und Ex-Chef des Verfassungsschutzes, als Berater entfällt. Das Gutachten listet nämlich konkret Äußerungen auf, die unterlassen werden sollten, wie zum Beispiel „Umvolkung“, „Überfremdung“, „Volkstod“ oder „Umerziehung“. Und „Lügenpresse“. Würden sich AfD-Politiker daran halten, wäre das also gleichbedeutet mit einem Schweigegelübde. Forderungen in der Partei, sich „allen Denk- und Sprechverboten“ zu widersetzen, sind offensichtlich die einzig rechte Lösung.

Selbstzerstörung

Ursprünglich hatte ich ja vorgesehen, mich heute einmal über die Macht der Angst auszulassen. Dass mit der Angst Menschen gegängelt werden können, und dies auch noch dem Verursacher ganz offensichtlich große Freude bereiten kann. Muss man sich nur einmal die Gesichter der AfD-Granden im Bundestag anschauen, wenn die Regierungsparteien sich an die Gurgel gehen, weil sie glauben, man könnte den Menschen die Angst nehmen, wenn man das macht, was die Auslöser und Verbreiter der Angst als Allheilmittel angeboten haben.

 Aber jetzt ist mir Banksy dazwischen gekommen. Der Street-Artist der hintergründigen Graffitis, der es bis heute geschafft hat, anonym zu bleiben, hat mit einer spektakulären Aktion die Kunstwelt verblüfft und wohl auch etwas schockiert. Ort der Handlung Sotheby‘s, Objekt der Aktion seine Arbeit „Kind mit Herz-Luftballon“. Das Bild ist gerade für etwas mehr als eine Million Euro versteigert worden, da schiebt es sich wie von Geisterhand geschoben aus der unteren Seite des Rahmens hinaus. Allerdings in Streifen geschnitten.

Der Street-Artist mit dem skurrilen Humor hatte eine Art Papier-Schredder eingebaut, mit Mechanismus für die Selbstzerstörung. Nachzusehen auf Instagram, wo Banksy ein Video gepostet hat, mit dem er alles haarklein erklärt. Und auch gleich noch das Motiv liefert: Ein Zitat, das Picasso zugeschrieben wird. Der soll gesagt haben: „Welche Freude, nur zu zerstören um wieder zu beginnen.“  Meine Befürchtung ist allerdings, dass dieses Bild von Banksy jetzt in Streifen geschnitten das Doppelte wert ist. Und von einem Russen gekauft wird. Oder Amerikaner.

Sicherheit gefragt

Wer wird uns jetzt sagen, welches Video authentisch ist? Welchen Nachrichten wir noch vertrauen können. Oder ob sie nur lanciert wurden, um von einer anderen Nachricht abzulenken. Kann es zum Beispiel wahr sein, dass ein Mensch seines Postens enthoben wird, damit er einen veritablen Quantensprung auf der Karriereleiter macht. Sein neuer Posten nicht nur mehr Ansehen garantiert, sondern auch mehr Geld. Wovon soll die Information ablenken, dass extra ein Staatssekretär entlassen wurde? Damit besagter Mann seinen neuen Posten als Staatssekretär antreten kann.

Im Gegensatz dazu will man der Behauptung einer Partei sofort und uneingeschränkt Glauben schenken, die auf Wahlplakaten verkündet, sie, die Partei, wolle mehr Sicherheit „für unsere Frauen und Töchter“. Auch wenn die Frage bleibt, warum die angestrebte Sicherheit nicht auch für die Frauen und Töchter von Männern und Frauen gelten soll, die nicht dieser Partei angehören. Aber vielleicht liegt das daran, dass diese Partei nicht weiß, dass in Deutschland mehr als 100.000 Frauen und Töchter alljährlich durch Ehemänner oder männliche Anverwandte Gewalt erfahren. Die Partei also ihre Frauen und Töchter auch vor ihren männlichen Parteimitgliedern schützen müsste.

Ende des Pflegenotstands

Bin gerade mal wieder durch Bayern gefahren. Zwar waren wir schon durch die Berichterstattung über das Familiengeld auf die Tatsache vorbereitet, dass jetzt im Oktober Landtagswahlen sind. Jenes Familiengeld, das jetzt gerade noch rechtzeitig ausgezahlt wird und pro Kind und Jahr 3000 € in die Haushaltskassen spült. Gleich ob Niedriglöhner oder Vorstandsvorsitzende. Was den bayerischen Staat bei den 200.000 gestellten Anträgen einen erklecklichen Betrag kosten dürfte. Aber so viel darf einem eine Mehrheit schon wert sein.

Jedenfalls sind jetzt in Bayern überall die Wahlplakate zu sehen. Und da verblüfft die CSU. Mit ihrer Bescheidenheit. „Unser Ministerpräsident“, heißt es da zum Beispiel nur. Oder  „Bayern verpflichtet“. Was einen Journalisten der SZ zu der Überlegung Anlass gab, ob basierend auf der Redewendung „Eigentum verpflichtet“ damit gemeint sein könnte, dass die CSU Bayern als ihr Eigentum ansieht. Unbekannt, ob sie sich dem irgendwie verpflichtet fühlt.

Nicht viel zum Überlegen gibt es allerdings bei der AfD und ihrem Slogan „Wir halten, was die CSU verspricht“. Denn dazu bräuchten sie einen Heimatminister in Berlin und einen Söder in München. Stattdessen haben sie nur einen Gauland in Berlin und einen Höcke in Sachsen. Also die übliche Masche: Dem Volk, das nicht mehr identisch ist mit dem Volk von 1989, aufs Maul schauen. Und dann die Parolen rumposaunen, die dieses hören will.

So richtig zum Staunen brachte mich hingegen ein Plakat der FDP. Ja, Überraschung, die gibt es auch in Bayern. Und die hat offensichtlich ziemlich weit oben auf der Agenda und auf Plakaten die „Digitalisierung in Pflegeheimen“.  Und das klingt wirklich so, als müsste man das überlastete Pflegepersonal einfach nur mit iPads und schnellem Internet ausrüsten. Schon hätte der Pflegenotstand ein Ende. Und dann müssten sich die Pflegekräfte wohl nur noch ein Beispiel an FDP-Chef Lindner nehmen und einfach sagen: „Es ist besser, nicht zu pflegen, als falsch zu pflegen.“