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Es ist vollbracht

Heureka! Könnte man sagen, wenn man des Alt-Griechischen mächtig wäre. Jedenfalls ist nicht nur der Groschen sondern auch eine Entscheidung gefallen. Vor wenigen Minuten hat der SPD-Vorstand das Ergebnis verkündet, und es bedeutet ein „Ja“ zu Koalitionsverhandlungen. Was auch bedeutet – natürlich auch Alexander Dobrindt sei Dank –, dass der Zwergenaufstand niedergeschlagen wurde. Und selbst wenn man nicht unbedingt ein Verfechter von weiteren vier Jahren behäbigen Regierens ist, weitere Monate ohne eine Regierung wären jetzt auch nicht so prickelnd gewesen.

Was mich ganz persönlich am meisten an einer Groko stört, das ist der Verdacht, dass es zu einem Wiedersehen kommen könnte mit manchem Gesicht, das schon in der vergangenen Legislaturperiode latente Brechreize ausgelöst hat. Der sich nicht unbedingt und einzig auf ein Pflanzengift oder Auto-Schadstoffe zurückführen lässt, aber doch zumindest in einem engen Zusammenhang mit diesen steht.

Ich wünsche mir eine Chance für neue Gesichter, wohl wissend, dass auch hinter diesen nicht immer und zu allen Gelegenheiten ein kluger Kopf stecken wird. Ganz ohne Nostalgie wird es sowieso nicht abgehen. Schließlich bleibt uns Frau Merkel erhalten. Die Aufgabe könnte also lauten: Bewahren und trotzdem in die Zukunft schauen. Das könnte sich auszahlen. Auch ohne Steuersenkung für Vielverdiener.

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Erfolgs-Story

Angeblich hat die SPD zwanzigtausend Flüchtlinge rausgeschlagen. Was ja durchaus beachtlich ist, wenn man davon ausgeht, dass die UNO-Flüchtlingshilfe von etwa 65 Millionen Flüchtlingen weltweit ausgeht. Jedenfalls ist jetzt angeblich von 180 000 bis 220 000 Flüchtlingen jährlich die Rede, über die nachzudenken eine künftige GroKo gewillt wäre.

Und als Zuckerl obendrauf für die SPD-Basis soll der Solidaritätszuschlag reduziert werden. Schließlich wird es keine Steuererhöhung für Spitzenverdiener geben wird. Und außerdem ist nach dem Abschneiden der AfD in den einstmals neuen Bundesländern Solidarität in diesem Zusammenhang nicht mehr unbedingt das Wort der Stunde.

Einen Kompromiss hat man auch für die Bürgerversicherung gefunden. Mit der es vielleicht möglich geworden wäre, die Zwei-Klassen-Gesellschaft im sogenannten Gesundheitswesen zu beenden. Aber nachdem für den Eintritt dieses Super-Gaus prophylaktisch schon viele Ärzte die Beantragung von Hartz IV in Aussicht gestellt haben sollen, hat man jetzt dem Hörensagen nach lieber vereinbart, dass sich in Zukunft wieder Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen.

Und damit das Soziale komplett in den Mittelpunkt gerückt wird, und so vielleicht sogar die Jusos begeistert werden können, hat man offensichtlich das Thema Umwelt erst mal weitestgehend ausgeklammert und stattdessen eine Erhöhung des Kindergeldes um 25 Euro avisiert. Weshalb einen dann doch ein bisschen das Gefühl beschleichen möchte, dass vielleicht das eine oder andere von den SPD-Forderungen auf der Strecke geblieben sein könnte. Und das eventuell dem Verhandlungsgeschick der Sozialdemokraten anzulasten wäre.

Denn wenn die SPD der CSU signalisiert hätte, dass sie lieber einen Seehofer als Bundeskanzler hätte und Dobrindt unbedingt Finanzminister werden müsste, dann hätte sie im Gegenzug auch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes für hohe Einkommen zugestanden bekommen. Die CDU hätte wohl trotzdem zu ihrer Verantwortung gestanden, für Volk und Vaterland, und letztendlich zugestimmt. Eine günstigere Gelegenheit, Angela Merkel los zu werden, wäre ja wohl nicht mehr so schnell gekommen.

Erfolgsmeldung

Natürlich wäre ein bisschen Jamaika nicht schlecht gewesen. Also etwas mehr Farbe und karibische Lebensfreude. Weitere vier Jahre die Uni-Farben von Frau Merkel, das Einheitsgrau der Männer und die weißen Blusen von Frau Von der Leyen, das ist eine schon sehr deprimierende Zukunftsaussicht. So aber hat auf jeden Fall erst einmal der Klimaschutz gewonnen – und natürlich auch viele Menschen, die Schutz suchen vor Hunger und Verfolgung.

Denn es hat sich doch mehr und mehr abgezeichnet, dass Jamaika hierzulande zum Synonym für eine ungebremste und kaum innovative Industrie und Strom aus Kohle werden würde. Und Migranten und Asylsuchende unbeschadet der farblichen Vielfalt in der Regierung mehr denn je auf eine graue Mauer gestoßen wären. Im Scheitern liegt halt immer auch eine Chance. Klimaschützer und Menschenrechtler können erst einmal aufatmen.

Bonn(e) nuit

Heute ist also der große Tag. Ein Meilenstein bekommt seinen Platz, das Spektakel beginnt. Und es wird wohl erneut eine Klimakonferenz sein, die Geschichte schreibt. Es werden Absichten vereinbart werden, die zwar nicht unbedingt besagen, dass irgendetwas davon umgesetzt wird. Aber man wird das gute Gefühl haben, dass jetzt etwas passieren könnte. Es also noch nicht zu spät ist, die Menschheit noch gerettet werden kann.

Und es gibt sogar Leute, die zumindest den Eindruck vermitteln, dass sie daran interessiert wären. Auch wenn Chinas Mann No. 1, Herr Xi Jinping, vor allem daran denkt, dass dies ein neuer, lukrativer Markt sein könnte, wenn er davon spricht, dass China alles tun werde, um die in Paris anvisierten Klimaziele einzuhalten. Doch leider haben wir keinen Herrn Xi.

Denn Frau Merkel würde Deutschland zwar weiterhin gerne als Vorreiter verkaufen, die Einsicht, dass das vielleicht Konsequenzen haben müsste, hat sich noch nicht durchgesetzt. Außerdem gibt es jetzt ein kleines Problem.

Es gibt Herrn Lindner und die F.D.P. Denn vor die Frage gestellt, ob man bereit sei fürs Klima Arbeitsplätze „zu opfern“, also den „industriellen Selbstmord“ zu riskieren, möchten Herr Lindner und die F.D.P lieber die Menschheit opfern. Dass in Deutschland wieder liberale Politik gemacht wird, ist eben wichtiger.

 

Wahl-O-Mat

Es ist offensichtlich Endspurt. Man kann kaum noch aus dem Haus gehen, denn irgendwo lauert schon jemand mit einem Flyer und will im günstigsten Fall wissen, warum man denn nun seine Partei so gar nicht mag. Schlimmer noch sind jene, die glauben, man könnte sich für ihre Partei interessieren. Was sie nämlich dazu nötigt, alles runter zu leiern, was man sowieso schon auswendig kennt. Immerhin habe ich ausreichend Kugelschreiber für die nächsten vier Jahre. Und natürlich habe ich schon den Wahl-O-Mat mit meiner Wunschliste gefüttert, doch auch da war das Ergebnis eher niederschmetternd.

Deshalb ist meine Lieblingskonstellation, dass so ziemlich alle CDU/CSU-Sympathisanten und –Parteimitglieder am nächsten Sonntag siegesssicher zu Hause bleiben, was es der AfD ermöglicht, die bei 19 Prozent dümpelnde SPD und Lindners F.D.P. rechts zu überholen und als zweitstärkste Kraft in den Bundestag einzuziehen. Ohne die keine Regierung gebildet werden kann.

Was für Frau Merkel, die jetzt sagt, dass es mit der AfD keine Koalition geben wird, kein unlösbares Problem darstellen würde. Schließlich hat sie ja auch gesagt, dass es mir ihr keine Pkw-Maut gibt. Vielleicht fangen dann jedenfalls ja wieder mehr Menschen hierzulande an, sich für Politik zu interessieren, wenn erst einmal Herr Gauland Innenminister und Frau Weidel Außenministerin ist. Dobrindt kann ruhig Verkehrsminister bleiben.

Verstörende Symbole

Eine Raute ist ein Viereck mit vier gleich langen Seiten, wobei gegenüberliegende Seiten parallel und gegenüberliegende Winkel gleich groß sind. Lena Meyer-Landrut ist laut übereinstimmender Beiträge im Internet eine Sängerin, die im Jahr 2010 einen Eurovision Song Contest für Deutschland gewann. In den mir zur Verfügung stehenden lexikalischen Werken ist sie nicht aufgeführt. Hat sich aber nun in den Bundestagswahlkampf eingeschaltet. Mit einem Post bei Instagram, das ein Porträt in Schwarz/Weiß von ihr zeigt, im unteren Teil von drei Symbolen und dem Satz „weil sie Frauen die Vision gibt, alles werden zu können“ ergänzt.

Bei den Symbolen handelt es sich nach meinen Recherchen im ein „I“, was für das englische „Ich“ steht, ein Herz und die Merkel-Raute. Letztere verstört mich etwas. Insbesondere in diesem Zusammenhang. Denn ich kann nur hoffen, dass Frau Meyer-Landrut ausdrücken wollte, sie sei Frau Merkel herzlich zugewandt, weil diese Frauen die Vision gebe, alles werden zu können. Sieht man nämlich von sprachlichen Ungenauigkeiten ab, so ist es vor allem der Umstand, dass eine Raute mitunter auch als Symbol für eine Vagina verwendet wird, der hier nachdenklich stimmt. Aber vielleicht ist das eine Frage des Alters. Vielleicht wissen viele Menschen nicht so genau, wer Frau Merkel ist. Bei der Raute aber sofort, wer gemeint ist.

Wahl der Waffen

Merkel-Gegner greifen zu Tomaten, um ihr Missfallen auszudrücken. Alice aus dem AfD-Wunderland inszeniert einen telegenen Abgang, um den politischen Gegner ins rechte Licht zu rücken. Und US-Donald macht das, was er am besten kann. Er versucht aus seinen politischen Niederlagen Kapital zu schlagen und will deshalb Süd-Korea möglichst viele Waffen verkaufen. So hat jeder seine Art und Weise, um für das zu kämpfen, was ihm lieb und wert ist.

Sollte es sich bei den Tomaten um ein Produkt aus Holland gehandelt haben, wäre dies eine Waffe, wie ich sie noch am ehesten akzeptieren könnte. Aus ökologischer Sicht. Und als Liebhaber einer guten Küchen. Womit ich mich aber nicht auf die Seite der Merkel-Gegner stellen möchte, geschweige denn für den Einsatz von Tomaten in der politischen Auseinandersetzung plädieren will. Für mich kommt als Waffe nur das Wort in Frage. Gut abgewogen und ausgereift. In kleinen Portionen. Weshalb hier schon Schluss ist für heute. Zeit fürs Mittagessen.