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Wo spielt Messi

Die Freunde des Fußballs sind europa- und weltweit alarmiert. Was passiert, fragen sie sich, wenn Katalonien nicht mehr zu Spanien gehört, ein eigener Staat ist. Spielt dann der FC Barcelona erst einmal mit seinem Messi gegen Mannschaften wie die von Arenys de Munt, einem Städtchen 40 Kilometer nördlich von Barcelona, um die katalanische Meisterschaft? Damit er dann endlich wieder an einem europäischen Wettbewerb teilnehmen kann? Und brauchen Urlauber, die dann nach Katalonien wollen, ein Visum, um in Barcelona die Ramblas rauf und runter flanieren zu können? Und bekommt man das in einer katalanischen Botschaft, falls es eine gibt?

Der Plan der Separatisten scheint also vielleicht noch nicht so ganz ausgereift zu sein. Nur eines steht schon ziemlich fest: Dass ein EU-Beitritt Kataloniens eher unwahrscheinlich ist. Denn dem müsste Spanien zustimmen. Und wie geht es mit der Wirtschaft dann eigentlich weiter? Die Hälfte der Ausfuhren ging bis jetzt nach Spanien. Der Rest größtenteils in die EU. Seltsam nur, dass auch Spanien so tut, als wollte es die Katalanen unbedingt los werden. Mit ihren martialischen Reaktionen bringen sie auch noch den letzten Katalanen dazu, sich den Separatisten anzuschließen. Meine Vermutung: Dahinter steckt Real Madrid.

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Noch einmal verliebt

Was ist das für ein Urlaub? Am Strand sitzen und auf das Meer hinaus starren. Die Toten von Barcelona und Cambrils im Kopf. Und all die Trumps, Kim Jong-uns und Erdogans dieser Welt. Du entkommst den Bildern nicht. Nicht dem, was die Irren dieser Welt in hohen Ämtern von sich geben. In jedem Strandcafé grinsen sie dich von der Wand an. An jedem Zeitungsstand. Und dann gibt es ja auch noch das Internet. Wo dir der ganze Wahnsinn dieser Welt entgegen geschleudert wird, wenn du nur mal die Emails checkst. Weil du wissen willst, ob die Lieben daheim wohl auf sind.

Ob das allerdings in Alaska oder auf Borneo anders wäre, wage ich mittlerweile zu bezweifeln. Natürlich gibt es in Alaska keine Strandcafés. Aber Flatscreens an den Wänden in den Kneipen gibt es wahrscheinlich trotzdem. Und es würde mich schon schwer wundern, wenn nicht auch über Borneo ein Satellit dafür sorgt, dass die Nachrichten taufrisch aufs Smartphone gelangen. Man kann einfach nicht mehr den Kopf in den Sangria-Eimer stecken. Oder in den Sand, wie man früher sagte. Was fehlt, ist bis dato eine App, mit der man den Kopf ausschalten kann.

Alkohol wirkt jedenfalls nicht nachhaltig genug. Nicht 24 Stunden am Tag. So viel weiß ich schon. Psychopharmaka sind insofern nicht so empfehlenswert, weil es ab einem gewissen Punkt sehr schwer wird, wieder in den Normalmodus zu kommen. Das Einzige, was mir spontan einfällt, das wäre die Liebe. Verliebt zu sein, mit all seinen Schmetterlingen im Bauch und den ganztägigen rosaroten Brillen. Da wäre sicher alles ausgefiltert, was jetzt so auf die Stimmung drückt. Und wie das Leben leider schon gelehrt hat, ist nicht zu befürchten, dass der Zustand chronisch wird.

Solidarität

Wieder einmal denkt man, dass die Welt nicht mehr so ist, wie sie vorher war. Und weiß doch ganz genau, dass sie schon immer so war. Aber eben vielleicht nicht gerade direkt vor unseren Augen. Fast wehmütig würde man, wenn es nicht so arrogant und unerträglich wäre, an die Zeit zurück denken, als sich zumindest gefühlt Terrorakte irgendwo auf der Welt abspielten. Aber nicht bei uns. Was allerdings nur belegt, wie die Erinnerung die Ereignisse manipuliert. Gab es nicht 1972 einmal olympische Spiele in München? Mit vielen Toten und Verletzten? Kennt noch jemand die Namen Schleyer oder Bader-Meinhof?

 Doch abgesehen von den Erinnerungslücken gibt es einen Unterschied. Jetzt sind die Opfer fast ausschließlich dem Zufall überlassen. Nicht das Kapital oder Israel sind das Ziel. Sondern Kinder, Mütter, Väter, Enkel, Großeltern. Und am liebsten, wenn sie gerade dabei sind, sich ein bisschen zu amüsieren. Am Leben zu erfreuen. Und so gesehen, ist die Welt jetzt doch eine etwas andere. Und es scheint niemand eine Idee oder einen Plan zu haben, wie man das wieder rückgängig machen könnte. Solidarität mit den Opfern scheint jedenfalls nicht genug zu sein.

Mallorca

Mallorca, habe ich gesagt. Warum nicht Mallorca? Hat schon jemals jemand von einem Terroranschlag auf einer Insel gehört? Einmal von Großbritannien abgesehen. Aber das ist ja so groß, dass es schon keine richtige Insel mehr ist. Auch ohne EU. Also wir sind ja etwas weiter im Süden. Aber eine Promenier-Meile gibt es hier auch. Und weit und breit keine Betonklötze zu sehen. Oder wenigstens Poller. Und dann haben wir gerade gestern darüber gesprochen, dass wir eigentlich auch mal nach Barcelona fahren könnten, uns die Ramblas mal anschauen. Weil von denen doch alle so schwärmen, die schon mal in Barcelona waren. Und jetzt das.

Was ich jetzt allerdings am allerwenigsten brauchen kann, das sind Statements wie die von der spanischen Königsfamilie. Von wegen, wir lassen uns unsere Ramblas nicht nehmen. Also für mich sind die jetzt erst mal weg. Man kann doch jetzt nicht dahin fahren und abfeiern, wo die ganzen Menschen gestorben sind und verletzt wurden. Also ich würde jetzt am liebsten nach Hause fahren. Geht aber nicht. Keinen Flug, und das Hotel ist ja schon bezahlt. Und dann die armen Menschen in Barcelona. Die ganze Stimmung ist jetzt futsch. Wo ich mir doch ganz sicher war, dass so etwas wie diese Terroranschläge ja eigentlich immer wo anders passieren.

Städtereisen

Zeit, sich endlich mal wieder ein paar Feinde zu machen. Übrigens aus aktuellem Anlass. Der Versuch, für einen kleinen Oster-Brunch ein paar Leute einzuladen, ist nämlich kläglich gescheitert. Zugegeben, schon ein bisschen was einzukaufen, bevor alle Absagen eingegangen waren, das war natürlich ein Fehler. Falls also noch jemand Osterschinken und kunstvoll gefärbte Eier braucht, bitte melden. Jedenfalls war so zu erfahren, dass sich die Aufenthaltsorte unserer Freunde und Bekannten folgernder maßen aufteilten: Zwei Mal war Barcelona das Reiseziel, Florenz bekam eine Nennung; ebenso Dubrovnik und Venedig; außerdem waren Rom, Lissabon und London vertreten.

Nur zwei der Eingeladenen hatten es vorgezogen, zu Hause zu bleiben. Einer allerdings nur wegen eines Magen-Darm-Virus. Alle anderen waren im wahrsten Sinne des Wortes ausgeflogen. Aber mal ausnahmsweise kein Wort über den CO²-Ausstoß von Flugzeugen. Doch ebenso furchterregend ist, dass Millionen andere ebenfalls ausgeflogen waren. Um sich an Orten zu treffen, die eigentlich eine Reise wert wären. Wenn man dort nicht durch die Straßen geschoben würde wie beim Karneval in Köln. Durch Städte, die letztendlich nicht nur vom Tourismus leben. Sondern zum großen Teil auch durch ihn zu sterben drohen.

Weil sie an den Menschenmassen ersticken. Eine Einschätzung übrigens, die nicht nur auf einer gerade gesehenen, diesbezüglichen TV-Dokumentation beruht. Der letzte Selbstversuch, dem Nachwuchs etwas Welt-Kulturerbe nahe zu bringen, liegt zwar schon ein paar Jahre zurück. War aber aussagekräftig genug. Und um es gleich zu sagen, der Versuch ist gescheitert. Weil wir es nicht einmal bis zum einzigen, wenn auch riesigen Parkplatz schafften. Wegen Überfüllung. Kurz vorm Dehydrieren haben wir aufgegeben.

Andere Menschen scheinen die Massen zu lieben. Schieben respektive lassen sich über die Rialto-Brücke oder durch Les Rambles schieben, stehen stundenlang vor den Uffizien an. Und man könnte lapidar sagen, dass die Geschmäcker halt verschieden wären. Wenn die Orte der Reisebegierde nicht zu riesigen Tourismus-Parks verkommen würden. Die Gewinne daraus nicht nur bei den Dienstleistenden und Städten sondern mehr und mehr bei Konzernen landen würden. Die für die Rendite ohne Wimpernzucken in Kauf nehmen, dass inzwischen nicht nur Regenwälder sondern auch Städte zerstört werden.