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Zwei sind einer zu viel

Ein Mann, namentlich bekannt, will seine Meinung äußern. Der Anlass: eine Partei, die zwar auch namentlich bekannt ist, hier aber nicht genannt werden soll, weil es völlig ausreichend ist zu sagen, dass es jene Partei ist, die das große A im Namen trägt und der christlichen Partei gegen den Asyltourismus die Wähler wegnehmen will. Weshalb man erwähnen sollte, dass dieser Mann ausgerechnet in dem Bundesland seine Meinung äußern will, in dem letztere Partei demnächst ihr Vormachtstellung verlieren könnte.

Jedenfalls hat sich dieser Mann mit einem handgemalten Plakat auf einen öffentlichen Platz gestellt, auf dem er die Auffassung äußerte, dass schon einmal in Deutschland  und insbesondere vor Beginn eines tausendjährigen Reichs viele dachten, dass es schon nicht so schlimm werden wird, was da auf Deutschland zukommt. Und weil in einiger Entfernung andere Leute ebenfalls gegen besagte Partei mit dem A demonstrierten, war natürlich auch Polizei vor Ort. Die jedoch an dem Mann mit dem Plakat keinen Anstoß nahm: Freie Meinungsäußerung!

Doch dann kam ein Bekannter des Mannes vorbei und blieb für einen kurzen Moment für einen kleinen Plausch stehen. Weshalb die Polizei noch einmal zurück kam und nun eine Ordnungswidrigkeit erkannte, da jetzt zwei Männer im Dunstkreis des Plakates standen, und es sich somit um eine unangemeldete Versammlung handle. Der Mann bekam einen Bußgeldbescheid, gegen den er Einspruch erhob. Mit dem Ergebnis, dass ihm ein Amtsgericht mitteilte, dass demnächst der Termin für die Hauptverhandlung angesetzt werde. Fazit: Meinung ist nur im Singular straffrei. Oder sie muss angemeldet werden.

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Offenes Ende

Also die hatte ich ja überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. Irgendwie hatte man ja eher den Eindruck, dass sich die FDP und ihre Politikerinnen und Politiker nach ihrem Abschied von den Jamaika-Verhandlungen kollektiv zum chillen nach Malle abgesetzt hätten. Das war wohl so nicht so ganz richtig. Die FDP ist jedenfalls zumindest in Bayern wieder voll da. Was dann allerdings ein Indiz dafür sein könnte, dass doch alle auf Malle waren. Jedenfalls sind sie gerade dabei, die Politik so richtig aufzumischen mit dem Thema Ladenschluss. Mit dem soll endlich Schluss sein.

 

„Der Staat hat mündigen Verbrauchern nicht vorzuschreiben, wann sie werktags einkaufen gehen. Während die Grünen den Bürgern am liebsten den veganen Einkaufszettel diktieren würden, will die CSU den Bürgern ihre Einkaufszeiten vorschreiben. Ein Staatsdirigismus, den wir Liberale nicht länger akzeptieren“, sagte jetzt die bayerische Generalsekretärin der FDP, Miriam Gruß, und verteilte demonstrativ kurz vor Ladenschluss kleine Lebensmitteltüten.

Und bezogen auf mich ist diese Aktion auf jeden Fall ein Erfolg. Ich weiß jetzt, dass eine Miriam Gruß Generalsekretärin der bayerischen FDP ist. Bin auch dankbar für den diskreten Hinweis, dass in diesem Jahr ja Wahlen in Bayern sind. War außerdem schon immer der Meinung, dass man aus den Beschäftigten im Einzel- und Großhandlung wirklich noch einiges mehr rausholen kann. Was die Belastung betrifft, haben sie noch lange nicht das Niveau von Pflegepersonal. Noch offen ist allerdings für mich die Frage, ob sich die FDP den Inhalt für die verteilten kleinen Lebensmitteltüten bei einer der Tafeln in München geholt hat.

  

 

Spätfolgen

Es tut mir ja herzlich leid, und ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich mich mit solchen Äußerungen auf das inzwischen allgemein übliche niedrige Niveau in den angeblich sozialen Netzen begebe, nicht allzu weit von dem entfernt bin, was ich eigentlich gerne kritisiere. Aber es ist Aschermittwoch heute, da kann man sich das schon mal erlauben. Vielleicht mit dem Hinweis, dass es Spätfolgen wären des etwas überbordenden Alkoholgenusses am gestrigen Abend.

Was ich durchaus auch für den Gegenstand meiner, mit Schnappatmung verbundenen Entrüstung gelten lassen würde. Wenn ich wüsste, dass es zutreffend wäre. Aber ich habe eigentlich kaum einen Zweifel, dass die Gründe für die verbalen Rundschläge der CSU-Politiker Scheuer und Söder, dem bayerischen Doppel-S, einfach auf der Tatsache basieren, dass die Herren massive Potenzprobleme haben.

Nur so lässt sich in meinen Augen diese ganze Frustration und Häme erklären, die in jedem dieser, von mir beanstandeten Sätze mitschwingen, also womit die Herren Scheurer und Söder heute Festzelt-Stimmung in Passau machten. Das war unterste Schublade und gipfelte in dem Satz des Noch-Heimatministers Söder, dass Deutschland sei nur so erfolgreich sei, „weil es uns Bayern gibt“.  Wer das fürs Ego braucht, sollte unbedingt auch Porsche fahren. Ich habe jedenfalls Olaf Scholz einen Brandbrief geschrieben, die GroKo zu „lindnern“.

Umgangsformen

Die türkischen Freunde des türkischen Präsidenten mit den außergewöhnlichen Machtbefugnissen in Deutschland hatten schon im vergangenen Jahr eine neue Partei gegründet: Die Allianz Deutscher Demokraten. Ihr Gründer hat Auftritte von Erdogan in Deutschland organisiert, nennt Erdogan einen Helden – und hat, wie die Namensgebung beweist, Sinn für Humor. Auslöser für die Gründung war übrigens die Verabschiedung der Armenien-Resolution im Deutschen Bundestag.

Jetzt wurde endlich auch ein Landesverband in Bayern gegründet, wo man mit der Aversion gegen Homosexuelle sicher mehr Beifall bekommt als zum Beispiel in NRW. Jetzt habe ich mir überlegt, dass es vielleicht doch auch möglich sein müsste, dass Deutsche mit einem türkischen Pass in der Türkei eine Partei gründen, die gegen Erdogan auftritt: Die Allianz Türkischer Demokraten vielleicht. Aber gleich festgestellt, dass das keine sehr gute Idee wäre. Der Umgang mit Demokraten, die gegen Erdogan sind, ist in der Türkei schließlich ein anderer.

Herbsttage

Die Urlaubsbräune verblasst schon so langsam. Der Widerstand, noch keine Lebkuchen und keinen Stollen zu kaufen, wird wohl bald zusammen brechen. Schließlich werden ja bereits Kataloge und die Auslagen der Geschäfte nach potentiellen Weihnachtsgeschenken durchsucht. Und jetzt hat uns auch noch der Herbst gezeigt, wie stürmisch er sein kann. Mit tödlichen Folgen und ziemlicher Verwüstung. Hat aber natürlich nichts mit Klimawandel zu tun, sondern vor allem mit der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel. Denkt sich der Teil von Deutschlands lautstarker Minderheit, der dieses Mal wenigstens auch wählen gegangen ist. Weshalb sich die politische Arbeit momentan vor allem auf Sitzordnungen beschränkt. Aber es ist halt Vorweihnachtszeit, die „staade“ Zeit, wie man in Bayern sagt. Auch wenn es gerade mal Oktober ist. Doch die Zeit ist schließlich schnelllebiger geworden. Außerdem werden mittlerweile die Kerzen ja schon ganzjährig angezündet, zumindest dort, wo der Terror oder auch einfach nur Psychopathen ohne terroristischen Hintergrund ihre Opfer gefunden haben.

Man könnte also sagen, dass zumindest optisch das ganze Jahr über so etwas wie Weihnachtsstimmung herrscht. Und wenn dann auch noch Apple sein neuestes Smartphone präsentiert, dann klingeln die Kassen süßer als alle Glocken. Nur dass die Engelein in vielen Regionen nicht gerade von Frieden und Freud singen. Eher vergeht den Menschen dort Hören und Sehen. Weshalb Fernsehgeräte eine Fernbedienung haben. Damit der Mensch hierzulande nicht aufstehen braucht, wenn er zur Unterhaltungssendung wechselt, bevor er auch noch anfängt zu glauben, dass das gezeigte Elend vielleicht sogar echt sein könnte. Was gerade jetzt irgendwie überhaupt nicht passt. Schließlich sind ja die Spendenaktionen noch nicht angelaufen, wo wir uns vor Weihnachten alljährlich unsere Ablässe kaufen, damit es eine fröhliche Weihnacht wird.

Der siebte Tag

Und Gott sprach – mehr oder minder sinngemäß: Am siebten Tag sollst du ruhen. Da wusste er allerdings noch nicht, dass es einmal eine 38-Stunden-Woche und Erlebnisbäder geben wird, Städtereisen oder Wochenendflüge in so ziemlich alle Metropolen der Erde. Heute lautet die Parole daher wohl eher: Sei vorsichtig bei der Wahl der Fluggesellschaft. Damit du auch und vielleicht nicht völlig erschöpft am Montag wieder an deinem Arbeitsplatz bist. Zwei Stunden und bei leicht tropischen Temperaturen am Flughafen zu warten, kann etwas anstrengend sein. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben. Auch wenn ich momentan überhaupt keine Ahnung habe, wer das gesagt haben könnte. Vielleicht mache ich das nächste Mal Urlaub in Bayern.

Meinungszwang

Haben wir es nicht richtig gut? Sofern es nicht gängige Gesetzgebung verletzt, können wir sagen, was wir wollen. Wir müssen nicht überlegen, ob das jetzt irgendeinem Staatsoberhaupt gefällt. Noch nicht einmal ein König von Bayern könnte es uns untersagen, zu sagen, was wir denken und meinen. Und so ist es gut und richtig, wenn davon Gebrauch gemacht wird. Von mir aus auch in schriftlicher Form auf Facebook oder irgendwelchen Internetforen und in Kommentaren, zu welchem Ereignis auch immer.

Nur wünsche ich mir immer mehr, dass sie es nicht täten. Nicht, dass ich etwas gegen Meinungsfreiheit hätte. Absolut nicht. Ich würde zum Beispiel höchst ungern in der Türkei leben. Obwohl ich dieses Land kulturhistorisch ausgesprochen interessant finde. Was mich stört, das ist der zunehmende verbale Zwang, der ausgeübt wird. Dass sich immer mehr Menschen dazu berufen fühlen, zu sagen, was ein anderer zu denken oder vielleicht sogar zu fühlen hat.

Es scheinen nicht mehr allzu viele Leute davon auszugehen, dass letztendlich jeder Mensch für sich entscheiden kann und sollte, was er gedenkt zu denken oder zu tun oder zu lassen. Ganz im Gegenteil hat es mehr und mehr etwas kategorisches, wenn Meinungen und Ansichten geäußert werden. Um nicht zu sagen, etwas Erpresserisches. Denn wer mit dieser oder jener Meinung nicht übereinstimmt, gerät im günstigen Falle in Gefahr, als Idiot oder zumindest als dumm hingestellt zu werden. Und wer möchte das so gerne.

Da von Meinungsterror zu sprechen, wäre natürlich etwas übertrieben. Denn wir wissen inzwischen annähernd, wie Terror aussieht. Aber man hat schon das vage Gefühl, dass dies eine Vorstufe sein könnte. Wenn ich es nicht mehr akzeptiere, dass jemand anderes eine andere Meinung hat. Eine andere Sicht auf die Dinge.  Denn bedeutet es letztendlich nicht, dass ich keinen Respekt vor dem anderen Menschen habe? Dass ich anderen ihre Meinung lasse, heißt zwar nicht, dass ich meine ändern muss. Scheint sich aber anscheinend noch nicht rumgesprochen zu haben.