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Erfolgs-Story

Angeblich hat die SPD zwanzigtausend Flüchtlinge rausgeschlagen. Was ja durchaus beachtlich ist, wenn man davon ausgeht, dass die UNO-Flüchtlingshilfe von etwa 65 Millionen Flüchtlingen weltweit ausgeht. Jedenfalls ist jetzt angeblich von 180 000 bis 220 000 Flüchtlingen jährlich die Rede, über die nachzudenken eine künftige GroKo gewillt wäre.

Und als Zuckerl obendrauf für die SPD-Basis soll der Solidaritätszuschlag reduziert werden. Schließlich wird es keine Steuererhöhung für Spitzenverdiener geben wird. Und außerdem ist nach dem Abschneiden der AfD in den einstmals neuen Bundesländern Solidarität in diesem Zusammenhang nicht mehr unbedingt das Wort der Stunde.

Einen Kompromiss hat man auch für die Bürgerversicherung gefunden. Mit der es vielleicht möglich geworden wäre, die Zwei-Klassen-Gesellschaft im sogenannten Gesundheitswesen zu beenden. Aber nachdem für den Eintritt dieses Super-Gaus prophylaktisch schon viele Ärzte die Beantragung von Hartz IV in Aussicht gestellt haben sollen, hat man jetzt dem Hörensagen nach lieber vereinbart, dass sich in Zukunft wieder Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen.

Und damit das Soziale komplett in den Mittelpunkt gerückt wird, und so vielleicht sogar die Jusos begeistert werden können, hat man offensichtlich das Thema Umwelt erst mal weitestgehend ausgeklammert und stattdessen eine Erhöhung des Kindergeldes um 25 Euro avisiert. Weshalb einen dann doch ein bisschen das Gefühl beschleichen möchte, dass vielleicht das eine oder andere von den SPD-Forderungen auf der Strecke geblieben sein könnte. Und das eventuell dem Verhandlungsgeschick der Sozialdemokraten anzulasten wäre.

Denn wenn die SPD der CSU signalisiert hätte, dass sie lieber einen Seehofer als Bundeskanzler hätte und Dobrindt unbedingt Finanzminister werden müsste, dann hätte sie im Gegenzug auch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes für hohe Einkommen zugestanden bekommen. Die CDU hätte wohl trotzdem zu ihrer Verantwortung gestanden, für Volk und Vaterland, und letztendlich zugestimmt. Eine günstigere Gelegenheit, Angela Merkel los zu werden, wäre ja wohl nicht mehr so schnell gekommen.

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Die große Angst

Es kommt zwar nicht mehr ganz so häufig vor, aber es gibt sie immer noch. Paare, die zehn Jahre und länger zusammen leben, sich nichts mehr zu sagen haben, sich nicht mehr ausstehen können, sich befehden, mitunter bis aufs Messer. Aber eben zusammen bleiben. Weil scheinbar nichts so schlimm sein kann, als das Leben zu verändern. Und die Angst vor diesem Schritt sitzt tief und ist auch schon viel früher da, nicht erst, wenn die Situation fast ausweglos erscheint.

Und es gibt natürlich noch andere derartige Situationen. Im Job zum Beispiel. Und immer nach dem gleichen Muster: Lieber aushalten, als etwas ändern. Fast könnte man den Eindruck haben, dieses Verhalten wäre in den menschlichen Genen eingraviert. Gesichert ist hingegen die Erkenntnis, dass auch die Politik nicht frei davon ist. Ein Beleg dafür wurde gerade in Berlin abgeliefert. Die Sondierungsgespräche der Jamaika-Parteien sind letztendlich an der Angst vor Veränderung gescheitert.

So wie auch jede Chance, vielleicht doch noch Kohlen aus dem Feuer zu holen, um zum Beispiel die Klimaerwärmung zu reduzieren, daran scheitert. Lieber rennen wir offenen Auges ins Verderben, als unser Leben zu verändern. Denn das müssten wir. Jetzt. Wir müssten damit aufhören, wahllos in der Gegend und in der Welt herum zu fahren und zu fliegen. Wir müssten uns fragen, ob wir wirklich alles brauchen, was wir haben. Alles kaufen müssen, was der Geldbeutel hergibt.

Wir müssten aufhören, Waren über aberwitzige Entfernungen zu transportieren, damit wir zwischen 35 Fleisch- und 73 Obstsorten auswählen können. Und vielleicht nicht mehr unser Büffet mit Rosen aus Afrika schmücken. Kurzum, wir müssten unser Leben verändern. Etwas ganz Neues machen. Etwas ganz Anderes. Und deshalb rennen wir lieber zum Psychiater und in die Apotheke, um die Situation auszuhalten. Als zu versuchen, unsere Angst vor der Veränderung zu besiegen.

Alterserscheinung

Vielleicht ist es ja eine Alterserscheinung. Oder sollte ich inzwischen einfach nur abgestumpft sein? Jedenfalls schaffe ich es momentan kaum, mich über irgendwelche Ereignisse zu wundern, mich darüber zu ärgern, wütend zu werden, niedergeschlagen. Es erscheint mir wie eine Art Völlegefühl. Ausschreitungen in Hamburg? Alter Hut. Hatten wir schon. Zum Beispiel in früheren Jahren und auch in anderen Städten.

Oder ein Terroranschlag in Kabul? Wäre man zynisch, könnte man sagen: Alltag. Und selbst wenn man es eine Nummer kleiner macht. Wer, um alles in der Welt, hat denn noch geglaubt, dass die global Player unserer Tage wie die deutschen Autokonzerne nach dem Prinzip von vorgestern: „Üb immer Treu und Redlichkeit“ verfahren. Warum jetzt also Entrüstung heucheln. Ist doch inzwischen eher der Tenor, dass man das Schlimmste annehmen muss, um von der Wirklichkeit vielleicht noch überrascht zu werden.

Auf jeden Fall werde ich das jetzt einmal im Auge behalten. Ob das nur ein vorübergehender Zustand ist, oder bleibt bis an das Ende meiner Tage. Zumindest, und das hat mich dann doch etwas tröstlich gestimmt, konnte ich mich vor einer Viertelstunde ein ganz klein wenig über das Wetter aufregen. Aber das so richtig zu genießen, war mir dann auch nicht vergönnt. Schon nach kurzer Zeit war der Regenschauer schon vorüber. Vielleicht sollte ich nach Berlin fahren. Denen hat man 70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter versprochen. Das klingt doch vielversprechend.

Rohrpost

Das klingt jetzt natürlich unheimlich „retro“. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum ich in einer halben Stunde in Berlin sein muss. Also selbst wenn ich überraschend erfahren würde, dass in 45 Minuten der englische Prinz William und Herzogin Kate durch das Brandenburger Tor laufen werden, deswegen würde ich doch nicht mit Schallgeschwindigkeit in einer Röhre durch ein Vakuum rasen wollen. Das möglich zu machen, wird aber momentan versucht. Münchener Studenten arbeiten an einem sogenannten „Hyperloop“, der Menschen wie einst die Rohrpost befördern soll. Aber mit Schallgeschwindigkeit.

Also jedenfalls bräuchte ich da jede Menge Argumentationshilfen. Ich weiß ja noch nicht einmal, warum es erstrebenswert ist, in einer Stunde von A nach B zu fliegen. Wenn ich vorher zwei Stunden am Flughafen vertrödeln und hinterher zwei Stunden im Stau stehen muss, um zum Brandenburger Tor zu kommen, um Kate und William winken zu sehen. Aber das scheint mir ein Syndrom unserer Zeit zu sein. Es wird beschleunigt auf Teufel komm raus. Doch wir sparen dadurch keine Zeit.

Beispiel Email. Geht sekundenschnell, und wir könnten uns anschließend etwas Sinnvollem zuwenden. Surfen stattdessen aber mehr oder minder blödsinnig und so lange durchs Internet, dass man mitunter getrost einen Brief hätte persönlich vorbeibringen können. Ich träume nicht von Postkutschen. Aber auch nicht davon, Zeit zu sparen. Soll ich die dann auf ein Zeit-Konto legen? Ich dachte immer, dass jeder Tag 24 Stunden hat. Ich gebe meine Zeit lieber aus und liege lieber mit einem Buch im Liegestuhl als in einer Röhre nach Berlin zu düsen, um Zeit zu sparen.

Täter bekannt

Wieder eine U-Bahn-Attacke. Doch der Kerl ist so gut wie gefasst. Nicht nur, dass es Videoaufnahmen von ihm gibt, es gibt auch erstaunliche viele Leute, die ihn zu kennen scheinen. Darauf deuten jedenfalls unzählige Kommentare zu diesem Vorfall im Internet hin. Es besteht allerdings noch keine Einigkeit, ob der Mann aus Syrien kommt, aus dem Irak, oder aus Rumänien.

Türkei wäre auch noch möglich, ist aber offensichtlich nicht sehr wahrscheinlich. Ganz sicher aber ist es jemand, der überhaupt nicht hier sein dürfte. Am meisten hat mich in diesem Zusammenhang aber ein Ausdruck begeistert, den ich noch nicht kannte. Ein Wut-Bürger hat nämlich Frau Angela Merkel für diese Attacke  verantwortlich gemacht, und ihre, Zitat: „Raute des Grauens“!

Machtwechsel in Berlin?

Dass sich Angela Merkel bereits an einem unbekannten Ort aufhält und nur noch per Videobotschaft mit der Außenwelt kommuniziert, ist nicht bestätigt. Fakt ist, dass die bayerische Staatsregierung offensichtlich und bereits zu großen Teilen die Staatsgeschäfte übernommen hat. Mit dem Ziel, die Asylpolitik bundesweit und gemäß einem von Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer persönlich ausgearbeiteten Gesamtkonzept zu reformieren. Das weit über die Forderung nach einer Obergrenze hinausgeht. So sollen kriminelle Asylbewerber konsequenter abgeschoben, der Grenzschutz in Europa verschärft und außerdem die Hilfe für Entwicklungsländer ausgebaut werden. In einem ersten Schritt soll der Ministerrat das Konzept am Dienstag beschließen.

Sicherheitskonzepte

Sie können es nicht lassen. Schon lange waren Sorgen nicht mehr so berechtigt. Und da haben sie nichts anderes zu tun, als uns, dem Wahlvolk, vorzugaukeln, dass sie Lösungen hätten. Und das geradezu in schöner Eintracht. Weshalb dann auf einmal sogar ein Gabriel, ansonsten lieber Gralshüter des Datenschutzes, es gar nicht so schlecht findet, wenn die Videoüberwachung ausgebaut wird. Damit es in Zukunft kein Berlin und auch kein München oder Ansbach mehr gibt. Anstatt schlicht zu sagen, dass es eigentlich nicht wirklich möglich ist, Sicherheit für Menschen auf der Straße oder in einem Tanzlokal zu garantieren.

Weshalb man eben wenigstens flächendeckend Kameras aufhängen möchte. Schließlich wirken in der Medizin Placebos ja auch. Und besser wenigstens eine gefühlte Sicherheit als die Sicherheit, dass selbige nicht und schon gar nicht von einem Politiker garantiert werden kann. Eher schon von Kölner Verhältnissen. Die ganz ohne Zweifel in der Silvesternacht eine ausgesprochen positive Wirkung hatten. Aber einmal abgesehen von logistischen und personellen Problemen, so hundertprozentig wirkt das auch nicht immer, wie man am Bosporus sieht.

Und so kommt da Einer mit einem schlichten Gemüt auf die absurde Idee, vielleicht weniger Geld für Sicherheitskonzepte auszugeben. Und dafür vielleicht etwas in Brot und Arbeit für die zu investieren, die glauben, hier die Freiheiten zu haben, die sie zu Hause nicht mehr kannten. Integration muss auch nicht zwangsläufig bedeuten, seelenruhig zuzusehen, wenn sich Parallelwelten bilden. Sich vor lauter Verständnis und politischer Korrektheit am Terminus „Nafris“ abzuarbeiten, ist auch nicht der Schlüssel zum Erfolg. Die Römer, denen wir das Wort verdanken, verstanden unter „integratio“ eine Erneuerung, die Wiederherstellung. Kann man ja mal drüber nachdenken, was das bedeuten könnte.