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Menschen in Straßen

Als Reaktion auf die bahnbrechenden Beschlüsse der Umweltministerinnen und männlichen Pendants sind am Samstag in Frankreich von Paris bis Marseille Menschen auf die Straße gegangen, um auf den Klimawandel und die notwendigen Maßnahmen aufmerksam zu machen und gegen die Untätigkeit der Politik zu demonstrieren. Motto: „Es ist nicht zu spät“ und „Mehr als ein Marsch für das Klima“.

Parallel dazu fanden in annähernd 80 weiteren Städten wie Bordeaux, Lille oder Straßburg Demonstrationen statt, außerhalb Frankreichs in Genf, Luxemburg, Montreal und Montevideo, in Guadeloupe, auf Martinique, La Réunion oder Tahiti.

In Deutschland hatten die Menschen leider nicht die Zeit, um gegen eine Industrie-hörige Politik und für Maßnahmen gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Sie diskutierten eher die sich anbahnende politische Katastrophe in Bayern und seit heute das katastrophale Abschneiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Oder sie waren bei den sommerlichen Temperaturen mitten im Oktober beim Shoppen. Die Demonstration gegen spalterische und fremdenfeindliche Hetze, an der mit „#unteilbar“ eine Viertelmillion Menschen teilnahm, wird leider nicht dafür sorgen, dass die Lebensgrundlage von Millionen Menschen erhalten bleibt, weil das Klimaziel von 1,5 Grad erreicht wurde.

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Mauern

Wir sind wieder vereint. Für ein paar Stunden und Festtagsreden zumindest. Von der Mauer wird vielleicht wieder die Rede sein, der in den Köpfen. Schließlich ist dieses Bild so schön, dass man ungern darauf verzichtet. Doch niemand wird den Mut haben zu sagen, dass er sich momentan eine Mauer um Chemnitz auch durchaus gut vorstellen könne. Aber Fremdschämen lässt sich auch von Mauern nicht abhalten. Hase, du bleibst hier!

Familien-Streit

In der Berlin beschäftigen sich die sogenannten Schwesterparteien gerade intensiv mit der Frage, wer, wo und wann von den Flüchtlingen an welcher Grenze zurückgewiesen werden kann, sollte oder muss. Und riskieren damit eine schwere Regierungskrise, vielleicht sogar ein Ende der GroKo. Was vor allem wieder einmal beweist, dass der größte Feind aus der Familie kommt. Unzählige Frauen könnten ein Lied davon singen, wenn sie nicht eine aufgeplatzte Lippe und vielleicht auch noch einen ausgerenkten Kiefer hätten.

Und da wird wieder einmal und natürlich in der bayerischen Landesmetropole, also in der Heimat und Hauptstadt einer der beiden Schwesterparteien der Beweis geliefert, wo in dieser Bundesrepublik von jeher die Lösungen für die richtig großen und elementaren Probleme gefunden werden.

Dort in München hat man nämlich an einem der S-Bahnhöfe die Arbeiten an einer beheizbaren Treppe erfolgreich abgeschlossen. Das heißt, dass endlich U-Bahn-Benutzer auch im Winter barfuß zu ihrem Bahnsteig gelangen können, ohne deswegen eine Erkältung zu riskieren. Dass in München die SPD den Bürgermeister stellt, ist dabei nicht von Belang. Der hat wahrscheinlich auch ein Kreuz im Foyer hängen. Das ist das Entscheidende.

Cheeseburger

Sagen wir einmal so: Für das Geld hätten Angela Merkel und Gatte gut und gerne im Sterne-Restaurant Richard in Berlin Kreuzberg essen können, sogar mit Freunden, falls es solche gibt. Und da wäre sogar noch einiges übrig geblieben. Vielleicht für einen neuen Hubschrauber der Bundeswehr oder ähnliches. So aber flog sie mit ihrem Tross auf ein Schwätzchen mit US-Präsident Donald Trump nach Washington und ging am Vorabend des Treffens in ein Diner namens „J.Paul“ und aß laut Augenzeugen einen Cheeseburger mit Bacon und Cheddar und Pommes Frites und trank Pinot Grigio. Vielleicht ging sie davon aus, dass es am nächsten Tag bei Donald und Melania sowieso nichts zu essen geben würde.

Schließlich hatte der US-Präsident für das Gespräch gerade mal zwei Stunden Zeit, vermutlich musste er gleich anschließend noch seinen Flieger bekommen, der ihn wie jeden Freitag nach Florida und zum Golfplatz bringen musste. Immerhin gab es bei diesem Besuch ein Küsschen von Trump bei Merkels Begrüßung und einen Händedruck für die Pressefotografen. Und außerdem flog Merkel noch am selben Tag mit der Gewissheit nach Deutschland zurück, dass es ungewiss ist, wie sich der US-Präsident in den Fragen, die sie mit ihm besprechen wollte, entscheiden wird. Was mich dann an die Gespräche mit den Kindern erinnerte, die ihr Zimmer aufräumen sollten.

Erfolgs-Story

Angeblich hat die SPD zwanzigtausend Flüchtlinge rausgeschlagen. Was ja durchaus beachtlich ist, wenn man davon ausgeht, dass die UNO-Flüchtlingshilfe von etwa 65 Millionen Flüchtlingen weltweit ausgeht. Jedenfalls ist jetzt angeblich von 180 000 bis 220 000 Flüchtlingen jährlich die Rede, über die nachzudenken eine künftige GroKo gewillt wäre.

Und als Zuckerl obendrauf für die SPD-Basis soll der Solidaritätszuschlag reduziert werden. Schließlich wird es keine Steuererhöhung für Spitzenverdiener geben wird. Und außerdem ist nach dem Abschneiden der AfD in den einstmals neuen Bundesländern Solidarität in diesem Zusammenhang nicht mehr unbedingt das Wort der Stunde.

Einen Kompromiss hat man auch für die Bürgerversicherung gefunden. Mit der es vielleicht möglich geworden wäre, die Zwei-Klassen-Gesellschaft im sogenannten Gesundheitswesen zu beenden. Aber nachdem für den Eintritt dieses Super-Gaus prophylaktisch schon viele Ärzte die Beantragung von Hartz IV in Aussicht gestellt haben sollen, hat man jetzt dem Hörensagen nach lieber vereinbart, dass sich in Zukunft wieder Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen.

Und damit das Soziale komplett in den Mittelpunkt gerückt wird, und so vielleicht sogar die Jusos begeistert werden können, hat man offensichtlich das Thema Umwelt erst mal weitestgehend ausgeklammert und stattdessen eine Erhöhung des Kindergeldes um 25 Euro avisiert. Weshalb einen dann doch ein bisschen das Gefühl beschleichen möchte, dass vielleicht das eine oder andere von den SPD-Forderungen auf der Strecke geblieben sein könnte. Und das eventuell dem Verhandlungsgeschick der Sozialdemokraten anzulasten wäre.

Denn wenn die SPD der CSU signalisiert hätte, dass sie lieber einen Seehofer als Bundeskanzler hätte und Dobrindt unbedingt Finanzminister werden müsste, dann hätte sie im Gegenzug auch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes für hohe Einkommen zugestanden bekommen. Die CDU hätte wohl trotzdem zu ihrer Verantwortung gestanden, für Volk und Vaterland, und letztendlich zugestimmt. Eine günstigere Gelegenheit, Angela Merkel los zu werden, wäre ja wohl nicht mehr so schnell gekommen.

Die große Angst

Es kommt zwar nicht mehr ganz so häufig vor, aber es gibt sie immer noch. Paare, die zehn Jahre und länger zusammen leben, sich nichts mehr zu sagen haben, sich nicht mehr ausstehen können, sich befehden, mitunter bis aufs Messer. Aber eben zusammen bleiben. Weil scheinbar nichts so schlimm sein kann, als das Leben zu verändern. Und die Angst vor diesem Schritt sitzt tief und ist auch schon viel früher da, nicht erst, wenn die Situation fast ausweglos erscheint.

Und es gibt natürlich noch andere derartige Situationen. Im Job zum Beispiel. Und immer nach dem gleichen Muster: Lieber aushalten, als etwas ändern. Fast könnte man den Eindruck haben, dieses Verhalten wäre in den menschlichen Genen eingraviert. Gesichert ist hingegen die Erkenntnis, dass auch die Politik nicht frei davon ist. Ein Beleg dafür wurde gerade in Berlin abgeliefert. Die Sondierungsgespräche der Jamaika-Parteien sind letztendlich an der Angst vor Veränderung gescheitert.

So wie auch jede Chance, vielleicht doch noch Kohlen aus dem Feuer zu holen, um zum Beispiel die Klimaerwärmung zu reduzieren, daran scheitert. Lieber rennen wir offenen Auges ins Verderben, als unser Leben zu verändern. Denn das müssten wir. Jetzt. Wir müssten damit aufhören, wahllos in der Gegend und in der Welt herum zu fahren und zu fliegen. Wir müssten uns fragen, ob wir wirklich alles brauchen, was wir haben. Alles kaufen müssen, was der Geldbeutel hergibt.

Wir müssten aufhören, Waren über aberwitzige Entfernungen zu transportieren, damit wir zwischen 35 Fleisch- und 73 Obstsorten auswählen können. Und vielleicht nicht mehr unser Büffet mit Rosen aus Afrika schmücken. Kurzum, wir müssten unser Leben verändern. Etwas ganz Neues machen. Etwas ganz Anderes. Und deshalb rennen wir lieber zum Psychiater und in die Apotheke, um die Situation auszuhalten. Als zu versuchen, unsere Angst vor der Veränderung zu besiegen.

Alterserscheinung

Vielleicht ist es ja eine Alterserscheinung. Oder sollte ich inzwischen einfach nur abgestumpft sein? Jedenfalls schaffe ich es momentan kaum, mich über irgendwelche Ereignisse zu wundern, mich darüber zu ärgern, wütend zu werden, niedergeschlagen. Es erscheint mir wie eine Art Völlegefühl. Ausschreitungen in Hamburg? Alter Hut. Hatten wir schon. Zum Beispiel in früheren Jahren und auch in anderen Städten.

Oder ein Terroranschlag in Kabul? Wäre man zynisch, könnte man sagen: Alltag. Und selbst wenn man es eine Nummer kleiner macht. Wer, um alles in der Welt, hat denn noch geglaubt, dass die global Player unserer Tage wie die deutschen Autokonzerne nach dem Prinzip von vorgestern: „Üb immer Treu und Redlichkeit“ verfahren. Warum jetzt also Entrüstung heucheln. Ist doch inzwischen eher der Tenor, dass man das Schlimmste annehmen muss, um von der Wirklichkeit vielleicht noch überrascht zu werden.

Auf jeden Fall werde ich das jetzt einmal im Auge behalten. Ob das nur ein vorübergehender Zustand ist, oder bleibt bis an das Ende meiner Tage. Zumindest, und das hat mich dann doch etwas tröstlich gestimmt, konnte ich mich vor einer Viertelstunde ein ganz klein wenig über das Wetter aufregen. Aber das so richtig zu genießen, war mir dann auch nicht vergönnt. Schon nach kurzer Zeit war der Regenschauer schon vorüber. Vielleicht sollte ich nach Berlin fahren. Denen hat man 70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter versprochen. Das klingt doch vielversprechend.