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Freundschaft

Wenn Freundschaft bei genauerer Betrachtung eigentlich wie Liebe ohne Sex ist, würde das allerdings ein gewisses Dilemma mit sich bringen. Denn längerfristig gesehen, kommt eine Liebesbeziehung ohne Freundschaft nicht aus. Es wäre folglich und höchstwahrscheinlich ein Balance-Akt. Der wohl nur funktioniert, wenn alles seine Zeit und zu seiner Zeit seine Daseinsberechtigung hat.

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Obsolete Beziehung

Lange war es mir ein Rätsel, was US-Präsident Trump damals im Wahlkampf meinte, als er die Nato als obsolet bezeichnete. Fremdwörter sind nicht so mein Ding. Doch dank des türkischen Präsidenten Erdogan habe ich jetzt eine dumpfe Ahnung bekommen, was damit gemeint sein könnte. Er hat nämlichen den US-Soldaten, sollten diese dem türkischen Heer bei Angriffen gegen die kurdischen Mitglieder der YPG im syrischen Manbidsch irgendwie im Wege stehen, angedroht, ihnen eine „osmanische Ohrfeige“ zu verpassen.

Nachdem nun aber die USA und die Türkei Nato-Partner sind, heißt obsolet wohl nichts anderes, als dass es in einer Beziehung so schlecht steht, dass es bei einer Auseinandersetzung auch schon mal zu einer Ohrfeige kommen kann. Und das wiederum kenne ich von unseren Nachbarn, die rechts von uns wohnen. Deren Beziehung scheint insbesondere am Wochenende sehr obsolet zu sein. Allerdings gibt es wohl auf keine Frage eine Antwort, ohne dass sich nicht eine neue Frage stellt. Zum Beispiel, was denn eine „osmanische Ohrfeige“ ist.

Neuanfang

Man kann sich das ja in etwa so vorstellen: Da ist eine Beziehung in die Brüche gegangen. Man hat sich eine Auszeit gegönnt. Ist dann, zumindest auf einer Seite, auch mal auf Partnersuche gegangen zwischendurch. Hat aber auch nicht geklappt. Aber weil man an die armen Kinderlein denkt, möchte man trotz alledem einen Neu-Anfang probieren.

Man setzt sich also zusammen, alle Kränkungen und unterschiedlichen Standpunkte im Gepäck, die letztendlich mit zur Trennung geführt haben. Und als dann jemand nachfragt, wie denn das Gespräch verlaufen sei, vor allem, weil ja vorher noch vor Freunden schwer gestänkert worden war, da lautet die Antwort: Das Gespräch sei „ernsthaft, konstruktiv und offen“ gewesen.

Aber möglicherweise ist das der Unterschied. Während in einer realen Beziehung das Gespräch wohl mit Tränen, erneuten gegenseitigen Anschuldigungen und einem mitternächtlichen Drama geendet hätte, gehört es einfach zum Handwerk von Politikern, jemand freundlich anzulächeln, der noch kurz zuvor ziemlich Unflätiges vom Stapel gelassen hat. Vielleicht sollte man in Beziehungen öfter mal so tun, als wäre man in der Politik.

Rosenkrieg

Also richtig verheiratet waren sie ja nie. Es war ja eher so eine Zweck-Ehe. Eine Interessengemeinschaft. Hindert aber nicht, dass es jetzt zum Rosenkrieg gekommen ist. Den vielleicht die Eine oder der Andere schon sehr viel früher erwartet hätte. Nachdem die Trennung schon ein gutes halbes Jahr zurück liegt. Aber es ist wie in vielen anderen Beziehungen eben auch: Der Schmerz über die Trennung staut sich auf. Und dann bedarf es nur noch einer erneuten Kränkung – und schon fliegen die Fetzen. Und das natürlich ganz besonders, wenn diese Kränkung dann auch noch coram publico erfolgt. Es mehr oder minder jeder mitbekommt.

Doch eigentlich war das ja abzusehen. Denn auch wenn solche Zerrüttung natürlich auch in anderen Beziehungen vorkommt, wenn dies in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit zwei Alpha-Männchen der Fall ist, dann ist der große Schlagabtausch programmiert. Von einstweiligen Verfügungen ist die Rede, von Anzeigen wegen Verleumdung. Wie der Rosenkrieg ausgehen wird, das lässt sich allerdings erst sagen, wenn das Buch herausgekommen ist, in dem sich Steve Bannon, der Ex-Berater von Donald Trump, über den US-Präsidenten auslässt.   

 

Neue Erkenntnisse

Vielleicht darf man es sogar als kleine Sensation bezeichnen. Mir fiel es jedenfalls wie Schuppen von den Augen. Und eigentlich verwundert es mich, dass noch niemand schon eher darauf gekommen ist. Denn schließlich ist es doch kein Geheimnis mehr, dass in nicht wenigen Beziehungen eine Art von Automatismus herrscht. Und leider fast ausschließlich in einer Konstellation. Da ist dann ein Mann, der seine Frau, sei sie mit ihm verheiratet oder auch nur zusammen lebend, mehr oder minder als sein Eigentum betrachtet. Insofern jedenfalls, als er ihr an den Kopf werfen kann, was er will. Glaubt, mehr oder minder mit ihr machen zu können, was ihm gerade in den Sinn kommt. Gewalt nicht ganz ausgeschlossen.

Es ist leider eine Spirale, die sich bis hin zur Eskalation dreht und zumeist nur von der Frau unterbrochen werden kann. Sich diese aber bis dahin an die Hoffnung klammert, dass er sich schon noch ändern wird. Sicher wieder der nette, zuvorkommende Mann werden wird, der sie mit seinem zugewandten Wesen, seinen Versprechungen und durchaus auch mit seiner Männlichkeit dereinst beeindruckte. Eine Hoffnung, die allerdings mehr als trügt. Und zieht man das alles in Betracht und vergleicht es mit den Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland, so muss man zwangsläufig zu der doch überraschenden Erkenntnis kommen, dass der deutsche Michel eigentlich eine Frau ist. Was mit Sicherheit die Gender-Diskussion weiter anfachen wird.

Chance

Irgendwas muss erst einmal gewaltig aus dem Ruder laufen, bevor sich Erkenntnisse einstellen, die einem vielleicht gedanklich gar nicht einmal so abwegig vorkamen. Nur, vom rationalen Erfassen bis zur Umsetzung ist oft ein langer Weg. Der nicht selten ein Leben lang nicht zum Ziel führt. Aber zu einem gewaltigen Schritt nach vorne führen kann, wenn es plötzlich zu einem Schicksalsschlag kommt. Einer Krankheit zum Beispiel. Zu einem Ereignis, das den Menschen aus der gewohnten Bahn wirft. Kaum noch einen Stein auf dem anderen lässt. Im übertragenen Sinne.

Aber just das ist es dann, was Menschen nachhaltig verändern kann. Was Menschen in einer verkrusteten Beziehung auf einmal wieder näher bringt. Sie vielleicht sogar ganz neue Wege finden lässt, miteinander umzugehen. Was für den Einen bedeuten kann, dass er auf einmal eine Nähe zulässt, die er sein ganzes Leben lang für zu gefährlich hielt, um sie sich zu erlauben. Doch jetzt, mit der schweren Krankheit, vielleicht sogar mit seinem Tod vor Augen, mit diesem ganzen Desaster, ist die Angst, sich verletzlich zu machen, auf einmal erträglich. Wird sie aufgewogen durch das Gefühl, das die Nähe jetzt auslöst.

Das eher traurige Fazit, gleichzeitig auch ein Mantra: Selbst wenn der Mensch rational durchaus etwas erfassen kann, muss das noch lange nicht bedeuten, dass er es auch leben kann. Aus zumindest mir schlichtem Gemüt nicht erfindlichen Gründen bedarf es zumeist erst einer extremen Situation, um auf die Idee zu kommen, aus Gedanken auch Verhalten zu machen. Schicksalsschläge können da eine große Chance sein. Die große Chance, in seinem Leben etwas besser zu machen. Das Leben besser zu machen. Trotz des tragischen Ereignisses, das erst dazu geführt hat.

Sportliche Aktivitäten

Natürlich gibt es das auch in der Tierwelt. Hat man schon in Reportagen gesehen. Ein Tier, das sich erschrickt. Und dann einen mehr oder minder großen Satz zur Seite macht. Was beim Betrachter dann auch durchaus mal Heiterkeit auslösen kann. Kommt es allerdings bei Menschen zu solch einem Seitensprung, hält sich zumindest beim betroffenen Betrachter das Vergnügen in Grenzen. Laut einer Umfrage, die allerdings allesamt mit großer Vorsicht zu genießen sind, weil es ja selten verlässliche Dritt-Meinungen und –Beobachtungen gibt, sollen 51 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen fremdgehen. Was einerseits als ein Fortschritt in Richtung Gleichberechtigung gewertet werden kann. Mich andererseits aber etwas ratlos sein lässt.

Schließlich braucht man ja eine Partnerin oder einen Partner fürs Fremdgehen. Stimmen die Zahlen, kann das nur bedeuten, dass eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Frauen mehrfach fremdgegangen sein muss, damit die Männer auf ihre 51 Prozent kommen. Oder sollte es mehr schwule Männer geben als gemeinhin angenommen? Es ist auf jeden Fall eine dunkle Seite des Seitensprungs. Während bei den Gründen geschlechterübergreifend und mehrheitlich der Sex im Vordergrund steht. Muss zwar auch nicht wirklich so sein. Wird aber behauptet. Dass die Langweile im heimischen Bett in fremde Hände respektive Betten treiben würde.

Auch dazu kann ich mich nicht grundlegend äußern, da aufgrund eines Rückenleidens die Matratze der Anderen eher das entscheidende Kriterium ist. Aber zumindest habe ich ausreichend Phantasie, um mir vorzustellen, dass der Seitensprung an sich nicht das eigentliche Problem in einer Beziehung ist. Sondern erst seine Entdeckung. Das eigentlich Verwerfliche scheint beim Seitensprung also darin zu bestehen, dass sich der oder die Seitenspringende nicht ausreichend Mühe gegeben hat mit der Verschleierung des Seitensprungs. Was durchaus nachvollziehbar ist, kann doch auch schon im banal häuslichen Bereich mangelnde Mühe Anlass für ernste Krisen sein. Und wenn es nur der Mülleimer ist, der nicht runter getragen wurde.

Allerdings dürfte es wohl wie auch in vielen anderen zwischenmenschlichen Belangen eine Frage der Balance sein. Wer sich jahrelang und ausnahmslos geweigert hat den Müll runter oder raus zu bringen oder seine Socken und Unterhosen aufzuräumen, Zahnpasta-Tuben zu verschließen und Familienfesten beizuwohnen, der macht sich extrem verdächtig, wenn er urplötzlich seine Linie verlässt. Deshalb dürfte die wichtigste Empfehlung für den Seitensprung sein, alle Auffälligkeiten zu vermeiden und sich ein zweites Handy anzuschaffen. Ist er erst einmal aufgeflogen, der Seitensprung, dann nützt es allerdings auch nichts mehr, den Müll rauszubringen oder Socken wegzuräumen. Ganz sicher ist man nur durch Treue. Im Zweifelsfall den Begriff googeln.