Schlagwort-Archive: Beziehung

Neuanfang

Man kann sich das ja in etwa so vorstellen: Da ist eine Beziehung in die Brüche gegangen. Man hat sich eine Auszeit gegönnt. Ist dann, zumindest auf einer Seite, auch mal auf Partnersuche gegangen zwischendurch. Hat aber auch nicht geklappt. Aber weil man an die armen Kinderlein denkt, möchte man trotz alledem einen Neu-Anfang probieren.

Man setzt sich also zusammen, alle Kränkungen und unterschiedlichen Standpunkte im Gepäck, die letztendlich mit zur Trennung geführt haben. Und als dann jemand nachfragt, wie denn das Gespräch verlaufen sei, vor allem, weil ja vorher noch vor Freunden schwer gestänkert worden war, da lautet die Antwort: Das Gespräch sei „ernsthaft, konstruktiv und offen“ gewesen.

Aber möglicherweise ist das der Unterschied. Während in einer realen Beziehung das Gespräch wohl mit Tränen, erneuten gegenseitigen Anschuldigungen und einem mitternächtlichen Drama geendet hätte, gehört es einfach zum Handwerk von Politikern, jemand freundlich anzulächeln, der noch kurz zuvor ziemlich Unflätiges vom Stapel gelassen hat. Vielleicht sollte man in Beziehungen öfter mal so tun, als wäre man in der Politik.

Advertisements

Rosenkrieg

Also richtig verheiratet waren sie ja nie. Es war ja eher so eine Zweck-Ehe. Eine Interessengemeinschaft. Hindert aber nicht, dass es jetzt zum Rosenkrieg gekommen ist. Den vielleicht die Eine oder der Andere schon sehr viel früher erwartet hätte. Nachdem die Trennung schon ein gutes halbes Jahr zurück liegt. Aber es ist wie in vielen anderen Beziehungen eben auch: Der Schmerz über die Trennung staut sich auf. Und dann bedarf es nur noch einer erneuten Kränkung – und schon fliegen die Fetzen. Und das natürlich ganz besonders, wenn diese Kränkung dann auch noch coram publico erfolgt. Es mehr oder minder jeder mitbekommt.

Doch eigentlich war das ja abzusehen. Denn auch wenn solche Zerrüttung natürlich auch in anderen Beziehungen vorkommt, wenn dies in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit zwei Alpha-Männchen der Fall ist, dann ist der große Schlagabtausch programmiert. Von einstweiligen Verfügungen ist die Rede, von Anzeigen wegen Verleumdung. Wie der Rosenkrieg ausgehen wird, das lässt sich allerdings erst sagen, wenn das Buch herausgekommen ist, in dem sich Steve Bannon, der Ex-Berater von Donald Trump, über den US-Präsidenten auslässt.   

 

Neue Erkenntnisse

Vielleicht darf man es sogar als kleine Sensation bezeichnen. Mir fiel es jedenfalls wie Schuppen von den Augen. Und eigentlich verwundert es mich, dass noch niemand schon eher darauf gekommen ist. Denn schließlich ist es doch kein Geheimnis mehr, dass in nicht wenigen Beziehungen eine Art von Automatismus herrscht. Und leider fast ausschließlich in einer Konstellation. Da ist dann ein Mann, der seine Frau, sei sie mit ihm verheiratet oder auch nur zusammen lebend, mehr oder minder als sein Eigentum betrachtet. Insofern jedenfalls, als er ihr an den Kopf werfen kann, was er will. Glaubt, mehr oder minder mit ihr machen zu können, was ihm gerade in den Sinn kommt. Gewalt nicht ganz ausgeschlossen.

Es ist leider eine Spirale, die sich bis hin zur Eskalation dreht und zumeist nur von der Frau unterbrochen werden kann. Sich diese aber bis dahin an die Hoffnung klammert, dass er sich schon noch ändern wird. Sicher wieder der nette, zuvorkommende Mann werden wird, der sie mit seinem zugewandten Wesen, seinen Versprechungen und durchaus auch mit seiner Männlichkeit dereinst beeindruckte. Eine Hoffnung, die allerdings mehr als trügt. Und zieht man das alles in Betracht und vergleicht es mit den Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland, so muss man zwangsläufig zu der doch überraschenden Erkenntnis kommen, dass der deutsche Michel eigentlich eine Frau ist. Was mit Sicherheit die Gender-Diskussion weiter anfachen wird.

Chance

Irgendwas muss erst einmal gewaltig aus dem Ruder laufen, bevor sich Erkenntnisse einstellen, die einem vielleicht gedanklich gar nicht einmal so abwegig vorkamen. Nur, vom rationalen Erfassen bis zur Umsetzung ist oft ein langer Weg. Der nicht selten ein Leben lang nicht zum Ziel führt. Aber zu einem gewaltigen Schritt nach vorne führen kann, wenn es plötzlich zu einem Schicksalsschlag kommt. Einer Krankheit zum Beispiel. Zu einem Ereignis, das den Menschen aus der gewohnten Bahn wirft. Kaum noch einen Stein auf dem anderen lässt. Im übertragenen Sinne.

Aber just das ist es dann, was Menschen nachhaltig verändern kann. Was Menschen in einer verkrusteten Beziehung auf einmal wieder näher bringt. Sie vielleicht sogar ganz neue Wege finden lässt, miteinander umzugehen. Was für den Einen bedeuten kann, dass er auf einmal eine Nähe zulässt, die er sein ganzes Leben lang für zu gefährlich hielt, um sie sich zu erlauben. Doch jetzt, mit der schweren Krankheit, vielleicht sogar mit seinem Tod vor Augen, mit diesem ganzen Desaster, ist die Angst, sich verletzlich zu machen, auf einmal erträglich. Wird sie aufgewogen durch das Gefühl, das die Nähe jetzt auslöst.

Das eher traurige Fazit, gleichzeitig auch ein Mantra: Selbst wenn der Mensch rational durchaus etwas erfassen kann, muss das noch lange nicht bedeuten, dass er es auch leben kann. Aus zumindest mir schlichtem Gemüt nicht erfindlichen Gründen bedarf es zumeist erst einer extremen Situation, um auf die Idee zu kommen, aus Gedanken auch Verhalten zu machen. Schicksalsschläge können da eine große Chance sein. Die große Chance, in seinem Leben etwas besser zu machen. Das Leben besser zu machen. Trotz des tragischen Ereignisses, das erst dazu geführt hat.

Sportliche Aktivitäten

Natürlich gibt es das auch in der Tierwelt. Hat man schon in Reportagen gesehen. Ein Tier, das sich erschrickt. Und dann einen mehr oder minder großen Satz zur Seite macht. Was beim Betrachter dann auch durchaus mal Heiterkeit auslösen kann. Kommt es allerdings bei Menschen zu solch einem Seitensprung, hält sich zumindest beim betroffenen Betrachter das Vergnügen in Grenzen. Laut einer Umfrage, die allerdings allesamt mit großer Vorsicht zu genießen sind, weil es ja selten verlässliche Dritt-Meinungen und –Beobachtungen gibt, sollen 51 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen fremdgehen. Was einerseits als ein Fortschritt in Richtung Gleichberechtigung gewertet werden kann. Mich andererseits aber etwas ratlos sein lässt.

Schließlich braucht man ja eine Partnerin oder einen Partner fürs Fremdgehen. Stimmen die Zahlen, kann das nur bedeuten, dass eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Frauen mehrfach fremdgegangen sein muss, damit die Männer auf ihre 51 Prozent kommen. Oder sollte es mehr schwule Männer geben als gemeinhin angenommen? Es ist auf jeden Fall eine dunkle Seite des Seitensprungs. Während bei den Gründen geschlechterübergreifend und mehrheitlich der Sex im Vordergrund steht. Muss zwar auch nicht wirklich so sein. Wird aber behauptet. Dass die Langweile im heimischen Bett in fremde Hände respektive Betten treiben würde.

Auch dazu kann ich mich nicht grundlegend äußern, da aufgrund eines Rückenleidens die Matratze der Anderen eher das entscheidende Kriterium ist. Aber zumindest habe ich ausreichend Phantasie, um mir vorzustellen, dass der Seitensprung an sich nicht das eigentliche Problem in einer Beziehung ist. Sondern erst seine Entdeckung. Das eigentlich Verwerfliche scheint beim Seitensprung also darin zu bestehen, dass sich der oder die Seitenspringende nicht ausreichend Mühe gegeben hat mit der Verschleierung des Seitensprungs. Was durchaus nachvollziehbar ist, kann doch auch schon im banal häuslichen Bereich mangelnde Mühe Anlass für ernste Krisen sein. Und wenn es nur der Mülleimer ist, der nicht runter getragen wurde.

Allerdings dürfte es wohl wie auch in vielen anderen zwischenmenschlichen Belangen eine Frage der Balance sein. Wer sich jahrelang und ausnahmslos geweigert hat den Müll runter oder raus zu bringen oder seine Socken und Unterhosen aufzuräumen, Zahnpasta-Tuben zu verschließen und Familienfesten beizuwohnen, der macht sich extrem verdächtig, wenn er urplötzlich seine Linie verlässt. Deshalb dürfte die wichtigste Empfehlung für den Seitensprung sein, alle Auffälligkeiten zu vermeiden und sich ein zweites Handy anzuschaffen. Ist er erst einmal aufgeflogen, der Seitensprung, dann nützt es allerdings auch nichts mehr, den Müll rauszubringen oder Socken wegzuräumen. Ganz sicher ist man nur durch Treue. Im Zweifelsfall den Begriff googeln.

Lockere Beziehung

Natürlich könnte man sich auch über Donald auslassen. Darüber spekulieren, ob seine Eltern ihm diesen Vornamen gegeben haben, weil sie wollten, dass ihr Sprössling so erfolgreich wie Donald Duck wird, die beliebte Disney-Figur. Oder auch einer Tradition einstiger Jahrzehnte folgen und das Ungeheuer von Loch Ness für das Füllen des Sommerlochs missbrauchen. Aber das verbietet sich inzwischen sogar schon für eingefleischte „Nessie“-Fans. Da es sich nach neuesten und durchaus plausiblen Erkenntnissen bei diesem Ungeheuer um einen Wels handeln soll. Der einfach ein bisschen größer ist.

Doch ich finde, auch vor dem Hintergrund, dass sich dieser Sommer über weite Strecken wie ein milder Herbst anfühlt, dass sich diese Durststrecke optimal für Betrachtungen über Beziehungen anbietet. Und all ihre Nebenschauplätze. Wohl wissend, dass dies schon tausendfach geschehen ist. Aber offensichtlich kann man nicht oft genug darüber sprechen. Denn schließlich vermittelt sich kaum der Eindruck, dass das bisher Gesagte etwas großartig an Beziehungen geändert hätte. Daran, dass sie so oft nicht funktionieren. Auseinanderbrechen. Manchmal eher Alptraum als die Fortsetzung eines Jugendtraums sind.

Was mit ein Grund dafür sein könnte, dass es offensichtlich Trend geworden ist, die gefühlten Fesseln einer Beziehung zu lockern. Natürlich gibt es immer noch das klassische Beispiel: Verlieben. Miteinander gehen. Zusammen ziehen. Um dann vielleicht wieder auseinander zu gehen. Doch immer mehr junge Menschen scheinen eine Variante entdeckt zu haben. Sie lassen die Punkte zwei und drei einfach weg. Und sind bei Punkt eins auch eher zurückhaltend. So lassen sich leichter Partner austauschen. Vielfalt ist möglich. Nach dem Motto: Zwei oder drei Partner machen auch eine Beziehung.

Ich nenne das, noch ganz in der Tradition früherer Generationen verhaftet, Teilzeit-Beziehungen. Man sieht sich, wenn beide Lust dazu haben. Quält sich kaum mit Kompromissen. Genießt das Zusammensein, wenn es was zu genießen gibt. Wer Migräne hat, kuriert sich in der eigenen Wohnung aus. Und tut zumindest so, als wäre es ihm egal, dass der Andere sich anderweitig vergnügt. Was diese eher etwas lockeren Beziehungen unserer Tage eigentlich wieder etwas old-fashioned aussehen lässt.

Denn schließlich ist es das, was Beziehungen schon immer schwierig gemacht hat. Wenn jemand nicht sagt, was Sache ist für ihn. Sich eher und insgeheim damit beschäftigt, was sie oder er tun, denken oder wollen könnte. Weshalb diese neue Lockerheit wieder nur der Versuch zu sein scheint, einen Kompromiss zu finden. Jetzt dafür, dass die Egos zwar offiziell Egos sein dürfen. Man aber eigentlich wie schon immer wollte, dass zumindest das andere Ego nicht ganz so egoistisch wäre.

Doch es ist nicht auszuschließen, dass es trotzdem besser funktioniert. Schließlich gibt es im Gegensatz zu früher ja noch WhatsApp. Allein sein gibt es nicht mehr. Selbst wer allein zu Hause sitzt vor seinem Flatscreen, hat seine Freunde bei sich. Zumindest auf dem Touchscreen. Auf den man auch durchaus schaut, wenn sie am selben Tisch sitzen. Kommunikation bedeutet nicht mehr unbedingt, miteinander zu sprechen. Schon deswegen hat sich in Sachen Beziehungen einiges verändert. Mit offenem Ergebnis.

Rechenexempel

Auslöser war ein Flugzeug, das seine Kreise am Himmel zog. Kurz darauf ein zweites am sommerlich wolkenlosen Abendhimmel. Solche Bilder bekommt man geliefert, wenn man die Verwandtschaft besucht. Und sie eröffnen auch im übertragenen Sinne neue Horizonte. Wenn man sich nämlich einmal versucht auszumalen, welche Gründe wohl die Menschen gehabt haben, in das Flugzeug zu steigen. Annähernd 3,5 Milliarden Menschen sind im vergangenen Jahr in ein Flugzeug gestiegen. Also fast die Hälfte der Menschheit. Wenn man Urwaldvölker, Kleinkinder und pflegebedürftige Menschen mitrechnet. Und ich habe versucht mir vorzustellen, was wohl passiert wäre, wenn all diese Menschen nicht in ein Flugzeug gestiegen wären. Hätte ihr Leben eine jähe Wende genommen? Hätte es das berufliche Aus bedeutet? Das Ende ihrer Beziehung?

Auf der Heimfahrt habe ich diesen Gedankengang auf Autos ausgeweitet. Etwa 44 Millionen Pkws soll es in deutschen Landen geben. Die zumindest vor zwei Jahren mehr als 600 Milliarden Kilometer zurück gelegt haben sollen. Wenn man einmal ganz optimistisch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h zugrunde legt, so verbrachten zumindest die Fahrer dieser Pkws annähernd 12 Milliarden Stunden in ihren Fahrzeugen. Oder 500 Millionen Tage. Was gleich bedeutend wäre mit der Lebenszeit von 17.000 Menschen. Der Gedanke, was man in dieser Zeit Schönes und Angenehmes tun könnte, was man in einem Auto nicht tun kann, ließ mich beschließen, erst nächstes Jahr wieder diese Verwandtschaft zu besuchen. Wir streiten sowieso nur spätestens ab der Hauptspeise über Politik.