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Hundeleben

Wer hat nicht schon einmal in die traurigen Hundeaugen geblickt, wenn die Champagnerkorken knallen, Weinflaschen entkorkt werden, Menschen also fröhlich miteinander und zur Freude der Finanzämter, Ärzte und Krankenhäuser feiern. So ein Schlückchen in Ehren kann eben niemand verwehren, und irgendwo muss ja die ausgelassene Stimmung herkommen. Doch der zweitbeste Freund von Männern hat da immer das Nachsehen, blieb für den Hund bisher doch gerade mal eine Schüssel mit Wasser, um ebenfalls in Feierlaune zu kommen.

Doch dieses Elend hat ein Ende. Dank eines Metzgers aus der Pfalz. Er hat nämlich die Fleischportion als Drink to go erfunden. Also Fleisch, das flüssig daher kommt, in Flaschen abgefüllt und bis dato in drei Geschmacksrichtungen vorgesehen ist. Was von einer Hundebesitzerin dankbar aufgegriffen wurde. Ihre Hunde bekommen jetzt zu besonderen Anlässen flüssiges Fleisch. Oder, wie sie es einem Reporter gegenüber nannte: Hundechampagner. Und um die Gleichbehandlung von Mensch und Tier abzurunden, werden von ihr dem Zamperl auch mal Kugeln mit schwarzem Trüffel serviert. So ein Tier soll ja auch nicht leben wie ein Hund.

 

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Sonntagsbrunch

Vielleicht ist das einfach nur das geistige Getöse eines rückwärtsgewandten Greises. Der steif und fest behaupten muss, dass früher alles besser war, weil er an nichts mehr ein Vergnügen hat. Aber das kann nichts daran ändern, dass sich letztendlich doch manches sehr verändert hat. So ist zum Beispiel der Brunch, insbesondere an Sonntagen zelebriert, keine Erfindung der Neuzeit, sondern mir persönlich schon aus den 1950-er Jahren durchaus geläufig, also aus dem vorigen Jahrhundert. Und damals ein etwas anderes Gesicht und noch einen anderen Hintergrund hatte.

Während heute der Brunch ein Event ist, das man sowieso lieber außerhalb der eigenen vier Wände genießt, und außerdem, wenn er dann zu Hause und vielleicht auch noch mit Freunden stattfindet, mit einem Aufwand in Szene gesetzt werden muss, der Anlass gibt zu glauben, es sei schon wieder Weihnachten auf Ostern gefallen. Es kann natürlich an den eher etwas ärmlichen Verhältnissen gelegen haben, in denen ich aufgewachsen bin. Aber seltsamerweise ging es nicht um Lachs, Champagner, Litschi-Mousse und Quinoa Salat. Der sonntägliche Brunch war deshalb beliebt, weil man einerseits ausschlafen konnte, ohne deswegen einen leibhaftigen Sonntagsbraten als erste Mahlzeit zu sich nehmen zu müssen.

Außerdem vermied er, dass es erst gar keinen Sonntagsbraten geben musste. Auch die Hausfrau mal weniger Arbeit mit dem Essen hatte. Denn während heute geraten wird, für den Brunch vor allem zu servieren, was man vielleicht schon am Vorabend vorbereiten kann, waren damals das Kochen von Eiern, vielleicht auch noch ein Porridge und ein wenig Schinken und Käse nicht so aufwändig in der Vorbereitung, dass es nicht reichte, um halb Elf aufzustehen. Dafür konnte man aber umso länger zusammen sitzen, erzählen und diskutieren. Notfalls wurden halt noch ein paar Brötchen aus der Küche geholt und noch eine Kanne Kaffee aufgebrüht. Brunch zu Hause, das war das felsenfeste und gute Gefühl, Familie zu sein.

Champagner auf Eis

Irgendwie fühle ich mich an den Sylvester-Klassiker „Dinner for One“ erinnert. Wenn jetzt Politiker aller Couleur und bevorzugt in westlichen Ländern den türkischen Präsidenten Erdogan mahnen, nach dem Putschversuch demokratische Spielregeln und vielleicht sogar Gesetze des Landes und so etwas wie Menschenrechte zu achten, so ist das nur dieselbe Prozedur wie immer. Mit dem kleinen Unterschied, dass sich im besagten Sylvester-Sketch Miss Sophie und ihr Butler den Luxus leisten, die Ernsthaftigkeit mit einem Augenzwinkern zu spielen. Während die mahnenden Politiker allen Ernstes so tun, als hätte das irgendeine Bedeutung, was sie von sich geben. Und als wüssten sie nicht, dass es den so Ermahnten überhaupt nicht interessiert, was sie von ihm fordern. Weil er keine ernsthaften Repressalien zu befürchten hat.

Weshalb bezeichnenderweise dann auch kein Ton aus Politikermund zu vernehmen ist, wenn zum Beispiel ein türkischer Diplomat in Riad aus dem Flugzeug geholt wird. Um ihn an die Türkei auszuliefern. Schließlich möchte man mit den Saudis ja weiter gute Geschäfte machen. Ich weiß, dass ich wohl umsonst auf den Tag warte, an dem sich ein Politiker unserer Hemisphäre vor ein Mikrofon stellt und sagt, dass er nichts gegen Menschenrechtsverletzungen in einem anderen Land sagen wird. Weil er wüsste, dass niemand an ernsthafte Maßnahmen denkt. Denn die wären schlecht für die heimische Wirtschaft. Da ich als altersbedingter Optimist trotzdem ein Fläschchen Champagner für diesen Tag aufs Eis gelegt habe, werde ich mich mal erkundigen müssen, wie lange man Champagner lagern kann.

Champagner unter der Blautanne

Ist es nicht jedes Jahr das Selbe. Irgendwann, wenn vielleicht schon der erste Schnee gefallen ist, wacht man eines Nachts schweißgebadet auf. Weil im Traum jemand eine Frage gestellt hat. Von der man wusste, dass sie gestellt werden würde. Wie jedes Jahr. Vor der man sich gefürchtet hat. Vor der man davongelaufen ist. Und nicht nur im Traum. Aber stets wusste, dass man ihr nicht entkommen kann. Es ist eine simple Frage, aber die Antwort darauf kann ungeahnte Konsequenzen haben. Wenn die Antwort nämlich für den Fragesteller unbefriedigend ausfällt. Und diese Frage lautet: Was wünscht du dir eigentlich zu Weihnachten?

Denn wenn man einfach lapidar und wahrheitsgemäß antwortet, dass man gerne ein neues Smartphone hätte, dann lautet der Vorwurf, dass man einfallslos sei. Greift man aber zu einer Notlüge und sagt, dass man wunschlos glücklich sei, so heißt es gleich, man wolle wohl Weihnachten boykottieren, habe keinen Sinn für dieses schöne Fest der Liebe. Und sei außerdem ein Lügner. Weil man erst neulich gesagt habe, dass es schön sei, wenn man noch Wünsche habe. Was dann allerdings nicht der beste Moment ist, nun zu sagen, woran man da neulich gedacht hatte. Ein Teufelskreis.

Der jetzt durchbrochen werden kann. Dank eines Versandhandels. Dort wird nämlich ein Champagnersäbel aus 200 Lagen Damaszener-Stahl angeboten. In einer Massivholz-Kassette. Um Irrtümern vorzubeugen, das ist keine Antiquität, keine Dekoration für das Wohnzimmer. Nein, dieser in Italien handgefertigte Säbel dient vielmehr dazu, Champagnerflaschen zu köpfen. Was ja gleichzeitig auch als starkes Statement gegen den sogenannten Islamischen Staat verstanden werden kann. Als Demonstration, dass wir uns unsere Lebensart nicht von irgendwelchen Terroristen nehmen lassen.

Auch weil hier nicht Köpfe rollen, wenn wir zum Säbel greifen, sondern der Korken mit dem Flaschenhals und mit 200 km/h davonfliegt. Und anschließend der Champagner in Strömen fließen kann. Und das Beste daran: Wenn Sie sagen, dass sie sich den zu Weihnachten wünschen, dann sehen Ihre Lieben, dass sie sich wirklich Gedanken gemacht haben. Dass Sie auch wollen, dass es ein schönes Fest der Liebe wird. Vielleicht, dass der Preis ein kleines Hindernis ist. Der Champagnersäbel kostet immerhin 665,– Euro. Aber schließlich ist Weihnachten ja nur einmal im Jahr.

 

Mother’s Milk

War nicht bis gestern zumindest diese Welt so halbwegs in Ordnung. Sogar den Namen Rothschild findet man heutzutage auf den Etiketten von Weinflaschen, die wir in unserem Supermarkt um die Ecke erstehen können. Und das sogar in den Tiefstpreisläden der zwei Brüder, die sich die Republik aufgeteilt haben. Wir können Chablis, Nero d’Avola und Champagner erstehen, ohne griechische Verhältnisse für die Haushaltskasse zu riskieren. Wir können uns als Kenner profilieren und zeigen, dass wir in der Welt zu Hause sind.

Vorbei also die Zeiten, als wir unsere besten Freunde mit Amselfelder erschrecken mussten, wenn wir sie zu einem Abendessen eingeladen hatten. Im Gegensatz zu den Sozialleistungen für Flüchtlinge ist nämlich auch das Einkommen der meisten Menschen in diesen blühenden Landschaften gänzlich ausreichend, um nicht nur sonntags einen Schluck von diesem Sinnbild für Lebensart und bürgerlichen Wohlstand kredenzen zu können.

Doch jetzt wird uns auch diese Wohlfühl-Möglichkeit genommen. Nicht mehr die Rebe oder der Önologe sind nun von Belang, können uns als Connaisseur und Vertreter der gehobenen Schichten ausweisen. Was jetzt auf den Tisch muss, um Freunde, Verwandte oder gar den Chef zu beeindrucken, das sind Weinflaschen mit „Style“.

Die dann „Mother‘s Milk“, „Weisswein Hensel und Gretel“ oder  „Just For Wine Victims“ heißen und deren Etiketten so ähnlich aussehen, wie diese beliebten Plakate, Kissen- oder T-Shirt-Aufdrucke mit Sinnsprüchen ohne großen Sinn. Und natürlich das Doppelte kosten. Denn schließlich müssen ja nicht nur der Wein sondern auch noch der Etiketten-Designer und der „Style“ bezahlt werden.

Dazu passt auch die Meldung, dass für den guten, alten Bocksbeutel neue, dynamischere Flaschen entworfen wurden, um das Image des Weines aufzubessern. Was lernen wir daraus? Das Apple-Syndrom hat nun auch den Wein erfasst! Nicht mehr der Inhalt ist entscheidend, sondern nur, ob das „Label“ angesagt ist. Das, was drauf steht. Sonst kann man nicht damit punkten.

Ich habe auf jeden Fall schon einmal eine Kiste „Hensel und Gretel“ bestellt. Wir haben nämlich ein paar Freunde zu Borlotti-Suppe mit Sellerie-Flan und Parmesan-Meringue und Jakobsmuscheln mit Graupen-Zucchiniblüten auf Porreebett eingeladen. Ich wollte ihnen endlich einmal meine neue Apple Watch mit Roségold-Gehäuse zeigen.