Schlagwort-Archive: Chaos

Verkehrskreuzungen

Die Idee ist genial. Wenn auch nicht gerade in ihren Auswirkungen für die anderen Menschen. Übertragen auf unseren Alltag mit all seinen kleinen Widrigkeiten, die man so gerne behoben wüsste, würde dieses Prinzip bedeuten, dass jemand zum Beispiel vorschlägt, man solle doch die Verkehrsampeln einfach abschalten. Erstens könnte man damit viel Strom sparen. Und außerdem wäre dann doch zumindest in diesem Bereich endlich einmal Schluss mit der Gängelei der Menschen, mit der Reglementierung von allem und jedem.

Dass dann vielleicht ein mittleres Verkehrschaos ausbrechen würde, ist noch nicht einmal Ziel und Absicht bei dieser Idee. Das Entscheidende ist vielmehr, dass dann der oder die Urheber, wenn sich die Menschen frei und in geheimer Wahl dafür entschieden haben, ihren Führerschein abgeben und ihr Auto verkaufen. Vielleicht auch noch auf eine Südsee-Insel verschwinden, wo es noch nicht einmal Straßen gibt. Hauptsache zuhause haben die Menschen jetzt endlich die Gelegenheit sich einmal zu informieren, was denn überhaupt eine Verkehrsampel ist.

Clausnitz zeigt den Weg

Wenn das nicht ein Rettungsanker allererster Güte ist, hier endlich die Hand gereicht wird, um Angela Merkel vor dem endgültigen Absturz zu bewahren. Und wer ist der Retter in der Not? Die sächsische Polizei! Hat sie jetzt doch das einzig Richtige getan. Und Ermittlungen eingeleitet gegen den Mob im Flüchtlingsbus in Clausnitz. Der offensichtlich keine Ahnung hatte von deutscher Willkommens-Kultur. Würde nicht wundern, wenn die Wut der Businsassen daher rührte, dass man ihnen bei der Ankunft nicht gleich Gutscheine für Guthaben-Aufladungen ihrer Prepaid-Handys aushändigte.

Kann jetzt natürlich so ein Gutmensch daherkommen und behaupten, dass sich zum Beispiel der Junge deshalb so gewehrt hätte, weil jeder in Syrien weiß, dass der Anfang vom Ende im Chaos dieses Landes die Verhaftung von achtzehn Jungen zwischen 10 und 15 Jahren war. Sie sollen in der Stadt Daraa eine Parole gegen das Assad-Regime an eine Wand der Schule gesprüht haben und wurden von der Polizei verhaftet und gefoltert. Auslöser für die ersten großen Demonstrationen gegen das Regime.

Die nach kurzer Pause neue Dimensionen bekamen, nachdem der 13-jähriger Schüler Hamza verhaftet und wenig später von Sicherheitskräften seinen Eltern tot zurück gebracht worden war. Die Eltern dokumentierten Foltermale wie Brandwunden, zertrümmerte Kniescheiben, den gebrochenen Kiefer und die abgeschnittenen Genitalien und stellten sie als Video ins Internet. Diese Bilder waren dann Auslöser für die Aufstände in Homs und weiteren syrischen Städten. Was natürlich ein Polizist in Sachsen nicht wissen kann, schließlich bekämpft er das Verbrechen und studiert nicht Geschichte oder Psychologie.

Jedenfalls zeigen diese Ermittlungen einen ersten erfreulichen Ansatz und Möglichkeiten auf, das kürzlich verabschiedete Gesetz hinsichtlich der Abschiebung von straffällig gewordenen Asylbewerbern zum Tragen kommen zu lassen. Was natürlich zu einem spürbaren Sinken der Flüchtlingszahlen führen wird und damit Druck von der Kanzlerin nehmen würde. Wird dann auch die Forderung Seehofers, endlich wieder Recht und Ordnung in Deutschland herzustellen, erfüllt und auch gegen alle illegal eingereiste Flüchtlinge ermittelt, sinken die Zahlen endgültig auf ein erträgliches Maß, und statt um ihre Existenz und Sicherheit zu bangen, können viele Menschen endlich wieder aufatmen.

Natürlich müsste man die Industrie in die Ermittlungsverfahren einbinden, falls Fachkräfte unter den Angeklagten sind. Vielleicht wären auch Tageskontingente, wie von Österreichs Innenministerin Mikl-Leitner eingeführt, nicht schlecht. Dann könnte die Kanzlerin sicher auch wieder auf die Unterstützung Ungarns, Polens und Sloweniens zählen. Weil die wackere Polizei in Sachsen gezeigt hat, wie Rechtsstaatlichkeit aussieht. Dass in Deutschland Straftaten ohne Ansehen der Person geahndet werden. Nazis, Wutbürger, AfD-Politiker und Pegida-Anhänger können ein garstig Lied davon singen.

Angst um Deutschland

Bis jetzt hatte ich ja wirklich fest daran geglaubt, dass Merkel Recht hat, wenn sie sagt, dass wir das schaffen. Jetzt bekam ich kurzfristig Zweifel. Laut Los Angeles Times schlägt in Deutschland nämlich das Pendel um. Präsidentschaftskandidat Donald Trump sieht nach dem „Gemetzel“ in der Silvesternacht  in Köln den Beweis erbracht, dass die Flüchtlinge das Land ins Chaos stürzen. Selbst in der ehrwürdigen New York Times bekommt ein Beitrag die Überschrift „Deutschland auf der Kippe“, und der Kommentator bezeichnet jeden als „Idioten“, der glaubt, dass eine Gesellschaft „eine Zuwanderung solcher Größe und solcher kultureller Unterschiede friedlich auffängt“.

Und er warnt eindringlich. Wenn Deutschland „eine politische Gewalt wie in den Dreißigerjahren“ verhindern wolle, dann müsse es den „wohlmeinenden Wahnsinn“ von Angela Merkel beenden, sprich, sie muss gehen. Und an dieser Stelle habe ich dann doch wieder Mut geschöpft. Denn dass der gute Mann in Deutschland die politische Gewalt der Dreißigerjahre zurück kommen sieht, das hat sicher damit zu tun, dass jetzt Adolf Hitlers „Mein Kampf“, versehen mit Kommentaren, wieder in die Buchhandlungen gekommen ist.

Vielleicht glaubt ja der New York Times-Kommentator deshalb, dass Hitler noch lebt. Ich bin mir sicher, wenn er erfährt, dass Hitler nicht selber die Neuausgabe dieser Hetzschrift kommentiert hat, weil er nämlich immer noch tot ist, wird er gleich viel weniger beunruhigt sein. Und ich kann noch etwas zu seiner Beruhigung beitragen. Solange auf einer deutschen Radiostation anlässlich des  Todes eines David Bowie der Song „China Girl“ gespielt wird, ist in diesem Land noch alles in bester Ordnung. Hier ist wahrlich noch kein Platz für Subversives. Hier darf sich auch nicht jeder bis an die Zähne bewaffnen. Wenn hier Ausländer gehetzt werden, dann landen die im Krankenhaus und nicht auf dem Friedhof.

 

Schelte im Shelter

Warum nur werden Menschen – und dazu auch noch Würdenträger – dafür kritisiert, dass sie den Mut haben zu sagen, was gesagt werden muss. Wenn zum Beispiel ein CSU-Landrat Probleme anspricht, die unter den Nägeln brennen und einen Namen haben: Flüchtlingskrise. Alleine wenn man bedenkt, wie oft dieser Begriff in den Nachrichten fällt, dann sollte es doch keine Frage mehr sein, dass es sich hier wirklich um eine Krise handelt. Und erst recht, wenn in einem sogenannten Warteraum für Flüchtlinge das „reine Chaos“ herrscht, wie dieser Landrat entsetzt feststellen musste.

Doch den eigentlichen Skandal hat dieser unerschrockene Politiker erst aufgedeckt, als sich Bundesinnenminister de Maizière bei einem Besuch in Lobhudelei für die freiwilligen Helfer erging, anstatt sich mit den wirklichen Problemen zu beschäftigen. Vor laufenden Fernsehkameras sagte er dem Bundesminister nämlich ins Gesicht, dass der Bau der als Warteraum genutzten Baulichkeiten nicht mit der bayerischen Bauordnung vereinbar ist. Was nichts anderes heißt, als dass die Flüchtlinge in Schwarzbauten untergebracht werden. Die hilflose Reaktion des Bundesministers: „Was sollen denn dann jetzt die Konsequenzen sein? Sollen wir das alles hier jetzt wieder abreißen, oder was?“

Sprach’s und ergriff die Flucht, wie eine Zeitung meldete. Ließ den Landrat also zurück mit der Last, dass die betroffene Kommune seines Landkreises für Krankenhaustransporte und anschließende Behandlungen aufkommen muss, dass sie plötzlich für bis zu 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge pro Woche zuständig ist. Wie der Landrat sagte. Was nichts anderes bedeutet, als dass in einem Jahr mehr als 2000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut werden müssen. Weshalb dann nicht nur im Warteraum sondern auch beim Jugendamt das „reine Chaos“ herrschen wird. Das Wort Chaos stammt übrigens aus dem Griechischen, wie ich überrascht festgestellt habe, und stand ursprünglich für „der unendlich leere Raum“.