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Weitsicht

In Frankfurt am Main gibt es nicht wenige Hochhäuser. Frankfurt am Main ist der Finanzplatz Nummer Eins in Deutschland. Und da möchte man doch auch gerne hoch hinaus. Im 49. Stock des Commerzbank Towers residiert der Vorstand. Für die Herren des Vorstands gibt es eine Toilette, die ihnen einen beeindruckenden Ausblick auf umliegende Gebäude und sogar das Umland von Frankfurt bis zum Horizont ermöglicht. Diesen Blick können die Herren dank verglaster Toilettenwände genießen, wenn sie urinieren.

Als das Gebäude geplant wurde, hatte man offensichtlich noch keine Befürchtungen, dass es eines Tages auch einmal Frauen in den Vorstand der Commerzbank schaffen. Und sich dann beschweren könnten, dass sie nicht auch einen so herrlichen Blick auf die Frankfurter Skyline haben, wenn sie ebenfalls besagter Tätigkeit nachgehen. Vielleicht hat man aber auch einfach nur angenommen, dass es für Frauen nicht so wichtig ist, beim Urinieren auf die Menschheit herunter schauen zu können.

Lachen ist gesund

Eigentlich wollte ich ja über Alter und Krankheit schreiben. Darüber, dass man weder an das Eine noch an das Andere denkt, wenn man jung ist. Es sei denn, es gibt einen konkreten Anlass. Ansonsten wird in jungen Jahren mit dem Aspekt Gesundheit durchaus schon einmal ein Schnupfen in Verbindung gebracht oder eine Grippe. Alles andere scheint so weit entfernt, dass man keinen Gedanken daran verschwendet. Und wahrscheinlich ist das auch gut so. Denn spätestens wenn den Menschen die ersten altersbedingten Wehwehchen ereilen oder gar Schlimmeres, wird nicht nur damit begonnen, an ein mögliches Ende zu denken, Krankheit wird dann oft auch ein Teil des Lebens. Ist nicht neu, damit hatten schon die alten Griechen und Römer zu kämpfen, wahrscheinlich auch Kelten oder noch ältere Neandertaler.

Was sich verändert hat im Laufe der Jahrtausende und Jahrhunderte, das wird offensichtlich, wenn man sich heutzutage mit dem Thema Krankheit und Alter beschäftigt. Der erste Eindruck, der sich einstellt, ist nämlich, dass Krankheit im Alter nicht sein muss. Und wenn es jemand unbedingt nicht lassen kann, dann ist das ein Warmduscher und Loser, der es nicht anders verdient. Denn eigentlich muss man nur die richtigen Medikamente nehmen, die richtigen Fitness-Programme absolvieren, einen adäquaten Eingriff vornehmen lassen, und schon kann einem kein Rückgrat, kein Meniskus oder Hüftknochen etwas anhaben. Geschweige denn irgendwelches banales Gedärm, das Herz oder die Psyche. Das sagen uns die Medizin, viel einschlägige Literatur und die Pharmakonzerne.

Und just an diesem Punkt sind mir die Banken dazwischen gekommen. Hat man doch wieder einmal und ganz überrascht festgestellt, dass die Millionen, wenn nicht Milliarden am deutschen Fiskus vorbeigelenkt haben. Indem sie nämlich ausländische Unternehmen dabei beraten haben, wie man Gewinne maximiert indem man sie ins Ausland verschiebt. Ich formuliere es mal so vorsichtig, denn Banken haben das Geld für richtig gute Anwälte. Und ich muss gestehen, dass auch ich überrascht bin. Denn von dieser Masche und dass sie sehr gerne und für alle Beteiligten zum Vorteil praktiziert wird, wusste ich schon seit längerem. Ich bin aber kein Insider. Ich kann nur lesen und Fernsehen schauen.

Weshalb ich messerscharfe schließe, dass jetzt genau das Gleiche passieren wird als damals, als man übrigens auch schon ziemlich überrascht war. Nämlich nichts. Und ich deshalb mit Genugtuung feststelle, dass das doch auf jeden Fall die bessere Nachricht ist. Denn sie besagt, dass die Öffentlichkeit doch immerhin für so wichtig gehalten wird, dass man sich zumindest die Mühe macht, ihr etwas vorzugaukeln. Während sich die Aufsichtsräte der Banken in ihren Konferenzsälen am Boden kugeln vor Lachen. Womit sich der Kreis schließen würde, und ich getrost zur Krankheit im Alter zurückkehren kann, denn auch die bereits erwähnten Autoren, Mediziner und Aufsichtsräte von  Pharmakonzernen kugeln sich vor Lachen am Boden. Das einzige Problem scheint zu sein, dass es dem berühmten Mann von der Straße und seiner Frau so schwer fällt mit zu lachen.