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Mann auf Couch

 

Das hat mir richtig imponiert. Der Mann war in Quarantäne gewesen. Positiv getestet. Also fern von Frau und Kind. Und jetzt saß er da auf der Couch und erzählte der Journalistin, was das mit ihm so gemacht hatte. Um es vorweg zu nehmen: Es hatte ihn verändert. Denn jetzt wollte er sich mehr den anderen Dingen widmen. Nicht nur immer Job und den Terminen hinterher hetzen. Sich auch mal Zeit nehmen für Andere. Auch für die Familie. Kurzum das Fazit: Geld allein macht nicht glücklich. Entschleunigung tut Not. Es muss nicht immer Abu Dhabi sein.

Also die Pandemie als Weckruf? Der Wandel als Folge der Gefahr? Was für ein Szenario! Die Menschen verkaufen ihre Autos, fahren nur noch mit dem Fahrrad, mit Bus oder Bahn. Unsere Innenstädte verwaisen zu Spielplätzen. Nicht Malle ist der Sehnsuchtsort, sondern das städtische Freibad oder der Weiher im Grünen. Nachhaltigkeit ist die neue Währung. Nachbarschaft das neue Freizeitvergnügen. Global soll nur noch die Empathie sein.
Ich weiß natürlich nicht, was der Mann gemacht hat, nachdem er die Couch und das Zimmer verlassen hatte. Aber denkbar ist es natürlich schon, dass durch diese Quarantäne bei ihm die Handlungskette gerissen ist. Weshalb sich die wohl nicht unberechtigte Frage stellt, ob die gerade praktizierten Lockerungen der richtige Weg sind. Dass jetzt sogar wieder Kinder spielen sollen, auf Spielplätzen. Denn da wird einmal mehr ein großes Manko sichtbar. Wir haben zwar offensichtlich genug Notfallbetten. Aber auf jeden Fall zu wenig Wohnraum, um alle in Quarantäne zu schicken.

Alle sind bereit

Beinahe wäre es noch eng geworden. Also die drei Kästen Bier haben wir ja gerade noch ergattert. Aber bei den Chips sah es düster aus. Vor allem die mit Meersalz und indischem Pfeffer haben wir erst im dritten Supermarkt bekommen. Zum Glück hatten wir ja nicht nur die Grillkohle gleich bei Beginn der Weltmeisterschaft gebunkert, sondern auch das komplette Grillfleisch und die Würstchen. Lief ja so eine BBQ-Aktion bei einem Discounter. Alles original, wie es auch die Amerikaner gerne haben, hat es da gegeben. Groß, und ohne dass man Gefahr läuft, dass es gleich verdirbt. Alles eingeschweißt und schon mit antibakterieller Soße.

Jedenfalls muss ich jetzt nur noch einen Windschutz auf dem Balkon bauen. Sonst bläst es die ganze Glut aus dem Grill. Das Gute ist, dass ich den Fernseher vom Balkon aus sehen kann. Nachdem er 65 Zoll hat, kann ich sogar vom Balkon aus noch den Ball erkennen. Außerdem haben wir natürlich Sky. Da kann man noch mal zurücklaufen lassen. Die Trikots sind jedenfalls auch schon gebügelt und die Fahnen auf dem Sofa drapiert. Jetzt muss ich nur noch in die Apotheke. Meine Frau hat sich vorsichtshalber noch Antidepressiva für mich verschreiben lassen.

Gefahr in Verzug

Das Problem ist bekannt. Kurzfristige Abhilfe ist nicht in Sicht. Im Bundesdurchschnitt dauert es etwa 12 Wochen bis es zu einem Erstgespräch kommt. Doch zwischen diesem und dem Beginn der Behandlung liegen zumeist noch einmal mindestens drei Monate. Das heißt, es vergeht ein halbes Jahr, bevor ein psychisch Kranker behandelt wird. Weshalb viele Betroffene noch während der Suche nach einem Psychotherapeuten aufgeben, sich im besten Falle an ein psychiatrisches Krankenhaus wenden.

Wenn psychisch Kranke jetzt also erfahren müssen, dass ein Mann ohne jede Wartezeit zu einer psychotherapeutischen Behandlung gekommen ist – und dazu noch jemand aus einem anderen Land -, dann ist das sicher mehr als deprimierend für diese. Doch nach den gestrigen Hasstiraden, die dieser Mensch über die Fernsehkanäle seines Landes verbreitete, hat wohl jeder Verständnis dafür, dass nicht anders gehandelt werden konnte. Es ist schließlich „Gefahr in Verzug“. Nicht auszumalen, was passiert, wenn dieser Mann nicht sofort in Behandlung kommt.