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Drohende Gefahr

Wenn es doch nur schon später im Jahr wäre, und die restlichen Bundesländer bereits dem Beispiel Bayerns gefolgt wären, die Befugnisse der Polizei etwas auszuweiten. Also dass die Polizei noch leichter Telefone abhören und Briefe öffnen dürfte. Und einzig aus dem Grund, dass eine begründete Wahrscheinlichkeit vorliegt. Dass in Zukunft eine Straftat begangen werden könnte. Obergriff: Drohende Gefahr.

Weshalb „Gefährder“ vorauseilend in Gewahrsam genommen werden können. Und am liebsten hätte man es bei der CSU, dass dann auch mal jemand für drei Monate hinter schwedischen Gardinen bleibt. So lange kann ja eine drohende Gefahr schon mal dauern.

Und in der Zwischenzeit soll nach Vorstellungen des bayerischen Innenministers schon mal prophylaktisch DNA für die Zukunft gesammelt werden. Auch wenn man noch nicht weiß, zu wem sie gehört. Kurzum, wenn dieses Gesetz schon jetzt und bundesweit in Kraft wäre, dann hätten heute nicht vermutliche zwei Menschen in Münster sterben müssen, es wären nicht Dutzende verletzt worden. Also zumindest die CSU würde davon ausgehen.

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Offenes Ende

Also die hatte ich ja überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. Irgendwie hatte man ja eher den Eindruck, dass sich die FDP und ihre Politikerinnen und Politiker nach ihrem Abschied von den Jamaika-Verhandlungen kollektiv zum chillen nach Malle abgesetzt hätten. Das war wohl so nicht so ganz richtig. Die FDP ist jedenfalls zumindest in Bayern wieder voll da. Was dann allerdings ein Indiz dafür sein könnte, dass doch alle auf Malle waren. Jedenfalls sind sie gerade dabei, die Politik so richtig aufzumischen mit dem Thema Ladenschluss. Mit dem soll endlich Schluss sein.

 

„Der Staat hat mündigen Verbrauchern nicht vorzuschreiben, wann sie werktags einkaufen gehen. Während die Grünen den Bürgern am liebsten den veganen Einkaufszettel diktieren würden, will die CSU den Bürgern ihre Einkaufszeiten vorschreiben. Ein Staatsdirigismus, den wir Liberale nicht länger akzeptieren“, sagte jetzt die bayerische Generalsekretärin der FDP, Miriam Gruß, und verteilte demonstrativ kurz vor Ladenschluss kleine Lebensmitteltüten.

Und bezogen auf mich ist diese Aktion auf jeden Fall ein Erfolg. Ich weiß jetzt, dass eine Miriam Gruß Generalsekretärin der bayerischen FDP ist. Bin auch dankbar für den diskreten Hinweis, dass in diesem Jahr ja Wahlen in Bayern sind. War außerdem schon immer der Meinung, dass man aus den Beschäftigten im Einzel- und Großhandlung wirklich noch einiges mehr rausholen kann. Was die Belastung betrifft, haben sie noch lange nicht das Niveau von Pflegepersonal. Noch offen ist allerdings für mich die Frage, ob sich die FDP den Inhalt für die verteilten kleinen Lebensmitteltüten bei einer der Tafeln in München geholt hat.

  

 

Spätfolgen

Es tut mir ja herzlich leid, und ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich mich mit solchen Äußerungen auf das inzwischen allgemein übliche niedrige Niveau in den angeblich sozialen Netzen begebe, nicht allzu weit von dem entfernt bin, was ich eigentlich gerne kritisiere. Aber es ist Aschermittwoch heute, da kann man sich das schon mal erlauben. Vielleicht mit dem Hinweis, dass es Spätfolgen wären des etwas überbordenden Alkoholgenusses am gestrigen Abend.

Was ich durchaus auch für den Gegenstand meiner, mit Schnappatmung verbundenen Entrüstung gelten lassen würde. Wenn ich wüsste, dass es zutreffend wäre. Aber ich habe eigentlich kaum einen Zweifel, dass die Gründe für die verbalen Rundschläge der CSU-Politiker Scheuer und Söder, dem bayerischen Doppel-S, einfach auf der Tatsache basieren, dass die Herren massive Potenzprobleme haben.

Nur so lässt sich in meinen Augen diese ganze Frustration und Häme erklären, die in jedem dieser, von mir beanstandeten Sätze mitschwingen, also womit die Herren Scheurer und Söder heute Festzelt-Stimmung in Passau machten. Das war unterste Schublade und gipfelte in dem Satz des Noch-Heimatministers Söder, dass Deutschland sei nur so erfolgreich sei, „weil es uns Bayern gibt“.  Wer das fürs Ego braucht, sollte unbedingt auch Porsche fahren. Ich habe jedenfalls Olaf Scholz einen Brandbrief geschrieben, die GroKo zu „lindnern“.

Inspirierendes Element

Das kann doch einfach kein Zufall sein. Wo wurde im Januar 1942 beschlossen, im Hinblick auf den bereits begonnenen Holocaust an Juden die Organisation und Zusammenarbeit der beteiligten Instanzen zu koordinieren? Richtig: Am Wannsee.

Und wo hat jetzt der CSU-Europapolitiker Manfred Weber gesagt, dass im Jahr 2018 „das zentrale europäische Thema die finale Lösung der Flüchtlingsfrage“ sei? Genau: An einem See. Am Seeoner See.

Der zwar in Oberbayern liegt und nicht in Berlin, aber an dessen Ufern im Kloster Seeon die CSU derzeit Standortbestimmung betreibt, liebe Gäste wie den ungarischen Präsidenten Orban empfängt. Wasser scheint einfach sehr inspirierend zu sein.

 

 

Intelligenzquotient

Es ist nun wirklich kein Grund sich aufzuregen. Spätestens als Alexander Dobrindt sein Geburtstagsgeschenk bekam und die Pkw-Maut also nicht gerade in Stein gemeißelt wurde, aber immerhin als Gesetz in die deutsche Nachkriegsgeschichte einging, war doch klar, was Bundeskanzlerin Angela Merkel meint, wenn sie sagt, dass etwas mir ihr nicht zu machen sei.

Und wer von uns hat noch nicht „mit mir nicht“ gesagt. Wenn der Chef zum Beispiel angekündigt hatte, dass Freitagabend Überstunden gemacht werden müssten oder ein Urlaub absolut unmöglich wäre. Und wer hat dann Überstunden gemacht und ist nicht in Urlaub gefahren? Richtig! Wirklich beunruhigend wäre hingegen gewesen, wenn Frau Merkel darauf beharrt hätte, dass es mit ihr keine Obergrenze gibt. Das hätte nämlich nur bedeuten können, dass sie den Job hinschmeißt. Das wäre zwar zu schön gewesen, um wahr zu sein, aber nicht sehr realistisch.

Denn es gibt ja auch noch den Spruch, dass nichts Besseres nachkommen würde. Und noch viel zu viele Menschen, die daran ebenso glauben wie an den Satz: Mit mir nicht! Und immerhin besteht jetzt die berechtigte Hoffnung, dass einem nicht mehr das Wort „Obergrenze“ den ganzen Tag auf allen Nachrichtenkanälen über den Weg läuft und somit selbigen versaut. Es sei denn Seehofer denkt sich jetzt auch noch eine Obergrenze für den Intelligenzquotienten von CSU-Politikern aus.  

Tiefschlaf

Es ist wirklich alles in Butter. Sie haben alles im Griff. Höchstens mal nicht sich selber. Weshalb sie dann schon mal jemandem auf die Fresse hauen wollen. Oder versuchen, Politik vom Lehnstuhl aus zu machen. Großartig auch der Schachzug von Merkel. Europa neu einordnen und für die Zukunft ausrichten, Flüchtlingsfrage klären und die Finanzen, die Verteidigung, wie es Frankreichs Präsident Macron verlangt, das kann warten. Jetzt geht es nach Tallinn erst einmal um das Internet und die digitale Zukunft. Da hat man dann auch viel mehr Zeit, über Jamaika nachzudenken.

Pressiert ja alles nicht. Ging doch die letzten gefühlten 100 Jahre auch mit dem Tempo einer guten alten Dampflok. Ist außerdem viel pittoresker als ein TGV. Und vielleicht lässt sich so ja auch die Sozialdemokratie weichkochen. Es kann nur noch Tage dauern, bis zum ersten Mal von der Verantwortung gesprochen werden wird. Und außerdem hätte eine Neuauflage der GroKo den großen Vorteil, dass die SPD in vier Jahren wirklich nur noch eine Splitterpartei wäre. Wahrscheinlich als Schwesterpartei von Die Linke.

Denn inzwischen haben doch schon alle Beteiligten gemerkt, dass Jamaika wirklich ein Schwachsinn ist. Eine Totgeburt. Viel zu heiß dort. Außerdem ein schwieriges Gelände für Homosexuelle. Und dann die Kriminalität. Bandenbildungen. Rauschgift. Ganz zu schweigen von der Musik. Und schließlich gibt es ja auch noch anderswo chillige Strände. Copacabana zum Beispiel. Käme doch auch von den Farben her einigermaßen hin. Besser als Hasch und Reggae wäre auf jeden Fall Volksmusik. Wie singt Heino so schön: Schwarz-braun ist die Haselnuss.

Mutige Menschen gesucht

Sicher haben es schon ein paar Leute gemerkt. Im September geht es nicht nur darum, die Populisten in Zaum und am besten auch gleich noch Flüchtlinge hinter einem Zaun zu halten. Noch nicht einmal die Frage, ob nun Schwarz-Gelb-Grün oder Rot-Rot-Gelb oder Khaki-Schwarz-Violett die Lösung für die nächsten vier Jahre ist, ist von besonderer Bedeutung. Viel interessanter ist die Frage, ob überhaupt jemand für die Regierungsverantwortung zur Verfügung steht, die oder der den Mut hat, unerquickliche aber unbedingt notwendige Schritte anzugehen.

Denn die Gefahr, das sind nicht der Feinstaub, nicht die Flüchtlinge, nicht die Banken, nicht die AfD – und auch nicht die Ehe für alle. Die größte Gefahr, das ist das Nichtstun. Denn es gäbe viel zu tun. Eigentlich schon seit Jahren. Aber bisher wird nur getönt. Am liebsten darüber, was man schon alles getan hat. Und in einem Punkt stimmt es ja auch. Die Energiewende, hin zu den erneuerbaren Energien, das war schon mal was. Nämlich ein erster Schritt. Der zweite Schritt aber war der in die Stagnation. Was dann kam, das war Kosmetik.

In den vergangenen zehn Jahren ist nämlich vor allem eins passiert: Sämtliche Ziele wurden verfehlt. Und es wurde nicht nur knapp vorbeigeschossen. Weshalb jetzt vielleicht ein günstiger Zeitpunkt wäre, noch einmal darüber nachzudenken, was man will. Darauf hoffen, dass es noch so lange gut geht, bis man unter der Erde ist? Auf ein Wunder warten? Darauf, dass sich unsere Kinder schon irgendwie aus der Bredouille ziehen werden? Es die Natur oder der Papst schon richten werden? Oder vielleicht die CSU?

Um es klipp und klar zu sagen: In meinen Augen ist das keine Schicksalswahl. Aber immerhin haben wir noch eine Wahl. Zumindest, wenn sich jemand findet, der nicht mit Almosen und Schlagwörtern um sich wirft. Sondern klipp und klar sagt, dass es wohl erst einmal ziemlich unangenehm werden wird. Vielleicht sogar das Recht auf einen SUV auf der Kippe steht. Und auch der Wochenend-Kurz-Trip in die USA. Ganz zu schweigen vom Kilo Hackfleisch für 2,99 €. Die anderthalb Liter Cola für 49 Cent. Also jemand, der Dinge tut, die wahrscheinlich erst einmal weh tun. Aber die Chance mit sich bringen, dass wir noch eine Chance haben. Falls es also so jemand gibt, dann möge er sich doch bitte bald melden. Am 24. September ist es zu spät.