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Dank, wem Dank gebührt

Es gibt Momente, da muss man einfach einmal alle Fünfe gerade sein lassen und über seinen Schatten springen. Auch wenn es extrem schwer fällt. Deshalb jetzt und hier und ohne wenn und aber der Sprung ins kalte Wasser: Danke, AfD! Ein Dankeschön an Frau Weidel und Herrn Gauland. Nicht zu vergessen Herrn Höcke und all die anderen Funktionsträger dieser Partei, die dafür sorgen, dass kein Zweifel daran bestehen kann, was diese Partei will.

Und ein ganz besonderer Dank natürlich für den Antrag im Bundestag, Texte des gerade aus türkischer Haft freigekauften deutschen Journalisten Deniz Yücel aus früheren Jahren zu rügen. Vorgetragen von ihrem Abgeordneten Gottfried Curio, dem selbstverständlich auch mein Dank gilt. Sie alle haben dazu beigetragen, dass es zu einer Rede des Grünen-Abgeordneten Cem Özdemir kam, die zu der erfreulichen Kenntnis führt, dass dieses Parlament die Bezeichnung immer noch verdient, trotz all der häufigen Dornröschen-Debatten in der Vergangenheit.

Man fühlte sich an jene glorreichen Tage erinnert, als noch ein Herbert Wehner zeigte, dass Emotionen und Politik zusammenpassen. Und es ein Franz Joseph Strauß für eine Zumutung hielt, wenn Politiker mit Floskeln abspeisen.  Weshalb ihm die Antwort Cem Özdemirs auf den Antrag der AfD sicher gefallen hätte. Özdemir hat sich keiner Floskeln bedient, er hat den Abgeordneten der AfD mit einer emotionalen und brillanten Rede mehr als deutlich gesagt, was er von ihnen hält. Das lässt für dieses Parlament hoffen. Es ist ein Anfang.

 

Hier der Link: https://www.stern.de/politik/deutschland/cem-oezdemir-rechnet-in-emotionaler-bundestagsrede-mit-afd-ab-7875706.html

 

Türkische Woche

Während bei dem Discounter Lidl eine französische Woche avisiert ist, sorgte jetzt schon die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel für ein mediales Schnäppchen mit der Türkei als Schwerpunkt. Anlass ist die Entlassung des deutschen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel aus türkischer Haft. Weidel, die zwar wie der Journalist mit türkischen Wurzeln die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt aber in der Schweiz wohnt, schrieb auf Facebook, Yücel als „deutschen Journalisten“ zu bezeichnen, seien „zwei Fakenews in einem Satz“. Einmal davon abgesehen, dass Yücel sicher weiß, wie man Fake News richtig schreibt, ist er laut Weidel ein „antideutscher Hassprediger“, der eigentlich nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen dürfe.

Zeitnah wurde der deutsche Bundestagsabgeordnete und vormalige Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, von türkischen Teilnehmern der Sicherheitskonferenz in München in einem Hotel als Terrorist bezeichnet und entsprechend bei der deutschen Polizei interveniert. Woraufhin Özdemir, der ebenfalls türkische Wurzeln hat, unter Polizeischutz gestellt wurde und auf das Frühstück im Hotel auf Bitte der Polizei verzichtete. Gemeinsamer Nenner scheint also zu sein, dass konzertiert und mit Hilfe der rechten AfD Stimmung gemacht werden soll gegen Deutsche mit türkischen Wurzeln, die Erdogan kritisieren. Wohl mit dem Ziel, die Gesellschaft hierzulande noch mehr zu spalten. Höchste Zeit, dass der BND untersucht, ob es Kontakte gab oder noch gibt zwischen der AfD und türkischen Regierungskreisen.

Urlaub in der Türkei

Dies ist ein Aufruf an alle Menschen, die noch nicht ihren Urlaub gebucht haben respektive in der Lage sind, noch umzubuchen. Denn die Zahlen sind besorgniserregend. Zum Teil um bis zu 30 Prozent und mehr sind die Buchungen für Türkeireisen zurück gegangen. Die Tourismus-Branche in der Türkei ist am Boden – und reagiert mit Dumping-Preisen. So soll zum Beispiel Öger Tours eine Woche in einem Fünf-Sterne-Hotel an der sogenannten türkischen Riviera „all inclusive“ für nicht einmal 350 Euro pro Person anbieten. Hin- und Rückflug ab Berlin sind bereits im Preis enthalten. Also nichts wie hin.

Denn sogar die Hotels in bester Lage und mit exklusiver Ausstattung in Istanbul locken inzwischen mit Preisen, die jeden preisbewussten Urlauber frohlocken lassen. Zimmer mit Blick auf die Hagia Sophia und mit Komfortausstattung sind bereits für weniger als 100 Euro zu haben. Es lässt sich also an allen Ecken und Enden sparen. Weshalb man dann das Geld, das man gespart hat, Organisationen zur Verfügung stellen könnte, die inhaftierte Redakteure und Reporter wie beispielsweise den deutsch-türkischen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel unterstützen. Das Ganze unter #türkeiurlaubfürpressefreiheit.

Beunruhigende Freiheit

Manchmal kann Freiheit auch etwas beunruhigen. Zum Beispiel die Versammlungsfreiheit. Sie garantiert in der BRD, dass der Ministerpräsident eines Landes, in dem Versammlungen nur erlaubt sind, wenn dort Regierungsarbeit und ihre Protagonisten bejubelt werden, eines Landes, in dem oppositionelle Politiker und Regime-Kritiker zu hunderten verhaftet und jede missliebige Berichterstattung unterbunden werden, in der BRD vor zehntausend Landsleuten für eine Verfassungsreform in seinem Land wirbt.

Mit der die Macht eines Mannes ausgebaut werden soll, der jetzt schon wie ein Autokrat agiert. Gegner des Referendums werden von diesem Ministerpräsidenten übrigens als „Terroristen“ bezeichnet. Was mit ein Grund sein könnte, warum jetzt der Korrespondent der „Welt“ wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und wegen Terrorpropaganda festgenommen wurde.

Der Journalist hat über den Schwiegersohn des künftigen Autokraten kritisch berichtet und besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Weshalb er nach Meinung der türkischen Behörden kein ausländischer Journalist ist. Für ihn dürfte es allerdings ohne Belang sein, dass in der BRD nicht nur Versammlungsfreiheit sondern auch Pressefreiheit herrscht. Jetzt darauf hinzuweisen, dass es Abgeordneten der BRD verwehrt wurde, deutsche Soldaten zu besuchen, die zur Unterstützung gemeinsamer militärischer Aktionen in jenem Land stationiert waren, wäre wohl polemisch.