Schlagwort-Archive: Die Grünen

Arbeitsplätze

„Wie die Grünen die Macht erobern“, so titelte heute eine Online-Plattform, und das klingt so, als wollten sie die Demokratie ignorieren, also nicht durch Wahlen an die Regierung kommen. Und als ich dann gelesen habe, dass jüngst für über eine Milliarde Kriegswaffen verkauft worden sind, da war mein erster Gedanke: Die haben die Grünen gekauft. Die wollen jetzt mit aller Macht an die Macht.

Und war dann geradezu erleichtert, als ich bei der weiteren Lektüre erfuhr, dass es sich hierbei um Waffenlieferungen an die Allianz jener Staaten handelt, die im Jemen gegen die Vorherrschaft des Iran kämpfen. Und vor allem gegen die Bevölkerung. Denn die stirbt und leidet am meisten. Aber der Jemen ist weit und die Arbeitsplätze, die bei den Rüstungskonzernen auf dem Spiel stehen könnten, sind ganz nah. Und hinter den Arbeitsplätzen verbergen sich ja schließlich auch Wählerinnen und Wähler.

So ist es natürlich nur verständlich, dass sich die Waffenexporteure über die Beschlüsse der Regierung hinweggesetzt haben. Die nämlich eigentlich beschlossen hatte, keine Kriegswaffen an Staaten zu liefern, die im Jemen-Krieg involviert sind. Also kann man nur von Glück reden, dass die Grünen noch nicht an der Macht sind. Die würden sogar Wahlen aufs Spiel setzen, um irgendwo auf der Welt Frauen und Kinder zu retten. Behaupten wahrscheinlich vor allem Vertreter der Regierungsparteien.

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Alterserscheinungen

Der Mann war einmal Chefredakteur des „Spiegel“. Gut, er hatte auch Pferde, die er vor einer Windkraftanlage schützen wollte. Was misslang. Weshalb er dann gerne gegen Windkraft schrieb. Und zugegeben, als der Spiegel sich von ihm trennte, war er dann schon nicht mehr der Jüngste. Und jetzt hat er ein Alter erreicht, das man das, was er tut, mit einer gewissen Milde sehen könnte. Wenn er jetzt nicht noch einen „Essay“ geschrieben hätte, in der „Welt am Sonntag“. Und was er da vom Stapel lässt, das sich nicht mehr mit dem Alter erklären.

Es geht ihm um seine Sicht der Dinge auf Klimawandel – und um die „Vertreter des Guten auf dieser Welt und die Vertretung der Guten. Womit er auch die Partei Die Grünen meint. Und natürlich die 16-jährige Greta, die gegen den Weltuntergang die Schule schwänzt. Und markante Zöpfe trägt, „die bisher eher als Zeichen einer völkischen Familie galten“. Spätestens an dieser Stelle hat AfD-Grande Gauland sicher gewiehert vor Freude.

Und wen das noch nicht überzeugt hat, für den tritt dieser Stefan Aust den wissenschaftlichen Beweis an: Dass nämlich die Wikinger wegen einer Wärmeperiode nach Grönland gereist wären. Obwohl es damals ja noch keine Industrienationen und deshalb keinen CO²-Ausstoß gegeben hätte. Da hat dann Donald Trump spontan applaudiert. Stefan Aust hat klar erkannt: „Gretas ansteckende Panik wird unser Problem. Kann man nur hoffen, dass Stefans wohl altersbedingte Verwirrung nicht auch noch ansteckend ist.

Schreckgespenst

Erinnert fast ein bisschen an die Zeit, als es die DDR noch gab. Und die Sowjetunion. Und den Kommunismus. Nur dass es damals, wenn man das Falsche gesagt hatte, hieß: Dann geh‘ doch rüber! Geht jetzt leider nicht mehr. Was jetzt bestimmt einige Kollegen von Grünen-Vorsitzenden Habeck und vor allem die von CDU und FDP bedauern. Abgesehen von dem üblichen Blödsinn-Gefasel der CSU-Granden hat sich vor allem FDP-Chef Lindner ins restaurative Zeug gelegt.

„Gegen steigende Mieten“, hat er gesagt, „helfen nur mehr Wohnungen und nicht DDR-Ideen“. Weil Habeck laut darüber nachgedacht hatte, dass man, wenn gar nichts anderes mehr helfe, vielleicht diverse Wohnungskonzerne enteignen müsse. Womit die Grünen laut Herrn Lindner „ihre bürgerliche Maske“ fallen gelassen haben. Seine größte Angst ist allerdings, dass das private Investoren verschrecken könnte. Da möchte man dem Herrn Lindner nur noch zurufen: Dann mach doch rüber! In die USA!  

Lebendige Demokratie

Geben wir es doch zu. Haben wir nicht fasziniert und fast ein bisschen neidisch zugeguckt, wenn im Fernsehen Bilder zu sehen waren, wie sich in der Türkei, in Italien oder in Japan Abgeordnete wie richtige Männer benommen haben und mit den Fäusten aufeinander los gingen? Um endlose Diskussionen zu Ende zu bringen. War doch diesbezüglich und bisher der allzu kurze Auftritt von AfD-Chefin Alice Weidel als Rumpelstilzchen in Deutschland der eher frustrierende und einzige Höhepunkt.

Doch nun können wir Hoffnung schöpfen, dass es bald solche Bilder auch aus deutschen Land- und Bezirkstagen oder dem Bundestag geben wird. Jedenfalls ist ein Anfang gemacht. Und zwar, wer hätte das gedacht, im behäbigen Baden-Württemberg, im Landtag. Da wollte die AfD nämlich wissen, wie es denn eigentlich aussieht mit den „linksideologischen“ Einflüssen in Kindergärten. Weshalb im Verlauf der Debatte der AfD-Abgeordnete Stefan Räpple, unverkennbar ein Schwabe, in Richtung SPD sagte: „So sind sie, die roten Terroristen!“

Was ihm einen Ordnungsruf der Landtagspräsidentin einbrachte. Die nicht nur eine Frau ist, sondern auch noch Mitglied der Partei Die Grünen und außerdem Muhterem Aras heißt. Und dann auch noch Herrn Räpple des Saales verwies, weil dieser zu toben angefangen hatte, nachdem ein Abgeordneter von der FDP behauptet hatte, dass die geistigen Vorläufer von Herrn Räpple „im Stechschritt durch das Brandenburger Tor marschiert“ wären. Und die Landtagspräsidentin diese Bemerkung nicht sanktionieren wollte.

Also beschloss Herr Räpple nicht den Saal zu verlassen. Und folgte erst nach langer Diskussion der Aufforderung von zwei Polizisten, die herbeigerufen worden waren. Weshalb dann auch noch der fraktionslose Abgeordnete Wolfgang Gedeon, der sich an der Debatte rege beteiligt hatte, nach zwei Ordnungsrufen durch Frau Aras dieser vorwarf, dass sie so vielleicht „ein Parlament in Anatolien führen“ könne, aber „nicht in Deutschland“.

Was natürlich Humbug ist, denn Frau Aras ist Deutsche und kein AKP-Mitglied und dürfte deshalb nie einem Parlament in Anatolien vorsitzen. Jedenfalls weigerte sich auch Herr Gedeon, nach Ausschluss von der Sitzung den Saal zu verlassen und wartete lieber darauf, dass die Polizei ihn begleitet. Wir sind also ganz offensichtlich auf dem richtigen und besten Weg zu einer – im Wortsinne – lebendigen Demokratie.

Türkische Woche

Während bei dem Discounter Lidl eine französische Woche avisiert ist, sorgte jetzt schon die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel für ein mediales Schnäppchen mit der Türkei als Schwerpunkt. Anlass ist die Entlassung des deutschen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel aus türkischer Haft. Weidel, die zwar wie der Journalist mit türkischen Wurzeln die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt aber in der Schweiz wohnt, schrieb auf Facebook, Yücel als „deutschen Journalisten“ zu bezeichnen, seien „zwei Fakenews in einem Satz“. Einmal davon abgesehen, dass Yücel sicher weiß, wie man Fake News richtig schreibt, ist er laut Weidel ein „antideutscher Hassprediger“, der eigentlich nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen dürfe.

Zeitnah wurde der deutsche Bundestagsabgeordnete und vormalige Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, von türkischen Teilnehmern der Sicherheitskonferenz in München in einem Hotel als Terrorist bezeichnet und entsprechend bei der deutschen Polizei interveniert. Woraufhin Özdemir, der ebenfalls türkische Wurzeln hat, unter Polizeischutz gestellt wurde und auf das Frühstück im Hotel auf Bitte der Polizei verzichtete. Gemeinsamer Nenner scheint also zu sein, dass konzertiert und mit Hilfe der rechten AfD Stimmung gemacht werden soll gegen Deutsche mit türkischen Wurzeln, die Erdogan kritisieren. Wohl mit dem Ziel, die Gesellschaft hierzulande noch mehr zu spalten. Höchste Zeit, dass der BND untersucht, ob es Kontakte gab oder noch gibt zwischen der AfD und türkischen Regierungskreisen.