Schlagwort-Archive: Dieselskandal

Zufriedenheit

Erdogan ist wieder abgereist. Der Fußballclub FC Bayern hat die Tabellenspitze in der Bundesliga abgegeben. Die Gnadenfrist für den Hambacher Forst wurde um einige Baumhäuser verlängert. Und höchstwahrscheinlich dürfen sich Autofahrer und Industrie die Kosten für eine bessere Luft redlich teilen. Wären nicht die Bilder aus Indonesien, man könnte sich zufrieden zurücklehnen.

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Frischluftkur

Wenn das nicht die Gefahr mit sich bringen würde, dass man dann irgendwann einen Trump als Regierungschef hat, würde ich mir in Situationen wie diesen wünschen, wir hätten US-amerikanische Verhältnisse. Weil man dort nicht gerade zimperlich mit Firmen umgeht, die Fehler zu Lasten der Verbraucher gemacht haben. Zwar am liebsten, wenn es sich um Firmen aus den Ausland handelt. Aber immerhin. Hierzulande jedoch sind Autohersteller heilige Kühe. Die man wie in Indien ja nicht von den Straßen vertreiben darf.

Weshalb das aktuelle Urteil hinsichtlich Fahrverboten für Dieselfahrzeuge in Städten mit zu hoher Schadstoffbelastung natürlich in keiner Weise impliziert, dass jetzt die Automobilkonzerne richten müssten, was sie verbockt haben. Im Gegenteil, bei Audi, Daimler, BMW und Co. reibt man sich die Hände. Denn Politiker fordern jetzt, um unpopuläre Fahrverbote mit allen Mitteln zu vermeiden, dass die Autohersteller die Prämien für neue Dieselfahrzeuge erhöhen sollen. Damit Dreckschleudern verschrottet und neue Diesel gekauft werden, die nur Jasmin-Duft aus dem Auspuff entweichen lassen.

Also dasselbe Verfahren wie einst, als allen Autofahrern der damals eher unbeliebte Dieselmotor schmackhaft gemacht wurde. Und zum Siegeslauf der Selbstzünder führte. Aber nachdem Daimler im vergangenen Jahr nur 11 Milliarden und VW in den ersten neun Monaten 2017 nur 13 Milliarden Gewinn machten, stünden sicher zehntausende Arbeitsplätze auf dem Spiel, wenn jetzt die Konzerne Dieselfahrzeuge so umrüsten müssten, dass sie die Abgaswerte erreichen, die seit Jahrzehnten von den Herstellern versprochen werden.  

Also helfen nur noch massenhafte Fahrverbote. Also zumindest in den Bundesländern, in denen in diesem Jahr keine Wahlen sind. Aber nur so ließe sich in allen anderen Bundesländern genug Volkszorn wecken, um die Politik vielleicht doch noch in die einzig richtige Richtung zu bewegen. Nämlich die Autohersteller in die Pflicht zu nehmen. Und nicht schon wieder Bürger eine Zeche bezahlen zu lassen für ein Produkt, das nicht hält, was der Hersteller verspricht. Schließlich müssen von denen ja erst noch die Geschenke abbezahlt werden, die die Politik den Betreibern von Atommeilern gemacht haben.

Duft von Tannennadeln

Eigentlich wollte ich ja über den Dieselgipfel schreiben. Darüber, dass dieses Instrument, mit dem Durchatmen in der einen oder anderen Innenstadt nicht mehr Gesundheitsrisiko sein soll, vor allem dazu dient, dass Aktionäre befreit aufatmen. Denn der Staat, repräsentiert von einer Bundesregierung, die momentan geschäftsführend, sprich kommissarisch tätig ist, tut alles, dass die Gewinne der Autokonzerne ihr hohes Niveau behalten. Und auf garkeinen Fall durch unnötige Ausgaben infolge fragwürdiger Praktiken der Konzerne beeinträchtigt werden.

Weshalb jetzt eine Milliarde in die – öffentliche – Hand genommen werden soll. Nachzulesen übrigens in einem atemberaubenden Papier vom August des Jahres, das in der berauschenden Aussage gipfelt, es sei „gemeinsames Ziel von Bund, Ländern und Automobilindustrie […], eine nachhaltige Mobilität zu sichern, pauschale Fahrverbote zu vermeiden sowie Beschäftigung und Verbraucherschutzrechte zu sichern.“

Doch dann bin ich erst einmal zu Bekannten zum Kaffee Trinken gegangen. Und da habe ich verstanden, warum so etwas und vieles anderes so klaglos hingenommen wird. Sie hatten schon unter dem Eindruck des auf uns in Windeseile zukommenden Festes dekoriert. Es gab natürlich Gebäck zum Kaffee. Denn Plätzchen gibt es erst zum ersten Advent. Richtig behaglich war es auf jeden Fall in der Wohnstube. Auch weil es draußen stürmte und regnete.

Und das ist es, was die Menschen vor allem anderen wollen. Sie wollen es gemütlich haben zu Hause. Da sich nicht auch noch mit allem auseinandersetzen, was schief läuft auf diesem Planeten. Oder in  einer Innenstadt. Lieber mit einem Bekannten Kaffee trinken. Die Vorteile einer Mikrowelle erörtern. Und wenn man dann doch einmal durch die Medien damit konfrontiert wird, wenigstens eine Fernbedienung zur Hand haben, um den Kanal zu wechseln. Auch wenn sie den eigentlich ziemlich voll haben.

 

Nachbarschaft

Das ist schon ein bisschen der Fluch dieses weltumspannenden Internets. Nicht einmal an einem Strand ist man vor Ablenkung vom Erholungsurlaub sicher. Natürlich gibt es WLAN. Und so kehrte ich heute, noch immer leicht gerötet und deshalb mehr oder minder bekleidet, dem Meer für einen Moment den Rücken und gedanklich in die Heimat zurück. Anlass die neuesten Meldungen von unserem Maut-Minister. Die wirklich hoffen lassen, dass Deutschland auf dem besten Weg zur Weltmacht ist.

Also so ein Hauch von Supermacht und Trumpismus war da nämlich meiner Meinung nach schon zu spüren, nachdem was der Herr Bundesminister jetzt vom Stapel gelassen hat. Zwar hat er es noch nicht getwittert, wie das große Vorbild, aber zumindest war es ganz offensichtlich so eine Art  Wahlveranstaltung, wo er geredet hat. Im Rahmen eines Brauereifestes. Was auf jeden Fall einiges erklären könnte, aber nicht alles.

Da hat der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt laut einer durchaus glaubwürdigen, weil CSU-nahen Zeitung nämlich empfohlen, aufzuhören mit seinem Nachbarn zu reden, falls der sich überlege, bei der Bundestagswahl im September SPD zu wählen. Und da kann ich nur sagen, das ist doch schon einmal ein Anfang. Vielleicht gibt es ja als nächstes Verhaltensregeln für Migranten von ihm, falls die nicht die CSU wählen. Nachdem man mit denen ja sowieso nicht reden kann, kann das dann wohl nur eine handfeste Reaktion sein?

Zwickmühle

Die Autogiganten Deutschlands zittern. Schon bei ihrem ersten Wahlkampfauftritt sind sie von der amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel schwer gerügt worden. Sie, die Autogiganten, hätten nämlich das Label „Made in Germany“ mit ihren Abgasmanipulationen schwer beschädigt. Sie müssten jetzt auf jeden Fall das verloren gegangene Vertrauen wieder herstellen. Und weil die Verantwortlichen in den Autokonzernen höchst sensible Menschen sind, haben sie schon einmal prophylaktisch reagiert. Und eine Lösung präsentiert. Die so simpel ist, dass sie nur als genial bezeichnet werden kann.

Die Menschen sollen sich einfach neue Autos kaufen. Für die auf jeden Fall versprochen wird, dass sie eigentlich kaum noch Schadstoffe ausstoßen. Und weil Autokonzerne Menschenfreunde sind, gibt es für jeden Autokauf auch noch eine Prämie obendrauf. Weshalb der Dieselskandal letztendlich gut für den Absatz und den Umsatz wäre. Jetzt weiß man in den Chefetagen der Autobauer natürlich nicht, ob Frau Merkel damit zufrieden sein wird. Denn schließlich sind alle Autofahrerinnen und  Autofahrer auch Wählerinnen und Wähler.

Doch da gibt es zum Glück noch ein kleines Hintertürchen. Angela Merkel hat bei ihrem Wahlkampfauftakt in der SPD-Hochburg Dortmund nämlich auch angekündigt, dass die Arbeitslosigkeit bis 2025 unter drei Prozent sinken soll mit ihr als Kanzlerin, also Vollbeschäftigung versprochen. Und in der Autoindustrie sind mehr als 800 000 Menschen beschäftigt. Weshalb es knapp werden könnte mit der Vollbeschäftigung, wenn die Automobil-Industrie Arbeitsplätze abbauen muss. Es könnte also sein, dass die Autogiganten nur mühsam das Lachen unterdrückt und nicht vor Angst gezittert haben.

Der Gipfel

Offensichtlich wird es zu einer lieben Gewohnheit. Oder es gab sie schon immer, aber man hat es nicht so gemerkt. Jedenfalls ist das jetzt wirklich der Gipfel. Nachdem die großen Atom-Stromer jahrzehntelang ihren Reibach gemacht haben und mit einem finanziellen Minimal-Zugeständnis jede weitere Verantwortung losgeworden sind, hat der Steuerzahler das Privileg, den Rest der Zeche zu bezahlen. Von der man allerdings noch nicht einmal annähernd weiß, wie groß sie sein wird.

Die Industrie hat mit Plastik gut verdient und verdient immer noch gut. Plastik, das jetzt in verschiedenster Form die Meere zu einer flächendeckenden Müll-Deponie macht, mit gravierenden Folgen. Aber kein Gedanke daran, dass diese Industrie sich jetzt finanzkräftig an der Schadensbegrenzung beteiligt. Das Umschwenken der Discounter auf Papiertüten wird als Durchbruch bei der Schadensbekämpfung verkauft, und um den Rest darf sich auch hier die Politik kümmern. Und – nomen est omen – der Steuerzahler wird wohl demnächst zur Kasse gebeten.

Und jetzt der Dieselgipfel. Jahrzehntelang mehr oder minder direkt vom Staat subventioniert und zur Belohnung diesen auch noch – und mit dessen Wissen? – bei den Abgaswerten betrügend, lassen sich die Konzerne jetzt großzügig dazu herab, ein „Update“ vorzunehmen. Billiger ging es leider nicht. Und um den Rest wird sich hoffentlich wieder der Staat kümmern. Und bezahlen darf natürlich der Steuerzahler. Aber man sollte nicht zu undankbar sein. Schließlich schafft die Industrie höchst lukrative Arbeitsplätze. Zumindest für Aufsichtsräte und Vorstände.

Sinkender Stern

Was haben wir dereinst als Kinder sehnsüchtig nach oben geschaut. Wo verheißungsvoll ein Stern in der Sonne funkelte. Versprach, dass auch wir irgendwann einmal dem Vorstadtviertel entkommen würden, uns nicht mehr nur von A nach B bewegen, sondern auch zeigen könnten, dass wir es geschafft haben. Dass das Wirtschaftswunder auch an uns nicht spurlos vorüber gegangen ist. Und als wir dann größer waren, haben wir die Sehnsucht auf eine gerechtere Welt damit gestillt, dass wir die Sterne von den Motorhauben holten, weil jene, die man uns versprochen hatte, unerreichbar blieben.

Und jetzt das. Nicht nur, dass das, was unter diesem Stern fährt, mehr tödliche Abgase in unsere Innenstädte bläst, als die Hochglanz-Broschüren all die Jahre versprochen hatten. Jetzt wurde auch noch publik, dass unter diesem Stern mit seinem hellen Glanz auch gegen das Kartellrecht verstoßen und damit letztendlich ein ganzes Volk, dem Redlichkeit das höchste Gut ist, geblendet wurde. Unter Tränen habe ich heute Morgen meine Sterne-Sammlung in meinem kleinen rostigen Japaner zum Recyclinghof gefahren.